review: ZILP ZALP – auf den Fersen LP / split/PROBABLY NOT LP

Vom wunderbaren Label Tanz Auf Ruinen habe ich vor einer Weile die beiden Alben der Band Zilp Zalp zugesandt bekommen. Ein Full-Length, ein Split.

Ich fange mal mit der Split an und der Band Probably Not deren Seite, oder vielmehr EP „more than skin“ titelt. Zehn kurze Songs schallen in die Ohren. Probably Not kombinieren ruhige Emo-Parts, oft ein wenig vertrackt und verschachtelt, ab und an mit einem Blast-Beat. Druck hat die Gitarre nicht, sondern es scheint sich eher Struktuell um die Melodien zu drehen, die Bass und Gitarre gemeinsam spielen. Und die Energie die damit rüberkommt.
Das finde ich echt sehr spannend. Der jugendliche Überschwang der Band macht richtig Spaß, nimmt mich mit.

Rausgekommen ist diese Split-Platte bei acht (!!!) Labels, unter anderem eben Tanz Auf Ruinen, Smart & Confused (Paris based), CGTH Records (aus Ferrolterra, Spanien), Entes Anomicos, Schädelbruch Platten(Bielefeld), Sunsetter Records, Callous Records (Bristol, England) und Trace in Mace (Booking und Label der Band KYHL).
MAL BEI CROSSED LETTERS SCHAUEN!!!

Dann kommen Zilp Zalp. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass der Bandname eine Lautmalerei ist. Ein Ruf eines Vogels oder sowas. Mit der Musik, die die Band selbst als Twinkle Skrams bezeichnen (…) hat es wohl eher nichts zu tun. Ihre EP hat den Titel „unter dem eis“.
Gleich der erste Song heißt KYHL, ist geschrieben, wie eine gleichnamige Band, die auch auf Tanz auf Ruinen bereits erschienen ist.
Das Vinyl sehr schönes Weiß gesprenkelt.
Der Sound ist echt außergewöhnlich, geht nicht mal eben ins Ohr, gegen die Hörgewohnheiten; falls es sowas bei Screamo geben kann. Die Instrumente sind nicht so gemischt, wie „sonst“ oder „bei andern“. Ich ringe da ein wenig nach Worten, da mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Aktuell ist da zB Shakers, die ich reviewed habe.
Zilp Zalp spielen sehr vertrackten Screamo, der viel über laut/ leise funktioniert. Darüber ein sehr emotionaler Sprechgesang. Die Gitarrenriffs hören sich an, als ob der Gitarrist sie auf der Brust kleben hat; ich kann mir nicht vorstellen, dass man anders so furiose Tonfolgen runterknallen kann. Dadurch steht die Gitarre sehr im Vordergrund, hat aber recht mittgen Sound, wogegen das Schlagzeug wiederum klar gemischt ist, einen sehr plastischen Druck.
In den klareren Momenten hat die Gitarre einen sehr differenzierten Sound, trotzdem bleibt der Gesang immer weit zurückgenommen. Was sicherlich ein weiteres Instrument und Ausdrucksmittel sein soll. Es spielt die ganze Band im Vordergrund steht nicht der Einzelne.
Die EP geht zu Ende und Zilp Zalp treten ab und an auch ordentlich aufs Gaspedal. Ein wirklich sehr abwechslungsreicher Release.
Thomas von Tanz auf Ruinen hat mir auch gleich noch die LP dazu gepackt, die kommt jetzt:

„…auf den Versen“
Das Album stammt schon aus 2016. Eine schön gestaltete Textkarte steckt mit drin. Inside Out Cover und schneeweißes Vinyl.
Zilp Zalp damals noch etwas ungestümer und etwas rougher, weniger ausgefeilt, dafür mit mehr Energie & mehr Geschrei.  Der Sound läuft echt gut. Beide Platten sind wirklich spannend, musikalisch ist das wirklich sehr emotional geworden, das macht großen Spaß, braucht aber auch ne Ecke, bis man einen Zugang gefunden hat.
Ich denke live muss die ein ziemlich zappeliger Knaller sein.
Ein paar Worte noch zu den tollen Titeln „Kundenkannibalismus“, „dann bleibt doch in euerm wohlverdienten Urlaub“ oder „Teigmantel und Zwangsjacke“.
So dystopisch es klingt, ich denke der Band ist viel daran gelegen doch auch einiges an Hoffnung auf Erneuerung zu geben.

