LP: anti-corpos – backlash

Erstmal: saucooles Cover!
Und als die Musik läuft hab ich Bilder meiner Jugend vor Augen.
In den 90ern gab es einige Bands, leider meistens ohne weibliche Beteiligte, die einen derart krassen Lärm gemacht haben.
Damals gab es den Begriff Screamo auch noch nicht.
Aber laute Gitarren, Wände aus Zorn durch Mirkofon geschrieen, gerufen, und in diesem Fall von Anti-Corpos auch gesungen, Drums die Schläge richtig wegknallen.
omg. I love that!

Anti-Corpos sind eine all-female, queer-feministische Band aus Berlin, die ihre Ursprünge in Brasilien hat.
Ich bin fassungslos begeistert von dieser Band!
Der stürmische Sound, von drei Frauen in einer Düsternis und Energie vorgetragen, dass mir die Spucke erstmal wegbleibt.
„backlash“ ist das Resultat von 20 Jahren gemeinsamer Bandgeschichte, Anti-Corpos sind komplett an mir vorbeigegangen, bis jetzt!
Zeitweise waren sie wohl mal auch zu viert, wenn ich die Fotos richtig deute. Ich tauche tiefer ein ins Internet für eine Recherche.

Es ist nun also keine Band, die aus #punktoo oder aktuellen Diskussionen und Diskursen über den Anteil von Frauen in der Punkszene und der sehr männliche Umgang mit ihnen, entstanden ist. Diese Frauen stehen schon sehr lange genau dafür ein: ihre Rechte, ihre Lautstärke, diese vorzutragen. Sie haben sich 2002 in Brasilien gegründet und sind inzwischen in Berlin ansäßig.
Diese queere Band ist, ich habe mich kurz mal durch ihre üppige Diskographie bei Bandcamp gehört, gewachsen und ganz sicher lauter und wütender geworden. Sie haben wohl eher mal mit Straight-Edge-Hardcore angefangen, als mit dem dystopischen Hardcore, der auf dieser Platte seinen Ausbruch gefunden hat. Das liegt vermutlich am Weggang der Sängerin und der Gitarristin, denn nun haben sie eine neue Gitarristin, die das Trio komplettiert.
Adriessa Souza – Vocals/Bass (Eat My Fear, Dominatrix), Helena Krausz – Drums (Eat My Fear, Gegenüber), and Irem Kara – Vocals/Guitar, seit 2022 (Nervöus, Hoarse)
Der Sound ist richtig heavy und maximaler Output. Abwechslungsreich in den Vocals. Inhaltlich, „backlash“ bedeutet Gegenreaktion, ganz klar gegen Männlichkeit, gegen Rassismus und pro feministisch, vor allem aber mit einem Augenmerk darauf, als Südamerikanerinnen hier im weißen Europa unterwegs zu sein.

Triggerwarnung wg. Strobo-Effekten:

Das Label No Gods No Masters ist von Anfang Teil ihrer Reise. Und das ist eben in Brasilien angesiedelt. Ich kenne zwei Bands, die ich entdeckt habe, Renegades of Punk und Àgua. Give it a listen!
Zusätzlich sind Refuse Records (Europa-Release) und Emancypunx beteiligt.

Für meinen Teil als Mann empfinde ich die Musik von Anti-Corpos als Testo-geschwängerte, verzerrte Hardcoremusik, die den männlichen Kollegen in nichts nachsteht. Nur die Inhalte der Texte sind klar anders und sehr direkt formuliert.
Wie bspw in dem oben eingefügten Video.
Die erste Seite ist in meinen Ohren etwas bedachter, sie hat mehr Druck und Power im Sinner einer Tanzbarkeit. Und die zweite Seite ist mehr nach vorne gespielt, mehr geknüppelt.
Adriessa und Irem teilen sich die Vocals und das passt ins musikalische Konzept total gut rein. Es ist „nicht einfach nur“ wütend, sondern es knallt.
Meist kreisen die Songs um die zwei Minuten und Anti-Corpos holen im Songwriting raus, was in der Kürze der Zeit geht, fügen noch eine ordentliche Prise Gitarrenkrach dazu. Manchmal am Ende eines Songs ein kleiner Twist, der gut funktioniert und ein I-Tüpfelchen ist.

