konzert: taranja wu + paddelnohnekanu 16.05.2026 – zodiak schramberg

Vor ziemlich genau 10 Jahren waren wir mit Kuballa schon mal im Zodiak gewesen.
Und immer wenn man nach so langer Zeit nochmal in einem Laden spielt, dann sit schon allein die Freud egroß, dass es den noch gibt und die Leute dort weiter machen UND Subkultur weiter unterstützen.

Ralf, das ist der Inhaber des Zodiak, begrüßte uns mit ein paar Bier und wir bauten mit zwei Tontechnikern die Anlage und die Backline auf.
Für diesen Abend war ja noch Taranja Wu als Solo-Künstlerin mit weitestgehend elektronischem Set-Up angekündigt und so durften wir alles andere an Drums und Kleinkram aufbauen.
Das ging recht floot und ich stelle immer wieder fest, dass so Bühnen in einer Raumecke iwie total cool sind. Der Drummer hat einfach ein bisschen mehr Platz nach hinten, man kann die Verstärker schon fast wie im Proberaum aufstellen und hat auf der Bühne nen super Sound.

Ich hatte Durst an diesem Abend. Die ersten drei Bier waren schon vor dem Essen vertilgt und ich spürte so ein leichtes Kribbeln im großen Zeh.
Taranja Wu begann ein paar Minuten später und versuchte das Publikum mit ihrer recht tanzbaren Mischung aus Elektro und Punk zum tanzen zu bewegen.
Die meisten wollten dann doch eher gemütlich zuschauen und wir diskutierten intern, ob wir die Stehtische nicht einfach direkt vor die Bühne stellen sollten.
Aber hej, wer kennt ihn nicht, den „______ Halbkreis“ vor der Bühne (an ___ dürft ihr euren Laden oder den Namen eurer Stadt eintragen)
Wir beließen es dabei und legten los.
Ich hatte ein gutes Gefühl und mit Tulle und Ole auch ordentlich Spaß, dem Publikum mal wieder einen etwas sperrigen Weg in unsere Musik zu ebnen, indem wir „alles gut, ich warte“ als Intro-Songs spielten, wie auf der LP auch.
Hörgewohnheiten lassen sich nirgendwo besser beobachten, als auf der Bühne ins Publikum!
Am Ende: es war ein runder Abend, ich fuhr die Gang nach Hause.
Nächstes Konzert dann mit V-Mann Joe, ich werde berichten!

MC: abrichten – aufheben

Ist es Musik um des Musik Willen?
Die Band Abrichten hat ein 6-Song-Tape namens „aufheben“ rausgebracht“ – wobei ich bei einer Kassette „einlegen“ besser gefunden hätte.
Musikalisch wirkt es unheimlich repetitiv. Und was machen sie eigentlich?
Kraut-Rock mit so vertonten Gefühlszuständen, dass man förmlich spürt, dass der Schweiß, um den es textlich geht, Schweiß den man seit Tagen nicht weggeduscht hat oder der Schweiß in den Schuhe, dass man den musikalisch riechen kann, spürbar macht.

Die Band abrichten spielen gut zusammen, die Stimmung, die sie transportieren wollen, kommt bei mir an; ich werd’s nur nicht nochmal hören.
Aber vielleicht gibt es wen da draußen, in den Weiten des Internet, dem dieser poetische Review gefällt und sich nun das Tape bei It’s Eleven bestellt.

 

LP: das blanke extrem – prekär

Aus Freiburg kommt eine Band, die ein extrem kitschiges, geradezu Gold-verseuchtes Cover krebsgeschwürartig in meine Augen brennt.
Das blanke Extrem sind also extrem. Extrem ästethisch. Und die goldenen Gegenstände, die für das wirkliche, echte Artwork fotografiert wurden, könnten deutscher nicht sein. Das Klapphandy, die Goldrandtasse, Porzellancäsar-Hund, der Porsche, voll 90er, Alter!
Man sagt, sie machen Post-Punk.
Der erste Song „die ganze raserei“ beginnt spannungsgeladen, erinnert an Die Arbeit oder auch Die Sterne (auch einfach wegen des Zitats „was hat mich bloß so ruiniert“.
Indie ist das, kein Post-Punk, finde ich. Obschon die Band etwas das Tempo anziehen, allerdings macht die Western-Melodie eine Biege in eine andere Richtung. Eben: mehr so Indie.
Was ja nicht per se schlecht ist!

