LP: die ausreden – menschen

Ein schöner Bandname für eine Band die von sich sagt, dass sie cachy Punk machen: die Ausreden.
Kurz hoffe ich, dass es nur eine Ausrede ist, Ironie, für Nieten-Crust.

Die Ausreden sind eine Poppunkband aus Berlin und erinnern mich sofort an Kommando Marlies oder sowas, ich komm nicht drauf. Schöne, gute, deutschsprachige Indie-Pop-Punk-Band.
Egal, die Band selber macht halt Musik. Deswegen höre und schreibe ich – und ihr lest es. Dann hört ihr es. Klar soweit?

Der Sound ist sehr klar struktuiert, Drums, Bass, Gitarre. Eine Frau und ein Mann singen, dadurch ist da einiges an Abwechslung geboten; gepaart mit zwei Gitarren. Freundlich gestimmte Melancholie. Die Stimmen wechseln zwischen Pop und schönen Chören bis hin zu etwas mehr Hingerotztem in „James Bond Million“. Mit dem man den ganzen Haufen Spam-Mails auf die Schippe nimmt, die einem so ins Postfach flattert.
Das macht die insgesamt 11 Songs echt kurzweilig in ihrem 77er Pop-Punk-Gewand. Ah!
Sie singen Deutsch, doch sie erinnern mich an die Neat Mentals oder auch Kommando Marlies. Es gibt so ein, zwei Tracks auf diesem Album wirklich wichtige Sachen ansprechen (schlecht bezahlte Menschen bei Lieferdiensten oder gegen patriarchale Strukturen) und werden sicher bei ganz andern Menschen gehört und erreicht. Allerdings sind die Wiederholung der Refrains manchmal endlos und ich pacck die 10te Schleife einfach nicht. „V – wie Vineta“ ist da so ein Beispiel. Oder „Ringbahn“

Hier ein schöner, etwas dunklerer Song, schönes Songwriting, gut temperierte Akkorde in Dur und Moll, dazu eine etwas kämpferischere Stimmung. „dunkel“.

Der Bandname Die Ausreden ist, by the way, echt toll! Und der Plattentitel „Menschen“ ist so schlicht und schön; ich lese Misanthropie raus.
Bei der guten Laune, die die Band Die Ausreden verbreitet, glaube ich allerdings, dass sie dieses Leben schon sehr lieben.
Wenn du also eine Nachrichtenoverdose hast, keinen Bock mehr auf harten Punk und diese ganze Scheiße jeden Tag, dann kann man sich das Album „Menschen“ echt prima anhören und kommt aus der Schleife raus. So ne Mischung aus Funpunk, 77er Garage, Neue Deutsche Welle, Spaßkapelle.

Das Artwork sind drei gelangweilte Hunde, die auf einer Treppe chillen. Insgesamt alles in Schwarz / weiß gehalten, auch das Vinyl will dann recht gut dazu passen.

Die Ausreden Schallplatte bekommt ihr beim Label Bakraufarfita Records.

 

 

…und möglicherweise habt ihr diese Review so ähnlich schon beim Vinyl-Keks gelesen, denn da schreibe ich ja auch.

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: ferien auf der ratiofarm – monument der hingabe

Die Band mit dem momentan längsten Bandnamen Ferien auf der Ratiofarm kommt mit ihrem ersten Album bei Lighthouse Records & Sterbt alle Records in meine Anlage.
Mit dem Bandnamen kann ich mal so gar nichts assoziieren und auch das Cover gibt nun nicht wirklich Aufschluss darüber, was denn da für Musik drinstecken könnte. Midwestern Emo? Loungemusik?
Das Cover sieht aus, als wäre es ein Sonnenaufgang, wenn man ein drittes Mal hinschaut, fällt einem auf, dass das eine schnöde Lampe an einer Wand mit weißen Tapete ist. Witzig!

Es geht los mit Indie und bleibt dann auch dabei.
Da ich gänzlich unbeleckt bin bei der Band Ferien auf der Ratiofarm, kann es also einfach mal losgehen.
Texte sehr zwischenmenschlich, eher poetisch als direkt. Also Kettcar als Vorbilder.
Vegan oder vegetarisch ist nicht die Frage, sondern erstmal büschn chillen. Meist alles mit einem ordentlich Augenzwinkern serviert.
Der Schlagzeuger, finde ich, da ich ein wenig Affinität zum Getrommel habe, ziemlich gut. Das Songwriting funktioniert im Kosmos Indie / Poppunk sehr gut, ist allerdings bei mir eine Platte, die maximal im Hintergrund laufen wird, dafür reißt mich der Sound nicht wirklich mit.
Gute Straightness, Hooks zum Mitsingen, glücklicherweise kein Grunge.
Gut eingespielt, guter Sound!

