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LP: helmet – live and rare

i need to write a line bout this LP.
Es ist nämlich schon so, dass ich Helmet mal megacool fand. Die Alben „in the meantime“ und vor allem die „betty“ waren (und sind) absolute Genickbrecher. New York Hardcore mit fett Noise. So kam das bei mir immer rüber, damals, als ich noch jung war. Verdammt, wenn ich diese Aufnahmen nun höre! Sie sind 1990 und 1993 aufgenommen worden. Da war die Band in ihrem musikalischen Treiben schon wesentlich weiter, als ich es mir für mich selbst je ausgemalt hätte.
Seite 1 ist ein Mitschnitt eines 8Spur Aufnahmegeräts im CBGB’s am 27 Januar 1990. Die Band ist, wie auf der „strap it on“ sehr hart und noisig. Eine kleine Story gibt es auf dem Inlay noch dazu. Einige Songs, die wohl noch keine Veröffentlichung gefunden haben, jedenfalls kann ich sie auf der „strap it on“ nicht entdecken. Dazu zählen „impressionable“, „murder“ oder auch das brutal noisige und fast instrumentale „rumble“
Seite 2 hat dann schon einige Hits der „in the Meantime“ zu bieten. Helmet brachten die oben erwähnte Scheibe 90 raus. 92 dann die im Sound extrem gewachsene „in the Meantime“. Mal abgesehen vom Titeltrack ist auch noch „turned out“ drauf, für mich ein absoluter Killersong. Aufgenommen mit einem 24 Spur Taperecorder auf dem Big Day Out in Melbourne am 24. Januar 1993.

Die Platte hat nun ne Weile gebraucht, um auf meinem Reiseplattenspieler aufzuliegen, aber besser spät als nie!
Die „betty“ ist 1084749 Mal bei uns gelaufen. Danach wurde mir der Sound zu glatt. Deswegen, sind diese Liveaufnahmen auch für mich absolut erträglich und ziemlich gut aufgearbeitet!
Was ich nicht schade finde: ich habe die Band nie live gesehen.
Aber eine Jukebox-Band … die reicht mir auch auf Band 😉
Sound super: Action null.

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Fanzine: Break the Silence #2

Das neue Break the Silence ist schon im Februar 2022 erschienen, bei mir vor ein paar Wochen gelandet. Nicht nur, dass mir genialerweise dieser Zaunpfahl gleich ins Gesicht schlug: dem Heft ist, gottseidank, ein paar Blätter Klopapier begefügt; so ist es durchweg auch noch lesbar! Yeah.

Von vorne: ich nehme an, in Anspielung auf die „Klolektüre“ ist das Papier anbei, nicht, weil sich der Macher Ralf Als Hamsterkäufer outen möchte. Es ist Klopapier für „die extra lange Sitzung“ des Break the Silence!
Diese startet mit einem zweiseitigen Vorwort und den darauffolgenden News über mir meist unbekannte Bands. Dabei wird mir schnell der Zusammnhang zum Titel „Break the Silence“ klar, es wird hier in der Hauptsache Hardcorepunk und Crustiges besprochen. Manchmal finde ich da schon richtig gut, dass ein Fanzine völlig geräuschlos ist. Man kann in Ruhe lesen, die Musik steht nicht im Vordergrund, sondern der Inhalt. Die Geschichten.

Geschichten darf VSK (Deutschpunk) erzählen, Danger!Man (norwegischer Hardcore) und die Black-Metal-Band Lucifuge (Bremen) und Label Attack Records. Interviews wirklich alle gut lesbar, informativ und ausführlich.

Ralf erzählt uns von dem überdimensionalen Fettnapf, den er auf einer Reise gefunden hat, darüberhinaus über all die Zines, die er in der letzten Zeit verschlungen hat; auf dem Scheißhaus, versteht sich. Er verabschiedet sich von einigen Menschen, die ihm sehr ans Herz gewachsen waren, bzw. die er auch aus den Augen verloren hatte. Das gibt dem  Heft die persönlichste Note.
Den beiliegenden Tapesampler hat er all diesen Menschen gewidmet und spielt uns Musik vor, die er mit ihnen erleben durfte, als Teil einer Szene, als Tourfahrer, als Konzertbesucher, als Freund. Ein schöner Tapesampler „Somewhere over the Rainbow“ mit bspw. Exilent, Disorder, Colera, Leatherface, See you in Hell, Negazione, so much hate und und und.
Insgesamt ist Ralf wohl ohnehin eine ehrliche Haut und nimmt kein Blatt vor den Mund. Was man an seinem Outro auf der letzten Seite gut erkennen kann. Just, als das Heft fertig war, fing der russische Angriff auf die Ukraine an.