„scream for a change“ erzählt in einer persönlichen Weise von den dissonanten Akkorden, die man rausschreit, in seiner winzigen Welt, in der man unterwegs ist, man aber von diesem Wechsel träumt! Das unter der Oberfläche von Normen, von der Vorstellung von Körpern und Geschlechtern, dass es darunter eine Welt gibt, die ausbrechen sollte, Wirklichkeit werden!
Das, was viele falsch verstehen und dann als Linke Diktatur bezeichnen, aus Gründen der Ahnungslosigkeit „woke“ nicht verstehen wollen. Das diese schöne Welt, diese Liebe zum Vorschein kommen sollte; so hart und brutal sie sich auch mal anhört!
„migrant heart“ kann ich total nachvollziehen. Dass das Herz, dass aus einem anderen Land kommt, die Kälte sieht, spürt, die gerade immer größer wird in der Gesellschaft.

9 Songs. Emotionale Brachialität. Super produziert. Hochglanzcover. Schwarzes Vinyl und Textblatt. Gibt es auch in zwei farbigen Varianten bei Refuse Records (Link oben!)

Diese Review erscheint/erschien auch bei vinyl-keks

video: vor die hunde – deutscher rasen

Es ist lustig.
Es ist schnell.
Zwischen DIY und Hundegebell.
Vor die Hunde haben Humor.
Schwarz, wilde Musik dazu.
Aus dem neuen Album „weltmarktführer befiel – wir entfolgen“

Eine schöne Kombination aus Spiel, Animation und Film.

LP: spitlicker – s/t

In einer süßen, kleinen Facebook-Gruppe namens Punkfreaks bin ich auf die Band Spitlicker gestoßen. Ein ganz famos schlimmes Cover grinste mich an: kauf mich und hör die Mucke!
Ein wenig sieht es so aus, als hätte der eine dem andern gerade am Anus gerochen und würde sich nun darüber freuen.

Spitlicker sind eine vierköpfige Band, erschienen ist die Platte bei Aktiver Ausstand in Plastik, SM-Musik und eben Punkfreaks.
Ich leg die Platte auf und – entschuldigt das folgende, militaristische Bild, das ich zeichne – es wird in der Mitte eines Raumes ein Maschinengewehr aufgebaut und losgeballert. Mega!
Man wird mit total gutem Crust-Punk mit zynischen Texten beschossen, bis auch wirklich alle mindestens einmal getroffen wurden.
Die Songtitel sind auch erwähnenswert „natural born asozial“, vielleicht auch nur was für so alte FIlmhasen, wie mich, der da gleich den Film von Oliver Stone im Sinn hat „natural born killers“.
Jedenfalls „revolutionsausverkauf“ und „haben ist besser als brauchen“ sind ganz wunderbare Beispiele für scharf geschossene Worte.
In „masken“ die Aufforderung, die Dinger einfach aufzubehalten (ja! ja!, wie hab ich mir das gewünscht!), denn die Luete haben sich ihre hohlen Worte ja eh nur bei Facebook abgeholt.
Ganz weit vorne „haben ist besser als brauchen“

ich will das haben, was du brauchst
ich brauch es nicht, will es nur haben
will es haben, damit du es nicht haben kannst
und lass es in der ecke des regal verstauben
haben ist besser als brauchen, das hat schon meine mama gesagt
haben ist besser als brauchen, und was du hast, das hast du.

Ein Beiblatt mit abgerundeten Ecken ist in the Inside mit Fotos und Texten.
Sehr cooler DIY-Release. Dieses bewusst Asoziale von Hammerhead in den 90ern nach 4 Jahrzehnte später geschleppt und mit einem Vorschlaghammer ins Aufnahmegerät gezimmert. Jeder Song ein Nagel an deinem Sarg der Gewöhnlichkeit.

