Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

festival: gutensglück #1 16.09.2022 – dr. dexter / kurzinti

Vor sechs oder sieben Jahren habe ich Dr. Dexter schon mal an der selben Stelle gesehen. Ich spielte mit meiner Band pADDELNoHNEkANU auf einem kleinen Konzertabend, damals noch mit Ben Racken.
Dr. Dexter haben eine Platte rausgebracht, 2012, war das. Sie machen … Piano-Punk. Hört sich seltsam an, isses aber gar nicht. Etwas düsterer, ein Vergleich wäre Fliehende Stürme, Punk durchgehend mit Piano. Und der Pianist Peter hat es echt drauf. Für mein Empfinden ist das ein Instrument, bei dem man echt aufpassen muss, dass es nicht zu laut wird und alles andere „zuklimpert“.
Dr. Dexter, äußerlich kaum verändert, auch immer noch in der selben Besetzung, Tobias (Gitarre), Matze (Bass & Gesang), Eik (Drums) und eben Peter am Piano. Ich darf Tobias im Anschluss an ihren Gig ein paar Fragen Stellen.

PP:
Wie seit ihr denn auf die Idee mit dem Piano gekommen?
Tobias:
Anfangs waren wir zu dritt. Peter hat einfach irgendwann mal mitgespielt und dann blieb es so, wie es jetzt ist. Es war einfach schön! Er ist ein echt begnadeter Typ, wollte Organist werden, aber er hat künstliche Hüft, die das nicht möglich gemacht hat.
PP:
Eine erste Platte habt ihr ja schon gemacht, arbeitet ihr an neuen Songs?
Tobias:
Wir wollen schon eine zweite Platte machen, haben aber wenig Zeit zu proben. Alle arbeiten in Schichten. Wir treffen uns ein Mal im Monat.
PP:
Heute Abend gespielt, nun also erstmal keine Probe mehr. Mich hat das heute an Fliehende Stürme erinnert!
Tobias:
Och, danke! Das ist ein schönes Kompliment, ich bin großer Fan.
PP:
Was kommt als nächstes?
Tobias:
Wahrscheinlich nichts, es geht uns so gut, uns fallen keine Texte ein.
(lachen)
PP:
Wie lang spielt ihr schon zusammen?
Tobias:
So 12, 14 Jahre!
PP:
Ihr kommt hier auch aus Magdeburg?
Tobias:
Wir proben hier bei Lars, dem das Grundstück (auf dem das Festival stattfindet) auch gehört, in der Garage in Klein-Ammensleben.
PP:
Mit ihm werde ich hoffentlich auch noch ein paar Worte wechseln. Vielen Dank, für die Infos!
Anspieltipp „für dich“

 

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

LP: donner – doch kaputt

Endlich wieder Deutschpunk. Donner schmettern ordentlich in Reibeisenstimmlage durch diese Mini-LP. Acht Songs präsentiert die Band.
Insgesamt wirkt das Gesamtkunstwerk doch etwas frisch. Die Songs sind zwar alle durchweg gut gespielt und vor allem vom Dreiklang Studio und BaxxBeatMusic in Aschaffenburg richtig gut aufgenommen. Seit circa 2017 (da kam der erste Release) haben sich „zu einer Punkband entwickelt, die klassische Punkriffs mit eingängigen Melodien vereint.“ So die Eigenaussage und ich antworte: stümmt.
Beim ersten Durchlauf bleibt allerdings nur hängen, dass jedes Lied gleich konstruiert ist. Klassische Punkriffs hin oder her. Kleine Fussnote: die Worte „klassisch“ und „Punk“ in einen Zusammenhang zu bringen ist aus musikalischer Sicht schon echt witzig.
Die Texte sind persönlich, sozialkritisch, (mehr) zwischen Hoffnung und (etwas weniger) Wut. Obwohl die harten Chöre schon sehr fordernd sind und im Mob vor der Bühne ganz sicher die ein oder andere Faust in der Luft geschwungen wird. Pogo tanzen und mitgröhlen kann man bei Donner auf jeden Fall, denn ein Gespür für eingängige Hooks ist ihnen definitiv nicht abzusprechen!
Wenn ich beim zweiten Durchlauf überlege, welchen Song ich herausheben sollte. Sie sind sich zu ähnlich, deswegen aber keineswegs schlecht. Mir würde die Schublade Punkrock mit Oi-Kante gut gefallen. Ich weiß nur nicht, ob die Band das auch so sieht.

