MC: brave men run – home (zine edition)

Es folgt der vielleicht kürzeste Review ever:

Brave Man Run kommen aus Neuss und haben ein schlichtes, grünfarbenes Tape mit einem A6-Booklet rausgebracht.
Das schaut schon mal sehr schön aus.
Ein verlottertes Kreuz macht sich auf, eine Vogelscheuche zu sein.
Der Release heißt „home“ und es gibt 10 Songs zu hören.
Alle Texte sind handschriftlich abfotografiert und teilweise collagiert im Booklet.

Die Musik vom Duo ist so eine Dinosaur Jr., Sonic Youth-Geschichte und ja, ich tippe nur, da sich dieser Teil der Grunge, Indie-Musik irgendwie bei mir nie verfangen hat. Was nicht heißt, dass das nicht ein echt guter Release ist.
Sie nennen es Noise Pop.
Erschienen bei Moertel Sounds in 50er Auflage.

LP: allee der diktatoren – antifunktionierer

Man muss ja nicht immer gleich ein neues Genre aufmachen, aber bei der Allee der Diktatoren muss ich etwas an den „Punkrock“ anfügen, was da so gar nicht reinpassen will. „Kraut“. Lest weiter und ihr werdet erfahren, welch ausgetretene Pfade auf dieser Platte verlassen werden.

Ein Splash-Cover ist quasi zu zerstören, um an die LP zu kommen. Ich find das ja tatsächlich ganz witzig, wenn man Cover upcycled. So Dinger, die eh in 1€-Kisten verlottern und auf jemanden warten, der sie in ein Archiv überführt, sind doch bestens dafür geeignet, neue Cover draus zu machen.
LP kommt weg, Innenhülle kann man auch noch wiederverwenden, Außenhülle wird mit Siebdruck versehen.
Allee der Dikatoren sind aus einem gelben Farbeimer auf die Frontseite „geworfen“ worden. Sehr schön!
300 Plattencover vorne und hinten zu bedrucken ist aber auch ordentlich Arbeit, das kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen! (endlich eine:) (x)punkArbeit hat diesen Auftrag ganz vorzüglich erfüllt!

Zur Musik gibt es dann doch auch etwas zu sagen.
10 Lieder, je fünfe auf einer Seite, und eigentlich enttäuschen mich die Allee der Diktatoren. Bei Abbruch Records hab ich jetz nicht mit so Singer-Songwriter-Mucke, vermischt mit Krautrock, gerechnet.
Bisschen Ton Steine Scherben, Milliarden oder auch Spaß-Rock-Funk wie alte Red Hot Chili Peppers, dazu rotziger Punk mit ziemlich wild klingenden Verzerrern.
So ernst die Texte gemeint sind und so ernsthaft sie auch formuliert sind, ist doch sehr viel Spaß in der Musik und der gesangliche Vortrag könnte auch bei einer Funpunk-Band stattfinden. Der Vocalist hat ganz offensichtlich tierisch Freude daran, alles komplett durchzusingen, da er sehr viel Spaß hat mit seinen Melodien. Da bleibt einiges hängen.
Mal abgesehen von den Texten!
Auf Seite 1 ist es „jeden Tag ist Krieg“, der ganz großartig gedichtet ist!

von Mund zu Mund
von Ohr zu Ohr
schreit eure Dummheit laut im Chor
meine Mission heißt
jeder gegen jeden
und eure Spaltung ist das, woran mir liegt
jeden Tag ist Krieg

Musikalisch erinnert mich das Straighte, nach vorne Gerockte an DxBxSx. Da biegt dann auch mal ein triodischer Part auf die Allee der Diktatoren! Einige beinharte Punks werden mit den Ohren zucken, wenn sie das hören oder lesen, denn beide Bands sind wahrlich keine Punkrocker. Nein, es ist ein Ventil, jede Menge (in Musik verpackte) Kritik loszuwerden.
Seite 2 wird eindeutig rockiger.
Sie bedienen sich schon bei bekannten musikalischen Motiven, „manipuliere mich“ habt ihr sicher schon mal bei ZZ Top gehört – oder sowas Ähnlichem! Wird rock-poppig. Eine wilde Mischung, auch ein wenig space-rockig, wobei Allee der Diktatoren nie einen Soundteppich machen, sondern immer schön drücken!
Im beiliegenden Infoschreiben steht, dass die Band das an zwei Tagen live aufgenommen hat. Was wohl bedeutet, wenn man die Platte durchhört, dass sie wohl sehr viel Erfahrung haben, gepaart mit unbändiger Spielfreude und erheblicher Präzision. Die haben schon echt Bock zu spielen.

