konzert: taranja wu + paddelnohnekanu 16.05.2026 – zodiak schramberg

Vor ziemlich genau 10 Jahren waren wir mit Kuballa schon mal im Zodiak gewesen.
Und immer wenn man nach so langer Zeit nochmal in einem Laden spielt, dann sit schon allein die Freud egroß, dass es den noch gibt und die Leute dort weiter machen UND Subkultur weiter unterstützen.

Ralf, das ist der Inhaber des Zodiak, begrüßte uns mit ein paar Bier und wir bauten mit zwei Tontechnikern die Anlage und die Backline auf.
Für diesen Abend war ja noch Taranja Wu als Solo-Künstlerin mit weitestgehend elektronischem Set-Up angekündigt und so durften wir alles andere an Drums und Kleinkram aufbauen.
Das ging recht floot und ich stelle immer wieder fest, dass so Bühnen in einer Raumecke iwie total cool sind. Der Drummer hat einfach ein bisschen mehr Platz nach hinten, man kann die Verstärker schon fast wie im Proberaum aufstellen und hat auf der Bühne nen super Sound.

Ich hatte Durst an diesem Abend. Die ersten drei Bier waren schon vor dem Essen vertilgt und ich spürte so ein leichtes Kribbeln im großen Zeh.
Taranja Wu begann ein paar Minuten später und versuchte das Publikum mit ihrer recht tanzbaren Mischung aus Elektro und Punk zum tanzen zu bewegen.
Die meisten wollten dann doch eher gemütlich zuschauen und wir diskutierten intern, ob wir die Stehtische nicht einfach direkt vor die Bühne stellen sollten.
Aber hej, wer kennt ihn nicht, den „______ Halbkreis“ vor der Bühne (an ___ dürft ihr euren Laden oder den Namen eurer Stadt eintragen)
Wir beließen es dabei und legten los.
Ich hatte ein gutes Gefühl und mit Tulle und Ole auch ordentlich Spaß, dem Publikum mal wieder einen etwas sperrigen Weg in unsere Musik zu ebnen, indem wir „alles gut, ich warte“ als Intro-Songs spielten, wie auf der LP auch.
Hörgewohnheiten lassen sich nirgendwo besser beobachten, als auf der Bühne ins Publikum!
Am Ende: es war ein runder Abend, ich fuhr die Gang nach Hause.
Nächstes Konzert dann mit V-Mann Joe, ich werde berichten!

7inch: i am the fly – inertia

I am the Fly haben eine zweite, selbstproduzierte Single rausgebracht.
Auch diesmal sind drei Stücke drauf, Bass, Synthie und Vocals.
So einfach kann eine Band sein, so simpel die Zusammenstellung an Instrumentarium, so wummernd auch das Ergebnis!

„inertia“ ist Titelstück und Eingangsstück zugleich. Synth-Wave, der über Basslinien getragen wird, der Synth wummert darüber, eine Stimmer erzählt, aus Sicht einer Fliege, was sie denn so erlebt.
Die Melodiebögen von I am the Fly sind zwischen Eintönigkeit und getragener Melancholie anzusiedeln.
Und ich komme nicht umhin eine Weiterentwicklung zu den letzten Releases zu erfassen: weniger wummernd. Alle Instrumente etwas hochtöniger eingestellt.
„five body problem“ wirkt ein wenig wie eine Insektenmesse.
Die drei Songs fügen sich gut ineinander. Das Artwork schlicht und übersichtlich, wie bisher. I am the Fly, wohl benannt nach einem Song der englischen Band Wire, sie geben sich wortkarg. Die Farbe des Vinyl ist Insektenblutgrün. Transparent, versteht sich.
Sie machen also dort weiter, wo sie beim letzten Release noch kein Ende gefunden haben!
Im Grunde ist das Ganze hier so krass kurzweilig, dass das Lesevergnügen hier nicht länger sein muss, als das Hörvergnügen:

 

 

Ein wenig reingucken, denn die Band ist auf jeden Fall eine Reise in das AZ oder Club in deiner Nähe wert!

Diese Review erscheint auch auf vinyl-keks.eu!

LP: ambulanz – …

„…“ ist auf der Seite gedruckt, was so viel bedeutet wie III (drei).
Ambulanz also mit ihren dritten Output, fünf Songs, die sie uns da schenken!

