MC: vier – rastatt hardcore

Ich hab die Farewell-Show verpasst. Hach…
Nun hab ich aber das Tape vorliegen und mit Freude immer wieder durchlaufen lassen.
Vier machen nicht da weiter, wo ihre ersten beiden Releases (eines auch bei Krachige Platten) aufgehört haben, nein, es gibt ein paar Nuancen mehr zu hören!

Vier Songs auf dem Vier Tape. Hehe.
Man merkt schnell die Weiterentwicklung, den guten Mix aus diversen Genre. Teilweise erinnere ich ich sofort an die ersten Screamo-Bands, Mitte der 90er eher Emo-Hardcore, oder als wären Vier des fiese, böse Zwilling von Lypurá, die gegen Vier eher Sonnenschein-Screamo machen.
Vier ist düster, dreckig, lauf und irgendwie nicht hörbar. Und ich meine das nicht im Sinne von nicht ANhörbar!
Verzweifelt, düster, beginnt „the blood i shed“. Hart und simpel, fast schon Prügel-Hardcore.
Ihre Hits hauen sie aber im eher punkigen Genre raus. „silhouettes“ ist total geil!

In 8 1/2 Minuten hauen sie vier klasse Songs raus.
Ich like die Band hart. Hoffentlich nicht „possibly their last“.

Dadurch das die Drums nicht richtig fett gemischt sind, der Bass präsent, dennoch weiter weg, die Gitarre minimalistisch und der verhallte, gekreischte Gesang: da bleibt am Ende eine spürbare Atmosphäre. Das ist echt spannend!

50 Tapes, diy. Get it on Bandcamp:

LP: aackr – wtf 2025

Nachdem ich mir Yass angehört hatte, da muss doch direkt nochmal AACKR auf den Teller!

Diese Songs sind manisch, beatorientiert und nimmermüde. Manchmal wollen sie gar nicht enden!
AACKR verfolgen eine Mischung aus Rhythmus und Rhytmen, die nicht ganz zuende gespielt sind. Darauf eine Basslinie, die sich langam aufbaut. Irgendwo fehlt mal ein halber Takt am Ende – darauf reduzierte und akzentuierte Gitarrenlinien.
Mal ein Synthie, mal ein Sample.
Wenn man es einfach laufen lässt, da es instrumentale Musik ist, kann man das schon ganz schön reinfallen. Im Sinne von „sich fallen lassen“.
Man wird mitgerissen, doch die Musik ist wiederum nicht flott genug, um anzufangen zu zappeln. In gewisser Weise, könnten AACKR auch einen Soundtrack gestalten.

Willentlich reduzierte Sphäre.

Nur sechs Songs, dafür maximale Spielzeit, die auf eine LP passt. Wie soll es auch anders kommen, wenn man Songs mit diesen Klangteppichen aufbaut und wieder vergehen lässt?
11 Minuten Wahnsinn in dem Video oben!
Linernotes zu den einzelnen Songs im Gatefoldcover.
Spannend zu lesen, was die beiden sich dabei gedacht haben!
„eine wichtige, emotionale Momentaufnahme, die in einer Zeit voller Krisen entstanden ist. Our world is about to loose its Balance. Darauf waren wir in unserem ständig Fortschritt verwöhnte Gesellschaft einfach nicht vorbereitet.“

Sehr gute Beobachtung und Zusammenfassung.
Noiserock-Bands klingen, meiner Meinung nach, alle anders. AACKR sind eine von den Guten. Checkt das aus.
Artwork ist von Atze. Und er hat es wohl geschafft nach Jahren etwas Gelb ins Cover zu packen. Eben ein Gatefold. Superklasse Farbe.
200 Stück.
Bei Moertel Sound.

LP: yass – feel safe

Die neue LP von Yass beginnt mit einem Songs, den es schon als erstes Video gab. „in the basement“.

gemeinsam mit dem zweiten Song „got hurt“ fangen Yass sehr fiebrig an, was sie im Grunde auch live ausmacht.
Sie fangen auch dort an, wo sie beim letzten Album aufgehört haben.
In jedem Fall gehen die stampfenden Beats hart ins Bein. Zappelfaktor garantiert.
„suit“ eine, gewissermaßen, ruhigere Nummer.
„nobot“ – auch als video erschienen – man muss sich an diesem Punkt dann doch mal wieder in Erinnerung rufen, dass die Band nur aus zwei Menschen besteht. Drums und einem Wahnsinnigen! Dieser spielt Gitarre, spricht seine Lines ins Mikro und programmiert noch die ganzen Synthy-Sachen, die zugespielt werden.