Mit dem vierten Song „RAL 7016“ erinnern sie mich daran, warum ich zu einer Zeit, in der ich noch musikalisch mit voller Wucht überrascht werden konnte, plötzlich NDW absorbiert habe. Punk war damals schmutziger und NDW so wunderbar schräg poppig – ich musste das meiste einfach lieben!
Und hier kommt dieser Refrain

„und unter diesen frisch gefegten hofeinfahrten liegt der strand
und hinter euren wohnzimmerjalousien hab ich mich erkannt“

Diese übergroßartige Melacholie und die komplett seltsame Betonung!
Anspieltipp.
Und ich habe das Gefühl, dass sie hier nicht nur andere zitieren, sondern auch sich selbst. Denn ihr Song „wohnzimmergardinen“ vom ersten Album…. ?
Es ist der letzte Song der ersten Seite und nimmt sich sehr lange 5 Minuten Zeit, doch Das Blanke Extrem ziehen das nun durch.
Etwas zurückgenommener und düsterer dann Seite zwei.
Im Song „prekär“ geht es dann um diese schlimme Linke Truppe, die ein Leben in einer freien, firedlichen Welt leben möchten, darüber schon seit vielen Jahrzehnten sprechen, singen, schreiben. Die Globalisierung, die seit zu langer Zeit für prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse sorgt. Und eben nicht zu dem Wohlstand, den angeblich alle anstreben; das nicht-Teilen von Ressourcen und Geld. Es führt in Armut und man übertreibt deshalb mit Schichtarbeit und die Nachricht über den weiteren Job, der reinkommt, wird auch noch positiv beantwortet.
Um irgendwie über die Runden zu kommen.
Ja, das klingt sehr reflektiert und ich danke der Band dafür, dass sie das so machen. Denn in der Momentanen Zeit gibt es keine einfachen Antworten und die können nerven. Doch die einfachen Antworten sind halt verlogen.

Insgesamt sind 9 Songs auf dem Album „prekär“.
Der Sound harmoniert mit den feinsinnigen Texten.

Ein Video:

 

Ein Song:

Gibt es bei Flight13 direkt. … und ein paar sehr gute andere Platten auch noch, zwinker.

PS:
Diese Review ist auch schon beim Vinyl-Keks erschienen.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: drug stop – love you all the time

Ich darf gestehen, hier habe ich mir nun echt Zeit gelassen, sie ans Ende der Warteschlange gestellt. Die Platte traf einfach hier ein. Kein Brief dazu.
Rosa Cover, Einteiler bei der Band, ich bin mir nicht sicher, ob ich das hören möchte.

An einem launigen, lauschigen Nachmittag ist es also soweit. Draußen scheint die Sonne, 15°, kurze Hosen, habe mich mit einem Radler in der Hand gebräunt und lass laufen:
Drug Stop mit der Platte „love you all the time“
Sie starten mit einem Country-esken „fiftyseven years“ Song, der über das Geburtsjahr 1966 von Don Marco, dem Mastermind dieser Band.
Mit dieser 5-köpfigen Band aus München nun die erste Platte zu seinem 60ten Geburtstag.
Er erzählt sehr wortreich, dass er in all den Jahren so circa 80000 Bier getrunken hat. In der Jugend denkt man „hach ist das leben schön, ein grund sport anzufangen, diesdas“, dann kommt das Kiffen und die Musik.

Im zweiten Stück, mit Saxophon-Untermauerung und repetitivem Gesang, der eigentlich schon nach 90 Sekunden zu lang wird.
Ein bisschen „bakerman“ von Laidback? Nein, Drug Stop sind Slacker. Ganz entspannt, man könnte meinen, es ist Pop, isses aber nicht.

„the only one for me“, kombiniert ein sehr rockiges Indie-Riff mit ohoho-Chören und einer zuckersüßen Melodie.
Die Kombination ist krass unaufgeregt und cool dargeboten.

Handwerklich absolut einwandfrei.
Gibt es beim Label Rheinschallplatten.