„Architektur des Scheiterns“ ist dann der Song auf der zweiten Seite, den ich hier erwähnen möchte:

in den Fängen der Hoffnung
die nichts verspricht
weil sie weiß, dass Versprechen
am Ende viel zu oft
lügen heißt

Wer auf einen bunten Strauß Blumen steht, die einem auf der Allee der Diktatoren auf den Weg, vor die Füße geworfen wird: heb ihn auf, sammel sie ein, höre!

Den kompletten Release gibt es bei Spuckifei, da kriegt ich mich nicht zu. Hier also ein Deezer Link, dort gibt es nur einzelne Tracks aus dem Album. Warum eigentlich. Dann hör ich mir halt die Schallplatte an.

 

LP: duesenjaeger – solaire

Lange habe ich mir Zeit gelassen, die kleine Tour verpasst; ja, irgendwie war ich ein bisschen müde, nachdem ich Duesenjaeger in Freiburg und im P8 Karlsruhe gesehen hatte.
Es ist dann doch recht oft der selbe Stiefel an Tempo, der durchgedrückt wird. Da schau ich mir dann doch auch mal ne neuere Band an.

Und an diesem Punkt überrascht die neue EP von Duesenjaeger dann doch!
„solaire“ bringt fünf neue Stücke auf zwei Seiten verteilt.
Letztes Jahr aufgenommen, komplett fertig gestellt und schon zur Tour im Oktober käuflich zu erwerben.
Das tat ich via flight13.

Mit „kantholz“ legen sie mit einem Song los, der gut auf jeder Platte vorher hätte schon stattfinden können. Auch die Snare und Basedrum haben so einen Signature-sound, der halt eben das Klangbild von Duesenjaeger ausmacht.
Die Melancholie mochte ich immer sehr.
Die Weiterentwicklung findet, wie bei andern Bands, die da immer groß drüber sprechen, hier nicht statt. Es sind eher Nuancen, kleine Schlenker, die ein paar Nuancen Grau herausarbeiten (ein Bezug auf das Covermotiv).

In Punkto Riffs „dekadenzdisko“ denke ich eher an Manowar, wäre da nicht der typische Gesang und die Melodie auf der Gitarre.
Bis hier hat sie mich also noch nicht, die Platte.
„niemandsland“ ist ein Song gegen Krieg, der mit wenigen Worten das umschreibt, was auch ich denke!
Auf Seite zwei sind nur zwei Stücke, „am ende“ noch bei 3 Minuten, während sie mit „solar“ dann knapp an die 7 Minuten rangehen. Ein echt besonderes Riff, was eine Drehung im Riff hat, die man nicht gleich nachvollziehen kann.
Find ich richtig gut!
Doch ja, die zweite Seite gefällt mir echt gut.
Und es ist nun wirklich nicht die Überplatte 2025 gewesen. Ich habe aber auch das Gefühl, dass das Duesenjaeger gar nicht sein wollen! Auch das ist gut so!

Erschienen bei myruin. Ich habe die schwarze Variante, passt zum Artwork sehr gut. Gibt es in verschiedenen Farben in Kleinstauflagen zu haben.
Es sind von einigen älteren Releases neue Pressungen erhältlich!

MC: vier – rastatt hardcore

Ich hab die Farewell-Show verpasst. Hach…
Nun hab ich aber das Tape vorliegen und mit Freude immer wieder durchlaufen lassen.
Vier machen nicht da weiter, wo ihre ersten beiden Releases (eines auch bei Krachige Platten) aufgehört haben, nein, es gibt ein paar Nuancen mehr zu hören!

Vier Songs auf dem Vier Tape. Hehe.
Man merkt schnell die Weiterentwicklung, den guten Mix aus diversen Genre. Teilweise erinnere ich ich sofort an die ersten Screamo-Bands, Mitte der 90er eher Emo-Hardcore, oder als wären Vier des fiese, böse Zwilling von Lypurá, die gegen Vier eher Sonnenschein-Screamo machen.
Vier ist düster, dreckig, lauf und irgendwie nicht hörbar. Und ich meine das nicht im Sinne von nicht ANhörbar!
Verzweifelt, düster, beginnt „the blood i shed“. Hart und simpel, fast schon Prügel-Hardcore.
Ihre Hits hauen sie aber im eher punkigen Genre raus. „silhouettes“ ist total geil!

In 8 1/2 Minuten hauen sie vier klasse Songs raus.
Ich like die Band hart. Hoffentlich nicht „possibly their last“.