Bei „…“ handelt es sich laut Label um Art-Punk. Oje. Da denke ich sofort an eine Vernissage und möchte gerne das Kaviar-Artischocken-Soufflée wieder ausspucken.
Anfangs fetzt mich der Sound noch nicht. Zu viel Krautrock und Synthie.

Der Sound ist auch an diese Zeit angelehnt. Der Bass hat diese Mittendrin, die bei den Beatles schon genervt haben. Der Synthie klingt, wie auch der Gesang, als sei er die punkige Antwort auf die Bands, die das mit dem 70’s Rock zu Ernst genommen haben. Der Basslauf bleibt kleben wir Schwarze Afghane in den Dreadlocks.
Man merkt allerdings: Ambulanz haben richtig Spaß bei dem, was sie machen. Und das hört man ja nicht gleich bei jeder Band raus.
Dennoch: was machen sie?
Komplexen Garage-Punk. Sie haben schon ein gutes Tempo und bleiben da immer griffig. Zwischendurch auch mal vertrackt, nicht so leicht zu greifen.
Es mündet alles im Song „slime“ am Ende. Schönes Intro, richtig gut gespielt und endet in einer Geräuschorgie, die gefühlt sehr lange andauert, bis sie nochmal einen Stück Lied kredenzt.

Mir gefällt die Platte besser, als das Tape davor. Das Artwork ist sehr sehr bunt, allerdings auch unübersichtlich, so ohne Bandnamen, Titel nicht zu erkennen, kein Textbeiblatt. Ja, im Grunde wünsche ich mir das von jeder Band. Wenn schon Vinyl, dann haut mir euren Shit auch um die Ohren!
Robuster Release.

Für richtig entspannt 10€ auf der BC Seite zu erstehen. Schwarzes Vinyl!
It’s Eleven Records.

LP: yass – feel safe

Die neue LP von Yass beginnt mit einem Songs, den es schon als erstes Video gab. „in the basement“.

gemeinsam mit dem zweiten Song „got hurt“ fangen Yass sehr fiebrig an, was sie im Grunde auch live ausmacht.
Sie fangen auch dort an, wo sie beim letzten Album aufgehört haben.
In jedem Fall gehen die stampfenden Beats hart ins Bein. Zappelfaktor garantiert.
„suit“ eine, gewissermaßen, ruhigere Nummer.
„nobot“ – auch als video erschienen – man muss sich an diesem Punkt dann doch mal wieder in Erinnerung rufen, dass die Band nur aus zwei Menschen besteht. Drums und einem Wahnsinnigen! Dieser spielt Gitarre, spricht seine Lines ins Mikro und programmiert noch die ganzen Synthy-Sachen, die zugespielt werden.

Yass sind in ihrer Art unglaublich kreativ. Und in dem Synth-Noise-Gitarren-Spektrum wohl ziemlich alleinstehend.
Seite zwei – mal kurz & knackig zusammengefasst – der Titeltrack „feel safe“ ist mit der schnellste Song.
Insgesamt wirklich ein, in seiner überladenen Schlichtheit, sehr sehr gutes Album.

Grafik-Design von Fabian Bremer. Erschienen bei Crazysane Records.

MC: komfort – tristesse

Name und Titel sind ja schon mal ein ausgesprochen gutes Paar:
Komfort Tristesse.
Ein Tape haben die Herren rausgebracht mit sechs Songs. Ich hab das Tape einfach zugeschickt bekommen und freue mich immer über neue Musik, vor allem überraschende!
Und Komfort machen Synth-Wave. Was eine Musikrichtung ist, die mir nicht ganz so liegt, und ich fühlte mich auch erstmal von der Düsternis erdrückt.
Wenn man aber mal ein wenig zuhört, bekommt das schon einen gewissen Sog. Sie vermischen 80s Synth mit neueren Elementen. Fühle mich erinnert an die tollen Kurschatten.
Die Vocals werden eher atmosphärisch eingesetzt. Ab und an auch mal etwas flotter.
Mir gefallen „zerrissen“ „blind“ und auch das letzte Stück „suffocate“ ist ein echt guter Rausschmeißer auf dem Tape.
Hat mir insgesamt ganz gut gefallen, auch wegen des wirklich gut aufgenommenem und gemischten Sound.
DIY.