 

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: gruppe schal – glitzerpunk

Gruppe Schal.
Die kleine Vorgeschichte geht so:
wir schreiben das Jahr 2025 und ich habe mir für meine Band paddelnohnekanu vorgenommen nach ewigen Jahren mit Tuba einen Song zu singen. Er kam kurz vor Ostern vorbei mit einer Idee zu einem Lied, was ich ihm geschickt hatte. Der Vorschlag war super.
Im Sommer bin ich nach Magdeburg gefahren, um die Bande dort zu besuchen und mit ihm den Song „niemand liebt dich mehr“ aufzunehmen.
Dabei fand ein Konzert statt. Mit der Gruppe Schal im Magdeburger Umland, einem Ort namens Dahlenwarsleben.
Tuba ist Sänger und Gitarrist der Band Ben Racken. Und spielt Schlagzeug bei Peppone. Was offensichtlich noch nicht reicht um seinen musikalischen Output unterzubringen, also auch Gitarre bei Gruppe Schal.
Eine All-Star-Band! Per, Gesang (Boitels), Tuba, Gitarre (Peppone, Ben Racken, Buckau Boys) und Denis, Bass (Peppone, Ex-Braying Boredom) gemeinsam mit dem Schlagzeuger Henrik.

Die Gruppe Schal hat ihre ganz eigene Interpretation von Post-Punk, Indie, vermischt mit NDW!
Sänger Per intoniert seine nachdenklich melancholischen Worte, als hätte er noch nie Musik gehört und hat die erste Band auf diesem Planeten. Das ist einfach nur geil! Was in seinen Worten ist, steckt auch in der Musik. Beschreibt sehr gut die Leerstelle der Einsamkeit, die man selbst vielleicht nicht fühlt aber versteht, was sie einsam macht.
Musikalisch ist das Slow-Motion NDW gemischt mit einer ordentlichen Prise Düsterpunk, verträumte Gitarrenriffs.
Tauben. Dr. Drexler Project. Vielleicht auch Fehlfarben.

Kaufen <– hier !
Alles DIY!

interview: #3 – how i left – indie, pop, karlsruhe

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

Manchmal kann es unheimlich einfach sein, eine Band zu finden, die etwas macht, was nicht jede Band macht. Von Jule, dem Saänger und Gitarristen von HOW I LEFT hörte ich schon, da er desöfteren mit TOM MESS unterwegs ist.
Und da im beschaulichen Bühl ein Veganes Restaurant aufmachte und direkt mal ne Band dort spielte, wurde ich neugierig!
Das Restaurant von TIMO FRANKE lohnt sich und die Musik von HOW I LEFT sowieso:

PP:
Ihr habt eine CD raus (eure erste?) die „sniffing glue with frank sinatra“
heisst. Wie kommt sie an?

HIL:
Erstmal moin moin liebe Provinzpostille!
Ihr liegt goldrichtig- wir haben von Juli bis September 2015 in zig Nacht und Nebel Aktionen unsere erste CD aufgenommen und fertig gemacht. Quasi nahtlos daran sind wir dann mit der CD im Gepäck quer durch den Süden gezogen und haben hier und dort gespielt.
Ob und wie die Cd nun ankommt? Fühlt sich zumindest so an, als würde sie gut ankommen- steckt ja auch ne ganze Menge Herzblut drin. Im Dezember 2015 war die erste Auflage dann auch schon tatsächlich restlos vergriffen und wir haben die nächsten 40000 Stück geordert. Die gigantische Menge an Verkaufsgeldern haben wir dann in noch viel gigantischere Instrumente und Equipment gesteckt um noch gigantischere Aufnahmen zu machen und noch gigantischere Verkaufsgelder zu generieren und so weiter! Spass beiseite- die erste Auflage hatte ein Volumen von 150 Stück. Die waren im Dezember weg und von der zwoten Auflage sind zu unserer Freude auch schon wieder ne ganze Menge verkauft.

PP:
Wo habt ihr die aufgenommen, bei Nacht und Nebel?

HIL:
Die Frage nach dem Wo ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da wir komplett alles selbst aufgenommen und gemischt haben. Die kompletten Schlagzeugspuren haben wir in unserem Proberaum aufgenommen. Den ganzen Rest- also die Gitarren, die Bassspuren, die Tasteninstrumente und den Gesang haben wirzum Teil im Proberaum in Karlsruhe, zum Teil in Kassel, zum Teil in Winden und zum Teil in der Wohnung in Karlsruhe aufgenommen. So wie es eben am besten gepasst hat und so wie wir eben Bock hatten. Eine der Ideen hinter „How I Left“ ist unter anderem die Idee einfach derbe viel selbst auszuprobieren und schlussendlich auch zu machen. Einzig beim Mastern, und bei der grafischen Umsetzung hatten wir unbezahlbare Hilfe von zwo dicken Kumpels!

