7inch: night punch – godisnowhere

Beim letzten Release hatte mich irgendwas gestört, ich weiß nur nicht mehr was. Und ich lese den Tapereview und denke: nö, Night Punch waren damals schon gut – also was?

Hier ihre neue 7inch mit 6 neuen Song plus In- und Outro.
Das fiese Knochencover weist den Weg ins Dunkel des Horrorfilms, den ich letztes Mal schon erwähnt, in dem sich Night Punch wohl ein warmes Stübchen eingerichtet haben.
Das Cover ziert Knochen und einen Drachenvogel, der in ein Gefäß kotzt, in dem sich die Erde befindet. Von Vinstattoo auc Barcelona gestaltet der wohl, bei näherer Betrachtung seiner Werke, ganz Hervorragend mit seinen Mittelalterlichen Bildern zum Soundtrack der Band passt.
Klappcover, keine Texte oder so. Man kann sie eh kaum verstehen, vielleicht muss man sie deswegen nicht abdrucken.
Musikalisch sind die Songs kürzer. Auf ein Maximum komprimierte Synth-Punk-Mucke. Einen gewissen Thrash-Faktor haben sie auch, denn die Gitarren sägen mehr, als das sie aus dem Garage-Punk entsprungen wären.
Da ist ne ganz ordentliche Steigerungskurve drin, Night Punch klatschen hart, erschienen bei  It’s Eleven Records.

Die Musik kann man sich nicht in die Haut ritzen, noch nicht, dafür als Vinyl erstehen oder auf einer digitalen Plattform durchhören. Empfohlen:

7inch: twenty one children – s/t

Durch einen Timeline-Zufall auf twenty one children aufmerksam geworden.
In 2024 war in drei Wochen in Südafrika zwischen Johannesburg und Indischem Ozean unterwegs. Soweto haben wir dann auch einen touristischen Besuch abgestattet. Halt als weißer Touri auf Reisen zu zweit. Nach Soweto kommt man deshalb auch nur in einer kleinen Gruppe, die mit einem Kleinbus in das South Western Township reist mit Guides.
Wie ich lernen durfte, gibt es auch in Soweto eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Die ganz Armen sind meist Mozambiquaner, die als Flüchtlinge im Außenbezirk in Wellblechhütten landen.
Die Mittelschicht hat ein (mehr oder weniger) befestigtes Haus oder Hütte mit (möglicherweise) Strom. Und die Upperclass hat ein Haus mit einem Zaun und Stacheldraht drumherum. Was aber nicht heißt, dass dort irgendwer nicht von der Hand in den Mund lebt oder die Gewalt und der Drogenkonsum nicht eklatante Folgen hätte!

Meine Timeline spülte eine Band an, deren Drummer das Set gegen eine Wand gestellt hat, damit es nicht wegrutscht. In seinem Rücken ein Gitarrist, der ordentlich schreddert und ein Sänger, meist in der Nähe der Handykamera/Mikrofon zu finden, ohne Mikro in der Hand.
Was allein schon mal ne Ansage ist. Was wir uns in unserer europäischen Bubble ja nicht mal vorstellen können, dass man so Musik macht.
Twenty One Children.
Und ein englisches Label namens Slovenly Recordings ist auf sie aufmerksam geworden und hat eine erste 7inch rausgebracht. Die selbstbetitelte 4-Track Single startet wie folgt:

Erster Song „ice cube“:
Ein wenig wie ein Kurzfilm. Ein wenig wirkt es, als ob ich die Lyrics dadurch endlich in einen ziemlich gutgelaunten Zusammenhang bringen kann.
Mal abgesehen davon, dass twenty one children mit ihrer minimalistischen Instrumentierung ganz schön davonbrettern.

Zackiger Song!
„talk shows“ und „let it doom“ sind sehr kurze Stücke, die in gewisser Weise einen anderen Stil haben, als die beiden Hits des Siebenzöllers.
Jeder Song hat ein bisschen eine andere Tonalität. Was ich mir eigentlich von jeder PUNKband wünschen würde, aber die wenigsten hier bekommen das überhaupt auf die Ketten. Dazu die jugendliche Ungestümtheit – saugut!