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LP: sick times vs bug attack – split

Die fiese Wanze aus dem hohen Norden hat hier eine weitere Split-LP mit dreckigen, kleinen Punksongs vollgeschrammelt und in Wanzenkotzgrün auf meinen Plattenteller gelegt.
Da war doch erst die Split mit Brennender Asphalt vor „Kurzem“? Naja. war in 2020, diese Scheibe hier ist aus 2021. Dezember, wenn mich nicht alles täuscht. Mit eine der letzteren Produktionen von Flight 13 Duplication.
Jedenfalls hier nun die Split Lp von Bug Attack und Sick Times. Rausgebracht hat das Pifia Records in Coop mit Subzine Records.
Zuerstmal die One-Man-Trash-Rock-Army Bug Attack. Er nagelt wieder gnadenlos ein Punkbrett nach dem andern auf den blanken Boden der zartbesaiteten Musikhörerschaft. Nach drei 7inches, einem CompilationTape und der bereits erwähnten Split, hat er nun erneut 8 neue Songs über Ratten, Zombies und Classic Rock im Petto. Alles unter 2 Minuten Spielzeit. Er teilt sich diese Split mit Sick Times, da die Band wohl schon desöfteren die zuvor genagelten Bretter von Bug Attack bespielte. Wohlgemerkt, die Wanze nagelt, zimmert, schrabbelt, hobelt und rotzt ganz allein Drums, Gitarre und Gesang durch die Gehörgänge. Ziemlich wild am Anfang, wird gegen Ende etwas ruhiger. Nichtsdestotrotz, oder gerade deswegen. Klasse eingespielter Punkrock. Alles sitzt an der Stelle, wo es hingehört. Auch nach 13 Jahren der Alleinherrschaft gehen dem Dichter und Drumgitaristen die Themen nicht aus.

Anspieltipps sind „Classic Rock“ und „Geschichten“. Bringt jede Party in Schwung!

Nun ist die Frage, wenn ich die Seite nun umlege, können Sick Times da noch eine Schippe Schnodder drauflegen? Geschwindigkeit? Lärm? Mehr Trash?
Aux Contraire: Sick Times sind ein Oldschool-Hardcore- Ungetüm. Schnell, ungestüm, direkt, gut gespielt und in der Spielzeit unterbieten sie attackierende Wanze noch um ein paar Sekunden!
In 2008 gestartet. Inzwischen zwei Longplayer und fünf Split-Releases. Sie sind ziemlich viel Live unterwegs und haben wohl schon über 400 Konzerte weltweit gespielt. Die Band kommt aus der Gegend um Leipzig und Chemnitz, hat schon ein paar mal das Line-Up gewechselt, aber alle die dabei waren und sind, lieben den Stuff, den sie machen. Momentan eine Frau und drei Männer.

Sie nehmen so einige Trash-Hardcore-Elemente mit auf. Breaks, Gangshouts, kurz & knackig. Ein ordentlicher Slap in your face. Der Sound ist durchweg druckvoll. Coole Texte „two words, one finger“, „not my punk“.
Ja, so ne Phase, also musikalisch hatte ich mal. Ich pack mal was altes aus: Tiny Giants. War ne coole deutsche Band. Auch Amisbands, klar: Slapshot oder 7 Seconds, ein bisschen Sheer Terror.
Gibts bei den Bands per Bandcamp oder Subzine oder No Spirit Mailorder. 300 Stück, giftgrünes, schwarz bekotztes Vinyl, Einleger mit Fotos und Lyrics.
Bei Gunner gibts noch die 7inches.