PP:
Schreibt ihr an neuem Material?

HIL:
Die Konzertpause bis Ende April nutzen wir tats ächlich, um an neuen Songs zu schreiben. Außerdem haben wir auch begonnen, die zwote CD  aufzunehmen.

PP:
Wie kommt man auf die Idee zu zweit Musik zu machen? Hat sonst keiner Bock gehabt mitzumachen oder habt ihr einfach keine Freunde?

HIL:
Wir haben einfach keinen Bock gehabt, dass noch jemand mitmacht. Freunde haben wir auch keine- naja den ein oder anderen vielleicht. Die dürfen dann zum Beispiel unsere Aufnahmen fantastisch mastern oder na
ch unseren wirren Ideen grandiose grafische Konzepte verwirklichen. Oder mit uns Musik machen. Live gibt es uns zu unserer großen Freude auch immer mal wieder zu dritt- dann haben wir den Nigel samt Tasten im Gepäck oder eventuell auch mal nen anderen Nigel, der dann auch mal nen Bass im Gepäck hat.
„How I Left“ sind aber erstmal die zwo Typen ohne Freunde (oder halt mit dem ein oder anderen!)- eben Jule Baetz und Michy Muuf.

PP:
Vereinfacht es das zu zweit sein, Songs zu schreiben?

HIL: Keine Ahnung- uns beiden fällt es jedenfalls leicht zu zweit Songs zu schreiben bzw. daran zu arbeiten. Wenns uns jeweils nochmals geben würden, würde es uns vielleicht dann quasi zu viert auch leicht fallen. Das Schreiben als solches geht bei uns immer ziem lich fix. Ist das mal nicht d
er Fall, dann gehen wir in dem Moment lieber ein paar Pils trinken. Beim nächsten Mal kla ppt es dann meistens wieder schneller! Bis die neuen Songs dann allerdings „rundgespielt“ sind und so rumpeln wie sie eb en rumpeln sollen, dauert es dann schon auch mal ne ganze Wei le. In dem Fall trinken wir dann die Pilsken während der zwo-Mann-Trainingseinheiten.

PP:
Im Grunde könnt ihr ja überall auftreten, was euch wiederum sicher
an Orte führt, an denen sonst keine Band unterwegs ist. Was ist euer abgefahrenstes Liveerlebnis bis jetzt?

HIL:
Jo Blatter, seinezeichens grandioser Barber mit eigener Barberstub in Lichtenau, ist ein ziemlich cooler Typ mit starken Ideen. Unter anderem hatte er die fabelhafte Idee eines „Refugees Cut Day“ in der Flüchtlingsunterkunft in Sasbachwalden (eine ehemaliges Hotel in dem zu dem Zeitpunkt mehr als 700 Hilfesuchenden untergebracht gewesen sind) auf die Beine zu stellen (inklusive Kuchenbuffet, Spielstrasse für die vielen Kinder, einem DJ und eben einer Band – How I Left). Er selbst hat mit seinem Vater „duracellhäschengleich“ Haare geschnitten und wir durften den Menschen unsere Musik schenken. In Worten kann man das ganze nicht wirklich wiedergeben. Die komplette ehemalige Hotellobby war voll mit neugierigen Menschen verschiedenster Kulturkreise und vor
unserer improvisierten Bühne standen extrem viele Kinder die uns mit ihren dankbaren Kinderaugen angeschaut haben. Selten hatten wir so derbe die Hosen voll wie an dem Tag – ganz einfach weil wir überhaupt nicht abschätzen konnten, was uns erwarten würde, wie den Menschen unsere Musik gefallen würde,..!
Das war definitiv das abgefahrenste Liveerlebniss.

PP:
Ich höre viel Sehnsucht in euren Songs. Wohin geht die Reise?

HIL:
Mmmhh Sehnsucht? Klingt aber auf jeden fall mal gut und deshalb lassen wir das einfach mal so stehen. Wohin die Reise mental geht?
Keine Ahnung!
Sicher ist jedenfalls, dass wir weiterhin ne gehörige Portion Spaß dabei haben werden, gemeinsam Songs zu schreiben, unterwegs zu sein, auf der Bühne nebeneinander zu stehen. Und das ein oder andere musikalische
Stelldichein geben wir wieder ab Ende April.