Anspieltipp:

Die Songs sind wohl alle schon 2022 eingespielt und 2023 gemastert worden. Es hat wohl ein bisschen gedauert, bis diese gute Platte auf Vinyl erscheinen konnte.

Im Abgang bin ich dann mit den ganzen Namen und der Suchmaschine an ein Ende im Internet gekommen. „ratiopharm“…. Lighthouse Records hat keine Seite und bei Sterbt Alle gibt’s die Platte nicht im Shop.
Gut. Dann nicht.

 

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

buch: jan off – cumulus 2161

Hab mich echt gefreut, dass ich entdecken durfte, dass ein nues Buch von Jan Off raus ist.
Irgendwie ist es zum Release untergegangen, nicht in die Timeline gespült oder mir einfach zugeschickt worden. Da mit aber nichts, so gar nichts entgeht und ich die Dosis des Äthertropf Internet wieder erhöht habe, kommt nun also auch mehr Output.

Das Buch „Cumulus 2161“ handelt von Tristan, der in einer recht geordneten, aufgeräumten, sauberen Welt lebt, man lebt im Einklang mit der Erde, der Natur, macht nur dass was nowendig ist, was Spaß macht und darf sich eines portionierten Lebens erfreuen.
Man lebt unter einer strengen Geburtenkontrolle und geht in die „Fickbude“ mit wem man möchte.
Jan führt uns erstmal in diese Welt, die ein einziger Safe Space zu sein scheint, ein, um sie dann durch die nächtlichen Entdeckung Tristan’s wieder auseinanderzunehmen.
Ich kann der Geschichte wirklich gut folgen und er setzt die Plots überraschend genug, dass man nicht genug Zeit hat vorher drüber nachzudenken was kommt.
Im Grunde nimmt er vieles an linkem Vokabular auseinander, führt uns vor, was passiert, wenn man die Idee des erwähnten Safe Space übertreibt; bzw. was passiert, wenn jedwede Aggression unterdrückt wird.
Dennoch ist es insgesamt eine Gesellschaftskritik. Das geht an alle!

Am Ende war ich ganz schön schnell durch das Büchlein, ein wenig dichterer Zeilenabstand und weniger große Buchstaben, dann wäre es noch dünner, was aber sicherlich an der flüssigen Schreibe und der stringent erzählten Geschichte liegt.
Jan Off erzählt diesmal nicht so sehr in seinem süffisanten Erzählton, ich hör ihn schon immer sprechen, wenn ich seine Texte lese, es ist tatsächlich ein erzählerischer Ton, ich fühle mich versucht zu sagen „klassisch“.
Find ich gut.

Erschienen ist das Buch bei Edition Outbird, einem Verlag, der mir bisher noch nicht in die Hände gekommen ist, bin gespannt auf die neuen Bücher!
15€, 192 Seiten, über den Link zu bestellen!

LP: ambulanz – …

„…“ ist auf der Seite gedruckt, was so viel bedeutet wie III (drei).
Ambulanz also mit ihren dritten Output, fünf Songs, die sie uns da schenken!

Bei „…“ handelt es sich laut Label um Art-Punk. Oje. Da denke ich sofort an eine Vernissage und möchte gerne das Kaviar-Artischocken-Soufflée wieder ausspucken.
Anfangs fetzt mich der Sound noch nicht. Zu viel Krautrock und Synthie.

Der Sound ist auch an diese Zeit angelehnt. Der Bass hat diese Mittendrin, die bei den Beatles schon genervt haben. Der Synthie klingt, wie auch der Gesang, als sei er die punkige Antwort auf die Bands, die das mit dem 70’s Rock zu Ernst genommen haben. Der Basslauf bleibt kleben wir Schwarze Afghane in den Dreadlocks.
Man merkt allerdings: Ambulanz haben richtig Spaß bei dem, was sie machen. Und das hört man ja nicht gleich bei jeder Band raus.
Dennoch: was machen sie?
Komplexen Garage-Punk. Sie haben schon ein gutes Tempo und bleiben da immer griffig. Zwischendurch auch mal vertrackt, nicht so leicht zu greifen.
Es mündet alles im Song „slime“ am Ende. Schönes Intro, richtig gut gespielt und endet in einer Geräuschorgie, die gefühlt sehr lange andauert, bis sie nochmal einen Stück Lied kredenzt.