Yass sind in ihrer Art unglaublich kreativ. Und in dem Synth-Noise-Gitarren-Spektrum wohl ziemlich alleinstehend.
Seite zwei – mal kurz & knackig zusammengefasst – der Titeltrack „feel safe“ ist mit der schnellste Song.
Insgesamt wirklich ein, in seiner überladenen Schlichtheit, sehr sehr gutes Album.

Grafik-Design von Fabian Bremer. Erschienen bei Crazysane Records.

LP: trainer – oh mandy

Trainer hatte ich schon einiges gehört aber lang nicht gehört.
Und dann schlägt auch bei mir dieses hochgelobte Noise-Album auf meinem Plattenteller auf.
Bäm, macht das.
Zwei Gitarren, ein schweigsamer Sänger und viele Beats.
Da werden wahrlich nicht viele Worte gemacht, aber die sitzen.
Der Prolog ist schon ein Smasher. Je länger das Album läuft, desto mehr zieht es mich (wie schon „athletic static„) in seinen Bann.

Der letzte Absatz des Textes von „chinese fiancy“ kriegt einen besonderen musikalischen Absatz für den letzten lyrischen Absatz. Cool.
„variations on a theme by harry pussy“ ist wohl inspiriert von einem Song eines Künstlers names Harry Pussy. o-kay…..
Wieder was dazugelernt.
Eine trockene Gitarre, furztrocken, eine geräuschorientierte.
Sie spielen mit dem für und gegeneinander.
Da es keine wirkliche Backsection gibt, ist das schon echt spannend. Manche Geräuschkulissen sind so, dass ich gar nich wirklich zuordnen kann, wer das denn zuspielt oder ob es doch aus der Gitarre kommt.

Die Inspiration zu Tanzen, wie die Trainer sich vorstellen, dass wir uns motiviert fühlen beim Anhören von „oh, mandy“, habe ich nicht. Eher was für Menschen, die ohnehin mit Zuckungen durchs Leben gehen.
Die Musik ist dann aber doch zu laid back und in ruhigeren Songs wirkt sie düster. Dazu kleine Kaskaden von Molltönen oder Halbtönen.
Bei „jesús jabrol guitar“ frage ich mich schon, woher man einen so dissonanten Akkord herzaubert.

Die Drums klingen im Raum irgendwie dem „brown album“ von Primus nicht ganz unähnlich. Find ich gut.
„i would have said „fuck you““ – auf einem Ton rumzujuckeln und daraus einen guten Song zu machen ist schon eine Kunst. Gut!
Hit ist „plattenbau“ weil am punkigsten und auf deutsch gesungen.

Dieser Release wurde nicht von staatlichen Institutionen unterstützt sondern allein bei Fidel Bastro rausgebracht. Das ist gut so.
Das sollten sich so manche Punkband auch mal wieder auf die Fahnen schreiben!

Geile Videos machen sie auch. Hier noch eins.

Gibt es bei flight13 zu kaufen.

LP: schwindel – tod dem diktator

Schwindel-ig ist mir nicht, aber Schwindel können sehr gut Kreise drehen, wenn sie losgelassen werden.
Bevor ich die neue Platte überhaupt aufgelegt habe ist mir der Titel „Tod dem Diktator“ ins Gehirn gefräst.
Im Promoschreiben steht dazu auch noch als Fortsatz „Pest der Tyrannei“. Joah. Ich seh mich da schon auf ner Demo mit dem Schlachtruf.

Das Cover finde ich auch echt ansprechend. Artwork ist von Tobias Göbel von dem ich schon einige Artwork gesehen habe (Octo, In Gaffa,…)

Der erste Track ist gleich ein starker Beginn, die Band nimmt sich wohl selbst nicht zu ernst und titelt „schwindel muss vernichtet werden“.
Sie nennen es Punk, ist es auch, ein bisschen tieferer Rachut-like-Gesang.
Allerdings bringt das Trio Schwindel etwas mehr Noise auf die Hälse und Felle ihrer Instrumente. Was im Sound nicht so spürbar ist, der ist druckvoll!

„zufallsprinzip“ ist ein sehr noisiger Punktrack. Die Lyrics sind bemerkenswerter Weise komplett zerhackt. Sie wollen nicht enden oder enden in der Mitte der nächsten Zeile. Und nach eineinhalb Minuten ist der Krach auch durch. Cool.

