interview: #2 – WuZeTian – screamo, achern

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

INTERVIEW      WuZeTian

PP:
Moin ihr!
Dann stellt euch mal den Menschen hier vor:

Marco:
also: dominik und fränk =gitarre, tobias=bass, michael=schlagzeug und marco=geschrei

PP:
Wie lange spielt ihr denn schon zusammen? Seid ihr alle aus Achern?

Marco:
wir ertragen uns ungefähr seit dem frühjahr 2011. angefangen hat es damit, dass fränk und ich (marco) einen proberaum suchten, da wir mugge machen wollten und dominik und michael einen proberaum hatten, aber bei ihrer damaligen band nichts mehr ging. und da wir eh noch leute für die combo brauchten, haben wir uns einfach zusammengetan. alles eher ein produkt des zufalls! wir haben dann erst mal lange ohne basser geprobt, bis dann der tobi (auch gitarrero bei the serration) zu uns stieß, mit dem fränk vorher schon in ner band spielte.

in achern direkt wohnt eigentlich keiner von uns, tobias und fränk sind aus sinzheim, der rest stammt aus dem umfeld von achern. da wir aber dort unseren proberaum haben und dorfcombos sich meist in der nächsten stadt verorten, haben wir das auch so gehalten!

PP:
Du empfindest Achern also als eine Stadt, haha!?

Marco:
nun, ich bin in einem kleinen dorf aufgewachsen mit unter hundert einwohnern, daher geht das bei so nem landei wie mir recht schnell! tatsächlich hat achern seit 1808 das stadtrecht und ist seit 1974 grosse kreisstadt, sowie viertgrösste stadt in der ortenau (du merkst ich hab etwas heimatkunde betrieben)! kleinstadt hättest du wohl eher verknusen können, was?! vielleicht hätten wir sagen sollen, wir kommen aus offenburg oder karlsruhe (machen viele so, manchmal reichts wenn einer dort studiert)! provinziell sind sie aber alle! (was jetzt nicht negativ verstanden werden soll).

PP:
Bisher habt ihr nur ein Demo rausgebracht in 2012, wie läuft es bei euch und warum kriegen wir nicht mehr zu hören?

Marco:
unser hauptproblem ist terminlicher natur, da wir alle beruflich ziemlich eingebunden sind. wochenend-und schichtarbeit…, ausser michael der nur am wochenende hier ist, da er studiert. daher schaffen wir max. 2 proben im monat, was sehr wenig ist! auch haben zwei von uns kinder und die familie geht oft auch einfach vor. wenn wir uns dann mal treffen, müssen wir erst mal reden und ein paar biers trinken und dann sind wir einfach zu müde noch musik zu machen! ach, wir sind einfach alt und faul! (so 50/50, eine hälfte is alt, die andere faul und einer ist beides!)

PP:
Naja, das sind einige Gründe, aber habt ihr nicht auch das Gefühl, daß eure Musik einfach eines Labels / Vertriebs bedarf, um euch bekannter zu machen?

Marco:
nein (tobi wird mir jetzt bestimmt die freundschaft aufkündigen), unterstützung ist zwar immer willkommen, grad im bezug auf konzerte und ein vertrieb würde auch helfen, aber im großen und ganzen sind wir unser eigener herr und machen was wir wollen! (diy/dit) ausserdem glaube ich,  haben wir uns mit der obigen antwort für labels schon disqualifiziert. wer will schon alte faule bands mit sinn für die familie! zudem nennt man so was wie uns einen geheimtipp!!!

PP:
Woher kommt euer Bandname, ist der, durch die Groß- und Kleinschreibung WuZeTian, eine Abkürzung?

Marco:
wu zetian lebte im 7/8 jahrhundert und war die einzige frau, die jemals offiziell chinesische kaiserin war (jede frau eines kaisers war natürlich kaiserin, aber wu zetian bestieg tatsächlich den drachenthron). sie kam als junges mädchen in den palast und hat sich angeblich durch intrigen von einer konkubine bis zur hauptfrau des kaisers (dessen vaters konkubine sie schon war) `hochgearbeitet´! angeblich hat sie den kaiser über jahre langsam vergiftet! sie reformierte das reich und führte den buddhismus als staatsreligion ein! es gibt auch viele gräusliche geschichten über sie wie kindsmord usw., aber ich glaube das geschichtsschreibende patriarchat wollte kein gutes haar an ihr lassen. ihre amtszeit gilt auch nur als unterbrechung der tang-dynastie! (so ungefähr, frag wiki!) also nein, keine abkürzung!

wir wollten einfach einen unverwechselbaren namen (wieso immer englisch od. deutsch?) und die schreibweise fanden wir so einfach cooler, wobei sicher jeder muttersprachler die augen rollen würde!

PP:
Oha, China. Wichtiges Thema, oder wird zum wichtigen Thema. Scheint eine außergewöhnliche Frau gewesen zu sein. Seitdem hat sich allerdings einiges getan und das nicht unbedingt in positiver Richtung. Ich mag jetzt keinen Weltpolitik-Diskurs beginnen. Doch die Realität sieht so aus, daß es ein repressives Riesenvolk ist, was da ranwächst und gedeiht. Hast Du Verständnis dafür oder Angst vor dem Wolf im Schafspelz?

