review: KaputKrauts – quo vadis, arschloch? & strasse kreuzung hochhaus antenne

Ich könnte schwören, ich habe eines meiner ersten Reviews, damals war der Blog der Postille noch bei Blogsport, über die „Strasse, Kreuzung, Hochhaus, Antenne“ der KaputKrauts geschrieben. Doch mein Hirn scheint sich zu täuschen. Ich finde es nicht. Nirgendwo, nicht auf der Festplatte, einfach weg!
Wie kann etwas im Internet verschwinden? Verschwörungstheorien besagen, dass alle gespeichert wird.
Kurze Einleitung, denn im Grunde gibt es schon eine Menge zu erzählen zu diesen famosen Platten!

Angefangen hat die Band mit der Split LP „Bombing your Kleinstadt“ und, gefühlt, damals mit Nein Nein Nein Massstäbe in Sachen intelligenten und eigenständigem Punk gesetzt. Massstäbe, die ich bis heute noch bei keiner Band wirklich wiederentdeckt habe.
Dazu kam, dass sich die KaputKrauts permanent auf Achse befunden haben und man sie wohl jedes Jahr ein bis zwei Mal in seiner Nähe live erleben konnte.
Es kam der erste Longplayer „quo vadis, arschloch?“, der 2008 bei TwistedChords erschien. Ich bin damals noch nicht so sehr auf die Band eingesteigen, mir war das zu ernst gemeint. Ich hatte die feine Ironie zwischen den Zeilen noch nicht erkannt.

„making punk a threat again!“
tausend mal gehört, tausend mal ist nichts passiert
daily terror – coverbands
tausend mal gehoert, und niemals interessiert

ein haufen kotze in den nacken der gesellschaft
oder zumindest vor den aldi oder so
ein haeufchen elend vor dem bahnhof deiner kleinstadt
eine in selbstmitleid ertraenkte rebellion
(aus „gemütlichkeitspunk not dead“)

Sehr sehr viele Konzerte später, ich erinnere mich daran, das die Band sich auch aufteile auf diverse Städte und proben mehr oder weniger vor gemeinsamen Konzerten stattfand? Erschien 2012 dann der zweite, und momentan letzte Longplayer, mit dem seltsamen Titel „Strasse Kreuzung Hochhaus Antenne“. Im Zusammenhang mit dem Cover macht das irgendwie Sinn, der Gesamtzusammenhang fehlt mir heute noch.
Jedenfalls: es gefielen mir durchweg alle Songs, die immer tiefgründig, zweideutig eindeutig ins Gesicht.
„erlebniskosmetik“ „im netz und doppeltem boden“ „das mag alles stimmen, ich glaube es nicht“
Musikalisch ein Freude. Spielerlebnis, eine Melodie nach der anderern wird zersetzt und geradezu verbrannt, Idee werden nicht geklaut, sie werden am Fliessband gezündet und zur Explosion gebracht. Und Pascow haben doch sicher hier ein paar ihrer Gitarrenmelodien gezockt, oder?
Quasi der Ideereichtum von Japanische Kampfhörspiele nur ohne Grindcoregeballer.

Weitermachen!
Kaufen des Tapes hier:
Coop von Black Cat Tapes und Twisted Chords.
Pappschuber. A4 Faltblatt mit dem Covermotiv, DL-Code.

review: BLACK SQUARE – potatoes gonna potate MC

Was bringt diese Zeit? Das haben sich Fini und Bonny von BLACK SQUARE wohl auch gedacht und im Frühjahr ein Zwei-Personen-Stück geplant, geschrieben, aufgenommen, auf Tape gebannt und in die Welt hinausgeschrien. Das ist maximaler Output in kürzester Zeit.
Fini ist noch neu im Gesangsmetier, Bonny spielt Gitarre bei den Deislers. Er hat sich ein wenig mit Homerecording beschäftigt, um Fini die Möglichkeit zu bieten, ihrer Wut einen Kanal zu geben. Und es brachen wohl Dämme.
Woher ich das alles weiß? Nun, das Tape ist schon ein paar Monate raus und die Themen die Fini anspricht sind aktuell und bleiben es auch. Obendrauf kommt noch eine wichtige und richtige Diskussion über Mackertum in der Punkszene. Ihr könnt sehr viel nachlesen, denn die Aussage in einem Bericht im OX-Fanzine „Fini sei die Freundin von…“ hat den Ausschlag gegeben, das Thema mal ganz präsent vor Augen zu führen.

Hier ihre Reaktion bei der TAZ
Einem Interview zum Thema und zu Sexismus in der Punkszene beim Vinyl-Keks.
Es gibt auf ihrer FB-Seite noch einiges mehr zu lesen.
Und ganz aktuell und „brandheiß“ sozusagen ein Interview mit Lizal von Die Dorks, Fini und Diana Ringelsiep beim BR.

Klar wird schnell, dass alle Texte radikal Links sind. An dieser Stelle finde ich es richtig gut, dass ich mir etwas Zeit gelassen habe, den Review zu machen, denn hier geht eben mal nicht um die Musik allein. Hier geht es um das Thematisieren von Dingen, die uns auch in unserer gewählten Bubble über den Weg laufen. Und immer und immer wieder gucken wir nicht richtig hin. Wahrnehmen geht dann vielleicht, wie hier bei diesem Release, mit dem melodischen Holzhammer, den Fini und Bonny als Black Square ausgepackt haben. Gegen Rassismus, gegen die moderne Sklaverei: „Jeder Aufruhr ist immer nützlich, so erfolglos er auch sein mag.“

Klar kann ich auch noch was zur Musik sagen: hoch melodischer HC-Punk, schnell, ungestühm und wütend. Aber eben das steht wohl auch bewusst nicht im Vordergrund. Es kann aber ein Grund sein, sich das mal anzuhören und zu unterstützen!
Neueste Aktion kommt: Stoffbeutel für SeaWatch. Haltet die Augen offen.

Noch ein schnelles Wort zum Cover: ich habe tatsächlich einige Male drauf gucken müssen, um zu verstehen, was mir die dunkle, durchgestrichene Pommes sagen soll. Es ist soooo wichtig an unserer Wahrnehmung zu arbeiten!
Tape erschienen bei den Labels Black Cat Tapes, Colossus Tapes und Tanz auf Ruinen