Vierter und letzter Song:
looney bin beginnt mit einer Therapiestudie in der Irrenanstalt „looney bin“ und zeigt im Folgenden, wie man sich aus Ingwer und diveren anderen Zutaten was Gutes zaubert.

Klar sind das, auch für uns privilegierten Europäer keine neuen Themen mehr. Doch der Kontext der „echten“ Subkultur fehlt den allermeisten hier.
Ich spüre die Frustration und Wut des Trios.
Ein wenig diametral zu dem, was da kommen wird. Album ist raus und sie betouren England, Frankreich, Deutschland,…. Dazu Interviews in großen Magazinen, unter anderem dem „The Guardian“ über die Skateszene sein den Mitt-Zehnern.
Die Band hat nicht diese extreme Angepisstheit vieler europäischer Bands sondern diesen afrikanischen Charme des Bunten und Fröhlichem. Derart Musik wird ja quasi nicht gespielt. Deswegen spielen sie fast nur auf der Strasse und ziehen halt auch Menschen an, die dort erstaunt dem Non-Konformistischen staundend beiwohnen.

twenty one children. LP Review folgt.
Platte kriegt ihr aus Berlin via BC-Bestellung!

 

LP: usura – desafecto

Im Sommer letzten Jahres war ich ein paar Tage auf Mallorca, im Nordosten der Insel.
Klar, wir sind auch mal nach Palma gefahren um uns ein wenig die Stadt anzuschauen. Dazu gehörte auch ein Besuch bei Mais Vinilo, einem kleine, wohlsortierten Plattenladen.
Ich fragte den Inhaber, was er denn an mallorcinischem Punk da hätte und er empfahl mir unter anderem Usura. (auch die Suicidas – anderer Review!)

Klar war ich ein wenig überrascht, die Geballte Ladung Crust um die Ohren gefegt zu bekommen. Muss ich mitnehmen, dachte ich!
Usura heißt übersetzt „(Zins-)Wucher“. Die Scheibe trät den Titel „desafecto“ (Entfremdung). Textblatt ist dabei, auf dem alle spanischen Texte auch ins Englische übersetzt sind.

10 eigene Songs und ein Coversong.
Klar, ich hätte die Platte wohl auch hier in Deutschland (bspw. Kink Records oder auch MyRuin) bekommen, spannender ist es aber, das Fach mit dem Titel „in den Ferien gekauft“ zu füllen!

Wie auch immer. Textlich geht es bspw in „arqutectura carcelaria“ (Gefängnisarchitektur) darum, dass in Städten zu leben bedeutet Klassenzugehörig beinhaltet, Privilegien und eben diese Stadt dadurch unser Gefängnishof ist.
Usura hinterfragen auch, warum überhaupt so dumm sind sich weiter zu reproduzieren.
Die Band gibt es schon knapp 15 Jahre. Sie spielen wirklich richtig gut zusammen und ballern ordentlich nach vorne, ohne sich permanent zu wiederholen. Das hat ein hohes Energielevel ohne Schnörkel.
Man hat gleich von Anfang an das Gefühl, man hebt mit dem sägenden Sound der Gitarre ab!

Wie bei Crust-Veröffentlichungen üblich, hier eine handvoll Labels:
Abnegat, Romantic Song Recordings, Aback Distribution, Corrosión Cerebral Records, 1984 Records und Up The Punx.
Schon 2023 erschienen, heute nicht weniger gut. Und eben bei letztem Label Up The Punx habe ich gesehen, dass Usura eine neue Split LP raushaben mit Sota Terra.

LP: rosa extra – extrakte 1980 – 1984

Durch das tolle Video von Rosa Extra bin ich nochmal aufmerksam geworden und habe mir die Platte beim Majorlabel gezogen.