Next Dates :

07.05.22 | D-Leipzig / Straßenfest
14.05.22 | A-Innsbruck / Sillwerk
25.06.22 | D-Roßwein / Jugendhaus Primitive DIY Fest
01.07.22 | D-Dresden / Chemiefabrik (Benefiz für Waisenkinder in Nepal)
09.07.22 | D-Köthen / Skate Contest
30.07.22 | D-Potsdam / Archiv
13.08.22 | D-Kahlenberg / Everland Festival
20.08.22 | D-Leipzig / XZS-Festival

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fanzine: Passion Means Struggle #2

In allen Belangen ein klassisches Fanzine:
s/w Druck, Straight Edge Hardcore, englisch, A5, absolut DIY.
Erschienen ist die Ausgabe 2 bereits vor einem Jahr.
Mir ist das aber relativ wurscht, denn außer, das die ein oder andere Band das zeitliche segnet, bleiben Inhalte und Meinungen ja doch etwas länger bestehen. Solang sie substanziell sind.
Im Falle des Passion Means Struggle kann ich die Ambitionen zu 110% nachvollziehen, denn der Macher lebt in Plauen. Dort wo die extrem Rechten vom Dritten Weg marschieren. Wo es überhaupt von allem rechtskonservativen bis radikal rechtem viel zu viel gibt. Das Projekt Schuldenberg sitzt da als einsamer Leuchtturm mittendrin. Und der Macher des Zines macht dort auch ab und an Hardcoreshows; und es ist schön zu sehen, dass die Menschen dort weitermachen!

Inhalt dieser Ausgabe, über die FB – Seite zu beziehen, ist:
ein paar Gedanken nach etwas einem Jahr Pandemie und wie man ohne Circle Pit noch ein halbes oder ganzes Jahr klarkommt. Hoffnung! Wir leben. Vielleicht auch nur für den Moment, aber wir leben!
Ein sehr ausführliches Interview mit dem Hardcorebandkollektiv ClearXCut folgt.
Ich erfahre, dass es auch ein Label gibt, welches unter dem Namen Passion Means Struggle firmiert. Dort erschien neulich die Platte von xrisalex (Türkei), die hier in einem ausführlichen Interview zu Wort kommen. Eines gibt es noch mit Another Breath; ein Tourbericht von Schwach, die eine Nordamerikatour gemacht haben und ein Essay über „Corona und die Demaskierung der Neoliberalen Hippies“.

70 Seiten. Links einfach oben anklicken!

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LP: SFA – the 87-88 Tapes

Ein kleines, schnelles Review für eine Scheibe, auf die ich echt gespannt gewartet habe. SFA – the 87 – 88 Tapes
Bisher kam alles zusammen: zu jung gewesen, sich auf dem Konzert die 7inch mitzunehmen; Band nie ganz aus den Augen verloren; keine Nachpressung; Original zu teuer.
Refuse Records. Ursprünglich in Polen ansäßig hat es Robert nach vielen Jahren nach Berlin verschlagen. Fast 30 Jahre betreibt er nun Label und Mailorder.
Ich laber nicht lang rum, ursprünglich hatte ich hier ein „remember the good times“-Review von ca. 1000 Worten vor…. Die Story von SFA gibt es bei Wikipedia nachzulesen oder auch in dem superklasse gemachten LP-Booklet mit Interview aus den 80ern und einem Interview mit den damals beteiligten von heute. Klar hatte der umtriebige Mike Bullshit seine Finger im Spiel.
Er hat die längste Zeit allerdings bei GO! gespielt und unfassbar viele 7inches veröffentlicht. Er betreibt auch seine Homepage mit design by mike.
Ich hab beide Bands hart geliebt, sie waren auch auf dem ersten NYHC-Tape, welches ich 1991 in den Händen hielt.
Yuppicide – Fear Love / Go! – time to suffer power / SFA – so what.

Alle Bands habe ich auf ihren Touren Anfang der 90er in einem der zahlreichen (!!!) Clubs und besetzten Häusern in Süddeutschland gesehen. Heute weht überall nur noch der Wind des Vergessens. Mit zwei Mark Benzinbeteiligung saß ich in irgendeinem Auto in dem noch Platz war.
Auf dieser Platte befindet sich also auf der einen Seite das Demo von 1987 und auf der andern das „Tanks a lot“ Demo (?) von 1988. Man hört stark den Einfluss von Mike Bullshit in der Band. Fortgesetzt hat er den Stil ja bei GO!.
Wobei Songs wie „just another word“ „gyroscope“ oder „journey“ mit ins Repertoire der Band SFA mit Sänger Brendan gewan´dert sind.
Die Platte ist ein tolles Zeitdokument, wie damals Bands, Bandgefüge, Ausfnahmen und Releases abgelaufen sind. Es lief nicht alles rund! Das maximale Ausnutzen von Zeit stand wohl im Vordergrund. Musik machen, Touren in Nordamerika und Europa, Platten veröffentlichen.
Wo ihr die Platte erwerben könnt…. Beim Label Refuse Records finde ich sie nicht mehr. Leider.