Gegen eure Identität, euren Stolz, eure Sicherheit.
Eure Konformität ein loses Gerüst.
Und ich träume jeden Tag davon, dass es zusammenbricht.
(brachland)

 

 

review: RYLOTH – avant cour MC

RYLOTH – avant cour MC
Ich habe zwei Tapes von ihnen bekommen. Das erste auf der Tour und dem letzten Konzert, welches ich 2020 im März besuchen konnte (lest hier) und das heißt „Archipelago“. Das zweite bestellte ich mir via bandcamp „avant cour“. Ich stieß auf den Satz „Ryloth is a planet“ und recherchierte ein wenig. Es dreht sich wohl um die Jedi-Saga „Ryloth ist nach Mon Bala der zweite Planet und der namengebende Hauptplanet des Ryloth-Systems. Er liegt am Äußeren Rand der Galaxis und ist der Heimatplanet der Twi’leks.“ Da bin ich raus, keine Ahnung was und wo und wie. Den Fan wird es wohl erfreuen.
Musikalisch, kurz gefasst: Screamo-Geballer.  Die Bands schafft es, Sphären zu schaffen, nimmt kurze Anläufe aus diesen ruhigeren Passagen und ballert dann mit Blast Beats extrem nach vorne. Die Vocals werden mehr als weiteres Instrument eingesetzt. Unterstützt oft the vertrackteren Beats die nach dem Blast kommen.
Starten tut das Gewitter vom Planeten RYLOTH mit dem „Asimov Filter“, ein Sample unterlegt mit Gitarrensphäre und Drums. Es wohl um die Gesellschaft in der Zukunft geht; so richtig folgen kann ich der Sache leider nicht, dafür ist die Stimme zu leise gemischt. Ach so, ich muss lauter machen, haha! Diese Spoken-Words sind von Eoin eingesprochen aber leider nicht als Text abgedruckt. Dafür die geschrieenen Lyrics bei Bandcamp.
Der Song baut sich sehr sehr langsam und sehr ruhig auf bis dann das erste Geballer kommt. Das ist schon ein ziemlich heftiger Ausdruck und Ausbruch. Erstmal verstörend, doch eben durch die sphärischen Parts eine wirklich abgefahrene, eindrucksvolle, wie auch wärmende Erfahrung. Die eine Nagelkissens in Kombination mit Entspannungsmusik.
Ich war von der Live-Performance echt beeindruckt, weswegen ich mir das Tourtape mitgenommen habe. Dieses habe ich nun mit der Nachricht zugeschickt bekommen, daß wir uns wiedersehen, wenn dieser ganze Wahnsinn vorbei ist, ja, hoffentlich!
Die weiteren Songs wechseln schnell zwischen elegischen Blast-Melodien und Post-Hardcore, Techmetal vielleicht, mit mehr Gefühl im Screamo als Wut. Anspieltipp „I Wish I Was Dreaming (Like Sgt Roberta Draper Was Dreaming Of Mariner Valley)

Gibts beim Label inzwischen als LP zu haben: Moment Of Collapse, bei der Band und auch bei einem feinen Mailorder?

youtube playlist #FB: the corona buchstaben experience

Kurz vor dem Jahreswechsel hau ich diese vorletzte Playlist dann doch noch raus. Wir wollten das FB mit Musik fluten… von A bis Z. Ist teilweise nur gelungen aber trotzdem gut. Zieht euch das mal am Stück rein. Bunter kann die Musikwelt ja gar nicht sein.

A: ganz klar. ganz oben steht mein (Felix) erster, selbst produzierter Videoclip.

B:

C: von Marcus, gemeinsamer Verein, Sänger und Gitarrist bei KRASSER FAHRSTIL gibts:

D: von Michel, beschter Kumpel fürs Leben

von Fatih, gemeinsamer Verein 😉 gibts:

E:

F: von mir, Chefredakteur von dem hier, Sänger und Gitarrist bei pADDELNoHNEkANU gibts

G:

H:

I: von Nico, der macht nun den klasse Blog VINYL-KEKS, früher mal Subkultura Booking und so einiges anderes…

J:

K:

L: von einer befreundeten Band WuZetian kommt

M: von meiner ehemaligen Nachbarin Jeany:

N: von Martin, dem Saarländer, lieber, langjähriger Kollege

bei Gunter, Fanzine-Reviewer der Provinzpostille und Fanziner mit gibts mehrere Tipps zum Buchstaben N

O:

P:

Q:

R: auch noch eins von mir.

S: von Christian, F-SPIN records

T:

U: von Thorsten, einem lieben Freund und Kollegen.

V: von Andreas, Sänger und Gitarrist bei PHILEAS FOGG .

W: von Andreas gibt es noch einen zweiten Wurf

X:

Y: von der ProvinzPostillenRedaktion kommt

Z:

Ä: kommt von der Band selbst…

review: LA PETITE MORT / LITTLE DEATH – disco LP

Noch eine Platte bei KONGLOMERAT KOLLEKTIV rausgekommen. Neulich besprach ich hier schon einen der beiden ersten Releases des Labels die SHAKERS LP.

LA PETIT MORT / LITTLE DEATH aus  Rodgau und die Platte heißt Disco. Auch diese Platte ist live eingespielt worden. Es sind 13 Lieder drauf. Herausgebracht von acht Labels:
konglomeratkollektiv.bandcamp.com (GER / ihr erster Release!) firefliesfall.bandcamp.com (FRA) coldpressrecords.bandcamp.com/releases (SGP) lesdisquesrabat-joie.bandcamp.com (CAN) saltamarges.bandcamp.com (ESP) www.facebook.com/SunsetterRecords (GER) www.facebook.com/afonddcaleprod/ (FRA) www.facebook.com/Paper-Heart-638543866323168 (ARG) . Es ist musikalisch recht irrwitzig gespielter Screamo. Ganz viele Wechsel und hunderte Gitarrenakkorde. Dazu dieses wirklich ansprechend zerbrechlich wirkende Cover. Der Titel „disco“ ist auf der Platte musikalisch alles andere. Nur keine Disco. Eher ein Karussell.