Mir gefällt die Platte besser, als das Tape davor. Das Artwork ist sehr sehr bunt, allerdings auch unübersichtlich, so ohne Bandnamen, Titel nicht zu erkennen, kein Textbeiblatt. Ja, im Grunde wünsche ich mir das von jeder Band. Wenn schon Vinyl, dann haut mir euren Shit auch um die Ohren!
Robuster Release.

Für richtig entspannt 10€ auf der BC Seite zu erstehen. Schwarzes Vinyl!
It’s Eleven Records.

MC: pascow – discografie box „7“

Ein Review, von dem ich gedacht hätte, dass er schneller von der Hand geht und fixer hier reingeballert ist.
Nun, Pascow haben etwas wirklich supergeniales gemacht, für mich als alten Tapenerd:
Es gibt alle Releases in einer toll aufgemachten MC-Box.

Jedenfalls ist es eine prima Gelegenheit, mir mal nach und nach die Tapes ins Auto zu legen und unterwegs zu hören.
Ich bin erst wirklich eingestiegen bei der „nächster halt gefließter boden“, weil ich sie damals im Artcanrobert mit Antitainment sah und von beiden Bands echt hart geflasht war.
Anfangs hatten mich Pascow mit ihrer Art Deutschpunk so gar nicht angeholt. Aber wenn man dann einmal auf die MS Pascow zugestiegen ist, dann geht man nur ab und zu mal für eine Exkursion von Bord.

Erschienen in Coop von Kidnap Music (Pascow-Label) und Raccoone Records. Das Ding ist natürlich schon längst ausverkauft und bei Discogs für einen halbwegs schlimmen Preis zu erstehen.
Das Artwork ist bemerkenswert eingängig gemacht, ein Hingucker, Peter Pan, wenn man die Taperücken in der Box betrachtet; natürlich alle Cover im Original  vorne drauf.
Naja, vielleicht hauen sie uns die einzelnen Tapes auch noch einzeln um die Ohren. Wenn mich nicht alles täuscht wurden 100 Stück gemacht. Was ja auch schon, bei 7 einzelnen Tapes, ein irrsinniger Aufwand ist (700 Tapes all in all!)
Einzig schade ist, dass ausgerechnet das Demo, was nur auf Kassette erschienen ist, nicht zu den „7“ zählt. Klar, würde nicht zur Zählweise passen.

Die Tapetäter-Szene ist total unterstützenswert, mehr Underground geht nicht. Diese ganze Planung, um das dann am Ende für einen halbwegs erschwinglichen Preis rauszuhauen – mit Tapes macht man wirklich so gar keinen Gewinn.

MC: zukunft zwei – geister

Von der Band Zukunft Zwei habe ich mir via ihrer Bandcampseite ihr erstes Tape bestellt. Die Band kommt aus Pa-Pa-Paderborn und sie machen Punkrock im Stile von Lygo oder Herr Paulsen und das Zeitproblem vielleicht.
Sehnsucht und Melancholie wehen so durch dieses Demo, mir wird ganz kalt ums Herz, herrlich.
Emopunk, der ganz hervorragend aufgenommen, bzw. gemischt ist. Die vier Songs sind all in all echt rund. Haben ihre Ecken und ihren Pop.
Gut gesetzte Breaks, zwischen Hüpfen und straight-forward, ein paar Synthie-Teppiche, um den Sound noch voller zu kriegen. Gutes SOngwriting. Also bis hierhin schon mal alles richtig gemacht. Weiter!

Musikalisch echt abwechslungsreich, für einen Zwischendurch-Durchlauf, da die vier Songs echt kurzweilig sind, absolut gut geeignet!

DIY.

video: überyou & the high times – doku „restless in the east“

Plötzlich der Tipp. Draufclicken, anschauen.
Klar kenne ich Überyou. Die wahnsinnig gutgelaunte Band. Mir schon fast ne Spur zu viel; bin ich doch eher der Misanthrop.
Was uns verbindet ist das Herz, welches man der Sache hingibt. Und die Gemeinschaft vor der Bühne, vor die man dieses Herz kippt.

Sie sind auf Tour gegangen mit der Band, die zu einem großen Teil auch aus Überyou-Members besteht: The High Times. Auch sie habe ich schon live gesehen, auch sie: fantastisch gut drauf, noch ne SPur mehr, und mit Frau am Gesang.

Und diese Menschen machen sich auf den Weg und bereisen für einige Konzerte Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan, Georgien und die Türkei. Wie abgefahren!
To-tal geil.