Erschienen im Mai 2022 bei Noise To Help Records wobei dieses Label wohl eher dem Hardcore zugetan ist und auch noch recht neu. Ich bin gespannt, was da noch so kommt. Gibts beim Label oder bei der Band hier auf:

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

MC: the Melmacs – good advice

Zwischen Rockpop (ich hab keine Ahnung, wie man das nennt) und Poppunk schwelgen die the Melmacs in sehr fein produzierten Songs.
Hits sind, meiner Meinung nach, „saturday night“ und „planet melmac“. Die beiden Songs veranschaulichen sehr gut die Herangehensweise der Band.
Während „saturday night“ eine ganz wundervoll melancholischen Basslauf hinter extrem repetitiven Lyrics versteckt, kommt der „planet melmac“ daher, als wäre er aus einem 60er Jahre Film gefallen.

Die Band aus Leipzig gibt es noch nicht gar so lang.Scheint aber einen maximal kreativen Lauf zu haben. Kann man ja auch ganz gut anhand des Videos sehen, Zitate fallen ihnen auch nicht schwer.

Das ist ziemlich kurzweilig. Und ohne diese Nummern, die immer mal eingestreut sind, würde mir der doch sehr poppige Sound leicht durchrutschen. Da bleibt wenig hängen, wenn da… ja wenn da nicht….
Also: gut!
Kaufen. Tape gibt es mit Button und einem anderen Cover als die LP.
Hier und hier.
Selbstverständlich erschienen für den Garant der punkig guten Laune: Bakraufarfita. V.Ö. am 30.09 (und ich habs geschafft, rechtzeitig, vuhou!). Tapelabel ist Tape or die. LP-Coop mit Wanda Records.

Eigenbeschreibung noch hintendran:

The Melmacs give you top notch PowerPop-Punk, combining jab jab guitars with a jub jub keyboard, pow pow drums and a boomboom bass that will butter your parsnips! A terrific potpouri, very nice, very evil, stabbing you in the back, blowing out your earwax, rising the sun with it‘s bare hands. Helmets and slippers required – Welcome to Planet Melmac!

UPCOMING SHOWS:
———————-2022———————-
15.09.2022 – München, Feierwerk w/ Kotzreiz, Pestpocken
17.09.2022 – Stuttgart, Juha West w/ Kotzreiz, Pestpocken
18.09.2022 – Göttingen, Musa w/ Kotzreiz, Pestpocken
03.10.2022 – Leipzig, Manfreds w/ Missstand
11.11.2022 – Dresden, Chemiefabrik w/ Pissed Ones, Strg+Z
18.11.2022 – Bautzen, DIY w/?
19.11.2022 – Erfurt, Tiko w/?
02.12.2022 – Hamburg, Indra Musikclub w/?
03.12.2022 – Hannover, Monster Records, w/?
———————-2023———————-
06.01.2023 – Berlin, Schokoladen, w/The Not Amuesd
07.01.2023 – Jena, Alster (Kneipe)
28.01.2023 – London w/ The Speedways

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

LP: anna absolut – ultramarin

Wenn es eine Band gibt, die musikalisch komplett was drauf hat und sich wahnsinnig weiterentwickelt hat, dann ist es Anna Absolut aus Graz in Österreich. Wenn es eine Band gibt, die textlich sowas von irrwitzige Ideen hat, bei denen es, zumindest mir, einem die Fragezeichen in die Falten auf der Stirn wirft, dann ist es Anna Absolut.
Sie haben echt ein Händchen für „badab dab dab vow“ (Schwestern im Geiste) und andere Spielereien.
Wenn es um Inhalt geht und eine Aussage, dann haben sie schon ein klare Kante gegen Rechts „Kanonen & Violinen“. In meinen Ohren ist die Musik der Band richtig gut gereift, sie haben ausgefallenen Ideen und spielen das einfach so weg; alles gehört zusammen. Eine wilde, runde Mixtur, aus Turbostaat-Melancholie, Punkrock, Post-Rock und leicht windschiefem Gesang.
Und dann stolper ich über die „
Eine sehr schön getexte Erinnerung an einen Kämpfer gegen den Nationalsozialismus namens Karl Drews; und alle andern, die als Pflastersteine in einer Stadt verewigt wurden.
Danach wird wieder aufgedreht mit „Mythos Scholmer“. Ein Text, den ich so gar nicht verstehe. Ist das so ein Die Ärzte-Gedenkstück à la „bitte, bitte“ oder erntsgemeint auf eine lebende Person, die ich in meiner Schnellrecherche nicht gefunden habe.
Mit „Adrenochrom“ und der Videoauskopplung „Liebe kann man so nicht schreiben“ machen sie wieder alles super. Klasse getextet und musikalisch eine gute Mischung aus emotionalem Indie-Geschrammel. „Liebe kann man so nicht schreiben“ dreht sich um toxische Beziehungen.