Rosa Extra sind eine Punkband aus der ehemaligen DDR und es handelt sich um gesammelte Werke aus der Zeit 1980-1984.
Ich erfreue mich schon daran, dass wir in dieser tollen neuen Welt leben, in der die Restaurierung der Kassettenaufnahmen heute so gut gelingt, dass man das Gefühl bekommt für die Umstände, in den das entstanden ist, aber eben eine Platte hört und nicht das leiernde, lausige Tape.
Ein 12 seitiges  Booklet ist dabei. In einem Interview werden nicht nur die Gründungsmitglieder Bernd Jestram, Bernd Papenfuß und Günther Spalda vorgestellt, sondern auch einige andere in einem Interview ein paar Anekdoten, bzw. Hintergründe zum entstehen der Aufnahmen erzählen.
1979 gab die Band unter dem Namen „der schwarze Kanal“ ein einzige Konzert und benannte sich dann um. SIe waren sich sicher, dass man mit derart Bandnamen in der DDR nicht mal in einem Mauseloch auftreten würde.
Und Rosa Extra war es sehr wichtig, dass sie nicht als Systemfeinde wahrgenommen wurden.
So schrieben sie ihre Texte nicht zwingend gegen den Staat, das System, und waren dennoch sehr deutlich. Es sollte nicht zu punkig werden und die Texte auf einem lyrischeren Niveau. Eben mehr im Post-Punk, auch durch die Instrumentierung mit Casio-Keyboard oder Alt-Saxophon.
Viele Aufnahmen sind bei Proberaumsessions und Livekonzerten in verschiedenen Locations gemacht wurden.

Zu den Texten sei noch gesagt, dass im Booklet der Aufbau so ist, dass die anwesenden, spielenden Musiker*innen erwähnt werden und wo es aufgenommen wurde.
Dazu dann die Lyrics und die gesungenen Lyrics. Das gibt es teilweise größere Unterschiede. Ein paar Fotos aus und von den Ereignissen. Man kann sich echt ein sehr gutes Rundumbild aus der Zeit um 1980 machen!
Manchmal blickt man als Wessi die Worte nicht und dafür haben sie sie dann nochmal erklärt. Wie bspw gleich im ersten Song „sofadecken und platzpatronen“ ist der Begriff „Komplex-Brigade = Terminus für eine Gruppe von Arbeitern aus verschiedenen Berufssparten“.
Find ich super.

Find die Platte musikalisch auch wirklich ansprechend!
Rosa Extra erinnern mich an West-Bands, die so in dieser Zeit unterwegs waren wie Fehlfarben oder Tod durch Müsli. Post-Punk, der sich klar nach Deutschland anhört!

Gibts bei Majorlabel als Vinyl. Als Tape (gab es das?) bei Edition Iron Curtain Radio.

LP: body maintenance – far from here

Eine schnelle Review für die wunderbare Body Maintenance „far from here“.
Neulich waren sie in der Alten Hackerei zu Gast (18.02.) und haben mit einer gänzlich nervigen Synth-Wave-Band mit dem tollen Namen Desinteresse gespielt.
Body Maintenance haben so ultrapünktlich angefangen, dass ich die ersten vier Songs ganz sicher verpasst habe. Im Anschluß ein schneller Schnack mit Gitarrist und Sänger Riley Stafford am Merch und diese aktuelle Scheibe eingesackt!
Ich bin ja sehr neugierig darauf, wie Bands sich weiterentwickeln. Und Body Maintenance haben acht neue Songs auf dieser LP, die sehr viel druck- und schwungvoller rüberkommen. Etwas mehr Biss im Songwriting und den Gitarren.
Auch wenn die Band aus Melbourne kommen, habe sie schon einen sehr klaren, britischen New-Wave-Einschlag und so Manches erinnert an The Cure. Sie bleiben insgesamt aber rauher als ihre Vorbilder. Body Maintenance spielen sehr gekonnt mit schönen Melodien, die nicht zu bittersweet werden, die da sind und zugehöriges Beiwerk im Songwriting sind und nicht „da muss jetzt ein Solo hin, dann spielen wir auch eins“.

Läuft richtig richtig gut durch. Artwork von Matt Morgantini. Erschienen via Drunken Sailor Records.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

fanzine: gunter meinhardt – reise nach saint malo

Kurz haben Gunter und ich uns per Mail ausgetauscht und nebenbei verriet er mir, dass er ein neues Heft rausgebracht hat.
Ich freue mich immer über Neues und so verschlinge ich all die Buchstaben recht zügig an einem Vormittag; als es per Post bei mir zuhause angekommen war. Auch verriet er mir nicht, um was es denn ging, umso leichter fällt dann das neugierige beschnuppern der einzelnen Sätze.