 

LP: alcoholic breakdance massacre – sucht und ordnung

ABM, was in diesem Fall Alcoholic Breakdance Massacre heißt, habe ich ne Platte zugeschickt bekommen.
Und hier kommt nun meine unqualifizierte Meinung dazu, respektive, hohl aneinandergerehte Worte, die dem geneigten Leser das Gefühl geben, ich hätte diese Platte angehört.
Zum 25ten Jubiläum haben sie ihre dritte LP „sucht und ordnung“ rausgebracht. Es sscheint offensichtlich, dass ABM sich mehr mit der Sucht beschäftigen, als mit der Ordnung, würden sie nicht sonst mehr Songs schreiben?
Oder ist das auf dieser Platte enthaltene Liedgut etwa extraordinär, eine Aneinanderreihung von Kleinoden des Deutschpunk?

Ich werde angeschrieben mit: „ich tu mich etwas schwer mit selbstdarstellungen, hier ein versuch: (…)“
Und ich tue mich immer etwas schwer mit Reviews, hehe, hier ein Versuch:

Im Frühjahr 2024 wurde diese Platte aufgenommen.
Huch, ja, die Töne schallen los, es ist Deutschpunk.
Streetpunk, vielleicht. Einverstanden?
Sehr zynisch in der Wortwahl, es wird auch innerhalb der Punkszene ausgeteilt. Die Band kommt, wenn ich das richtig zuordne, aus dem Havelland und man ist da schon ein sehr eingeschworener Zirkel punkiger Menschen. Falls es dort eine Szene gab, ist sie inzwischen ordentlich geschrumpft und ich nehme an, man kann dort noch entweder Fascho werden oder Zyniker.
Hier also die Zyniker von ABM. Sie kleiden ihre Texte in einen Sound, der nicht gleich nach Deutschpunk klingt, auch nicht glattgebügelt ist, einfach seine Eigenheit hat. Recorded and mixed von/bei Moon Records.
Die Gitarre etwas sägender, dafür der Bass eher klar im Sound.

„mittelschicht“ finde ich einen ganz guten Song, ja, doch.
Ab und zu driften sie in Ska-Off-Beat- Parts.
Auf dem Textbeiblatt sind jede Menge Flyer abgedruckt; und eben auch die Texte.
12 Songs und ein bisschen Skapunk, finde es ist oke geworden.

Hab leider keinen aktuellen BC Link für euch. Hier die letzte VÖ „klassenkampf und drogen“
Wer den Eindruck hat, ich hätte die Platte gar nicht gehört, weil ich zu wenig auf einzelne Songs eingehe, der möge sie sich bitte bestellen und selbst hören.

Die Band hat – ganz klassisch, will man schon sagen – eine Homepage und dort gibt es die Platte auf schwarzem Vinyl zu erwerben. Wohl auch als MC (Zehnagel Records) oder CD.
Alcoholic Breakdance Massacre

 

7inch: i am the fly – inertia

I am the Fly haben eine zweite, selbstproduzierte Single rausgebracht.
Auch diesmal sind drei Stücke drauf, Bass, Synthie und Vocals.
So einfach kann eine Band sein, so simpel die Zusammenstellung an Instrumentarium, so wummernd auch das Ergebnis!

„inertia“ ist Titelstück und Eingangsstück zugleich. Synth-Wave, der über Basslinien getragen wird, der Synth wummert darüber, eine Stimmer erzählt, aus Sicht einer Fliege, was sie denn so erlebt.
Die Melodiebögen von I am the Fly sind zwischen Eintönigkeit und getragener Melancholie anzusiedeln.
Und ich komme nicht umhin eine Weiterentwicklung zu den letzten Releases zu erfassen: weniger wummernd. Alle Instrumente etwas hochtöniger eingestellt.
„five body problem“ wirkt ein wenig wie eine Insektenmesse.
Die drei Songs fügen sich gut ineinander. Das Artwork schlicht und übersichtlich, wie bisher. I am the Fly, wohl benannt nach einem Song der englischen Band Wire, sie geben sich wortkarg. Die Farbe des Vinyl ist Insektenblutgrün. Transparent, versteht sich.
Sie machen also dort weiter, wo sie beim letzten Release noch kein Ende gefunden haben!
Im Grunde ist das Ganze hier so krass kurzweilig, dass das Lesevergnügen hier nicht länger sein muss, als das Hörvergnügen:

 

 

Ein wenig reingucken, denn die Band ist auf jeden Fall eine Reise in das AZ oder Club in deiner Nähe wert!