Dadurch das die Drums nicht richtig fett gemischt sind, der Bass präsent, dennoch weiter weg, die Gitarre minimalistisch und der verhallte, gekreischte Gesang: da bleibt am Ende eine spürbare Atmosphäre. Das ist echt spannend!

50 Tapes, diy. Get it on Bandcamp:

LP: schweinehaufen – unter aller sau

Im Sommer 25 war ich 3 Monate in Erfurt zum arbeiten, ein wenig Zeit auch im Thüringer Wald bei Friedrichroda.
In Erfurt habe ich es dann an einem frühen Abend in einen Plattenladen namens Woodstockrecordstore in dem ich mir eine aktuelle Platte von einer Erfurter Punkband habe andrehen lassen.
Irgendwie kam ich nicht mehr dazu, mir sie direkt anzuhören, aber ich habe es getan und bin echt begeistert:

Unglaublich viele lustige Ideen, mal abgesehen vom Bullenschwein, in Punkto „was kann man mit dem Wort Schwin so alles anstellen“ sind hier verewigt, vor allem in den Lyrics.
Das könnt ihr euch selbst mal anhören!
Hatte kurz vorher noch die neue Kaput Krauts angehört und muss sagen: da gibt es Ähnlichkeiten. Schweinhaufen sind nicht ganz so an irren Ideen im Soingwriting interessiert, es geht schon oft geradeaus, dennoch: guter Sound, Energie und Songwriting, lebendige Lyrics obendrauf!
Der Song „chat“ ist wohl das klare Statement, warum die Band selbst auch weiterhin online nur über ihre Homepage zu erreichen sein wird.
16 Songs sind es insgesamt.

„neue ideen“ ein Anspieltipp und lyrisch ist das hier:

es stinkt nach pisse und verrat
kevin muss ins bällebad

…ist definitiv der Satz des Albums, wenn nicht des Jahres.
Danach folgt der wohl beste Track „Spazierstöcke zu Pflugscharen“.
Inhaltlich wie musikalisch ein Volltreffer, was Deutschpunk kann!
DxBxSx machen ja auch ordentlich Schweinrock im Punk, was nun Schweinhaufen auch tun. Etwas mehr Deutschpunk isses schon. Was mir aber echt gefällt, sind die Beatwechsel, bzw das eben-nicht-stumpfe-Ufta-Geknüppel.
Dazu ein echt guter Sound.
„dreck“ ist auch so ein Hit und die zweite Seite fetzt irgendwie noch ne Spur mehr, als die erste!

Selbstproduziert. Gibt es beim Schweinehaufen. Mit Lyricsheet.
Songs gibt es dort auch alle.
Online sonst nicht zu finden!

LP: 100 kilo herz – hallo startblock

Erster Eindruck der neuen 100 Kilo Herz – Platte ist, dass die Band einfach gut ist und dass das ein fantastischen Album ist.
Gepaart mit dem Festival-Pack (welches ich geschenkt bekommen haben – zum reviewen bekam ich das transparente Vinyl mit Gatefold-Cover) ist die Platte ein totaler Hingucker. Das Inside-Out-Cover mit dem Schwimmbad vorndrauf ist, wie dann auch das 12″-Booklet total übersichtlich und struktuiert.
Durch den neuen Sänger haben sie halt echt ihre Reibeisenstimme verloren und sind nun eher poppig, weil richtig gut gesungen.
„mit dir“ ist mir einen Hauch zu süß.
Die Songs sind alle einwandfrei geschrieben und produziert.
Das „klick“ am Anfang der Platte, bei dem man fühlt „ey, das sind 100 Kilo Herz“, das stellt sich über all die Songs bei mir nicht ein.
Alles schöne Hymnen im Sinne der Band, die mal gemeinsam startete und sich verändert hat.
Gute Hooks, die Geschichten, die sie in den Texten erzählen, sind immer noch sehr greifbar!

„Hallo Startblock“ ist vielleicht im Titel eine kleine Andeutung vom …but alive – Cover zu „Hallo Endorphin“ ?

Bakraufarfita Records.

 

buch: Jakob Schrammel Geisler – wir konnten nicht anders

Jakob „Schrammel“ Geisler hat ein neues Buch raus.
Viel Recherche, viele Seiten, schweres Ding; in mehrererlei Hinsicht.
Es dreht sich um Gewalterfahrungen in der subkulturellen Szene von 1979 bis in die 90er Jahre. Protagonist*innen aus Ostdeutschland erzählen, teils sehr offen und direkt, was ihnen passiert ist. Es geht um Opfer wie auch Gewalttäter!