Marco:
tja, ich bin kein china experte, aber positive oder negative entwicklung? die menschen sind seit jahrhunderten der willkür herrschender ausgesetzt, ich glaube nicht, dass es früher besser war. ich stell mir vor, dass es z.b. in der kaiserzeit oder unter mao beschissener war als jetzt, aber was weiss ich schon! ein riesenvolk sind die chinesen ja schon, um genau zu sein, das bevölkerungsreichste land der erde. natürlich spielt das weltpolitisch und wirtschaftlich eine grosse rolle, was den westen, glaub ich,  ganz schön nervt. die volksrepublik ist ressourcenhungrig, da kommt man sich ins gehege, siehe z.b. in afrika! interessant finde ich die wirtschaftliche entwicklung, ein kommunistisches land, das sich dem kapitalismus öffnet (ist aber ein eigenes thema). bedenklich ist, dass in solchen systemen menschenrechte und umweltschutz so gut wie nicht zählen, obwohl sich selbst die chinesische regierung darüber notgedrungen gedanken macht. also verlogener als westliche staaten sind die jetzt auch nicht. der westliche reichtum und die lange vormachtstellung der westlichen hemisphäre gründet ja auch auf ein paar jahrhunderte kolonialismus, auch in china (die briten und auch deutsche) und jetzt kommt der westen und sagt so nicht. da kann ich schon nachvollziehen, dass schwellenländer denken, ihr könnt uns mal. wie begründet man z.b., dass hier jeder ein auto hat, aber zu denen sagt, das könnt ihr jetzt nicht auch alle haben. angst, weiss ich jetzt nicht, aber besorgt schon! letztendlich denke ich, dass die zeiten sich immer ändern und jetzt ist evtl. asien dran. andere grosse nationen verlieren an bedeutung, ich kann mir vorstellen, dass die usa in der zukunft ihren einfluss in der welt einbüssen, das britische empire ist ja auch eingegangen! …aber das führt alles zu weit, ich muss jetzt aufhören. so jetzt lieber zum fest noch ein paar elektrogadgets bestellen!

PP:
In Achern finden ja leider nicht so viele Konzerte statt. Schafft ihr es etwas weiter zu fahren und euch Gigs anzuschauen? Wie erlebt ihr die Szene zwischen Karlsruhe und Offenburg?

Marco:
nein in achern, bühl und baden-baden geht nicht so viel, aber in rastatt u. karlsruhe ist schon mehr geboten. In offenburg war ich schon ne weile nicht mehr auf nem konzert, wobei mich ne band mittlerweile schon sehr interessieren muss, um weiter zu fahren! ich hab einfach nicht mehr so viel zeit und bock.  hab auch dass gefühl, schon so viel gesehen zu haben, dass mich nicht -blöd gesagt- jede ami-kapelle hinterm ofen vorlockt.  ich find es für mich eher spannend, lokale bands zu sehen, deshalb sollte man hier vor der eigenen haustür ein bisschen was machen, aber das scheint schwierig zu sein von veranstalter- und besucherseite aus! nur warum?

tobias und fränk bekommen eher mal ihren arsch hoch, dominik sieht es, glaub ich, ähnlich wie ich, bei michael bin ich mir jetzt nicht so sicher!

PP:
Eure Texte sind sehr emotional. Um was geht es Euch?

Marco:
ich bin nun mal ein sehr empfindsames wesen! nun in meiner musikalischen sozialisation bin ich ein kind des 90er (emotiv) hardcore  und die texte sind  halt dass, was aus mir rauspurzelt. ich will bei den persönlicheren texten nachvollziehbar bleiben, aber trotzdem jedem seinen eigenen interpretationsraum lassen. aber alles ist emotional und alles ist politisch, wobei das nicht heissen soll, dass es sich hier jemals um gegensätze gehandelt hat!

PP:
Du hast es gerade angesprochen, was mich, sicher auch aufgrund meines Alters, umtreibt. Was war denn in den (19)90ern so besonders und was fehlt heute?

Marco:
besonders war erst mal, dass ich jünger war und mehr unterwegs (aaargh! schon wieder geht’s ums alter). die neunziger waren sicher in vielem furchtbar, aber was underground/independent musik anging, einfach nur geil, ich bin halt mit dem scheiß groß geworden! früher war alles besser, dass wusste mein opa schon!

heute (bzw. vor ca.10+ jahren) hat die industrie, wie so oft, diese bewegung für sich entdeckt und die kids machen gerne mit. es fehlt mir ein bisschen das herzblut u. der enthusiasmus. alle wollen so professionell sein, style ist meiner meinung nach zu wichtig und keiner will wohl mehr nen standpunkt haben! das ist natürlich nur mein empfinden, aber ich hab das gefühl, damals war das nicht so. natürlich hat sich die gesellschaft und das konsumverhalten durch neuere technik und andere medien verändert. wir sind heute ziemlich schnell gelangweilt! (ich glaub ich skip den song mal!)

PP:
und wie geht es weiter in 2015?

Marco:
wir würden gerne anfang des jahres aufnehmen und etwas mehr konzerte spielen, mal sehen! evtl. auch auflösen und 2025 ne fette reunion!

PP:
Hört nach einem völlig undurchdachten Plan an, hihi! Wie wäre es mit einem kleinen, großen Festival mir allen Lärmbands dieser Gegend? (Schlecht erreichbar für die Zuschauer. Ohne Zeltplätze und zu wenig Bier. Wir spielen uns gegenseitig allen was vor, bringen dann einen 6 Lp Sampler raus und schiessen den in den Orbit, denn hier interessiert sowieso keinen mehr, was Vinyl ist. – auch zu undurchdacht?)