„Reise nach Saint Malo“ – es handelt sich hierbei um einen Ort in Frankreich.
Nutzung und Veröffentlichung im Internet findet Gunter nicht gut, deswegen steht es auch gleich vonre im Heft, aber einen Nennung, die muss in Ordnung gehen, denn wass du schreibst, lieber Gunter, ist einfach gut und das sollten noch ein paar Lesende ans Herz gelegt bekommen!

Auf 12 Seiten gibt es ein Tagebuch der Reise. Er beschreibt die Reise, die Stationen, so amüsant, in einem herrlich süffisanten Tonfall, der manchmal wirkt, als könne er ins Gegenteil kippen, dass ich mich schon frage, ob er denn Spaß auf seiner Reise hatte – zwinker.
Ein liebenswerter Bericht über die anderen, angereisten Touristen, die örtliche Gastronomie, der öffentliche Nahverkehr, er fasst alles mit spitzen Fingern an! Doch bevor man aber denken kann, dass er das wohl alles nicht leiden kann, dreht er eine Pointe daraus.
Dazwischen etwas Tristesse und Langeweile, wenn man aus dem Fenster schaut und auf den Sturm schaut, der über den Atlantik heranzieht.

Gegen Ende kommen zwei richtig gute Sätze, die sich um unsere digitale Welt drehen.

„…eine abgebildete Realität Mahnung und Warnung in einer immer virtueller werdenden Welt in der sich vieles verabschiedet, nämlich der gesunde Menschenverstand.“
„schöne neue digitale Welt, du bietest so viele Lösungen an, die es früher nicht gebraucht hätte.“

In diesem Sinne:
hier bestellen.

 

fanzine: loser youth – 15 jahre

Zufällig bekomme ich das mit und lasse mir da sehr gerne postalisch zuschicken. Wie cool. Ich liiiiebe Jubiläen!

Tommy schickte mir das also.
Zuerst dachte ich, als ich es dann endlich zwischen meinen gierigen Fanzinerhänden rieb „wer liest n sowas eigentlich nochmal. alte Interviews, die man schon mal gelesen hat. und so n Zeug.“
Gute Frage, ob ich sie beantworten kann?
Kleine Notizen zu den einzelnen Releases.
Am witzigsten ist da schon die Geschichte um die 7inch „zwei mal halber hahn“. Es war tatsächlich recht schwer zu bekommen.
Heute verstehe ich warum: versehentlich haben die Loser Youth die ungemasterten Files ins Presswerk geschickt haben.
Was bei dem flotten Garage-Punk, den sie spielen eigentlich so gar nicht ins Gewicht fällt. Hörbar, meine ich. Die Mischung funktioniert(e) für mich.

Ein wenig scheint es die Brot-Fanzine-Gedenk-Grafik zu sein, die für dieses Zine nochmal zur Anwendung kam.
Schade, dass es das nicht mehr gibt, das war doch immer ganz amüsant zu lesen.
Ein aktuelles Interview mit Raffa von Alarmstufe Gerd, der inzwischen bei Streckmittel spielt (Platte hier im Review) – am Ende hängt ja dann doch alles zusammen. Denn die Loser Youth hat sich nach einem Song von Alarmstufe Gerd benannt.
Raffa spielte übrigens auch bei Los Gringos, einer Punk-Surf-Band. Voll gute Scheiben!
Es gibt so einiges an Sidefacts zu erfahren, zusammengerechnete Tourkilometer, Flyer/Artwork, Fotos und ein Kreuzworträtsel. Für die, die das Heft auch wirklich ganz gelesen haben, dort könnt ihr euch nochmal ein paar Punkte abholen!
Meldet euch via Facebook, so hab ichs gemacht. Geht auch bestimmt irgendwie anders.

Fazit:
Ich werd in eine Platte von ihnen stecken und wenn ich die dann in viiiielen Jahren wieder raushole, um sie zu hören, dann freue ich mich, wenn ich das nochmal so angucken und lesen kann.

LP deutsche laichen – punk ist scheiße, punk ist toll

An Deutsche Laichen kann man sich sicher noch an das hübsche Cover mit der gepressten Zitrone erinnern.
Nach diesem ersten Album ist eine Weile vergangen, so sieben Jahre, und ich freute mich, wieder von der Band zu hören, bestellte mir das Album im Pastic-Bomb-Shop. Jetzt liegts hier.
Und mich strahlt ein KI-generiertes Cover an. Würg.
Aber gut, ich habe in der Zwischenzeit den Artikel von Ronja in eben dem Plastic Bomb gelesen und weiß, dass die Band das genau so wollte und eine Künstlerin Kimberly Maddox hat das mit Hilfe von KI erstellt.
Hier steht es auf dem Cover drauf. Finde ich gut so!