Und es wird noch schöner, durch die wirklich gut gewählten Bilder, die kleinen Stories, die da drin stecken, die Zeit, die sich Tom Gibbons genommen hat, sie auch mal wirken zu lassen, ohne die Momente gleich zu zerschneiden. Weiterzuziehen zum nächsten Venue.
Auch die Off-Kommentare, der Anruf einer Iranerin. Ja, es wird politisch, ja, es wird einem Bang – und die Musik verbindet.

Die 21 Minuten sind wirklich kurzweilig.

fanzine: proud to be punk #41

Die Nummer 41 ist, ja man kann sagen „wie immer“, ein umfassender Blick in die Szene von gestern bis heute geworfen worden.
Irre toll, wie akribisch und genau so ein Punkfanzine doch sein kann. Dadurch auch so wenig chaotisch. Lesbar, sozusagen, oder übersichtlich.

Dunkle Tage, eine Hardcorepunkband aus den 80ern, Bomb All, Parcours (ein Bildungsverein), den Angelic Upstarts, König Kurt Buchladen und „wir Punks vom Hinterland“ mit Broesel vom RubberXhead-Fanzine.
Das Menü wird getoppt von „ein tag ohne bier ist wie ein tag ohne wein -teil 7“.
Und beim Lesen dieser Anekdoten mir auffält, dass es im Bereich des Möglichen liegt, dass ich auch mal so drauf war; vor allem, wenn es um den Gebrauch von abgeschnittenen Colaflaschen ging.
Daraus folgend dann einige ihr Abi verpasst oder gerade so auf die Reihe gekriegt haben. Ersteres trifft dann auch mich zu.

Vor einigen Tagen hatte ich ein Telefonat mit eine Redaktionskollegen, der in Chemniz gelebt hat. Während ich das Interview mit dem Bildungsreisen veranstaltenden Verein Parcours las, dass er mir darüber erzählt hatte, dass aus einer Schulklasse schon Ende der 90er, nur drei Kids mitgehen durften bei einem Gedenkstättenbesuch, da die andern schon komplett rechtsradikal waren und man das nicht hätte verantworten können.
Angehängt ist ein Offener Brief an den Bürgermeister Chemitz‘, in dem auf Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes aufmerksam gemacht wird, weil die Bullen dort die Linken einpacken und an Orte fahren, von denen sie nur scher wieder zurück in die Stadt kommen. (Irgendwie habe ich diese Praxis schon in Zusammenhang mit der DDR in Erinnerung…)
Oder gleich dorthin, wo „Betreten verboten“ dran steht, damit sie den Personen dann doch noch etwas anhängen können.
Ich fühle mich so hart an den Anfang der 90er Jahre erinnert.
Es hat sich, eine Zeitlang, etwas verbessert, beruhigt, oder ist aus dem Fokus gekommen; geändert hat sich nichts.

Ich könnte noch ein paar Sätze allein zu diesem Thema loswerden. Sehr anregende Lektüre!
Das Proud to be Punk ist da auch niemals verlegen um Worte, da wird hoch gestapelt – in der Anzahl.
Die Themenauswahl ist wieder super gewesen, kein Artikel hat „nur“ 4 Seiten. Meist sind es 8 bis 10.
Die Reviewseiten sind eingeteilt in „Sachsen Szenereport“ und auch dann der Rest der Republik im „Lauschangriff“, bzw. ab und an auch über den Tellerrand.
Sehr cool, auch darin finde ich mich bei so einigen Sachen wieder.

Kriegt ihr per Mail.

MC: schuetter – demo

Schuetter haben ein Demo raus auf dem, außer eine Legobauanleitung, auch 9 Songs enthalten sind. Schuetter haben ihren Namen nicht weil oder wegen dieser Bauanleitung, hat auch, glücklicherweise, nichts mit Menschen mit schütterem Haar zu tun; nach diesem flachen Wortspiel nun zurück zum Tape.
Erschütternd? Ausschütten?
Ich lass es.
Die Band soll das aufklären, sobald sich da mal eine Gelegenheit ergeben sollte.
Schuetter machen eher emotionalen Deutschpunk. Herr Paulsen und das Zeitproblem waren eine der wenigen Vertreter*innen dieses kleinen Subgenres Emo-Punk. Allerdings, das muss ich gleich loswerden, fällt mir der stumpfe Drumbeat, der sich sehr repetitiv durch alle Songs zieht, nach drei Songs aus den Ohren.
Duesenjaeger machen das so ähnlich und auch bei Schuetter gibt es Parts und vor allem den Gesang, die den Beat ab und an vergessen machen. Es klingt ab und an Peppone oder Panikraum an, das ist sehr schön!
„förderpunks fuck off“ hat mein vollstes Verständnis und Sympathie!
Wenn du in einer Punkband spielst, kannst du nicht beim Staat Geld fordern für deine Punkmusik.