Marco:
ja!
wie wäre es mit einem kleinen keller oder proberaum, der mit 20 leuten gerammelt voll ist, aber alle bock haben! mehr bräucht ich nicht!

PP:
Bedankt!

Marco:
danke felix für deine mühe, ladet unser musik für umme von bandcamp und teilt sie mit eueren freunden!

Discographie:
2012 bunker demo
1000 miles to my heart

2017 Split 7inch
1000 miles to my heart, taste the sword records

2024 LP „alles lebt alles stirbt“
1000 miles to my heart, krachige platten

aktueller Videoclip:
lautstarke filme

 

 

LP: nichts – tiefschwarz

Es ist nicht so, dass ich darauf gewartet hätte, ein neues Album von Nichts zu hören. Allerdings hat die Band ja schon eine sehr interessante Geschichte mit einigen Sängerinnen, und auch Besetzungswechseln an den Instrumenten.
Nur Mikel, der Leadgitarrist und Songwriter ist über all die Jahrzehnte dabei geblieben. (mehr lesen könnt ihr demnächst in dem Interview, welches ich 2019 mit der Band geführt habe – immer Donnerstags gibt es die Interviews aus den vergangenen 12 Ausgaben!)

Im Mai 2025 ist also das Album „tiefschwarz“ erschienen und ist nach langer Zeit dann endlich auf meinem Plattenteller gelandet.
Und ich bin überrascht.
Es ist tiefer und ernster als der Vorgänger „zeichen auf sturm“. Auch gibt es „tiefschwarz“ nun auf Vinyl.
Großangelegte Promo bei allen großen Fanzines, etc. leider nichts bei mir gelandet. Das Label Pomegranate ist wohl ein bandeigenes, denn sie haben sonst nicht weiter etwas veröffentlicht, was ich in der Recherche finden konnte.
Nichts sind auch wieder mal auf Tour im November.

Das letzte Album schon 14 Jahre her! Da ist ein Wort. Dennoch spielen Nichts konsequent Festivals und Gigs.
Im Songwriting hat sich nicht sooo viel verändert. Mikel spielt schon verdammt gut und auch sehr gerne Gitarre.
Da kommt schon ein drittes Mal der Refrain, dann noch ein Solo, dann nochmal ein Refrain.
Die ersten drei, vier Songs, von „mensch oder maschine“ zu „mauern, masken, maschinen“ sind schon richtig gute Gitarrenriffs.
Da sind schöne Erinnerungen an die Anfänge der Band in den 80ern. Sehr schön gespielt. Nicht einfach nur Powerchord-Geklampfe.
Bei diesem Album machen sie einen guten Sprung ins 21 Jahrhundert. Die Sängerin Nina ist ein echter Knaller. Megagut! Die durchlaufenden Synthies sind absolut treffend und nie nervend. Eine gute Ergänzung.
Wiederm die letzten drei Songs „und nichts tun“, „geist“ und der Titeltrack „tiefschwarz“ sind fast ausschließlich elektronisch.
Aber auch, sehr sehr gut.
Mir gefällt das Album durchweg.

 

interview: #2 – stressfaktor – deutschpunk, landau (r.i.p.)

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

INTERVIEW      STRESSFAKTOR

PP:
Moin Markus!
Euch gibt es schon so viele Jahre und ihr seid durch eine Menge Höhen und Tiefen gegangen. Und nun ein neues Album „Zurück auf Null“. Wieso dieser Titel? Habt ihr den Reset-Button gedrückt und seid noch mal 20?

Markus:
Ganz so einfach ist es nicht. Dieser Titel hat  für die Band und das Album mehrere Bedeutungsgrade. Die Band begleitet uns ja mittlerweile 17 Jahre und die Titel und die Songs gaben immer  ein Stück dieser Zeit wieder. So ist es auch bei „Zurück auf Null“. Zum Einen, da unser Wegbegleiter Christian (Bass) während den Aufnahmen seinen Rücktritt bekannt gab, was sich,  wenn du so lange zusammen in einer Bandfamilie bist und etwas weg bricht, anfühlt als würde man als solch eine wieder bei Null anfangen müssen.

Andererseits zielt der Titel auf den exponentiell schreitenden Entwicklungsprozess der Technik ab. In der heutigen Zeit wird alles Computergesteuert. In der Gesellschaft ist dies zu einer Abhängigkeit geworden, die aus dem Alltag vieler nicht mehr wegzudenken ist und 0 und 1 im Leben bereits fest verankert sind.

PP:
Euer Konzertkalender war dieses Jahr leider sehr leer. Macht ihr mit dem Album im Gepäck eine Tour in 2015 oder Konzertwochenenden?

 Markus:
Das ist wahr, aber in diesem Jahr hatte die Fertigstellung des neuen Albums absolute Priorität. Für 2015 erhoffen wir uns ein Konzertreiches Jahr – also immer her mit Konzertanfragen.

PP:
Laut Vita seid ihr nun seit 1997 zusammen als Stressfaktor unterwegs. Sehr oft spielt ihr seitdem auch mit der Band Ueberdosis Grau. Was verbindet Euch?

Markus:
Mit Ueberdosis Grau verbindet uns eine sehr lange Freundschaft (1995).
Und was macht  mehr  Spaß, als mit guten Freunden unterwegs zu sein, vor allem wenn man sich ansonsten nur sporadisch trifft? Da sind gemeinsame Abende schon etwas sehr schönes und  eine Seltenheit.
Zudem durfte ich ihre beiden Alben produzieren und veröffentlichen.  