Sie brechen die beiden ernsteren Themen dann mit dem flotten „Tanzen geh’n“ auf; um als Abschlussnummer „denk nicht mehr daran“ wieder dafür zu sorgen, dass ich diese Sorte Humor so gar nicht verstehen kann. Vielleicht kommen Anna Absolut aus einer anderen musikalischen Galaxie, oder sie sind einfach hundert Jahre jünger als wie ich 😉
Sie selbst schreiben „
Inmitten von Punk und Indie. Lebensbejahend, sozialkritisch, mit Augenzwinkern.“
Ihr bekommt die Platte über diesen LinkTree.
In wunderschönen Farben Cover und Vinyl. Mit Textinlay, leider kein DL-Code

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

MC: carving void – a world in decline

Modern Illusion aus Ulm haben mir noch ein Tape zugeschickt auf dem sich Carving Void befindet.
Die Band macht metallischen Hardcore und kommt aus Dresden & Leipzig. Ihr Erstling „a world in decline“ digital und als Tape erschienen.
Die Eigenbeschreibung ist soweit richtig. Allerdings empfinde ich das musikalische Tun eher als Todesmetallischen Hardcore. Growls, Moshparts mit Doublebase, Gangshouts. Soundmäßig erinnert es mich an Cro Mags oder Pro Pain. Es gibt sicherlich aktuellere Bands, die besser als Beschreibung passen, die ich leider nur nicht kenne.
Auf der einen Seite eine echt coole Mischung, die abwechslungsreich ist, auf der andern Seite mir eine kleine Spur zu viel Death Metal.
Wer drauf steht wird auf keinen Fall enttäuscht. Die Band spielt einen ziemlich harten, striaghten Stiefel.
Sozialkritische Texte, die passenderweise eher dystopisch sind als lebensbejahend. Eine Aufforderung korrekter und besser miteinander umzugehen.
Ich denke, hier kann der geneigte Hardcore wenig falsch machen.
Ein bisschen verloren fühle ich mich schon immer, wenn ich so ne Mucke anhören darf. Neun Songs. Gutes Artwork. Goldenes Tape. Doppelaufklappcover, plus Textblatt.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

fanzine: zucchini days #1

Auf das Zucchini Days Fanzine bin ich, glaube ich, bei Instagram aufmerksam geworden. So steht es dann auch auf dem Cover: das DeepblueZine Presents: ZucchiniDays Zine #1 im Früjahr 2022.
Mit Deepbluezine macht Esther (she/her) meist kleine Perzines über tote Vögel, Wohlbefinden, erste Zeilen in Büchern, lauter gute Einfälle!
Ich bin sofort auf das Cover und ein Thema angesprungen und habe eine Nachricht hinterlassen. Esther hat mir dann recht schnell ein Heft geschickt. Auf dem Cover sind zwei Frauen, die sich beide hinter ihren Händen die Gesichter verstecken. Oder wollen sie uns die Gesichter nicht zeigen? Hinter ihnen ein leeres Feld in Bersenbrück, da kommen sie nämlich her.
Thematisch bin ich auf „Siebdruck“ angesprungen. Selbstverständlich auch neugierig auf den Rest des Zines!
52 Seiten, Kopiershop-Druck, yeah.