Hier ein paar Videos aus dieser Zeit:


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7inch: Dischord #200 (rerelease of the first 6 Records)

Rereleases gibt es wie Sand am Meer.
Aber wenn Dischord ankündigt die „never out of print“ 7inches aus ihren ersten Jahren als Label wiederzuveröffentlichen und das als Box-Set, ist das für mich ein Grund, der Vorbestellung zu folgen und ein einziges Exemplar für 50$ in USA zu bestellen. Mehr durfte man auch nicht. Was ich gut finde.
Alle 7inches zusammen kosteten knapp 40$ Porto. Klar, alles in allem viel Geld, trotzdem ein Hammerpreis. Kein Mailorderrelease.
Im Mai 2021 bestellt, wurde ein Release Ende des Jahres vermutet. Es wurde dann Februar 2022.

Und: Fuck, ja, das Warten hat sich gelohnt. Auch wenn sich die Post in der Zwischenzeit überlegt hat irrwitzige Gebühren einzufordern. Oder der Staat. Is ja auch egal. Arschgeigen. Nochmal 15€ draufgelegt, um das lang ersehnte Paket abzuholen.
Überraschung: ein eigens bedruckter Karton mit „Dischord #200“; und eine 7inch mehr.
Ian und Jeff, die beiden Labelmacher haben ein Booklet mit einigen Fotos aus ihrem Headquater und Infos zu allen Pressungen der jeweiligen 7inches dazu gepackt. Obendrauf gibt es noch reudigsten Garagesound von den Slinkees, Ian MacKayes erster Punkband. Sie hatten ein Demo und einen Auftritt im Jahre 1979.

Ich mache hier auch jetzt nicht viele Worte darum. Jeder der Hardcore hört, ist irgendwann über eines der Releases dieses Labels gestolpert. Jeder, der alternative Musik hört ist irgendwann über Fugazi gestolpert; oder eine der vielen vielen vielen andern Bands in 40 Jahren Labelgeschichte. Das wahrlich bemerkenswerte ist: sie haben niemals einen Majordeal angenommen. Alles DIY!

Das Label Dischord.
Hier noch zwei Pics von der megacoolen Verpackung.

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konzert: Fatal Brutal, Monuments to Misery, Biene Banal, Ghettotonne @ Ballonfabrik Augsburg

[Gastbeitrag von Joey Controletti]

Es begab sich zum 2. April 2022, dass Rainer Gaul, zeichens Punk-Rock-Urgestein, seinen Geburtstag in der Ballonfabrik Augsburg feierte. Mit dabei, drei Offenburger Bands, Ghettotonne, Monuments to Misery und Fatal Brutal, sowie Biene Banal aus Augsburg.