Sie haben ein schönes Beiblatt, mal abgesehen vom angesprechenden Artwork, mit einer sehr sehr langen Dankesliste und ein A4 Blatt mit den Texten beiliegen . Die vier Herren, wenn ich das richtig auf den Fotos erkenne, denn die Dankeseliste gibt leider keinen Aufschluß über die Besetzung 😉 , machen sehr freien Screamo. Ich benutze bewusst das Wort „frei“, denn das Songwriting, wenn man die Platte das erste Mal laufen lässt, hat wenig Punkte, an denen man vermuten könnte, was hinter der nächsten „Ecke“ für ein musikalischer Wechsel lauert. Klingt jazzig, ja. Beinhaltet aber so viel mehr an musikalischen Einflüssen. Manche Songs haben etwas von Flamenco. So jedenfalls zappeln die Beats in meine Hirnwindungen. Ein bisschen AT THE DRIVE IN in ihren „relationship“ Tagen. Warum ich diesen Review unaufgefordert schreibe? Weil ich die Platte in der Distrokiste von RYLOTH gefunden habe, auf dem Konzert mit RAUCHEN. Vorerst das letzte bis jetzt in diesem Jahr.

Sie schreiben, dass das Album ist zwischen 2015 und 2018 in einer persönlich harten Zeit entstanden ist. Auf ihrer Bandcampseite steht „fünf Jahre trial and error“. Da der Gesang so wahnsinnig hoch kreischt, dachte ich zuerst, dass da eine Frau singt. Irgendwie ja ein toller Gedanke, da ich mir schon wünsche, daß es mehr Frauen auf die Bühne treibt. DREI AFFEN aus Spanien sind da ein tolles Beispiel, checkt die auch mal aus! Weil die Stimme so hoch überdreht ist, wie gesagt: irrwitzig. Bei Songs wie „Snufkin, we can go!“ bricht er das Gekreische gegen etwas fast Poppiges. Eine leichte Verzerrung auf der Stimme. Dann auch mal was Zweistimmiges. Je länger die Scheibe läuft, desto klarer wird, wieso die Band so lang gebraucht hat, all die Ideen in einen Fluss zu bekommen. Ich finde, daß das ganz hervorragend funktioniert. Hier also ein Geheimtipp. Bei der Recherche habe ich wenige Reviews online gefunden. Auf jeden Fall sehr sehr abwechslungsreiche, genreübergreifende, Mauern einreissende  Musik, die dich jeden Moment überrascht, irgendwie abholt und immer wieder weg stößt. Total abgefahren! Muss man sich einig mal live angucken, sobald es wieder möglich ist! Ich werde das tun.

Review auch erschienen bei vinyl-keks

youtube playlist #4: quarantined (experiences in the 2000s)

Exakt 2000 habe ich angefangen beim „Film“ zu arbeiten. Unregelmäßige Arbeitszeiten und Orte. Habe meine Frau kennengelernt und zwischen 2005 und 2009 drei Kinder als die gemeinsame Frucht unserer Lenden in die Welt geschoben. Und dann durch die Welt. Im Kinderwagen.

Es blieb nicht so viel Geld, um Platten zu kaufen uns so habe ich vieles von dem was ihr hier hören könnt tatsächlich digital entdeckt. Erst über Napster, meist über emule, peer-to-peer Netzwerk. Es gab da noch ein anderes…. hm, vergessen wie es heisst.

Einige der deutschsprachigen Bands durfte ich mit meiner Band pADDELNoHNEkANU begleiten, supporten, … da kommen mehr in der nächsten Playlist. Die widmet sich dann mehr den letzten 10 Jahren.

Emo-Lieblinge waren ganz klar SMALL BROWN BIKE. Komplexes Songwriting, maximale Emotion. Dann entdeckte ich die zappeligen BEAR VS. SHARK – vow!

Dazu jede Menge deutschsprachiger Punkrock. DUESENJAEGER alle 7inches besorgt. OIRO. Krach. Päng. Geilo! ANTITAINMENT empfohlen bekommen, auf Konzert und auch PASCOW dort gesehen. Fantastisch. Eins der sehr wenigen Konzerte, die ich in der Babypause besucht habe.

Noch eins waren TURBOSTAAT. Kannte damals noch kaum wer. SCHNELLER AUTOS ORGANISIATION. Die wundervollen GRIZOU!

Ich hör auf zu schwärmen. Finde wirklich alle Bands ausnahmslos geil. Ja, auch INTERPOL haben mich nachhaltig überrascht und der Schlagerpunk von BLINK182 hat mich aus meiner ersten, tiefen, tränentraurigen Trennung Anfang 2000 gezogen. Das war geil. Gute Laune ohne Ende!

Viel Spaß beim hören. Link zu DEEZER.

Eventuell wird auch mal ein Cover zu den Playlists erstellt.