Einleitend ein Vorwort, eine kleine Gschichte über das gepflegte, schwarze Waveoutfit der Jugendtage und eine dazugehörige Playlist auf die Ohren. Mit dabei, zwischen Wave und Pop der 80er, auch die Toy Dolls als immer noch stabile Vertreter des Punk.
Das Label Kellerassel Records wird interviewt, bisher in Internet und so bekannt durch Minimalstpräsenz sind. Und sie bringen in der Hauptsache Death- / Blackmetal und Grindcore raus (entschuldigt, aber an diesem Punkte recherchiere ich nicht weiter, nicht meine Baustelle.) Einen Überblick gibt es bei Discogs, da ist schon ordentlich was zusammengekommen! Sie unterhalten sich darüber, wie man denn so ein kleines Tapelabel macht, von der Musik über die Grafik, etc.
Some Beispieltunes:

Auf diesem Label sind auch Toadeater raus, hier im Heft im Interview. Ihre Themen sind mehr nordisch und auch römisch und griechisch. Götter und Mythologie.
Unter „to be continued“ ist Luki im Gespräch, der ein Label names Sapivon gründen will. Das hatte ich jetzt auch noch nicht, ein Interview mit jemandem, der erst tun wird, was er zu tun gedenkt. Sehr gut!
Ein Interview gibt es noch, mit Minenfeld aus Bersenbrück. Death Metal mit WWI-Thematik. o-kay….

Ein sehr guter, übersichtlicher Artikel über Essstörung und Bodyshaming.
Und zum Abschluß, nach all dem Krach und Lärm, den ich glücklicherweise gar nicht gehört, sondern nur gelesen habe, gibt es den ersehnten Beitrag / Anleitung zum DIY-Siebdruck. Und eine Fragerunde „welches Gemüse bist du“.
Das ist sehr unterhaltsam. Danke für diese erste Ausgabe, freue mich auf die nächste, falls es noch eine geben sollte. Sie schreibt, dass dieses Zine aus der Prüfungsleistung für die Uni entstanden ist.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

festival: gutensglück #1 16.09.2022 – von hölle / kurzinti

Roger (Gitarre / Gesang) haben uns vor ein paar Jahren mal schon in der Gegend um Magdeburg kennengelernt.
Von Hölle gibt es nun doch schon seit ein paar Tagen, wie bei den meisten Bands gab es kleinere Veränderungen, und sie hatten das Vergnügen nun mal zu Viert aufzutreten. Jens (Drums), Laui (Bass) und Rudi ist „der Neue“ an der Klampfe; seit ca. 2018.
Das erste Album bevor Rudi dazu kam heißt „alles muss raus“

Im Kurzinti hat mir Roger verraten, dass Von Hölle seit geraumer Zeit an neuen Songs wurschtelt. Sie nehmen im Proberaum selbst auf und schicken die Songs peu à peu ins Studio zum abmischen. Da sind inzwischen so viele Stücke bei rumgekommen, dass sie jetzt ein Album fertig machen und danach direkt noch ein zweites!
Die erste Platte wird „unwelt“ heißen und kommt dann so in… 5 – 19649164 Monaten, da die Band Vinyl machen lässt.
Auch gibt es eine Split mit der Band Nopedose. Die Bands covern sich gegenseitig. Einen habe ich live gerade sehen und hören können „(in den Köpfen brennt noch) Licht“. Laut Aussage Roger haben Von Hölle den Song etwas eingekürzt und umgemodelt. Das haben Nopedose ebenso gemacht.
Mir fräste er sich gleich ins Hirn.

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

konzert: 21.&22.09. degenerated jerks – tour de karslruh

[Gastbeitrag von Joey Controletti]
in Coop mit Felix Frantic

Mittwoch, 21.09.2022, Alte Hackerei Karlsruhe.
Zwei Handvoll zahlende Gäste – schlecht für die Anwesenden, gut für die Karlsruher Feuerwehr. Denn das Line Up an diesem Abend hätte, gemischt mit entsprechendem Publikum, einen Krater ins Schlachthof-Gelände gebrannt.
Opener sind Degenerated Jerks, ein Chemie-Brand mit garagig-hardcorigen Emissionen. Die beteiligten Wissenschaftler sind bekannte Täter aus anderen Laboren, u.a.: Zero-Zeroes, Astrokraut, Zøggn a.k.a. Typhuzz a.k.a. ¿¿¿ und The Bone Idles. Mit dabei, im Chemiebaukasten der Band, ist die brandneue EP auf Zwölf-Zoll-Vinyl, je halbseitig bespielt und besiebdruckt. Das Set dauert etwa 20 Minuten und weist eine hohe Dichte auf, bestehend aus Hardcore-Riffs nach Los Angeles Art, einem Arschtritt in die Fresse und viel Witz.
Ein gut bemessener und sättigender Cocktail, nach dem einem nichts fehlt. Die Kirsche auf dem bunten Glas ist ein GØGGS-Cover, welches das unterhaltsame Set passend abrundet.

