7inch: kalte zeiten – 2025

Mich erinnert Anfangs der Sound von Kalte Zeiten an irgendeine Band. Der Gesang… ob ich da noch drauf komme?
„Drei Akkorde Vergangenheitsbewältigung“ startet also tatsächlich für mich in irgendwelchen Gehirnwindungen, die unter dem Teppich der Neuzeit verschwunden sind. Klar, Mönchengladbach und Tischlerei Lischitzki!
„alte werte“ fand ich ein wenig hinkend, was vermutlich an der Double-Base liegt.
Bei „irgendwo auf den Feldern“ hab ich sofort Stefan Mahler im Gehörgang, der auch ein sehr Variantenreiches Trommelspiel an den Tag legt. Ähnlich hier.

Abwechslungsreich, ein wenig flotter, als die meisten Deutschpunkbands, düsterer, und alles hört sich nach selbst gemacht an!
Kalte Zeiten sind eine Mannheimer Band, die es wohl seit den 90ern gibt. Also auf über 30 Jahre Bandgeschichte zurückblicken.

Wer auf wirklich urigen Deutschpunk steht, der auf (fast) jedem Deutschpunksampler zwischen 1988 und 1996 Bombe funktioniert hätte, sollte ohne Bedenken zugreifen!

Kalte Zeiten sind bei einem, wenn man in den Backkatalog reinschaut, absolut passendem Label: Sterbt alle. Dort gibt’s die 7inch in zwei Varianten.

 

video: reverend beat-man & milan slick – what is wrong with the people in this world today

Seit kurzem gibt es vom Bierschinken eine wöchtnliche Videoplaylist, verzeiht mir, wenn ich sie erst entdeckt habe, weil sie auch die Videos von meiner Band paddelnohnekanu beinhaltet.
Die Playlist ist deswegen trotzdem recht erfrischend und lädt ein, die ein oder andere Entdeckung zu machen.

Überhaupt ist diesmal die Playlist äußerst reizend, die da zusammengestellt wurde. Klar, es liegt ja „nur“ an den momentanen Erscheinungen.
Meine absoluter Fav:

Ist das nicht mal ein schönes Video von Reverend Beat-Man geworden?
Passendes Ambiente, tolle Ausstattung, farblich wunderbar in Szene gesetzt.
In einer Zeit, in der Videos im Grunde keinen wirklichen Wert mehr haben, weil sie einfach bei Youtube (und manchmal auch bei vimeo) weggespült werden, ist dieser Clip hier eine ganz famose Abwechslung.

Wunderbares Schnippel-Video
La Securité – Bingo
Dann dieses super Shirt des Sängers mit der blutigen Nase:
Real Farmer – Heart out
(wohl die garagige Band-Version von den übergroßen Bear vs. Shark – ich hab mir gleich mal alles mögliche reingezogen!)

LP: melkus – discographia due

Eine sehr einfach ausgestattete Platte erreicht mich von der Band Melkus.
Sie nennt sich „discographia due“ und es sind 11 Post-Punk-Wave-Songs drauf.
Leicht garagiger Sound. Das ändert sich schnell.
Psychedelic Rock, Jazz, Garage und durch die Vocals hat das was Egg-punkiges. In gewisser Weise läuft die Platte ganz gut durch, manchmal nerven die ganzen Genreübergreifenden Hooks und Ideen dennoch.
Es entsteht kein Gesamtbild.
Experimentell und noisig, dafür dann in „kopf“ eine richtig gute Hook!

Das Artwork von Melkus sind wohl Stecker in verschiedenen Varianten. XLR, DIN-Stecker, sowas. Sieht irgendwie ganz witzig aus, ich verstehe den Zusammenhang zum Titel aber irgendwie nicht. Egal. Halten wir uns nicht mit inhaltlichen Nebensächlichkeiten auf!

Warum sollte ich mehr erzählen als im Cover zu finden ist?
Hier noch schnell der Text aus ihrer Selbstbeschreibung.

„discografia due“ ist Melkus‘ chaotischer Liebesbrief an das Verlieren: verdrehte Riffs, Verzerrung als Farbe und Monate, die damit verbracht wurden, Einflüsse zu entwirren und in rohe Meisterwerke zu verwandeln. Eine Mini-Diskografie von Chaos, Lärm und Freude am Scheitern. Keine Gewinner – nur eine Crew von Verlierern, die zwischen Wahnsinn und Nervenzusammenbrüchen tanzt.