.n und ich fuhren hinterher mit dem ICE, Fernverkehr-Punks die wir sind. Endlich mal wieder auf Achse – fuck yeah – Punk-Samstag, zwei Wochen vor Karfreitag!
Fernverkehr-PunksNachdem im März schon der Frühling ausgebrochen war, gab es an diesem Wochenende wieder einen Wettereinbruch mit Schnee und Minusgraden. Die DB hat dennoch nicht verschnupft reagiert und uns problemlos ans Ziel und später auch wieder zurück gebracht. Auf dem Weg gab es schwarzen Kaffee und Fanzine Lektüre (PP und HZ3).
Dann, in Augsburg, schnurstracks zur Ballonfabrik! Angekommen erstmal Hallo gesagt, ne Dose Kichererbsen und ein Bier, dabei das Etablissement bewundert. Aufgrund der ordentlichen Website der Ballonfabrik hatte ich einen aufgeräumten Laden à la Substage Karlsruhe erwartet. Tatsächlich ist der Laden auch sauber und ordentlich, hat eine tolle Bar, Belüftung, festen Merchstand, saubere und funktionsfähige Toiletten, Backstage-Bereich, Schlafmöglichkeiten für Bands und eine top Bühne samt PA, Beleuchtung und Mischer-Kanzel – ist aber gleichzeitig bunt und voller Charme. Draußen brennt im Ofen mit Schornstein ein Feuer, hier ein Autowrack voller Schnee auf den Sitzen, der durch die Öffnungen, in denen sich irgendwann mal die Türen befanden, gefallen ist. Alles ist besprüht und bekritzelt, trotzdem wirkt es ordentlich und man setzt sich auf die Klobrille, ohne Angst vor Weltraum-Syph und freut sich über vorhandenes Klopapier mit Herzchen drauf.
Auto Papier
Der eingeplante Mischer ist kurzfristig in Covid-Isolation hängen geblieben, so dass die Bands selbständig das Equipment aufbauen, verkabeln mussten. Besonderen Shout-Out an Jörg, Fatal Brutal Drummer, der an dem Tag nicht nur gefahren und aufgetreten ist, sondern aus dem Stand auf fremdem Equipment das Mischen für alle Bands übernommen hat.
Alles voller netter Menschen, auch viele ältere Punker*innen, besonders aufgefallen ist mir ein Typ mittleren Alters, der wie eine Punker-Actionfigur aussah und die ganze Zeit über furchtbar aufgedreht war.
Den Einstieg haben Ghettotonne gemacht, ein Deutsch-Punk-Gewitter mit dröhnendem Sänger. Das Schlagzeug-Spiel klingt, als würde ein sehr großer Punk am 1. Mai auf einem Haufen aufgestapelter, erbeuteter Schutzschilde des BGS für eine halbe Stunde so schnell er kann auf und ab springen – ein brachialer Sound, welcher der Band einen eindeutigen Wiedererkennungswert gibt. Das Finale des Auftritts waren ein paar gemeinsame Nummern mit Geburtskind Rainer am Co-Gesang, der damals in der Offenburger Punk-Band Dementia, Vorgängerband von Ghettotonne, gesungen hat.
Dann warteten Monuments to Misery mit ihrem Set auf, der lediglich dritte Auftritt in deren Bandgeschichte. Brutalster Crust und Grind trifft auf Doom und Sludge, eine überaus gelungene Mischung. Es ist deutlich zu hören, dass die Protagonist*innen nicht zum ersten Mal die Mitglieder einer solchen Kapelle des Verderbens stellen. Die Parts von schleppenden Doom-Riffs im Wechsel zu Grind-Geblaste geben dem Auftritt einen abwechslungsreichen Rhythmus mit unterscheidbaren Akten des Verfalls. Besonders der Schlagzeuger zog hier wieder meine Aufmerksamkeit auf sich; mit getänzelter Leichtigkeit wurden die Songs im Überschall durchgerattert. Der einzige Wermutstropfen für mich war die qualitativ gut gemachte und perfekt angestrahlte Beamer-Show an der Bühnenwand; die ganzen Atompilze und Fressen von Donald, Vladimir und Adolf, garniert mit Volkstanz und sog. Würdenträgern der katholischen Kirche – das alles war mir in dem Moment etwas zu real und drückte mir doch etwas aufs Gemüt. Trotzdem super Band, super Musik und super nette Leute, mit denen ich später noch das ein oder andere Wort wechseln durfte.
Monuments to miseryZwischenzeitlich wurde viel getanzt, auch draußen wurde weiter das Feuer geschürt und geschnackt und gefeiert. Die Freiwilligen hinter der Theke und am Merchstand waren unglaublich freundlich und so habe ich beständig Bargeld gegen feilgebotene Patches, Buttons und Erfrischungsgetränke eingetauscht.
Nun folgte der Auftritt, der 50. Auftritt seit Bandbestehen, von Fatal Brutal. .n machte noch den Line-Check, bevor er sich auf der Bühne hinters Schlagzeug setzte. Vor kurzem hat sich FBs zweite Gitarre in eine Metropole im Osten des Landes abgesetzt um die Vorzüge des Stadtlebens zu genießen, während man sich nebenher noch zum Installateur-König in der Nikolaikirche krönen lässt. Dennoch knallt der Sound aus Punk und Hardcore ordentlich rein, dafür spielt man schließlich elektrisch verstärkt. Vor der Bühne ist der Sound überraschend gut; auf der Bühne hört man vor lauter Blastbeats offenbar nichts mehr, keiner da, der hinterm Mischpult etwas für die Musiker tun könnte – egal, durchbolzen das Set – yeah, that’s punk-rock!
Inzwischen haben sich meine Freunde und Bandkollegen erfolgreich abgedichtet. .r hat nach seinem Auftritt mit Ghettotonne gleich mehrere doppelte Runden Pfeffi geordert und einverleibt und ist schlafen gegangen. .n steht draußen und scheint einen Teil seiner kognitiven Fähigkeiten eingebüßt zu haben, es ist, als würde man sich mit einer Schallplatte unterhalten, die ständig springt. Dabei stolpert er vor einem Haufen Feuerholz, aus dem rostige Nägel mit der spitzen Seite heraus ragen, auf und ab; ich bin ein bisschen in Sorge. Außerdem hat er seine Brille auf der Tanzfläche verloren, winkt zunächst ab, ist aber dann doch froh, als ich anbiete sie zu suchen und dann kurze Zeit später auch fündig werde, eieiei.
Wir stehen draußen am Ofen, es fällt beständig etwas Schnee durch die Nacht und wir quatschen. Drinnen spielen Biene Banal eingängige Songs mit mehrstimmigen Frauengesang und der Saal tanzt wie nie zuvor.
.r ist wieder wach, .n zieht einen Edding, ich ziehe auch einen Edding und wir bemalen das bereits stark bemalte Interieur sehr enthusiastisch und andauernd mit allem möglichen Unfug. Andere Gäste machen mit, Eddings wechseln die Akteur*innen und das Gemalte wird von den Beteiligten kommentiert, ergänzt und ausgeschmückt.
bemalung
Die Bands sind durch mit ihren Auftritten und Erik, der Drummer von Ghettotonne, mimt den DJ, als hätte er nie etwas anderes gemacht und wäre deshalb eigens für diesen Zweck herbestellt gewesen. Der Saal bebt, die Leute tanzen, .n schlägt Räder und Purzelbäume auf der Tanzfläche und verliert dabei zum zweiten Mal seine Brille.
Um drei Uhr morgens nehmen die Fernverkehr-Punks ein Taxi zum, laut Taxifahrer, abgewracktesten Bahnhof des Freistaates, um dort in den ICE Richtung Offenburg zu steigen. Um acht bin ich zu Hause, es war mir ein Fest. Viva Rainer, viva Augsburg!
Paar Fotos gibts noch von einem Konzertfotografen Namens scissabob
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MC: Odio Social – holy wars