PP:
Wie gut passt ihr nach so einigen Besetzungswechseln zusammen? Treibt euch eine gemeinsame Meinung an, oder gerade, dass ihr verschiedener Meinung seid?

Markus:
Die seit 2006 bestehende Besetzung ist wohl die intensivste die wir je hatten, da wir uns von der Grundattitüde her auf einem Konsens befinden.
Was den musikalischen Geschmack anbelangt, bestehen zwar etliche Diskrepanzen, aber das ist gut so, denn das macht das Ganze interessant und uns als Band auch irgendwo aus.

PP:
Seit dem ersten Album sprecht Ihr mehr die miesen Seiten im Leben an und brettert das mit geballter Gitarrenladung nach draußen. Hat sich in den 17 Jahren denn nun gar nichts verbessert, verändert?

Markus:
Natürlich gab es viele Veränderungen, ob diese nun gut oder schlecht waren sei  dahingestellt. Dennoch ist der Antrieb dessen was mich nicht zur Ruhe kommen lässt größer als der der „schönen neuen Welt“.

PP:
Was erwartet denn den Hörer auf Eurem neuen Album?

Markus:
Eine geballte Ladung dessen, was uns ausmacht.

Bei dieser einen Seite hatte ich es damals belassen.
Hier noch Stressfaktor mit „april“ – ist wohl das letzte Lebenszeichen gewesen

 

 

LP: tremöre /w lhuma – amor & psyche Split

Die beiden Bands TREMØRE und Lhuma haben gemeinsam diese LP rausgebracht in Eigenregie.
Lhuma sind keifender Hardcore und 2000er Screamo die hier aufeinander treffen. Sehr abwechslungsreich. Auf unterschiedliche Arten wird ordentlich geprügelt.
Der 5te Song „teiler“ ist für mich der Anspieltipp.

Sozusagen der repräsentativste Song. Alle Songs sind kurz & knackig gehalten. Wütende Gedichte verpackt in emotionale Lieder.
Die Gesellschaft, die nach dem Mehr und dem Größer strebt, der scheinbaren Unermeßlichkeit des Kapitalismus nachhängt. Vor allem die Erde kommt damit nicht klar.

Die zweite Seite bespielt T͎͎R͎Ë͎M͎Ø͎R͎͎E͎.
Einesechsköpfige Band aus Berlin.
Sie haben einen eher rougheren Sound und ich würde sagen, sie haben mehr Crustpunk in der Mucke und ballern richtig nach vorne.
Der erste Song ist zwischen dem Wahnsinn von Yacopsae und JaKa angesiedelt. Empowerviolence!
Im Vergleich zu Lhuma sind deren Texte geradezu herzlich. Tremore wirken wesenltich politischer und angreifender.

reich sein muss sich wieder lohnen
häuser kaufen nur im sommer drin wohnen
kleingewerbe gründen kein mindestlohn
ihr kotzt mich an mit eurer disintegration
bis die langeweile wieder in dir wächst
bis du wegziehst und die finanzkrise hinter dir lässt
silversurfer

Zwei sehr unterschiedliche Band in Musik und Text, inhaltlich.
Beide Seiten haben mich überzeugt.
Transparentes Vinyl mit blauen Schlieren und Textblatt.

Gibt es direkt bei den Bands (Bandcamp)

LP: 5-way-split meißzel, ikigai, apousia, azzacov, portreit

ab und an müssen, dürfen es Blast-Beats sein und heftiges Geschrei.
ikigai machen den Anfang. Schwer technischer Screamo mit Metal Einflüssen. Erinnert mich teils an die 90er mit ACME oder Golgatha, fiese Akkorde aus der Hölle gepaart mit Melodie-Geschrubbe wie bei Drei Affen. Ziemlich geiler Einstieg. Emoviolence nennen sie es, kommen aus der Schweiz.

Apousia wirken etwas frischer, noch nicht ganz so eingespielt. Screamo. Aus den Niederlanden. Zieht ziemlich schnell durch. Blast-Beats. Hat eine gute Energie.

Meißel. Geil. Zwei abwechslungsreiche Songs. Ich bin Fan des Zwei-Mann-Projekts aus Karlsruhe.

azzacov, die Band, die wohl dieses Projekt der fünf Bands zusammengetrommelt hat, machen fesselnden Skramz. Die Stimmeklingt ein wenig wie aus einem Hexenkessel, ich kann sie nicht richtig greifen. Gut gespielt und aufgenommen.

portrëit kommen aus Gießen und bringen mit 7 Minuten den längsten Song in die Rille. Beginnt als Emo-Song, macht aber noch ordentlich Screamo im weiteren Verlauf.

Ist erschienen via ZilpZalp Records, Dingleberry Records
und Friendly Otter Records

 

interview: #2 – we had a deal – screamo aus ludwigsburg (r.i.p.)