Als Schrammel war ein zweites Mal bei Dreck unter den Nägeln Podcast (Link unten). Zudem ist er den (hoffentlich) meisten bekannt wegen Heldenstadt Anders e.V. und seinen verschiedenen Publikationen.

Schrammel erwähnt in dem Podcast, wie krass ihn die Geschichten, die er sich angehört hat – er ist überall hingefahren und saß jede*r/m gegenüber – teilweise mitgenommen haben.
Grafisch ist das Buch oft ein Hingucker, da viele kleine Zeitungsauschnitte, Flyer oder Fotos verteilt sind. Man bekommt dadurch einen guten Zugang. Vieles kennt man ja aus der Szene, den Look oder andere Bands, die erwähnt werden. Als westdeutsches Punkerkind der 90er habe ich das ein oder andere damals schon wahrgenommen.

„Der freie Fall der Mauer“ ist ein knackiges, einen sehr guten Einblick gebendes Vorwort.
Die Ostdeutschen selten in rasanter Geschwindigkeit fest, dass in den Geschichtsbüchern der DDR Bullshit über die Nazi-Zeit stand. Und das man unheimlich viel nachholen durfte.
Auf der andern Seite halt „…67% unter den Lehrlingen befürworten rechtsradikale Positionen. „Deutschland den Deutschen“ und immerhin noch 46% den Satz „Ausländer raus“.“
(Zentrales Institut für Jugendorschung Leipzig 1990)
Wenn man da also eine Linie nach heute zieht, und das soll nicht verhamrlosend klingen, haben es diese Jugendlichen damals offensichtlich nicht geschafft, ihr Leben auf die Ketten zu kriegen, sondern diesen ganzen Scheiß mitgenommen. Daher die Gefahr von Rechts. Die Verläge und Parteien, die gegründet wurden und teilweise wieder verschwunden sind, nie aus den Köpfen verschwunden sind.

Einmal mehr lernt man von Menschen, die tief in der Szene stecken oder steckten, dass die Antifa keine Organisation ist. Keinen gemeinsamen CEO haben. Sondern eine Szene ein Mikrokosmos ist. Jede ist da ein bisschen für sich. Man hängt da nicht zusammen.
Irgendwer war in Leipzig gewesen und konnte mir, sofern es ihn nach Baden-Baden verschlug, eine Story von dort erzählen. Eben nur aus dem Mikrokosmos, der dort stattgefunden hat.

Exemplarisch nehme ich mal die Geschichte von Wurschtel, der zu einem Oi/Sharpskin wurde.
Und die geht unter die Haut. Aus dieser Spirale der Gewalt kommt man so einfach nicht raus, wenn man da mal drinsteckt.

Das was ich hier also schreibe ist kein Review. Es ist eine Kaufempfehlung für ein echt hartes Buch. Ein wahres. Ehrliches.
Gewalt ist nie eine Lösung. Sich aber verprügeln zu lassen, weil es eine Gegenseite gibt, die permanent durch die Gegend zog, was machst du dann: dich wehren!

 

Buch gibt es bspw. bei Black Mosquito. Erschienen bei Calypso. Ich glaube, ich hatte es direkt bei Schrammel bestellt: Heldenstadt Anders.

 

 

7inch: tag ohne schatten /w trust issues – split

Die Split 7inch von Trust Issues und Tag ohne Schatten liegt endlich auf.
Die beiden Bands kennen sich und haben es im Oktober 2024 gechafft, sich auf einen Gig zu treffen und daraus ist dann dieses Projekt der 7inch entstanden.
Beide Bands je zwei Songs. Und beide Bands sind mir im Grunde keinen Unbekannten, ich wollte die schon lang mal auschecken.

Trust Issues:

Der erste Song bringt klassischen Punkrock mit ner melodischen Note. Danach kommt „empty the tank“. Erinnert mich ein wenig an die „eating glass“-Zeit von den Spermbirds. Total gut. Emocore/Hardcore mit 90s Dischord-Vibe.
Zwei Sogs, die im Grunde nicht unterschiedlicher nicht sein könnten.

Tag ohne Schatten
(bei BC leider nicht zu finden)
Die mich sofort an KUBALLA oder LITBARSKI erinnern. „010er Emo-Sound mit viel Herz und Melodie. Sofort sympathisch.
„dämmerung“ könnte auch auf einer Scheibe von GRIZOU stattgefunden haben.
Ich hoffe, ich haue hier genügend gute Vergleich zu Bands, die hier öfter mal erwähnt werden raus.
Zieht euch die 7inch rein, gutes Ding!