Von Odio Social habe ich hier das Tape „holy wars“ liegen. Es handelt sich um einen Reissue, da dieser Release mal als „unholy wars“ als Coop-CD bei 10 (!!) Labels erschienen ist.
Black Cat Tapes hat dieses Tape allerdings allein rausgebracht. Yeah. Mit einem superklasse Artwork von Chukky Fuck, die schon einiges für das Label gemacht hat und die durch ihre Art zu zeichnen wirklich auffällt.

Odio Social spielen, ich kannte die Band vorher noch nicht, schnellen Hardcorepunk mit einer trashigen Kante. Texte/Gesang auf Portugiesiesch.
Die Band aus Sao Paulo kloppt mir hier 23 Tracks um die Ohren, von denen ich eigentlich nur verstehe, dass das Trio ziemlich angepisst ist, über die Zustände, in den sie leben. Es handelt sich hierbei um ein neues Album der Band, ist bereits in 2021 erschienen, das Tape letztes Jahr.
Die Band gibt es bereits seit Anfang der 2000er und ich würde wahnsinnig gerne mehr über die Inhalte texten, doch nach einer kleinen Recherche finde ich nur die ganzen deutschen Mailorder und Reviews, die das abgeschrieben haben, was sie an Infos bekamen….
Also: geiles Gekloppe, tight eingespielter Punkrock mit ordentlich Wut. Tape gibts in einer 100er Auflage. Direkt bei Black Cat Tapes oder auch Black Mosquito, Riot Bike….