Allein der erste Song kickt mich schon so und ich sauge die Musik auf, höre durch, drehe um, drehe durch!
„beton“ beginnt so direkt und ohne Umschweife, ein vertontes Gedicht, toll!
„zelle“ ist ein Manifest für die Familie, was auch einfach die Gruppe Menschen sein, mit der man lebt und sich freut und schöne Dinge tut.
Zum Beispiel:

 

Auch ein ganz schönes Video.
Wäre das auf der ersten Platte schon so melancholisch gewesen. Dieser Mitgröhlrefrain, dieses fiese Poppige, was einfach kleben bleiben muss: eine Freude.
Erinnert mich an Tiger Magic. Ganz famose Combo.

„punk ist geil, punk ist scheiße“ überrascht mit Piano und dem Blickwinkel einer Frau von der Bühne aus gesehen.
Umgedreht ist „schmutzig“ als Coop mit Irem Karam, wobei ich nicht weiß (singen?), was sie oder er gemacht hat – es fehlt ein Textblatt. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie schön das ist – und sei es nur ein kopierter Zettel – die Texte mitlesen zu können und herauszufinden, was die Band einem mitteilen möchte außerhalb der ganzen, lyrischen Worte.

Das Outro-Stück (feat. allpopp ((leicht mißzuverstehen für einen Badener, wie mich „allhopp“ sagt man hier schon mal, was eine Aufforderung ist, aufzustehen)) ist etwas, was ein wenig am Gesamtbild kratzt, denn ich verstehe das Lied nicht. Musikalisch, meine ich.
So ein bisschen Autotune, Elektro und holprigem Schlagzeug, Hardcore-Frauen- Gesang. Ha! und da fällt mir doch ein: Irem ist bei Anti-Corpos. Neulich ihre Platte hier reviewed. Zumindest das habe ich nun verstanden, puh.

Die Band aus Berlin wird schon noch einiges erleben, musikalisch absolut geeignet uns den Sommer auf manchen Bühnen zu verschönern.

Wohl erschienen bei einem Label namens pretty on the inside, allerdings über audiolith vertrieben. So wie sich das anschaut: das Bandeigene Label.

interview: #3 – how i left – indie, pop, karlsruhe

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

Manchmal kann es unheimlich einfach sein, eine Band zu finden, die etwas macht, was nicht jede Band macht. Von Jule, dem Saänger und Gitarristen von HOW I LEFT hörte ich schon, da er desöfteren mit TOM MESS unterwegs ist.
Und da im beschaulichen Bühl ein Veganes Restaurant aufmachte und direkt mal ne Band dort spielte, wurde ich neugierig!
Das Restaurant von TIMO FRANKE lohnt sich und die Musik von HOW I LEFT sowieso:

PP:
Ihr habt eine CD raus (eure erste?) die „sniffing glue with frank sinatra“
heisst. Wie kommt sie an?

HIL:
Erstmal moin moin liebe Provinzpostille!
Ihr liegt goldrichtig- wir haben von Juli bis September 2015 in zig Nacht und Nebel Aktionen unsere erste CD aufgenommen und fertig gemacht. Quasi nahtlos daran sind wir dann mit der CD im Gepäck quer durch den Süden gezogen und haben hier und dort gespielt.
Ob und wie die Cd nun ankommt? Fühlt sich zumindest so an, als würde sie gut ankommen- steckt ja auch ne ganze Menge Herzblut drin. Im Dezember 2015 war die erste Auflage dann auch schon tatsächlich restlos vergriffen und wir haben die nächsten 40000 Stück geordert. Die gigantische Menge an Verkaufsgeldern haben wir dann in noch viel gigantischere Instrumente und Equipment gesteckt um noch gigantischere Aufnahmen zu machen und noch gigantischere Verkaufsgelder zu generieren und so weiter! Spass beiseite- die erste Auflage hatte ein Volumen von 150 Stück. Die waren im Dezember weg und von der zwoten Auflage sind zu unserer Freude auch schon wieder ne ganze Menge verkauft.