Weitere Pomade gießen anschließend Pink Room (BEL) ins angefachte Feuer. Angetreten als Threepiece, bringen wahre Meister ihres Fachs das anwesende Publikum zum schmelzen. Der Bassist und Sänger der Gruppe wirkt wie ein Brandstifter, der, auf einer Feder-Boa reitend, den Siebzigern entstiegen ist und mit seiner Fingertechnik auch eine Konservendose voller Bockwurst zum Höhepunkt bringen könnte.
Seine Schreie brennen mit Vollgas eine Schneise ins Belohnungszentrum und lassen uns einem fiktiven Gott danken, dass wir das erleben dürfen. Virtuos gespieltes Schlagzeug und Gitarre erzeugen noisig-garagige Klänge in einer Klarheit, rein wie Flammen, und präsentieren ausgezeichnetes Songwriting, das 100 % live erlebbar ist.
Bleibt nur zu sagen: Danke an alle, die an diesem einzigartigen Abend beteiligt waren!

Donnerstag, 22.09.2022, P8 Karlsruhe
Ich denke, es waren etwas mehr Gäste da, einige sehr liebe Menschen wiedergetroffen, gleich ins Gespräch gekommen. Doch auch gleich, bei meinem Eintreffen, ich kam gerade von meiner Bandprobe, spielten Degenerated Jerks schon den ersten Song. An der Wand Wrestling über BEamer, ein zappeliger Sänger, der versuchte zu der eigenen Belärmung zu tanzen, ein megalauter Bass, auf meiner Seite die Gitarre kaum hörbar, geil. Dazwischen Quietschen und rauschen und Gesprächsfetzen aus einem Looper und Effekten. Ein Mikrofon, welches nicht richtig funktionierte und im laufenden Betrieb getauscht werden musste. nach 22 Minuten und 12 Sekunden war der Gig vorbei.

Manu (Gitarre) war ganz angetan von der Tour de Karlsruh‘, ein paar ihrer einseitig bespielten Platten gingen über den Tisch, das ist doch super!
Es dauerte ein schönes Gespäch mit Freddy von InDecision, bis die englische Band Bad Breeding den Lautstärkepegel noch ein wenig nach oben schob. Anarchopunk, wurde mir versprochen. Joah, kann man so sagen. Plötzliche Tempowechsel, Gesangswut, mal schnell, mal langsamer.
Ich stand wieder auf der Bassseite, tauschte irgendwann mal auf die andere; ich denke, das nächste Mal werde ich mich in die Mitte stellen, haha!
Sänger der Band lief schimpfend über die Bühne und durchs Publikum, während der Trommler versuchte sich gegen die andern Instrumente durchzusetzen. Bad Breeding sind gerade auf Tour durch Europa und spielen noch bis Sonntag.

Die Songs irgendwo zwischen all dem Lärm nur zu erkennen, da der Bassist meist ein paar Töne vorgab, bevor alle einsteigen. Dazwischen viel Lärm, eingespielte Textfetzen und ein Gitarrist, der sich nie zum Publikum drehte.

10 vor Neun war Beginn, um  22 Uhr irgendwas entließ man uns mit Ohrensausen wieder in die Nacht. Schee.