Irgendwas zwischen Indie und Post-Hardcore. Punk eben, hehe.
Ich empfinde Schwindel als eingängiger als die Vorgängerband Grow Grow, die ich schon ganz gerne gehört habe. Das zweite Album von Schwindel gefällt mir echt gut!
Man versteht die Lyrics schon ganz gut. Einfacher ist manchmal mitlesen und kann dann besser dem Rest, dem Gesamtbild lauschen. Leider muss man das Lyricsheet im Uhrzeigersinn mitdrehen.
Naja, wenn das mal alles ist, worüber ich rumheule.
Schwindel heulen nicht, sie machen zeimlich klare Kante und finden deutliche Worte. Was auf dem ersten Album sich noch mehr um Geschichten und Ereignisse drehte, hat nun die aktuelle Lage textlich im Würgegriff.

Anspieltipp ist da „reclaim spazierengehen“.

Nimm mich auf den Arm – Sag mir, was ich hören will
Zeig mir die flache Welt – Ich geb dir mein Taschengeld
Du denkst lieber quer – Deine Antwort klingt bequem
Höchstwahrscheinlich löst sie – das komplexeste Problem

Vielen Dank, Schwindel, für dieses schön krachige Album. Weitab vom Puls der Zeit, der meist mit irgendwelchen Synthie-Post-Punk-Quengeleien um die Ecke kommt, aber nicht mit geradeaus gespieltem Punk.

Dan am Bass, Karl an den Drums und Martin Gitarre und Gesang.
Die Band ist ganz gut aufgehoben auf dem Label Flight13, wobei mir dieser Release schon etwas besser gefällt, als vergleichbare Schalko mit ihrer letzten LP „3 mal pommes, bitte“.

Zehn Songs sind auf dem 180gramm Vinyl zu finden.

LP: ditz – never exhale

(wer es noch nicht beim vinyl-keks gelesen hat, dann hier:)

DITZ – never gehört. Als die sehr einfach aufgemachte Platte auf dem Teller lag, die Nadel in die Rille schlüpfte, die ersten Töne aus den Boxen hüpften: da war es um mich geschehen.
Das geht richtig gut los und hört im Grunde bei keinem Song auf, bleibt nicht stehen, unaufhörlich.
Ich nehme es also vorweg: was für ein tolles Album!

Intro passt schon mal, dann kommt „Taxi Man„.

Ein wirklicher Banger. Das Stück ist ein halbwegs melodischer Noise-Opener.
Es folgen „space/smile“ und „senor siniestro“ die mich erstmal noch nicht so richtig fetzten, bis dann „four“ mit seiner sägenden Gitarre, dem superryhthmisch minimalistischen Drumpattern und den erzählenden Vocals meine volle Aufmerksamkeit hat.
DITZ spielen mit maximalem Minimalismus. Ganz reduzierer Gesang, nur sprechend, ohne irgendwann lauter zu werden, dafür alles um die Sprache herum.
Ein bisschen Synthie, ein bisschen Zerre auf den Vocals, dieser „the Matrix“-Telefonsound. Irgendwie ist die erste Seite verflucht schnell durch.

Und dann kommt Seite zwei (Überraschung!) – da ist kein einziger Song mehr, den ich nicht gut finde!
smells like something died in here“ ist ein so famos cooler Track, erinnert mich an eine Mischung aus den Sleaford Mods und einer Noiseband, die Bock auf Doom hat. Schön schleppend. (future of the left als Beispiel)

18 wheeler“ ist dann ein sehr noisiger Track, der total gut runtergeht. „the body as structure“ und „britney“ eröffnen dann etews Neues, da da ein wenig Post-Punk durch, weil da aus dem Krach doch auch ein paar Melodiebögen herausperlen.
Sehr minimal eingesetzte, sehr gut umgesetzte Ideen. Ein schwerer Bass, wenig Drums, das die Beats dezidiert gekonnt einsetzt. Keiner drängt sich in den Vordergrund und trotzdem maximaler Output.

Keine Ahnung, was die vorher so gemacht haben, ist nicht ihr erstes Album.
Ich hör dann mal weiter!

DITZ.
Self-Released, in Europa auf schwarzem Vinyl, GB/Australia auch in pink und marbled.
Zweite Auflage in Orange via Bandcamp!

 

LP schubkarre – sand im getreide

Von Schubkarre aus Marbach am Neckar habe ich die LP „sand im getreide“ (nicht: getriebe – ausführlich gegen Ende der Folge 15 des Plattenschau Podcasts) bekommen und verschmaust.