PP:
Wo habt ihr die aufgenommen, bei Nacht und Nebel?

HIL:
Die Frage nach dem Wo ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da wir komplett alles selbst aufgenommen und gemischt haben. Die kompletten Schlagzeugspuren haben wir in unserem Proberaum aufgenommen. Den ganzen Rest- also die Gitarren, die Bassspuren, die Tasteninstrumente und den Gesang haben wirzum Teil im Proberaum in Karlsruhe, zum Teil in Kassel, zum Teil in Winden und zum Teil in der Wohnung in Karlsruhe aufgenommen. So wie es eben am besten gepasst hat und so wie wir eben Bock hatten. Eine der Ideen hinter „How I Left“ ist unter anderem die Idee einfach derbe viel selbst auszuprobieren und schlussendlich auch zu machen. Einzig beim Mastern, und bei der grafischen Umsetzung hatten wir unbezahlbare Hilfe von zwo dicken Kumpels!

PP:
Schreibt ihr an neuem Material?

HIL:
Die Konzertpause bis Ende April nutzen wir tats ächlich, um an neuen Songs zu schreiben. Außerdem haben wir auch begonnen, die zwote CD  aufzunehmen.

PP:
Wie kommt man auf die Idee zu zweit Musik zu machen? Hat sonst keiner Bock gehabt mitzumachen oder habt ihr einfach keine Freunde?

HIL:
Wir haben einfach keinen Bock gehabt, dass noch jemand mitmacht. Freunde haben wir auch keine- naja den ein oder anderen vielleicht. Die dürfen dann zum Beispiel unsere Aufnahmen fantastisch mastern oder na
ch unseren wirren Ideen grandiose grafische Konzepte verwirklichen. Oder mit uns Musik machen. Live gibt es uns zu unserer großen Freude auch immer mal wieder zu dritt- dann haben wir den Nigel samt Tasten im Gepäck oder eventuell auch mal nen anderen Nigel, der dann auch mal nen Bass im Gepäck hat.
„How I Left“ sind aber erstmal die zwo Typen ohne Freunde (oder halt mit dem ein oder anderen!)- eben Jule Baetz und Michy Muuf.

PP:
Vereinfacht es das zu zweit sein, Songs zu schreiben?

HIL: Keine Ahnung- uns beiden fällt es jedenfalls leicht zu zweit Songs zu schreiben bzw. daran zu arbeiten. Wenns uns jeweils nochmals geben würden, würde es uns vielleicht dann quasi zu viert auch leicht fallen. Das Schreiben als solches geht bei uns immer ziem lich fix. Ist das mal nicht d
er Fall, dann gehen wir in dem Moment lieber ein paar Pils trinken. Beim nächsten Mal kla ppt es dann meistens wieder schneller! Bis die neuen Songs dann allerdings „rundgespielt“ sind und so rumpeln wie sie eb en rumpeln sollen, dauert es dann schon auch mal ne ganze Wei le. In dem Fall trinken wir dann die Pilsken während der zwo-Mann-Trainingseinheiten.

PP:
Im Grunde könnt ihr ja überall auftreten, was euch wiederum sicher
an Orte führt, an denen sonst keine Band unterwegs ist. Was ist euer abgefahrenstes Liveerlebnis bis jetzt?

HIL:
Jo Blatter, seinezeichens grandioser Barber mit eigener Barberstub in Lichtenau, ist ein ziemlich cooler Typ mit starken Ideen. Unter anderem hatte er die fabelhafte Idee eines „Refugees Cut Day“ in der Flüchtlingsunterkunft in Sasbachwalden (eine ehemaliges Hotel in dem zu dem Zeitpunkt mehr als 700 Hilfesuchenden untergebracht gewesen sind) auf die Beine zu stellen (inklusive Kuchenbuffet, Spielstrasse für die vielen Kinder, einem DJ und eben einer Band – How I Left). Er selbst hat mit seinem Vater „duracellhäschengleich“ Haare geschnitten und wir durften den Menschen unsere Musik schenken. In Worten kann man das ganze nicht wirklich wiedergeben. Die komplette ehemalige Hotellobby war voll mit neugierigen Menschen verschiedenster Kulturkreise und vor
unserer improvisierten Bühne standen extrem viele Kinder die uns mit ihren dankbaren Kinderaugen angeschaut haben. Selten hatten wir so derbe die Hosen voll wie an dem Tag – ganz einfach weil wir überhaupt nicht abschätzen konnten, was uns erwarten würde, wie den Menschen unsere Musik gefallen würde,..!
Das war definitiv das abgefahrenste Liveerlebniss.