Veröffentlicht am 1 Kommentar

festival: gutensglück #1 – 16.&17.09.2022 – Kapitel 3 & 4

Kapitel 3
„Rückblick & Vermutung“
Mehr einheimische Bands an diesem Freitag. Die wirklich aus dieser ruhigen Gegend kamen. Von Hölle, Boitels und Dr. Dexter. Alle Punkrock und jeder auf seine ganz spezielle Art und Weise. Und laut, ganz klar.
Von Hölle, eine wilde Mischung aus Foo Fighters und Muff Potter mit Stenogesang.
Boitels statt Beatles, mehr sage ich nicht!
Dr. Dexter haben eine ganz tolle Idee von Punkrock und brauchen sich gar nicht so schüchtern geben!
Lest mehr in meinen kleinen Interviews!
Noch ein paar Worte zu Keele, die leider eine Band waren, die sicherlich aus den selben Gründen wie ich, etwas spät dran waren, aber ebenso schnell wieder weg. So schnell konnte ich mein Bier nicht leeren und das gerade laufende Gespräch beenden, dass ich das mitbekommen hätte.
Doch hatte ich ALLE Bands des Abends vollständig gesehen.
Am Samstagmorgen, ich drückte mich so vor dem Eingang des Backstage rum, noch kein Frühstück am Start.
Es stand eine große Pinwand dort, zwei Zettel hingen am Vorabend schon dort: die Running Order für die beiden Tage. So klein, dass ich sehr nah davor stehen musste, um sie zu erkennen. Nun hing ein neuer Zettel dort. Set-List von Keele. Mit Vermerken.
Während ich so drauf schaute kam mir der Gedanke, dass das irgendwie alles mehr als geplant war, was sie da so machen. Ich pendel zwischen Theater, was wir vorgespielt bekommen haben! Extra angefertigte Lyrics aus einer Feder, die einen großen Zusammenhang gesponnen hat.
Oder abgekartet um sich im musikalischen Raum so sicher wie möglich zu bewegen. Eine Umzäunung. Damit keiner wegrennt oder einfach die ganze Zeit so motiviert bleibt, wie ein Hamster im Rad; der kommt da auch nie raus. Muss ganz schön frustrierend sein, wenn dann irgendwas nicht klappt. Bspw die Ansage „merch, insta, ciao“ oder so. Keine Sorge, ich will mich nicht lustig machen, ich verstehs halt bloß nicht und hab das auch selbst als Musiker noch nie so gedacht.

Beim Frühstück, bei bestem und schönstem Sonnenschein, kurzzeitig, mit Peppone und Interna, hüllten wir einen Mantel aus Marmelade und vegatrischem Brotaufstrich drumherum und die Setlist wurde in die Zweitverwertung gegeben; und zu einer neuen Setlist.

Kapitel 4
„laut und laut“
Nach einem langen Spaziergang (wir berichteten in Folge 1&2) sam Samstag also fünf Bands.
Den Anfang durften Grüner Star machen.
Ich hatte mir schon die erste Platte gekauft und fand sie ganz ganz wundervoll. Mit der Split-Single mit Elmar und der neuen Platte „hauptsache, es bleibt friedlich“ haben sie sich auf meiner persönlichen Hitlist ganz nach oben katapultiert. Was für eine famose Indierockband. Klar, Nils, der Sänger, hebt sie durch seine Art zu singen und zu tanzen absolut raus aus den Standar-Formationen, die es so gibt. Noch besonderer seine Herangehensweise Texte zu schreiben.
So war auch ihr Auftritt: ganz ganz klasse.

Es folgten Interna mit ihrem siebten Auftritt in einem Jahr Bandgeschichte. Steven und Stulle sind von Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen bekannt. Simme, der Trommler, von Sie kamen Australien (wo wiederum Stulle auch mitspielt). Und diese All-Star-Combo malt ein richtig gutes Gesamtbild, musikalisch. Simme wird mir später noch erzählen, dass sie eigentlich noch zwei Knüppel-Songs haben, die wollten sie heute aber nicht spielen. Warum?

Dann kamen der eigentliche Headliner. Leider wollte die Band nach dem Auftritt wieder fahren und so spielten Hasenscheisse in der Mitte.
Es bliebt kein Tanzbein ungeschwungen bei dieser wahnsinnig durchdachten und trotzdem flexiblen Art der Songs. Klasse Texte, man könnte fast meinen, Brecht und ein Berliner Haudegen hätte sie gemeinsam geschrieben. Freude, Spielwitz, laut und leise gleichzeitig. Ich hatte sie noch nicht live gesehen und bin echt angetan. Das funktioniert megagut! Der Punk ist an der Band auch auf keinen Fall vorbeigangen, falls sich jemand fragen sollte, warum Hasenscheisse beim Gutensglück auftreten! Wenn Bands Folk spielen, spielen sie ihn flott. Hasenscheisse spielen ihn schnell.

Peppone, was soll ich sagen: Midtempo-Punkrock, der hier jeden vom Hocker geholt hat. Ganz große Fanbase und Freu(n)de!
Mit einer Stunde Verzug auf die Bühne, es war tiefste Nacht. Sie haben uns auf jeden Fall nochmal abgeholt. Frauenchor, Gastgesang von Steven Frame (interna) und allen Hits. Es konnte nicht fehl gehen!

Zum Abschluß die Band Detlef aus Köln. Gut gelaunter Hass. Fuchsschwanz an der Gitarre. Alle immer ein süffisantes Lächeln im Gesicht. Ich war schon ganz schön müde, doch sie schafften es, mich 8 – 10 Songs nochmal aufzurütteln, sie waren verdammt laut. Ich musste mich aber mal durchgefrohren kurz ans Feuer setzen.
Später sah ich deren Setlist auf dem Bühnenboden: 30. Dreißig (!!!) Lieder. Die haben ja noch mehr zu erzählen als Hasenscheisse oder Grüner Star!