Diese Review erscheint auch auf vinyl-keks.eu!

LP: die ausreden – menschen

Ein schöner Bandname für eine Band die von sich sagt, dass sie cachy Punk machen: die Ausreden.
Kurz hoffe ich, dass es nur eine Ausrede ist, Ironie, für Nieten-Crust.

Die Ausreden sind eine Poppunkband aus Berlin und erinnern mich sofort an Kommando Marlies oder sowas, ich komm nicht drauf. Schöne, gute, deutschsprachige Indie-Pop-Punk-Band.
Egal, die Band selber macht halt Musik. Deswegen höre und schreibe ich – und ihr lest es. Dann hört ihr es. Klar soweit?

Der Sound ist sehr klar struktuiert, Drums, Bass, Gitarre. Eine Frau und ein Mann singen, dadurch ist da einiges an Abwechslung geboten; gepaart mit zwei Gitarren. Freundlich gestimmte Melancholie. Die Stimmen wechseln zwischen Pop und schönen Chören bis hin zu etwas mehr Hingerotztem in „James Bond Million“. Mit dem man den ganzen Haufen Spam-Mails auf die Schippe nimmt, die einem so ins Postfach flattert.
Das macht die insgesamt 11 Songs echt kurzweilig in ihrem 77er Pop-Punk-Gewand. Ah!
Sie singen Deutsch, doch sie erinnern mich an die Neat Mentals oder auch Kommando Marlies. Es gibt so ein, zwei Tracks auf diesem Album wirklich wichtige Sachen ansprechen (schlecht bezahlte Menschen bei Lieferdiensten oder gegen patriarchale Strukturen) und werden sicher bei ganz andern Menschen gehört und erreicht. Allerdings sind die Wiederholung der Refrains manchmal endlos und ich pacck die 10te Schleife einfach nicht. „V – wie Vineta“ ist da so ein Beispiel. Oder „Ringbahn“

Hier ein schöner, etwas dunklerer Song, schönes Songwriting, gut temperierte Akkorde in Dur und Moll, dazu eine etwas kämpferischere Stimmung. „dunkel“.

Der Bandname Die Ausreden ist, by the way, echt toll! Und der Plattentitel „Menschen“ ist so schlicht und schön; ich lese Misanthropie raus.
Bei der guten Laune, die die Band Die Ausreden verbreitet, glaube ich allerdings, dass sie dieses Leben schon sehr lieben.
Wenn du also eine Nachrichtenoverdose hast, keinen Bock mehr auf harten Punk und diese ganze Scheiße jeden Tag, dann kann man sich das Album „Menschen“ echt prima anhören und kommt aus der Schleife raus. So ne Mischung aus Funpunk, 77er Garage, Neue Deutsche Welle, Spaßkapelle.

Das Artwork sind drei gelangweilte Hunde, die auf einer Treppe chillen. Insgesamt alles in Schwarz / weiß gehalten, auch das Vinyl will dann recht gut dazu passen.

Die Ausreden Schallplatte bekommt ihr beim Label Bakraufarfita Records.

 

 

…und möglicherweise habt ihr diese Review so ähnlich schon beim Vinyl-Keks gelesen, denn da schreibe ich ja auch.

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: ferien auf der ratiofarm – monument der hingabe

Die Band mit dem momentan längsten Bandnamen Ferien auf der Ratiofarm kommt mit ihrem ersten Album bei Lighthouse Records & Sterbt alle Records in meine Anlage.
Mit dem Bandnamen kann ich mal so gar nichts assoziieren und auch das Cover gibt nun nicht wirklich Aufschluss darüber, was denn da für Musik drinstecken könnte. Midwestern Emo? Loungemusik?
Das Cover sieht aus, als wäre es ein Sonnenaufgang, wenn man ein drittes Mal hinschaut, fällt einem auf, dass das eine schnöde Lampe an einer Wand mit weißen Tapete ist. Witzig!