Erschienen bei It’s Eleven Records, dort und bei BC zu haben auf schwarzem Vinyl.

 

fanzine: plastic bomb #134

Wenn ihr das lest, bin ich schon ein paar Tage wieder zurück aus meinen Ferien und fütter den Äther wieder mit Buchstaben, belebe diesen Blog.
Ich habe die Haustür aufgemacht und eine Ladung Magazine lag in der Post. Druckfrisch, sagt man.
Unter anderem auch das Plastic Bomb, dass ich an dieser Stelle mal wieder erwähnen möchte, weil es mir, ich nehme das vorweg, direkt Spaß gemacht hat, es zu lesen!

Zuerst lese ich tatsächlich mal das Vorwort von Ronja und Ronny, da ich online schon gesehen hatte, dass sie ihr Gen Y Doku-Projekt abgeschlossen haben.
Und je mehr ich lese, ich bin ja aus dem Filmgeschäft (schneide ja auch selbst die Clips meiner Band und auch mal von anderen Bands), desto mehr kann ich jedem Wort darin einfach mal beipflichten! Ja, es ist ein waaaahhhnsinn, den man sich mit einer Doku antut!
Mit Flo Opitz (Dokumentarfilmer) hatte ich mich ja in Ausgabe 11 unterhalten, auch der kann das bestätigen!
Man gibt erstmal unheimlich viele Stunden da rein. Sei es Recherche, Interviews, Vorbereitungen, oder am Ende erstmal sein ganzen Geld, weil man an die Sache, die man da machen will, felsenfest glauben „muß“. Sonst klappt’s nicht.
Mein alltertiefsten Respekt haben sie dafür, egal wie die Doku geworden ist, zwinker. Erstmal herzlich beglückwüscht zur erfolgreichen Beendigung dieses Mammut-Projekts!

Dann bin ich auf das Thema KI und Plattencover gestoßen. Und als ich dann von Punks’n’Banters den Beitrag entdeckte, entschloß ich mich, einen neuen Beitrag dazu in meinem Blog aufzumachen.
Wenn fertig, dann poste ich ihn natürlich.
Erstmal der Link zu FB.
Zurück zum Plastic Bomb, ihr merkt, das Thema ist auch bei mir angekommen und beschäftigt mich, in dem sich Ronja mit einigen Bands auseinandergesetzt hat, die KI für die Artwork-Gestaltung genutzt haben. Nun sucht sie nach Pro- und Contra-Argumenten, die aus dem vorhandenen Material entstanden sind. Ebenso hat sie die Bands direkt auch gefragt, wie die Bands KI in der Musik nutzen.

Bei dem Thema bin ich also erstmal hängengeblieben. Ronja hat da schon genügend Punkte, Aspekte zusammengetragen, um sich „ein Bild“ zu machen.
Also ich fand die beiden Themen absolut spannend und anregend. Danke.

Die Rezi zu „tanz auf dem vulkan“ fand ich absolut zutreffend. Und finde es selbst ein tolles Buch, meine Rezi kommt noch!
Berlin 2.0 wiedermal in einem Heft im Interview, sie werden echt ganz schön durchgereicht. Interview inhaltlich ein wenig anders als bspw im Trust, das war gut so!
Briefbombe – saucool!
Bericht „punx with depression“ von Brösel, bin ich gespannt drauf, den les ich noch. Arrested Denial, die Platte hat mir gar nicht gefallen, so habe ich das Inti übersprungen.

Wo sind den die 21st Century Punks hin? Schade, aber gibt es wirklich so wenige junge Menschen 😉
Durchweg gute Nummer, die #134!

Ihr bekommt das Heft natürlich einzeln oder im Abo im Shop.