Die Band gibt es schon ein paar Tage, noch nicht allzulange, man merkt an jeder Ecke, dass sie das was sie tun, mit viel Herz machen und DIY.
Schubkarre machen recht…. klassischen Rock. Doomig, der Gesang ähnlich Fauli von Krasser-Fahrstil und doch auch ein bisschen Friedemann von COR.
Schubkarre ist eine recht junge Band, die sich irgendwie noch nicht ganz gefunden haben im Stil, aber allen Mut zusammengepackt haben, ins Studio gegangen sind, um eine Platte zu produzieren!
Heißt: man muss sich in den Sound reinhören, damit man sich nach ner Minute dann auch fallenlassen kann und beginnt, zuzuhören.
Intros haben sie wie Metallica in den 80er Jahren, lang und ausgiebig steigt man in die Lieder ein! Allein die letzten beiden Tracks „eure eigene Sklaverei“ und „was brauchst du noch“ sind je knapp 7 Minuten!
Sie haben eine experimentelle Art und Weise an ihren Sound ranzugehen, das merkt man eben auch daran.

Im Ganzen ist das gar nicht mal schlecht, es fehlt so ein bisschen der Zündfunken, der hoffentlich im nächsten Release überspringt.
Das Herz am richtigen Fleck, die Gedanken in die richtige Richtung unterwegs, noch nicht ganz geradeaus; ausgereift.
Ein nicht uninteressanter Release einer Band, die hoffentlich noch etwas vor hat!

Platte kommt mit Textbeileger. Schwarzes Vinyl. Direkt bei der Band bei BC!

MC: prunk nelke – trauerspiel session

Oi. Was so einen Titel hat…

Nein, so ist es nicht. Prunknelke, ich habe noch nie ein PromoTape zugeschickt bekommen, haben keine Kosten & Mühen gescheut, mir ihr Werk ins Tapedeck zu hieven.
Ich bekam auch rechtzeitig zum oder gar vor dem Release am 07.03.2025, das fertige Tape zugeschickt. Danke!
Sie sind, wegen ihrer ausgefallen, abgefahrenen Mucke auch auf dem aktuellen Postillen-Sampler gelandet.

Prunknelke kommen aus Graz und machen irgendwie ziemlich noisigen Hardcore. Post-Hardcore, vielleicht auch Screamo. Das ist aber nicht so abgenudelt und abgekupfert. Dafür ist es aber auch ein bisschen anstrengend, manchmal. 90er Jahre Screamo (als man das so noch nicht nannte), Hardcore, mit ein paar Neuzeit Riffs, im Sinne von Skramz, ein bisschen Geballer. Ein guter Schuß Punk steckt da drin. Die Bassistin kreischt mehr und der Gitarrist brüllt und singt mehr.
Die Texte sind nicht sooo gut verständlich, doch die Emotion kommt gut rüber. Zwischen manisch treibenden Drumparts und Punkrockriffs passt immer mal ein plötzlicher Ausbruch an Disharmonie.
Allerdings sollte man sich schon Zeit nehmen und Prunknelke zwei, drei mal hören! Nicht alle Takt sind gerade, nicht alles ist eben eingängig.

Sie überraschen mich mit ihrer ungestümen Art. 12 Songs, von denen drei in Klammern gesetzt wurden. Und beginnt mit dem saucoolen Titel „riesen aus rauch“. Sie haben sehr gute Titel.
Prunknelke mit „trauerspiel session“

Erschienen bei Grazil Records und auch dort zu haben.

LP: in gaffa – dunkel, oh ha

Psychedelischer Trip durchs Kinderzimmer gefällig?
„dunke, oh ha“ von in gaffa ist sowas… in der Art. Oder auch anders.
Ich wurde dasgen, ich hab alles erzählt, außer: dem coolen Artwork. Ein ebenso psychedelischer Trip mit Schlafmohn, Nintendo Konsole Nummero eins. Der Hubschrauber… wie hieß der noch aus der Serie „vier fäuste mit einem nerd“ oder so. (ja, ich habs dann gefunden) und „screaming mimi“ heißt der scheiß hubschrauber.
Hat ja aber nix mit der Musik hier zu tun. in gaffa, bzw. Tobias, der das Artwork gestaltet hat, bedient sich noch aus Star Trek, Elfencorpsepaint-Mädchen, welches ein Baby füttert.

Die erste Seite hat nur vier Songs, dafür intensiv, treffsichere Beats, bisschen Krach, am Ende la-lalala-la-la – ich liege auf dem Rücken meiner Deck und schaue mit verdrehten Augen auf die schlingernde Platte.
Hab ich den letzten Output irgendwie nicht angehört?
Wieso ist dieser famos großartige Noiserock nicht hängen geblieben?
Startet mit dem Orchesterstimmen „you’ve got the spirit – we’ve got the hooks“ und zerlegen sich gleich in der ersten Sekunde selbst.
Das wird noch schon harmonisch. Der Bass donnert die Melodie, die Gitarre ergänzt sie zärtlich.
Dann folgt:

Ein halbtonintensiver Hit in dem Mister Spok auf jeden Fall eine Runde mitsingt. Bevor dann der Chor vom Planeten Ogo im Raumschiff heranreist und das Orchester komplettiert.