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Interview  WE HAD A DEAL

Plötzlich stürzte diese Band in mein Gehör. Nein, eigentlich zuerst in mein Auge. Denn ich sah die Split 7inch mit Coma Regalia irgendwo im Äther schwirren und griff zu. Ein paar Tage später war dieses wirklich toll und aufwendig gestaltete Stück Kunst bei mir. Ein Kartonringbuch mit einem Cover von schwarzer rand, der bspw auch schon Arbeiten für Pascow oder A Tidal Sleep gemacht hat. Aufgeklappt mit eingeklebtem Booklet und der Single.
Ich konnte also nicht anders, als Micha von WE HAD A DEAL anzuschreiben und ein paar Fragen zu stellen:

Micha:
Wir sind eine vierköpfige was-auch-immer-core-Band bestehend aus Serkan am Bass, Uli an der Gitarre, Sascha am Schlagzeug und mir, Micha, am Gesang, wenn man Letzteres so nennen kann.

PP:
Auf Eurer schönen, aber auch knapp gehaltenen Homepage, kann man erfahren, dass ihr 2008 das erste Demo rausgebracht habt. Wie lange gibt’s Euch denn schon? Immer noch in derselben Besetzung?

Micha:
Sagen wir mal so, uns gab es schon etwas vor der ersten Demo. Allerdings mit wechselnder Besetzung und wechselnder „musikalischer Ausrichtung“. Seit dem Dialectics-Album vor ca. zwei Jahren ist die Besetzung und „Ausrichtung“ allerdings konstant geblieben und das ist dann We Had A Deal geworden. Bandvorstellungen, Biografien und solche Sachen liegen uns nicht besonders, deswegen ist die Homepage so knapp gehalten. Sich selbst zu beschreiben ist ja auch immer irgendwie mit Eigenwerbung verbunden und dafür ist uns leider das namhafte Managerteam von Helene Fischer durch die Lappen gegangen. Schade eigentlich, ein Keyboard und ein E-Drumset hätten wir schon in petto gehabt.

PP:
Ja, schade. Ihr macht die Musik und Helene fliegt über euch hinweg und lautem Gekreische…… Das heißt wohl, ihr habt euer Marketing selbst in der Hand! Und so kommt es, daß viele kleine Labels an euren Platten beteiligt sind.

Micha:
Prinzipiell finden wir es immer besser, mehrere Parteien zu involvieren. Dass das dann vielleicht vergleichsweise „kleine“ Labels sind, ist auch so gewollt. Wir fühlen uns mit der Band mehr in der DIY-Ecke zu Hause, mögen die Platten, die sonst noch bei den Labels rausgekommen sind, und freuen uns, da dann auch selbst rauszukommen. Das macht für uns als Band mehr Sinn so. Mit vielen davon stehen wir ja auch vor oder durch die Platten in regem/engem Kontakt. Auch wenn’s langsam ausgelutscht klingt, aber Do-It-Yourself finden wir schon wichtig. In der Regel organisieren wir alles um die Platten rum selbst, ich gestalte die Artworks und regele allen anderen Organisationskram. Das ist zwar aufwendiger, verbessert aber das Gefühl nochmal um einiges, die Platte am Ende in der Hand zu halten und zu wissen „das ist meins“.

PP:
Mit wem hattet ihr denn einen Deal und warum ist der hinfällig? Sprich, wie kamt ihr auf euren Bandnamen?

Micha:
Jaja, die Deal-Sache. Wir haben unseren Namen nach einem Onelinedrawing-Songtitel gewählt, weil wir etwas haben wollten, unter dem man sich musikalisch nichts vorstellen kann, wenn man den Namen hört, und wir alle gerne im alten Proberaum die Jade-Tree-Sampler gehört haben, auf einem davon war der Song drauf. Außerdem fanden wir, es würde irgendwie deprimiert klingen und daher zur Band passen… und „My bloody murder dwells in the death of autumn’s darkness“ war einfach irgendwie zu lang. Dass das auf einen echten „Deal“ bezogen wird, das ist uns unglücklicherweise erst später aufgefallen. Aber mit Bandnamen ist das ja so eine Sache. Nach zwei Monaten würde man ihn am liebsten wieder ändern, weil man fünf neue Vorschläge hat, von denen man jetzt viel überzeugter ist. Das ist glaub ich immer so. Von daher bleiben wir jetzt einfach bei der Deal-Sache.

PP:
Vieles in Euren Texten ist mehr Poesie als die üblichen Reimschemata und Versmaß. Manchmal wirkt das auf mich wie ein vertontes Gedicht. Dadurch hebt ihr euch ab von all den oft genug inhaltlosen HardcoreBands. Wer schreibt die Texte?

Micha:
Danke für das Kompliment. Die Texte schreibe ich, mit Reimschemata tue ich mich dabei ehrlich gesagt echt schwer. Das Ganze möglichst bildlich zu halten, liegt mir glaub ich mehr. Die Anderen geben mir da ziemliche Narrenfreiheit, lassen sich aber die Texte vor den Aufnahmen geben und teils erklären. Das macht das Ganze etwas einfacher, weil ich weiß, dass ich „singen“ kann, was ich möchte, aber wenn es völliger Quatsch wäre, mit dem die Anderen nichts anfangen können, würde sich rechtzeitig jemand melden. Die Texte von Anderen zu singen wäre irgendwie seltsam, weil sie ja nicht direkt was mit mir zu tun hätten.

PP:
Habt Ihr eine klare Aufteilung, was das Songschreiben angeht?