MC: apéro – cold drinks, cool snacks

Ob ich das Tape besprechen möchte? Tommy macht tolle Sachen. Ein ständiger Garant für gut gespielten, witzigen, fantasievollen, lärmigen Punk!
In diesem Falle ein bisschen weirdo.
Bei Apéro hat er (allein bestimmt nicht 😉 ) diesmal die ätzendsten Instrumente der Rockmusik „i like rock“ (sure?) zusammengebracht, um daraus das zu machen, was gerade hier läuft.
Egg Punk ist in dieser schnelllebigen Punkrockzeit ja schon fast tot. Wäre da nicht Apéro!
Drums vom Computer, Synthie und ne leiernde Matschepappe-Gitarre und verzerrtem Gesang.
Ich nehme mal vorweg, dass es eine Kunst ist, erstmal hart extrem an jedem Effekt, den man benutz, ganz dolle auf die 10 zu gehen, um dann einen Gesamtsound daraus zu malträtieren. Anspieltipp ist „pony rehab“.

Von Anfang wird das gekrönt direkt mit dem „tribute to apéro“ – eigentlich wollen sie ja gar nichts mit uns machen „All I want to do – Is nothing with you“. Was nicht der einzige Tribut beliebn wird, sie haben auch noch einen tributischen Stinkefinger für Dwayne Johnson im Gepäck, und einen für Neil Young, ich glaube, sie mögen ihn nicht.
Im Grunde hauen sie in jedem Song textliche Kleinode infantilen, fast schon Dada-istischen Humors raus.
Man meint, dass die Lyrics erstmal gar nicht wirklich was sagen, aber dann kommt der Oneliner, der alles weggkickt, ohne einmal „fuck you“ zu sagen.

11 Songs in 12 Minuten. Yeah.
Raus bei Rilrec.

MC: exceeded capacity – demo II

Glücklicherweise kenne ich die Band seit dem ersten Song.
Exceeded Capacity ist ein Kind von Joe, der hier auch als Gastschreiber tätig ist, allerdings auch ganz doll viel kreativen Output am Start hat.
Bei Krachige Platten hat er schon zwei Compliations mit seinem Oevre herausgebracht, mit EITR (zweite Auflage am Start) und Rontgen auch zwei Bands, und nun also das neue Demo, schlicht „II“, via Kink Records.
Ich bin ein bisschen neidisch, aber Kink passt da schon ganz gut. Nächste Stufe bitte dann Refused Records als Coop!

Also Exceeded Capacity haben 10 Songs in knapp 20 Minuten, zwischen Hochgeschwindigkeit und gediegenem Geballer.
Nein, das ist schön schrammeliger Garage Hardcorepunk. Büschn Fastcore.
Klare Texte und mit dem ersten „DSDS“ fange ich gleich mal an:

Deutschland spannt den Superstrick
Angenehm knackt das Genick
Letzte Ruhe, nicht zu retten
die wir uns auf Lügen betten

„demokratie“ – „artikel 3“ oder eben „DSDS“ sind schon sehr klare Einordnungen der bestehenden Verhältnisse, und die finden wir (ich schließe mich da ein) nicht gut.
Zwischendurch auch mal gedanklich etwas abschweifen in ein „portal“ bei einem „abendspaziergang“ – auch schön. Ja, nehm ich mal so mit.

Was Exceeded Capacity total cool machen ist, das sie abwechslungsreich von Anfang an so ne Viertel (oder halbe?) Note an einen Part angehängt wird, an den nächsten wieder nicht.
So wird das Songwriting unrhythmischer, nicht aber das Spiel. Der Drummer hält diesen Break-Wahnsinn mit seinen Stöcken ganz gut beeinander.
Die Band erinnert mich so an Briefbombe oder Loser Youth oder eben auch Jodie Faster. Zum einen liegt das am teilweise sehr trockenen Gitarrensound, aber auch an der Direktheit des Ungestümen.

Gibts hier zu kaufen
Kink Records

 

 

und hier noch das alte demo. einfach mal als YT link.

video, LP, MC: paddelnohnekanu – niemand liebt dich mehr

ENDLICH ist das Ding raus.
Hörts euch an. „niemand liebt dich mehr“ 36 min. 12 – 13 Songs, je nach Zählweise auch nur 11.
Kauft euch das heute Abend auf unserem Releasekonzert oder macht was ihr wollt.

Hier unsere neue Videoclip zu „nietendeckel“
in diesem Fall kann man schon sagen, wir haben keine Kosten, und all die lieben Menschen, keine Mühen gescheut, an einem frostigen Januar-Tag in Stuttgart auf den Pragfriedhof zu kommen und uns zu helfen!