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

CeDe Salatschüssel #4 – L.A.K. / Commander Nilpfred / Nullpunkt / Schubladendenken

Immer wieder schön, immer wieder neu, eine neue Runde, eine neue Runde!
L.A.K. – Ziel Unbekannt
Jaja, die CDs, die CDs, ich weiß, die Band L.A.K. hat mich auf jeden Fall schon mal dran erinnert, ob ich noch… naja, hier isses also nun, mit etwas Verspätung zum Release, doch immer noch VOR dem Vinyl-Release. Auch hier leider die Begründung: Lieferschwierigkeiten. So schade, dass es kein adäquates Presswerk gibt, welches sich um Punk-Releases kümmert. Ja, ist viel Arbeit, dafür konstant.
Ganz so lang brauche ich nicht in der Herstellung eine Reviews, doch einen CD-Player, den habe ich nicht mehr. Laufwerk gekauft, mp3’s gezogen, aufm Stick gehört:

L.A.K. erfreuen mich mit ihrem Midtempo-Punkrock. Der erste Song „Geschichte schreiben“ zeigt direkt, was die gut eingespielte Band kann und was sie noch vorhaben auf Albumlänge; ein richtig guter Opener!
Mich erinnern diese „ohoho“-Chöre (leider?) direkt an die Toten Hosen und der Gesang an den Herrn Wiebusch von Kettcar. Ist ja keine schlechte Mischung! L.A.K. hatte ich schon mal auf dem Plattenteller liegen. ihr letztes Album kam 2018, einen Review hatte ich für den Vinyl-Keks  geschrieben; doch die Aufnahmen zur neuen Platte (produziert mit Kurt Ebelhäuser – auch Pascow, bspw.) überzeugen 100%.
Die Band hat sich nach über 25 Jahren (!!!) also nochmal richtig was vorgenommen. Mit dem Sound, der verdammt guten Spielweise, den ehrlichen, freundschaftlichen,  kritischen und reflektierten Texten, brauchen sie sich auf keiner Bühne zu verstecken und gehören ganz klar ins Abendprogramm; und in jeden CD-Player.

Ein sehr liebenswertes Video, herzlich, hach:

CD’s oder auch als Vinyl im Bandeigenen Shop.

Commander Nilpfred – Tyrannopotamus Rex

Schon der Name weißt ja auf Partypunk hin. Wobei sich die Kombination an Worten, für mich als Die-Hard-Politpunker (hüstel) echt beißen. Da wo Punk zur Party wird, isses spießig, bunt und gewollt.
Beim ersten Stück „fick das system“, ja, auch beim zweiten „rothenfeld“ ist jemand hart in ein Reimbuch gefallen und hat alle Reime auf „system“ und „feld“.
Gefällt?
Und zwar wie ein Baum.
Mit der Axt.
Also nicht die Axt, aber der Baum, der gefällt.
Der dritte Song „carpe diem“ erinnert mich an Simon & Garfunkel.
Wenn ich so anspruchvolle, abwechslungsreiche Musik höre, was Commander Nilpfred ganz sicher machen, dann komme ich mir so gänzlich ungebildet vor!
Das hat ne Range, hier gibt es kein Einschienenbahn-Punk, mal ist eine Verzerrung auf dem Bass, aber:
spätestens bei Song fünf „über den Wolken“ der Platte „TyrannoPötamus Rex“ – dessen Titel ich nicht verstehe – kann ich nicht noch einen mehr. Beim Titel habe ich habe eine Annahme, dass das auf das Covermotiv anspielt, auf dem so eine Art Wolpertinger zu sehen ist. Die Band hat den Namen sicherlich wissenschaftlich korrekt aus einem WasIstWas-Buch zusammengesetzt.

Sehr humorvoll das Ganze. Gibt es im bandeigenen Shop zu kaufen, auch als LP oder MC.
Das ist kein Punk, oldschool nennen sie es, sie haben einen Punkhintergrund.
Top eingspielt, ganz sicher sehr gute Einstiegsmucke, ich bin raus.