PP:
Vielen Dank für das Interview.

Das ist die aktuellere Platte; die kam im April 2023, bei This Charming Man und ich habe es klingeln gehört, dass es eine neue Platte geben wird.

 

LP: lohrge – a shark romance

Lohrge eröffnen für mich die nicht unwichtige Frage: was ist Bubble-Grunge? Mit dem Zusatz „bittersweet“?
Und was bedeutet eigentlich dieser Name?

Lohrge cachen sofort. Im Moment.
Erstmal das Cover: so gar nicht meine Farbe, ne, aber passt. Und was soll ich sagen, der Cartoonhai, der Hammerhai, in Form einer Schnecke und drumherum. Dann die passende Vinylfarbe (mintgrün transparent) zum Artwork, gleich bekomme ich Augenkrebs – es passt einfach alles zusammen, als wären sie füreinander gemacht.
Denn die Musik ist, überraschenderweise, klar, denn ich kenn die Band Lohrge ja noch gar nicht, wunderbar durchkomponiert.
Die ersten sechs Songs, Seite eins, beginnen etwas aufzubauen.
„slugs“ und „alright, alright“ sind zuckersüße Melodien, eine schöne Wärme auf der Gitarre, mehrstimmiger Frauengesang.
Eine singt tatsächlich recht tief, dazu eine zweite oktaviert; auch sehr wohl temperiert.

„bored to death“ bringt mich so zum lachen! „passionately passionate about losing brain cells (…)“ Bier trinken, Abende verrauchen.
Die Harmonien finden also nicht immer in der Dur-Tonleiter statt, auch wenn die Melodien honigschmeichelhaft bleiben!

Bei „superstraight girly girl“, der letzte Song auf der ersten Seite, wirkt erstmal nur der Titel superfreundlich, doch sie spielen den richtig gut nach vorne, wird im Beat zurückgenommen, um einen Stop & Go Refrain unterzukriegen.
Eine kleine Steigerung findet also statt und man freut sich, dass es möglicherweise so weitergeht während man die Platte umdreht; doch es kommt „very sad kings“. Eine Akustik-Nummer, die total großartige gespielt ist, supersauber auf der Gitarre, toller Gesang, die mal komplett den Dampf rausnimmt; und trotzdem ein Volltreffer ist.
Ein weiterer.
Gefolgt von „mackerita“ – meeega! Ein Skit. Darauf ein… Heavy-Rock-Riff und Ein-Ton-Gesang, was auch der (wenn mich nicht alles täuscht) der einzige Text in Deutsch ist. Featuring Dosenstolz.

Leider sind die Informationen recht spärlich in der Platte. Kein Textblatt oder so. Nur das, was man auch so bei Bandcamp oder so nachlesen kann.
Gut, dann nicht. Sucht euch das mal selbst zusammen, ich hab das mal verlinkt!
Wie auch immer – wahnsinnig gutes Album!

Erschienen bei Dropout Records und Rundling.
Hier zu bestellen!

LP: aackr – wtf 2025

Nachdem ich mir Yass angehört hatte, da muss doch direkt nochmal AACKR auf den Teller!

Diese Songs sind manisch, beatorientiert und nimmermüde. Manchmal wollen sie gar nicht enden!
AACKR verfolgen eine Mischung aus Rhythmus und Rhytmen, die nicht ganz zuende gespielt sind. Darauf eine Basslinie, die sich langam aufbaut. Irgendwo fehlt mal ein halber Takt am Ende – darauf reduzierte und akzentuierte Gitarrenlinien.
Mal ein Synthie, mal ein Sample.
Wenn man es einfach laufen lässt, da es instrumentale Musik ist, kann man das schon ganz schön reinfallen. Im Sinne von „sich fallen lassen“.
Man wird mitgerissen, doch die Musik ist wiederum nicht flott genug, um anzufangen zu zappeln. In gewisser Weise, könnten AACKR auch einen Soundtrack gestalten.

Willentlich reduzierte Sphäre.