Seite zwei mit dem Starter „why so unkind“ ist fast ein Pophit. In Gaffa verstehen es sehr sehr gut, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und genau deswegen diesen Genremix auf einen Noise-Nenner zu bringen.
Verzichtet auf die totale Vertracktheit des Noise und liebt den phantasievollen Einsatz des Korg. Der Gesang nicht vieler Worte verlegen sondern ein Instrument, welches eingesetzt wird, den Minimalismus zu maximieren. Geil.

Ich mag Mörtel Sounds für seine irren Releases, doch dieser toppt es echt.

LP: fun total – tristesse

Fun Total, die neue Hitmaschine aus Hamburg. Amtliche Nachfolger der Ein-Platten-Band Honigbomber (ich hab die hart gefeiert!). Vor allem Aufgrund dieses noisigen Gitarrenspiels und dieses verratzten, fast schon vernuschelten Gesangs – der schon etwas mehr als Sprechen ist, aber sicher kein Wiebusch.
Bartzy heißt der Sänger und wir sind über die Jahre so sporadisch in Kontakt geblieben. Dadurch habe ich schon früh von der neuen Band Fun Total erfahren und mich freuen können, dass genau diese beiden Signature-Sounds erhalten geblieben sind.
Konnte sie Anfang April in Karlsruhe leider nicht sehen.
„tristesse“ liegt also auf. Welches seinesgleichen sucht. Ich rede jetzt nicht von „Hit an Hit“, eher so ein „Schlag auf Schlag“ gemeint! Für die, die die Ohrwumrgarantie in meiner Ausssage vermissen, also mal klar gestellt!
Fun Total spielen richtig gut zusammen. Midtempo-Punkrock. Der mit „bis keiner heult“ und „kündigung“ eher mit Standard-Riffs losgeht. Ich muss wirklich warten bis „ich warte noch“ anläuft und der Refrain mich endlich in die Bartzy-sche rückkoppelt. Es ist schon alles eingängiger, das kann ich wohl so sagen, weniger klirrende Gitarren. Elf Songs sind es insgesamt.
Nach der Hälfte, sprich auf Seite zwei, kaum darüber nachgedacht, wie eingängig das geworden ist, zieht mich die Scheibe in ihren tristen Abgrund. „könig fussball“ ist so ein hart spannendes, tristes, vor lauter Abgekühltheit glühendes Riff – geil!

Danach die „ode an die freude“ ist musikalisch das Gegenteil davon. „zalan-d’oh“ ist ein Wortspiel aus dem Königreich der Simpsons. Ich mag gerne auf den Abschluß der Platte eingehen. „wenn die Nacht kommt“ ist bitter, zynisch, böse und total zutreffend.
Bis dann ganz ganz zum Schluß „hdgdl“ (was wohl neudeutsch für hab dich ganz doll lieb steht, möglicherweise), mit so einzelnen Sätzen, von denen ich denke Volltreffer

old an boring ist das neue bored and violent
zünd doch endlich mal was an sei es deutschland oder ne barbie
nimm mich endlich an die hand und wir rotzen anarchie-zeichen in den beton
vermummt auf der couch
live aus dem reichstag (was ein Zitat des Honigbomber Albumtitels ist)

Ich lerne auch noch dazu, denn was ich nicht wusste ist, dass das Cover die ehemalige Hamburger Schilleroper ziert. Dieses Gerippe steht wohl Sinnbildlich für die Kritik, die so ziemlich alle Punkbands in Hamburg an der Hamburger Stadtplanung haben! Ein sehr sehr großes Thema, und führt hier etwas zu weit, für so einen Review.

Mein Eindruck ist, dass diese Art Punkrock wohl nicht unbedingt die ganz jungen Punks erreichen, eher den gesetzteren Mittdreißiger. Jemand der, aus dem wütenden Parolenpunk entwachsen ist und dem „he, bleib halt mal stehen und hör mehr zu“ Konzert gewachsen ist.
Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, sind die Texte. Ich emfpinde sie tendenziell als nebulös und nicht als verkopft. Ich versteh manche Sachen einfach so gar nicht, der Zusammenhang der Worte will sich nicht erschließen.
Fun Total legen da mit „tristesse“ ein gutes, noisiges, Punkrockalbum hin. 7 oder 8 von 10, wenn ich hier so Punkteshit machen würde.
Vor allem der zweite Teil der Platte ist super!

Myruin, zu haben zB bei flight13.