Micha:
Bis auf „Musik = alle“ und „Texte = ich“ gibt’s eigentlich keine richtige Aufteilung. Wer Ideen hat, bringt die zur Probe mit und wir schauen, was den anderen dazu einfällt bzw. was man damit bauen kann. Im Normalfall sind alle Texte schon fertig bevor wir die eigentlichen Lieder schreiben. Die Musik dazu entsteht in der Regel später im Proberaum von allen gemeinsam, was manchmal etwas zeitaufwendig sein kann, aber auf jeden Fall sicherstellt (jedenfalls haben wir das Gefühl), dass alle ihre Ideen einbringen können und am Ende mit den Liedern zufrieden sind. Oft sind es ja auch zusammenhängende oder sich aufeinander beziehende Texte. Weswegen ich dann mit zig ausgedruckten Texten im Proberaum stehe und überlege, welcher jetzt passen könnte oder wie man welchen Text ändern müsste bzw. wie wir die Musik zusammenbauen müssten, damit ich den Text auf die Musik packen könnte. Wir schreiben relativ lange an Liedern, weil wir ständig etwas umändern bis es für alle so Sinn macht. Von den meisten Liedern haben wir mehrere unfertige Versionen über die dann ganz wie im Debattierklub diskutiert wird. Neue Musik entsteht im Normalfall blockweise. Also wir wissen, dass wir was aufnehmen wollen, und schreiben dann Songs. Wenn die Platte fertig ist, ist erstmal wieder gut mit Debattierklub und ich schreibe schon mal die nächsten Texte. Aber ich denke, das machen die meisten anderen Bands ähnlich.

PP:
Man merkt, ihr habt etwas zu sagen, eine Meinung. Ihr bedeckt Worte mit gesundem Lärm, empfindet die Erde als flach und hasst, was „Du“ tust. Ist natürlich alles etwas aus dem Zusammenhang gerissen, wie das so ist, mit Zitaten. Doch immer wieder scheint ein Augenzwinkern durch.
Ist das Leben Schön? Die Realität möglich?

Micha:
Gute Frage, vielleicht könnte man sagen: Es kommt darauf an. Die Texte sind ja in erster Linie persönlich gehalten und da gehört sowas wie eine Meinung und eine Aussage auf jeden Fall immer dazu. Denn auch wenn wir das Politische in unseren Songs nicht immer explizit machen, steckt es doch immer drin, eben in Metaphern und Bildern verpackt. Eine gewisse zweiflerische Grundstimmung und hoffentlich eine spürbare Attitüde sind uns also auf jeden Fall wichtig. Vielleicht könnte man sagen, „positiv pessimistisch“ trifft es ganz gut. Augenzwinkern ist auf jeden Fall trotzdem das Unverzichtbarste aller Utensilien gegen allzu kryptische Lebenseinstellungen. Sich selbst nicht zu ernst zu nehmen ist definitiv gesünder. Wenn das alles dann für jemand anderen Sinn macht, sie_er sich da andocken kann und was für sich rausziehen kann, ist die Operation geglückt. Sich im Selbstmitleid suhlen, so völlig ohne (Selbst-)Ironie, kann funktionieren, wird auf die Dauer aber auf jeden Fall nervtötend. Die Texte sind trotzdem meistens nicht gerade positiv oder optimistisch. Aber das würde anders für mich persönlich auch nicht funktionieren. Wenn es mir gut geht, bringt es mir selbst nichts, das aufzuschreiben, da fallen mir  passendere Beschäftigungen ein. Frustration in Texte zu verpacken, hilft dagegen ungemein.

PP:
Wie geht’s weiter bei Euch?

Micha:
Im Moment arbeiten wir an unserer eigenen Parfümmarke, studieren fleißig Sambachoreographien ein und wir bringt zu Weihnachten unsere neue Kleiderkollektion für Hunde mit Arthritis raus. Ist das erstmal geschafft, wird im Frühjahr dann zusätzlich eine neue Platte mit 7 Songs drauf rauskommen. Dazu gibt’s dann einige Konzerte übers Jahr verteilt und die eine oder andere Tour.

PP:
Ich freue mich drauf, mehr von Euch zu hören! Danke für das Interview und noch die abschließende Aufforderung: gibt’s noch mehr hörenswerte Bands in eurem Umfeld?

Micha:
Ja, gerne doch. Also, außer den unsäglichen PUR kommen aus der (nicht immer geografisch unmittelbaren) Ecke auch noch:

rêche – I Refuse – PSSGSReznik SyndromMahlstromKyrest – French Nails – The Tidal Sleep – Hell&Back – Kuballa – Akela – An Early Cascade
Sending LightsYounger Us (in fetter Schrift die, die es noch gibt. Bei den andern sind manche Releases schon 6, 7, Jahre her. Jedenfalls jede Menge, in was ihr reinhören könnt)

…und noch ein ganzen Haufen mehr, die ich hier jetzt sicherlich vergessen habe.