Nur sechs Songs, dafür maximale Spielzeit, die auf eine LP passt. Wie soll es auch anders kommen, wenn man Songs mit diesen Klangteppichen aufbaut und wieder vergehen lässt?
11 Minuten Wahnsinn in dem Video oben!
Linernotes zu den einzelnen Songs im Gatefoldcover.
Spannend zu lesen, was die beiden sich dabei gedacht haben!
„eine wichtige, emotionale Momentaufnahme, die in einer Zeit voller Krisen entstanden ist. Our world is about to loose its Balance. Darauf waren wir in unserem ständig Fortschritt verwöhnte Gesellschaft einfach nicht vorbereitet.“

Sehr gute Beobachtung und Zusammenfassung.
Noiserock-Bands klingen, meiner Meinung nach, alle anders. AACKR sind eine von den Guten. Checkt das aus.
Artwork ist von Atze. Und er hat es wohl geschafft nach Jahren etwas Gelb ins Cover zu packen. Eben ein Gatefold. Superklasse Farbe.
200 Stück.
Bei Moertel Sound.

das aus der jugend – für immer niemals sein wie ihr

Plötzlich sprang mich so ein witziger Bandname an. Demotape von Das Aus der Jugend. Klar, ich habe erstmal Haus gelesen und mich dann auch über meine eigene Blödheit amüsiert.
Wer öfter mal von mir hier liest weiß, ich steh auch Wortspiele, Wortverdrehungen und Wortakrobatik.
Letzteres ist ja ein seltenes Gut im Punk und wurde lange als Studentenpunk abgetan.
Ehrlich gesagt habe ich das Demotape schnell weggelegt, weil es mir viel zu Indie war – und dann kam die Anfrage mit der ersten Platte und ich bin ja auch begeisterter Hörer von Weiterentwicklungen. Also her damit, rauf auf den Plattenteller.

Und was von Flight13 Records kommt kann nicht Fail gehen, meistens, die LP heißt „für immer niemals sein wie ihr“. Wisst ihr jetzt was ich meine? Das ist schon mehr Wortakrobatik. Könnte ja auch nur „niemals so sein wie ihr“ heißen. Wäre aber ein veränderter Sinn und das „immer“ im Satz ohne das „so“ hat sowieso 1000 Mal mehr Wucht.
Und dann guck dir die drei Typen auf dem Cover an! Ich glaub ihnen das. Dieses Setting, in dem sie sitzen, eiskalt ad absurdum geführt; dennoch nicht unmöglich, dass sie das cool finden.
Deshalb werden sie niemals, niemals sein wie ihr. Und ihr nicht wie ihr, oder?

Der angeschnittene Zwetschgenstreusel (übrigens ist gerade in unserer Gegend, so zwischen Bühl und Freiburg sowas von Zwetschgenzeit!) zieht sich dann ganz wunderbar als Reminiszenz an die Beatles auf die Labels weiter: Seite A vollständig, Seite B das abgefutterte Blech.

Während ich das instrumentale Klavier-Intro der Platte anhörte, las ich auf dem Textblatt die Lyrics und empfand sie direkt als gut. Ja, wirklich: gute Lyrics. Witzig. Hintersinnig.
„Künstler aus Süddeutschland“ – „die SPD schiebt ab“ und „Mollies aus Champagnerflaschen“ sind direkt Hingucker und bergen schöne Scherze.
Ja, schön, den Punk kann auch schön.
Schön laut, schön rotzig, schön Fun, Arme in die Luft.

Ich denke kurz, so für ca. 3 einhalb Minuten habe ich Gelegenheit dazu und dann kommt der dritte Titel „ich will dein Hundi sein“ – och neee. Echt jetzt?
Da hab ich mich schon so gar nicht abgeholt gefühlt. Ich hatte sofort „Waldheims Pudel“ von K.G.B. in den Ohren und The Neglected „my dog he licks me to keep my body clean“ – das sind so Songs um einen Song gemacht zu haben. Bleiben kleben wie der feuchte Tropfen einer Nektarine auf dem Küchenboden. Sehr alter Kram, der, in der Hoffnung darauf, das sich nicht „Schimmelkulturen aller Fächer vereinigt euch“ dahinter klebt, nicht mehr in diese Zeit passt.
Aber Das Aus der Jugend möchte uns da sicher ihre Sichtweise näherbringen. Dochdoch, als Künstler aus Süddeutschland hat man in der Geburtenlotterie gewonnen und verspielt nun den Gewinn.
Sie wirken jung, haben aber wohl all die Klassiker der deutschen Musikgeschichte wie Schwämme aufgesogen und nun wird mit Reibeisenstimme rausgeprügelt, was nicht mehr länger in der vollgestellten Studentenküche vor sich hinschlummert.
Ein paar Songs sind irgendwie zu lang, dennoch alles klar, verständlich und äußerst amüsant.