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fanzine: rubberXhead #6

Das ist RubberXHead Numero 6 ist bei mir im Briefkasten gelandet.
Was ich auf den ersten Blick schon mal mehr cool finde ist, dass es in Schwarz gehalten ist, trotz der Farbkleckse; wie zB der Frau mit der Fahne „Never give up“ auf dem Cover.
Und da dies die Nummer 6 ist: genau, haltet durch! Klar müssen Fanzines nicht per se auf Jahrzehnte geplant sein, aber etwas längerfristig dürfen sie das alle machen, da es alle auch nicht mehr gra so oft machen. Der Rhythmus eines Zines hat sich von (wenigen) jemals monatlich erschienenen Zines auf mindestens einen Zwei-Monats-Rhythmus verschoben. Eher sind es aber 3- 6 Monate. Ich hatte aber schon immer das Emfpinden, dass das nicht aktuell sein MUSS. Es ist schön, wenn es Aktuelles gibt.
Themen sind #punktoo, Interview mit der Band eat my fear (queerfeminist Hardcore aus Berlin). Scheißcoole Mucke, roh, noisig, in your face, und mit dieser klasse Jeansjacke! („…and full of love“)

Etwas wortbegriffiges (ich nenn das mal jetzt so) nämlich Ableismus auf Hardcore / Punkrock-Konzerten. Aus dem unten angefügten Interview von Brösel weiß ich, dass er selbst das so nicht kannte und auch ersteinmal recherchiert hat. Ich halte das Thema für sehr wichtig, keine Frage, doch wer weiß sofort, um was es geht. Ich würde eine simples deutsches Wort doch irgendwie bevorzugen, damit ich es nicht jedes Mal erklären muss. Ist aber auch weit weniger wichtig, wie das Thema selbst. Ableismus = Menschen werden im Alltag auf ihre körperliche oder psychische Behinderung reduziert.
Eine Reihe von Fanzines werden empfohlen und da stehen echt ein paar sehr engagierte und toll gemachte Zines drin. Durch diese Liste bin ich auf das Abfallprodukt gestoßen, dazu ein ander Mal mehr!
Ein Interview mit der Fauchkrampf Agency (FB und Insta)
Entschuldigt, wenn ich nicht allzuviel über den Inhalt der jeweiligen INterviews verrate, nur soviel: ich lerne jedes einzelne Mal dazu!
Der Diskurs, der angestoßen wurde, über FLINTA*, Feminismus, Patriarchale Struktur im Punk / Hardcore – total wichtig! Und selbst lesen, hilft da mehr. Ich habe das Gefühl, noch, dass ich den Inhalt nicht so wiedergeben kann, wie er gemeint ist, sondern zu viel meiner eigenen Haltung darin stecken könnte.
So, Luft holen, neuer Satz.

Großartig ist, da ich momentan sehr viele superschnieke aufgemachte, was Grafik und Druck anbelangt, Zines in die Hände bekomme: dieses ist ein astreines Printfanzine. I like most! Yeah.
Mail auf der Homepage von Rubberhead.

Statt Musik in dieser Review ein Video einer Talkrunde von Fanzinemachern.
Total spannend!

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MC: Angerboys – how to profit from the panic

AngerBoys kommen aus Recklinghausen und warten ganz sicher schon seit Release auf meinen Review 😉 – Die Platte / MC ist bereits im September 21 erschienen.
Zur Verfügung gestellt wurde mir dieses, mit einem hervorragenden, ins Auge springende Artwork ausgestattete, Tape von RilRec.

„How to profit from the Panic“ ist Release Numero 75 bei RilRec und somit auch ein kleines Jubiläum.
Gesanglich hochgepitchter, angepisster Gesang, der manchmal sowas klagendes hat wie Jello Biafra einst bei den Dead Kennedys, allerdings ziemlich schnell in eine verhexte Nina Hagen umschlagen kann.
Die Band / die Instrumente hängen ziemlich cool ab miteinander und haben auch den ein oder anderen Scherz auf den Saiten, wie zB bei „Terror Attack“. 
Zwischen wütendenden, abwechslungsreichen Garagepunkkrachern werden Insektenköpfe besungen, weiße Privilegien, Faschisten wird gedroht „Make Fascists afraid again“. 15 Songs in 20 Minuten, wer da noch Kaffe braucht, wird nie wach!
Das Cover ist auch noch ein paar Worte wert: ich find nämlich spitze! Ganz klasse Retrokommunistendesign plus ein bunten Tape. Das ist echt n Hingucker!
Erschienen ist das kotzbeige Tape bei RilRec. Als 12inch, rosa, gibts das auch bei Plastic Bomb Records und No Front Teeth Records.