Es geht los mit Indie und bleibt dann auch dabei.
Da ich gänzlich unbeleckt bin bei der Band Ferien auf der Ratiofarm, kann es also einfach mal losgehen.
Texte sehr zwischenmenschlich, eher poetisch als direkt. Also Kettcar als Vorbilder.
Vegan oder vegetarisch ist nicht die Frage, sondern erstmal büschn chillen. Meist alles mit einem ordentlich Augenzwinkern serviert.
Der Schlagzeuger, finde ich, da ich ein wenig Affinität zum Getrommel habe, ziemlich gut. Das Songwriting funktioniert im Kosmos Indie / Poppunk sehr gut, ist allerdings bei mir eine Platte, die maximal im Hintergrund laufen wird, dafür reißt mich der Sound nicht wirklich mit.
Gute Straightness, Hooks zum Mitsingen, glücklicherweise kein Grunge.
Gut eingespielt, guter Sound!

Anspieltipp:

Die Songs sind wohl alle schon 2022 eingespielt und 2023 gemastert worden. Es hat wohl ein bisschen gedauert, bis diese gute Platte auf Vinyl erscheinen konnte.

Im Abgang bin ich dann mit den ganzen Namen und der Suchmaschine an ein Ende im Internet gekommen. „ratiopharm“…. Lighthouse Records hat keine Seite und bei Sterbt Alle gibt’s die Platte nicht im Shop.
Gut. Dann nicht.

 

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

buch: jan off – cumulus 2161

Hab mich echt gefreut, dass ich entdecken durfte, dass ein nues Buch von Jan Off raus ist.
Irgendwie ist es zum Release untergegangen, nicht in die Timeline gespült oder mir einfach zugeschickt worden. Da mit aber nichts, so gar nichts entgeht und ich die Dosis des Äthertropf Internet wieder erhöht habe, kommt nun also auch mehr Output.

Das Buch „Cumulus 2161“ handelt von Tristan, der in einer recht geordneten, aufgeräumten, sauberen Welt lebt, man lebt im Einklang mit der Erde, der Natur, macht nur dass was nowendig ist, was Spaß macht und darf sich eines portionierten Lebens erfreuen.
Man lebt unter einer strengen Geburtenkontrolle und geht in die „Fickbude“ mit wem man möchte.
Jan führt uns erstmal in diese Welt, die ein einziger Safe Space zu sein scheint, ein, um sie dann durch die nächtlichen Entdeckung Tristan’s wieder auseinanderzunehmen.
Ich kann der Geschichte wirklich gut folgen und er setzt die Plots überraschend genug, dass man nicht genug Zeit hat vorher drüber nachzudenken was kommt.
Im Grunde nimmt er vieles an linkem Vokabular auseinander, führt uns vor, was passiert, wenn man die Idee des erwähnten Safe Space übertreibt; bzw. was passiert, wenn jedwede Aggression unterdrückt wird.
Dennoch ist es insgesamt eine Gesellschaftskritik. Das geht an alle!

Am Ende war ich ganz schön schnell durch das Büchlein, ein wenig dichterer Zeilenabstand und weniger große Buchstaben, dann wäre es noch dünner, was aber sicherlich an der flüssigen Schreibe und der stringent erzählten Geschichte liegt.
Jan Off erzählt diesmal nicht so sehr in seinem süffisanten Erzählton, ich hör ihn schon immer sprechen, wenn ich seine Texte lese, es ist tatsächlich ein erzählerischer Ton, ich fühle mich versucht zu sagen „klassisch“.
Find ich gut.

Erschienen ist das Buch bei Edition Outbird, einem Verlag, der mir bisher noch nicht in die Hände gekommen ist, bin gespannt auf die neuen Bücher!
15€, 192 Seiten, über den Link zu bestellen!