Anspieltipp ist „kleinscheiß reitet rein“ – die Basslinie am Anfang ist total Bombe, der Refrain ist ein emotionales Kleinod!

Die Songs sind nicht nach dem Baukastenprinzip, mich lässt dieses Cover nicht los.
Es ist wirklich simpel und cool gemacht.
Tape erschienen bei Black Cat Tapes und Raccoone Records.

 

 

LP: tomar control – frente al miedo

Heute fange ich das mal umegkehrt an.
Tomar Control haben da nämlich eine ganz famose Scheibe namens „Frente al Miedo“ (Angesichts der Angst) auf meinen Plattenteller geschoben und drücken mit ihren Hardcore-Riffs ordentlich durch die Boxen. Die Band aus Lima in Peru veröffentlicht damit ihren dritten Longplayer!

Seite zwei hat mehr Energie und es sind die schneller gespielten Songs drauf. „hambre de poder“ (Machthunger) ist der Hit der Platte. Man hat auf der einen Seite dieses südamerikanische Thrash-Metal-Gefühl, die Gitarre fräst sich durch die Gehörgänge. Erinnert mich an Ratos de Porao und Tomar Control wechseln im Song aber diese Grundstimmung in einen echt coolen Hardcore / Emo-Part, der nichts an Energie liegen lässt, sondern nochmal in eine andere Richtung pusht.

¿Cuán lejos crees que llegarás?
Si todo en tu vida es traicionar
Wie weit glaubst du, wirst du kommen?
Wenn alles in deinem Leben Verrat ist

Sängerin Julie stellt dabei ernste Fragen an ein ungerechtes System.
Überhaupt sind alle 10 Songs kritisch und hinterfragend.

Ich spule für euch aber mal kurz an den Anfang.
„Frente al Miedo“ startet eher mit Old-School-Hardcore, als mit etwas Innovativem, was etwas gegen die Hörgewohnheiten geht; und glücklicherweise schieben sie da auch schon einen Part Richtung Emo und nicht Richtung der inzwischen ultra poppigen Turnstile. Das macht ja, glaube ich, gefühlt jede zweite Band inzwischen nach. Nein, sie knallen da noch einen Beat-Down hinterher.
Tomar Control höre ich schon seit der ersten Platte und ich finde, dass es eine klare Weiterentwicklung gibt. Sie haben dazugelernt in Punkto Songwriting, verlassen sich auf ihre Skillz und machen daraus wütende Hardcore-Perlen, die sich wie an einer Kette aneinanderreihen.
Bei „Extinción“ höre ich schon ein wenig Biohazard raus. Aber wenn es Anleihen gibt, dann landet man recht schnell beim 90er Jahre Hardcore. Die vier Frauen machen keinen Hehl aus ihrer Liebe zu den Riffs und dem Sound dieser Zeit!
In dem Song geht es um den Egoismus des Menschen, der immer wieder alles zerstört, weil es ihm im Weg ist. Natur, Umwelt, sich selbst.

Die Platte wurde letztes Jahr nach ihrer Tour durch Europa aufgenommen. Abgemischt wurde sie von Hardcore Urgestein Don Fury in New York. Sie kommt in einem Hochglanzcover, Texte liegen im Original (spanisch) und in einer Übersetzung (englisch) bei auf einem Textblatt.
Erschienen bei Refuse Records. Dort auch zu haben als TOurversion in weißem Vinyl. Ich habe hier die schwarze Variante vorliegen.

Tomar Control sind in Kürze wieder auf Tour hier, ganz wenige Dates in Deutschland!

APR 03 – BRIGHTON, UK @thepipelinebrighton
APR 04 – LONDON, UK @thebluemonklondon
APR 05 – MANCHESTER, UK @mcrpunkfest
APR 06 – GLASGOW, UK @thehugandpint
APR 07 – LINCOLN, UK @akedo_bar
APR 08 – CARDIFF, UK @fuelcardiff
APR 09 – CLARQUES, FR @louiepleure
APR 10 – NANTES, FR @lune.froide
APR 11 – PARIS, FR @unitedwestandfestival
APR 12 – FRANKFURT, DE @au.frankfurt
APR 13 – BERLIN, DE @obergeschosshell
APR 14 – SZCZECIN, PL @goodboysbooking
APR 16 – UTRECHT, NL @acu.nl
APR 17 – LIMBURG, DE @kakadu_limburg
APR 18 – GHENT, BE @t_omgekeerdekruis

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