PP:
Ich höre viel Sehnsucht in euren Songs. Wohin geht die Reise?

HIL:
Mmmhh Sehnsucht? Klingt aber auf jeden fall mal gut und deshalb lassen wir das einfach mal so stehen. Wohin die Reise mental geht?
Keine Ahnung!
Sicher ist jedenfalls, dass wir weiterhin ne gehörige Portion Spaß dabei haben werden, gemeinsam Songs zu schreiben, unterwegs zu sein, auf der Bühne nebeneinander zu stehen. Und das ein oder andere musikalische
Stelldichein geben wir wieder ab Ende April.

PP:
Vielen Dank für das Interview.

Das ist die aktuellere Platte; die kam im April 2023, bei This Charming Man und ich habe es klingeln gehört, dass es eine neue Platte geben wird.

 

LP: the zsa zsa gabors – life’s routine

The Zsa Zsa Gabors, benannt nach einer US-Amerikanischen Schauspielerin, kommen aus Österreich und machen Power-Pop-Punk.

Gleich der Titelgebende Track des Albums „life’s rouine“ startet mit einer so honigschmalzenden Melodie in die 13 Songs, plus einer Singalong-Hook, dass mir vor lauter Zucker ganz bunt vor Augen wird.

Mal der Reihe nach.
Die Zsa Zsa Gabors gibt es nun seit über 10 Jahren und haben schon einige Releases rausgehauen.
Sie haben, glücklicherweise, ein Infosheet dabei, auf dem einige sehr gute Infos stehen, auf der andern Seite auch Linernotes und Texte. Allerdings sind die nicht unbedingt Deckungsgleich.
Mir geht es da vor allem als erstes um die KI – Inhalte, die sie generieren haben lassen – das Artwork – und dies auch klar kommunizieren.
Sie haben aktiv einen Song über den Umgang mit KI geschrieben und sind gegen eine Nutzung, bzw Beeinflussung der Musik.
Ich finde das total gut, allerdings weiß ich dann nicht, warum man das nicht gleich vorne auch auf Cover schreibt?
Ich stoße mich da aber eher dran, weil ja alles so vorgehen: niemand kennzeichnet ganz klar mit einem Sticker / Ettiket / wasimmer „KI-generiert“ oder so. Ich will das doch nicht immer selbst rausfinden.

„life’s routine“ ist das sechste Studioalbum. In der „kurzen“ Zeit doch ein recht bemerkenswerter Output.
Sie haben da wirklich gute Gedanken und reflektieren das Thema. Ist es DIE zukunftsweisende Technologie oder ist es ein Tool? Oder sollten wir uns das erstmal in Ruhe anschauen, wie das funktioniert.

Der Sound erinnert mich an die Neat Mentals, 77er Garage, allerdings sehr viel poppiger und eingängiger. Nach vorne gespielt, ja, Punk, man kann auf einem Konzert sicher das komplette Konzert von ihnen mit der Faust in der Luft, das Tanzbein schwingend, freudig mitgrölend verbringen.

Mit „the devil knows“ kommt ne astreine Rock’n’Roll Nummer, womit leider in meinen Ohren der Startschuß gegeben wird, dass die Band es nicht länger als eine Seite bei mir schaffen wird.
Versteht mich nicht falsch, die meisten Grindcore-Bands erzielen da ähnliche Ergebnisse.
„rich kids“ klingt etwas ernster, was ich zwischendurch mal als ganz gut empfinde!
Die Platte von den Zsa Zsa Gabors ist super durchkomponiert, komplett runder Sound!

Transparent blutrotes Vinyl mit schwarzen Schlieren, was richtig gut aussieht und super zum gesamten Artwork passt.
Bubble-Gum-Garage-Pop-Punk.
Im Grunde kann mensch nicht falsch liegen, wenn man auf melodische, eingängige Punkmucke steht.

Erschienen und zu haben bei Mad Butcher Records.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.