Und bei(m) Nullpunkt angelangt:

Nullpunkt – Gemischtwarenladen

Aus Rostock kommen Nullpunkt. Hui der Name eigenet sich ja gleich für mehrere Steilvorlagen (hihi), vor allem nach der letzten CD, ich bin in meinem Auto unterwegs (von Konstanz nach Singen, wer es wissen möchte) und höre mich durch. Seid 15 Jahren gibt es die MelodicPunker schon; im November gibt es ein Jubiläumskonzert in Güstrow. Das ist ja auch ein Wort. In 15 Jahren passiert viel, man hat sicher schon das ein oder andere Release auf die Hörerschaft losgelassen und manch Konzert gespielt. Nach kurzer Recherche: es gibt ein Release vorneweg, das ist von 2012. Andere Recherche ergaben zwei Releases…

Nun also 12 freshe Songs, auch fürs Gemüt: Mit „du“ haben sie ein sehr persönliches Stück geschrieben und im Video ist sicher das ein oder andere Kind zu sehen, was in den letzten Jahren zum Bandgefüge hinzugekommen ist. Das ist sehr freundschaftlich!


Von vorne gehört hat Nullpunkt viel Attitüde und klare Kante gegen Rechts. „Im Netz der Spinner“ wartet mit rockiger Stimmer, Double-Base und Metalkante auf.
Genau in dieser Mischung liegt Freude und Schmerz, meiner vor allem. Das ist super gespielt und aufgenommen, die Musik und Texte ist was für größeres Publikum. Eine Mischung aus Die Ärzte, FSF und 100 Kilo Herz. An mir läuft das etwas vorbei und von all den vielen Spielarten, die die Band drauf hat, bleibt bei mir vor allem Soli und ein Hauch von Punk hängen und ganz ganz viel Rock.
Erschienen bei RockZoneRecords, auch als 180gramm LP. Bereits vor mehreren Monaten, die CD hats nun aber mal in den CD geschafft.

Schubladendenken #2 – LabelCompilation von Bakraufarfita

Schubladendenken, eine LabelCompilation aus dem Hause Bakraufarfita. Geilstes Label.
Geht gleich los mit der neuen Single von 100 Kilo Herz. Track zwei ist Detlef. Keine Sorge, ich geh jetzt nicht jeden einzelnen Track durch! Detlef haben mich total erschreckt, irgendwie hab ich irgendwann mal ein Video gesehen, oder so. Ist nicht so ganz mein Style und diese Snare klingt zeimlich schrecklich. Insgesamt nicht schlecht. Eher so Mukke könnte ich mir vorstellen, wenn ich ganz hart besoffen bin aufm Konzert  (das bin ich nie), dann kann ich stundenlang mitgröhlen. Apropos: Thema für die Toten Crackhuren im Kofferraum. die Vorzeige Schlager-Punk-Band, falls man sowas überhaupt in einen Zusammenhang bringen darf. Die sich in einer Nische breit gemacht haben, die es eigentlich gar nicht gibt. Alleinstellungsmerkmal. Ein ganz wunderbarer Song, der die komplette Geschichte von „alte Männer machen Punkrock mit Bums Humor, sind einfach sowas von gestrig“, umso schöner, dass im Laufe der erzählten Geschichte die toten crackhuren wieder zu Punkrock-Leben erweckt werden und zurückkommen!
Ich kann das neue Album folglich nur empfehlen! Es ist zwar hart Pink, und ich hasse Pink, aber was tut man nicht alles …
Einiges kenne ich noch nicht, und ist der Grund, weswegen ich mich entschlossen habe, diesen kleinen Review zu schreibe, denn die Compilation macht Spaß zu hören.
Zum Beispiel Kumpelbasis „die Armee der Zeigefinger“, so ein bisschen Ähnlichkeit mit den Dorks. SOKO Linx, megaburner! Klaus from the South, schlagereksen Punkrock, so Sportfreunde Stiller mäßig. Gruselig! Und ich bin noch nicht am Ende der ersten CD.
Bands wie Partout (auch schon hier mal reviewed), Blaske, Büchse, richtig coole Bands. Dead Koys, Kurschatten, Piefke und Huelse.
Einige Bands gibts im Shop im Angebot, greift zu, andere werden euch noch hoffentlich mal live begegnen! Tolle Auswahl.

Wehrmutstropfen ist Barde Thomas Tulpe.
Insgesamt ein super Überblick über die Sachen, die bei Bakraufarfita erschienen sind, bzw. wohl auch noch erscheinen werden.