LP: theilen – niederbrennen weitermachen

Theilen haben ihren ersten Longplayer raus. Sie haben sich nach dem Antifaschisten Fritz Theilen (war Teil der Ehrenfelder Gruppe in Köln und auch der Edelweißpiraten, und hat seinem HJ-Jungzugführer in die Aktentasche gekackt) benannt und machen Punkmusik, ich denke ich kann sagen, inhaltlich auch in seinem Sinne.
Theilen machen Deutschpunk des 21 Jahrhunderts. Klar, angepisst, eine Seite „niederbrennen“, es geht um Themen „Dorfmatraze“ oder „Brautstrauß“, die man safe abfackeln kann, zweite Seite „weitermachen“ dann eher witzigere Themen wie „Autobahnkirche“.
Darauf kann man echt nur kommen, wenn man viele Kilometer auf Autobahnen unterwegs ist und bspw darüber rätselt, wie einzelne Schuhe liegenbleiben können. So beschäftigen sich Theilen also mit diesen kleinen Kirchen an lauten Strecken. Vielleicht hilft ein Stoßgebet bei der Verkehrslage.
Der Song „Rana Plaza“ (es geht um die Textilfabrik, die zusammengestürzt ist in Bangladesh) war auch schon auf dem Demo, den find ich tatsächlich total gut!
„aluhüte“ bezeichnen wir heute noch so, wobei sich der Kontext geändert hat. In den 80er ging es ja tatsächlich darum, die atomare Strahlung abzuhalten. Heutzutage sind es Esoteriker und Antisemiten, die in Reichsbürgern münden.
Der letzte Song ist „kein Freund, kein Helfer“, klar, um was es geht.
Ich finde immer wieder bemerkenswert, entschuldigt, wenn ich mich da nun selbst kurz einbringe, wie schnell Konservative (und solche, die noch weiter Rechts stehen) das Argument bringen, wenn man gegen den deutschen Staat singt, gegen die Cops, die wahrlich oft keine Unterstützung für Linke sind und auch nicht sein wollen, dann ist man gleich ein Staatfeind und will die Demokratie abschaffen.
Ne, wollen wir nicht. Wir wollen, dass es gerecht zugeht. Knüppelt doch mal die Faschos bei ihren Demos platt!

Der erste Song, der auch als Video erschien, „hadamar“ handelt von einer psychiatrischen Klinik in ebenjemen Ort, die im Dritten Reich als Tötungsanstalt missbraucht wurde, um Menschen mit Behinderungen zu ermorden.

Was – all in all- komplett DIY ist, ist echt hart zu liken. Gebt Theilen eine Chance eure Ohren, euer Hirn und auch euer AZ oder was immer zu erobern.

Sehr cooles, übersichtliches Cover.
Erschienen bei RilRec und Raccoone Records. (eigener Shop im Link)
Rilrec hat ihren Shop beim Grand Hotel van Cleef laufen.

Diese Review wird auch relaiv zeitgleich in ähnlicher Version beim Vinyl-Keks erscheinen.

buch: Claus Oistric – als der vorhang fiel (punk in wien)

Mein schlechtes Gewissen hat mich echt über Monate geplagt. Dieses tolle Buch neben meinem Bett zu haben und einfach mal nullkommanull zum lesen zu kommen…. erstmal: es ist ein echt flüssig geschriebenes Buch.
Zumal kann man es ja lesen, wann man will!
Zum andern: ich war einfach irre viel mit der Arbeit unterwegs, Kinder, Band, Provinzpostille, Vinyl-Keks, ich kann ja manchmal gar nicht Nein sagen, wenn es um Musik geht; nur das Lesen, das bleibt dann auf der Strecke.

Mir Wien verbindet mich eine fantastische Klassenfahrt, ein Besuch in einem Comicladen und die Entdeckung von Sin City von Frank Miller ebendort. Dazu lebte meine Schwester ein paar Jahre in Wien.
Leider bin ich schon ewig nicht mehr dort gewesen.
Dafür kann ich nun, buchstabengenau, nachlesen, was in meiner Jugend, ca 900km weiter östlich, in Wien abgegangen ist.

Claus Oistric, der Autor dieses Buches, ist nicht sehr viel jünger als ich, beginnt in den 70er Jahren, das mit den 90ern im Titel ist also ein wenig irreführend, es Bedarf aber den Anfang, damit man einen chronologischen Einblick in die Szene bekommt.
Klar, manches entwickelt sich einfach über Jahre, Protagonist*innen kommen und gehen oder entwickeln sich halt weiter. Spielen nicht mehr in einer Band sondern veranstalten Konzerte o.ä.
Interessant ist der Fakt, dass Wien ja nur durch die Donau und ein paar Kilometer getrennt vom Ostblock liegt. Man behauptete lange, dass dort eine „tote Stadt“ zu finden sei.
Ende der 80er ging es dann los. „Alle“ waren auf der Durchreise in Wien und / oder machten Zwischenstation. Claus vergleicht das mit einer Netflix-Serie, die in die vierte Staffel geht. Zu jeder Zeitperiode ließe sich eine drehen. Warum eigentlich nicht?
Es wäre mal was, was ich UNBEDINGT ansehen würde wollen; und nicht aus Langeweile dann halt mal anschauen.

Leider findet sich zu manchen Bands so gar nichts im Netz, sodass man ein Hörbeispiel in die Ohren bekommt.
Da waren die Bands in der Ex-DDR wohl irgendwie einfallsreicher oder besser im archivieren ihres Oevres.
Ein paar Bands kenne ich, wie zB Truemmer sind Steine der Hoffnung. Die allerdings auch eine LP raus haben, die in meinem Besitz ist.
Die meisten Bands aus den 80er Jahren sind mir nur entfernt bekannt.
Kulta Dimentia, Pöbel, Target of Demand, Extrem, Bloody Mary, Programm C, Die Böslinge.

Wie auch immer, ihr könnt über Konzerte, Hausbesetzungen aber auch Clubs in denen erste Shows stattfanden lesen. Einige Fanzines, wie auch namhafte Veröffentlichungen werden erwähnt.
Alles ist recht kurzweilig geschrieben und ab und an mit einem Foto „belegt“.
Ich finds gut!