Seite B, das leere Blech, schau dir jetz amol a, was aus derre Jugend worre isch (<— das ist Badisch, oder sowas in der Art) folgt ein Ein-Minutenkracher auf den nächsten. Kaum Luft geholt, geht der nächste Track los. Alle drei Jugendlichen singen, so ist es ordentlich abwechslungsreich und „fick mindestlohn“ ein geiler Hardcore-Refrain. „glockengeläut“ nimmt ein wenig das Tempo raus, um dann mit „wir bauen uns ein haus“ einen Rock’n’Roll-Smasher rauszuhauen und zurecht die Keule gegen Nazi-Opas zu schwingen.
Ey, wenn die wirklich so unverblümt und direkt auch auf den Straßen rumlaufen würden, dieses Aus der Jugend, dann wäre hier einiges echt geradegerückt. Ich höre da eine permanente Wut in den all der Fröhlichkeit!

Die Kritik an der Generation, die Boomer, kriegt ordentlich auch ne verbale Keule:

ich esse Steak, ich trinke Wein,
ich bin ein altes, reiches, weißes Boomer-Schwein
ihr seid so faul, großes Maul
von nichts n Plan eure Armut kotzt mich an
„eure Armut kotzt mich an“

Als wäre das unbedingt berechtigte Kritik an den herrschenden Verhältnissen.
Aber in meiner Jugend habe ich das auch so schon gehört, nur das das Wort Boomer darin nicht vorkam. Es hat sich also nichts verändert. Das ist echt arm.

„Das Aus der Jugend“ ist das sehr gute, wilde Ende dieser Platte und beinhaltet nochmal das anarchistische Komplettpaket theatröses Chaos über Chaos, Piano, dummes Geschwätz über Fußball.

Das Artwork, und all seine wilden Ideen, komplettieren ein Gemälde mit Rahmen, auf Betriebstemperatur und unter einer Minute.
Kaufempfehlung.

Flight 13.

 

dieser ausfürhliche Review ist bereits beim Vinyl-Keks erschienen.
Mit freundlichen Grüßen!

 

MC: autobot – zurück an der spitze

Autobot alias André Lux hat ein neues Tape raus.

In meiner zeitlichen Wahrnehmung ist das noch gar nicht so lange her, da hatte ich das Split-Tape von Autbot und Ferdinand Führer hier im Deck.

Als die „neue“, giftgrüne Kassette im Deck liegt geht der Gute-Laune-Punkrock los.
Aber Autobot ist gar nicht gutgelaunt, er ist witzig!
Witzig, weil er über die Zahnbürste von Hartmut Engler singt, die er in einem Proberaum (seinem) in Bietigheim (Nähe von Stuttgart) gefunden hat. Und die hat im Millionen eingebracht.
Autobot ist nicht bei Spottifei, nein, ihn gibt es auf Kassette.

Zweiter Song ist „mein lehrer ist ein nazischwein“ und spätestens hier wird dann klar: Autobot ist nicht gutgelaunt, er ist witzig; oder sagen wir ironisch.
Ganz großes Kino!
In Bezug auf die Gutelaune im Punkrock schreibt er dann also einen dritten Song und besingt ebenjene Laune von Ingo. Ingo singt bei den Donots. Kennt ihr? Ich mach da seit jeher einen Bogen drum. „ich wär so gern ingo von den donots“
Autobot ist witzig. Er schreibt ein melancholisches Stück über jemanden, der immer lacht. Und immer freundlich ist und immer seine Haltung parat hat – wie so ein…. Autobot?
Vorletzter Song ist ein schnelles, wildes Stück über „der handwerker ist da“und zum Abschluß gibt es „jeremy“ auf die Ohren.
Und nur um das nochmal deutlich zu sagen: Autobot ist nicht lustig, er ist witzig.
Super Tape! Famoses Artwork auch.
André spielt Gitarre, singt, Pauke, Congo, Melodika, Klavier, Munharmonika und hat die Musik und Texte von Autobot geschrieben.

Erschienen bei Lovelieder Records. Aber wo es das Tape zu haben gibt…. vrmtl einfach bei Insta mal melden! Oder via André selbst bei Etsy/Egonforever. Kostet 6€.