LP: ambulanz – …

„…“ ist auf der Seite gedruckt, was so viel bedeutet wie III (drei).
Ambulanz also mit ihren dritten Output, fünf Songs, die sie uns da schenken!

Bei „…“ handelt es sich laut Label um Art-Punk. Oje. Da denke ich sofort an eine Vernissage und möchte gerne das Kaviar-Artischocken-Soufflée wieder ausspucken.
Anfangs fetzt mich der Sound noch nicht. Zu viel Krautrock und Synthie.

Der Sound ist auch an diese Zeit angelehnt. Der Bass hat diese Mittendrin, die bei den Beatles schon genervt haben. Der Synthie klingt, wie auch der Gesang, als sei er die punkige Antwort auf die Bands, die das mit dem 70’s Rock zu Ernst genommen haben. Der Basslauf bleibt kleben wir Schwarze Afghane in den Dreadlocks.
Man merkt allerdings: Ambulanz haben richtig Spaß bei dem, was sie machen. Und das hört man ja nicht gleich bei jeder Band raus.
Dennoch: was machen sie?
Komplexen Garage-Punk. Sie haben schon ein gutes Tempo und bleiben da immer griffig. Zwischendurch auch mal vertrackt, nicht so leicht zu greifen.
Es mündet alles im Song „slime“ am Ende. Schönes Intro, richtig gut gespielt und endet in einer Geräuschorgie, die gefühlt sehr lange andauert, bis sie nochmal einen Stück Lied kredenzt.

Mir gefällt die Platte besser, als das Tape davor. Das Artwork ist sehr sehr bunt, allerdings auch unübersichtlich, so ohne Bandnamen, Titel nicht zu erkennen, kein Textbeiblatt. Ja, im Grunde wünsche ich mir das von jeder Band. Wenn schon Vinyl, dann haut mir euren Shit auch um die Ohren!
Robuster Release.

Für richtig entspannt 10€ auf der BC Seite zu erstehen. Schwarzes Vinyl!
It’s Eleven Records.

MC: pascow – discografie box „7“

Ein Review, von dem ich gedacht hätte, dass er schneller von der Hand geht und fixer hier reingeballert ist.
Nun, Pascow haben etwas wirklich supergeniales gemacht, für mich als alten Tapenerd:
Es gibt alle Releases in einer toll aufgemachten MC-Box.

Jedenfalls ist es eine prima Gelegenheit, mir mal nach und nach die Tapes ins Auto zu legen und unterwegs zu hören.
Ich bin erst wirklich eingestiegen bei der „nächster halt gefließter boden“, weil ich sie damals im Artcanrobert mit Antitainment sah und von beiden Bands echt hart geflasht war.
Anfangs hatten mich Pascow mit ihrer Art Deutschpunk so gar nicht angeholt. Aber wenn man dann einmal auf die MS Pascow zugestiegen ist, dann geht man nur ab und zu mal für eine Exkursion von Bord.

Erschienen in Coop von Kidnap Music (Pascow-Label) und Raccoone Records. Das Ding ist natürlich schon längst ausverkauft und bei Discogs für einen halbwegs schlimmen Preis zu erstehen.
Das Artwork ist bemerkenswert eingängig gemacht, ein Hingucker, Peter Pan, wenn man die Taperücken in der Box betrachtet; natürlich alle Cover im Original  vorne drauf.
Naja, vielleicht hauen sie uns die einzelnen Tapes auch noch einzeln um die Ohren. Wenn mich nicht alles täuscht wurden 100 Stück gemacht. Was ja auch schon, bei 7 einzelnen Tapes, ein irrsinniger Aufwand ist (700 Tapes all in all!)
Einzig schade ist, dass ausgerechnet das Demo, was nur auf Kassette erschienen ist, nicht zu den „7“ zählt. Klar, würde nicht zur Zählweise passen.

Die Tapetäter-Szene ist total unterstützenswert, mehr Underground geht nicht. Diese ganze Planung, um das dann am Ende für einen halbwegs erschwinglichen Preis rauszuhauen – mit Tapes macht man wirklich so gar keinen Gewinn.