Das ansprechende Cover ziert ein zweiköpfiges Teenager-Tenniskind mit einem kleinen Elefanten, die eine große Fliege füttern. Auf der Rückseite kämpfen der nun groß gewordenen Elefant gegen die Fliege.

Die 7inch gibt es in magenta und in grün.
Gibt es zum Beispiel bei Elfenart!

MC: primeval path – manx loagthan

Komplizierter Titel, den die Band Primeval Path da auf Kassette gepackt hat. Allerdings spuckt die Suchmaschine gleich das Passende aus: es ist eine Schafsorte, die nur auf der Isle of Man lebt.

Via Mörtel Sounds bekomme ich das Tape.
Das Cover ziert also ebenjenen Schafsbock, der zu dieser Art gehört. Dazu, abgesehen vom Tape, ein FCK AFD Schlüsselanhänger. Cool!
Sechs Songs des Dark-Wave-Trio aus Köln sind auf dem Megnetband zu hören.
Primeval Path überraschen mich mit ihrer Art! Dark Wave mit Drumcomputer, der irgendwie auch das „post“ noch hörbar hat, wäre aber zu viel gesagt. Mehr Gitarren als Synthie, was mir grundsätzlich auch schon sympathisch ist.
Die ersten beiden Songs „extacy“ und „nacht“ finde ich spannend und cool, weil sie auch ein gutes Tempo haben. „empty feelings“ ist dann schon etwas düsterer und reduzierter. Mit „cold kills“ weht ein Hauch Western über die Gitarre. Das könnte so ein post-apokalyptischer Western sein, in dem auch „execution“ als Soundtrack läuft.
Der letzte Song „automatic“ punktet nochmal voll mit dem super Bassriff. Büschn schräger Synthie drauf, der Laune macht.
Einzig, was mich kalt erwischt, ist dieser verzerrte Gesang. Der sich in keiner Sekunde ändert und den ich auch kaum verstehen kann.

80 Tapes bei Moertel Sounds. Inzwischen dort ausverkauft. Vielleicht gibt es noch einen Mailorder, der das hat.
Aufjedensten mal anchecken:

LP: Dr. Drexler Project – neoliberale kackscheiße

Das Interessante am Dr. Drexler Project ist, dass es tatsächlich ein Projekt ist!
Daniel von Elfenart hat mir das zugeschickt und ich darf mir das anhören und es euch empfehlen; und das will ich gerne tun.
Die Haptik schon mal: gelbes Cover mit roter Innenhülle und schwarzes recycling Vinyl „für mehr Untergangsstimmung“. Was ein Service – wie geil ist das denn bitte!
Booklet wir Muff Potter oder Turbostaat.
Volle Punktzahl für alles, was ich aufgezählt habe!

Eine Aufforderung ist, dass wir auf den Trümmern der „schwarzen Null“ tanzen sollen – oder tun wir das nicht ohnehin?
Der Bass ist das vorantreibende Instrument, woran man ganz klar den 70S / 80s Sound raushört, sehr toneig, sehr mittig. Ein bisschen Synthie, Gitarren drüber und ein Sprechgesang; welcher allerdings nicht ganz so repetitiv ist, wie man das aus ebenjenen Jahrzehnten noch im Ohr haben könnte.
Denn es gibt eine Menge zu erzählen, loszuwerden.
Gesellschaft kaputt, Niedriglohnsektor der beste in Europa.

Innerhalb vierer Jahre, 2020 bis 2024 (vermutlich als Corona-Projekt gegründet), in unregelmäßig im Albert Matong Atelier traf und musizierte. Pro Abend ein Song, wenn er steht: aufnehmen und First Take nehmen.
Das funktioniert soweit sehr sehr gut!
David Jahnke, Bruno Tenschert, Moritz Illner und Maximilian Wörle sind das Dr. Drexler Project.

Altbau Kernsaniert, das ist die deutsche Geschichte, die die Deutschen gut finden.

Aktuelle Themen wie „Tesla abfackeln“, es geht um Stadtbeton, Leerstand und und und.
Bester Satz am Schluß:

Im Internet habe ich keine Alternative zum Kapitalismus gefunden.
Obwohl das Amazon verkaufen wollte.

Zynismus, den ich gut abkann.
Musik, die nicht ganz so runtergeht wie Öl, eher wie ein Spieß, der langsam und schmerzfrei ins, vom Konsum, gelangweilte Fleisch eindringt, im Inneren sich dann langsam dreht und in Erinnerung ruft, was nie verblassen hätte dürfen.

Elfenart, Paulas Platten und Zanns`s Records.
Pflichtkauf.