Claus Oistric, „Als der Vorhang fiel. Punk im Wien der 90er“. € 22,– / 180 Seiten. Verlag Glitzer & Grind (hat sich ohnehin der Musikszene Österreichs verschrieben) / Milena (Link zum Kauf.), Wien 2023
Klar, gibt es auch in einschlägigen Buchhandlungen.

7inch: nakam /w ausgebombt Split.

Ausgebombt und Nakam bringen via Kink Records ein paar harte Songs auf klassisches 7inch Vinyl.
Schwarz-weiß all in all, man könnte sich die Bildchen des Artwork auch prima direkt in die Haut stechen. Find, das sieht ja alles ganz gut aus!
Ich fange mal an mit Nakam, die Band gibt es nicht mehr, Redaktionskollege Der Riedinger schredderte hier die 6-Saiten. Zu Corona-Zeiten, im Mai 2021, haben sie noch zwei Songs in einem Studio in Tübingen aufgenommen. Die Songs lagen so „rum“ und man heckte mit Kink Records den verrückten Plan aus: wir machen eine Split 7inch mit Ausgebomt daraus.
Gut. Bis hierhin immer noch schlüssig, warum sollte man sowas auch nicht tun.

Nakam ist düster, melancholischer Punkrock, zwei englisch-sprachige Songs „all is lost“ und „winter“

winter is a life sucker
it makes me wanna fight
winter is a life sucker
it makes me wanna die

Wir könnten jetzt über den Umzug in ein wärmeres Land sprechen oder über die Musik.
Okay… wir sprechen über die Musik:
die Grundstimmung düster und der Sänger drückt mit seiner Stimme auch in diese Kerbe, klingt ein wenig nach Oi-Punk, dieses Rostkehlchen!

Apropos: Ausgebombt covern Cock Sparrer. Es scheint da also schon in diese Richtung Oi, bzw. Working Class gespielt zu werden.
Auch sehr Oi-lastig, der Sänger drückt ordentlich
„Landsmannfrage“ geht um eine Migrationsgeschichte. „white line fever“ ist eine Aufforderung an sich selbst rauszugehen, die Boots anziehen und gehen auf die Strasse und machen uns neue Freunde, wie auch neue Feinde.

Ausgebombt – haben in 2025 übrigens noch eine weitere 7inch rausgebracht.

Ich habe das Gefühl, bei Nakam herrschte melancholische Fröhlichkeit, während Ausgebombt drücken und schieben.
Kink Records. 500 Stück. Schwarzes Vinyl. Get it.

Dieser Review erscheint auch beim Vinyl-Keks.

LP: post regiment – post regiment

Refuse Records bringen ein Reissue, es ist nicht das erste, was ich bemerkenswert finde, denn die Band Post Regiment (Wiki-Eintrag) ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.
Es ist eine polnische Band aus den 90er Jahren, die mit ihrer Art Musik wohl auch in gewisserweise einen Stilprägenden Einfluss hatten.
Okay, dann mal ausgepackt das gute Stück und lasst uns mal rausfinden, was es rauszufinden gibt!

Das Artwork finde ich schon mal sympathisch quadratisch. Auch die Farben.
Als Gatefoldcover mit fettem Booklet in Vinylgröße und der Platte in schwarzem Vinyl. Das ist wohl auch schon wieder die 2nd Press von der Wiederauflage der selbstbetitelten Platte von Post Regiment.

Ich blätter ein wenig drin rum, während ich auf die ersten Töne warte: die Sängerin ist mir sofort sympathisch wegen des Rostok Vampires T-Shirts, welches ich auch zur selben Zeit im Süden von Deutschland trug. Ich sang nur nich in so einer coolen Band!
Hier: atmet mal ein wenig die stickige Luft der 90er Jahre. In denen man noch in den Clubs rauchen durfte und als Sänger*in im Grunde keine Luft bekam. (ich fands schrecklich als Sänger!)
und VH8 oder ähnliches waren unsere Medien, mit denen wir umgehen mussten. Mieser Sound, miese Bildquali. Aber geil.

Post Regiment ist eine melodische Hardcore Band. Im Gegensatz zu den erwähnten Rostok Vampires, die um einiges düsterer, dennoch nicht weniger melodisch waren.
Sie spielen wirklich schnellen Punk, hochgeschwindigket, die Sängerin immer geraderaus und mit tollen Gesangslinien. Es war nicht so weit verbreitet, dass Frauen in Punk- oder Hardcorebands gesungen, bzw mitgespielt haben, dafür dann aber umso bemerkenswerte Musik, wenn sie beteiligt waren!
Der Sound ist insgesamt schon sehr gut, dennoch wirkt der Gitarrensound seltsam hochfrequent und dadurch gar nicht mal so fett. Eventuell ist es ja den Aufnahmebedingungen damals geschuldet, denn man darf nicht vergessen, dass der Eiserne Vorhang erst drei, vier Jahre vor der Veröffentlichung (1992) fiel. Gegründet hat sich die Band 1986 in Warsaw.
Die Lyrics sind komplett auf Polnisch gesungen und sind in einer englischen Übersetzung im Booklet zu finden!

Richtig gute Platte!
Bekommt ihr bei Refuse Records (er verschickt auch in Deutschland) oder beim teuren Coretex.

 

Die Review erschien schon beim Vinyl-Keks. Aber: geile Scheibe, hier auch nochmal!