Komplettes Album auch komplett online
BC – Link folgt.

video: paddelnohnekanu – alles gut, ich warte

Als ich das Video geplant habe, ja, es geht um meine Band und den Quatsch, den ich so treibe, hätte ich nicht gedacht, dass ich die knapp sechs Minuten Spielzeit gefüllt bekomme.

Im Sommer ’25 einen Schreibtisch leergeräumt, einen Haufen Zeug aus meinen Archiven gezerrt, Schreibmaschine, altes Laub, ein Telefon mit Wählscheibe, Stifte, Papier, und mich an die Arbeit gemacht.

Lasst n Kommentar und ein Abo da.
Liken ist was für „ich guck nicht aber schön dass ich da war“ – Menschen.

Schaut auch weiterhin in unseren Kanal, da gibt es JEDE Menge Stuff zu unserem neuen Album, welches am 20.02. via Majorlabel und Krachige Platten veröffentlicht wird.

 

MC: tttturbo – modern music

Viele T’s stehen im Bandnamen. Was machen sie dort?
Ganz witziges Tape der Band TTTTurbo, welches ich von It’s Eleven Records zugesandt bekommen habe.
Allerdings fürchte ich, ich muss die Review über Verneinungen erzählen.
Beschreibung sagt „modern sound“ und ist Bubblegum-Synth-Pop. Zwischendurch auch mal etwas garagig. Durch den Gesang, den man gar nicht versteht auch eventuell ein wenig punkig. Egg Punk.
Allerdings ist der Sound in den Songs sehr unterschiedlich. Lauter, mal leiser. Zuerst dachte ich, mein Tapedeck ist im Arsch. Aber nein.
Es leiert.
Es könnte t-t-t-t-urbogut sein, wenn die Band nochmal hingegangen wäre und den No-Fi in etwas höhere Soundsphären gehoben hätte.
TTTTurbo gehen so Richtung NDW und das kann echt gut werden!
Aufmachung ist in schwarz-weiß so ne Art Geisterschloß.

It’s Eleven Records.

LP: fun total – da ist gar nichts

wie, nichts? Sogar gar nichts? Safe?

Das ist doch Quatsch. Da ist immer was. Jetzt ist da zB eine Schallplatte und da ist Musik drauf.
So eine latente, ruhige Angepisstheit merkt man schon in jedem Song auf dieser neuen Platte von Fun Total. „da ist gar nichts“
Einen entspannten Zynismus zwischen und in den Zeilen.
Fun Total haben, glaube ich, überhaupt keinen Spaß. Da machen sie aber auch keinen Hehl draus.
Musikalisch etwas weniger noisig, mehr so Oiro vielleicht. Dafür ist Bartzy’s Gesang poetisch herablassend und wütend und das vollkommen zurecht.
Dieses Land, diese Welt ist ein Haufen Weltschmerzkotze geworden.
Je länger man zuhört und über die Worte nachdenkt, desto mehr bildet sich ein Mahlstrom nach unten. Aber hej, es ist Musik, man kommt da auch ganz gut wieder raus!

Endlich wieder normal
Eisbär, wink nochmal
Putins Angriffskrieg
Aber der Genderstern, der Genderstern.
Denver- Clan abschieben
Wintermarkt abreißen
Klimaterroristen totschlagen
aber was darf ich überhaupt noch sagen
abseits

In „turm“ gibt es einen recht großen Textabsatz, wo richtig gespuckt wird. Am Treffensten ist diese Verbindung von neudeutschen Wörtern wie „pitchen“ hin zu einer Dichte poetisch zynischen Formulierungen.

Ihr crazy people,
wählt Arbeit“geber“,
wâhlt Vermieter*innen,
wählt die Industrie
Nicht aus Eigeninteresse,
nein, aus Empathie:
arbeitslos

Das Cover ziert ein tristes Kneipenklo oder das irgendweiner WG. Auf der andern Seite die Türklinke.
10 Songs, fettes Pappcover mit einem transparent milchigem Vinyl mit schwarzen Schlieren. Steckt in braunem Packpapier.
Erscheinen bei MyRuin.