buch: Jakob Schrammel Geisler – wir konnten nicht anders

Jakob „Schrammel“ Geisler hat ein neues Buch raus.
Viel Recherche, viele Seiten, schweres Ding; in mehrererlei Hinsicht.
Es dreht sich um Gewalterfahrungen in der subkulturellen Szene von 1979 bis in die 90er Jahre. Protagonist*innen aus Ostdeutschland erzählen, teils sehr offen und direkt, was ihnen passiert ist. Es geht um Opfer wie auch Gewalttäter!

Als Schrammel war ein zweites Mal bei Dreck unter den Nägeln Podcast (Link unten). Zudem ist er den (hoffentlich) meisten bekannt wegen Heldenstadt Anders e.V. und seinen verschiedenen Publikationen.

Schrammel erwähnt in dem Podcast, wie krass ihn die Geschichten, die er sich angehört hat – er ist überall hingefahren und saß jede*r/m gegenüber – teilweise mitgenommen haben.
Grafisch ist das Buch oft ein Hingucker, da viele kleine Zeitungsauschnitte, Flyer oder Fotos verteilt sind. Man bekommt dadurch einen guten Zugang. Vieles kennt man ja aus der Szene, den Look oder andere Bands, die erwähnt werden. Als westdeutsches Punkerkind der 90er habe ich das ein oder andere damals schon wahrgenommen.

„Der freie Fall der Mauer“ ist ein knackiges, einen sehr guten Einblick gebendes Vorwort.
Die Ostdeutschen selten in rasanter Geschwindigkeit fest, dass in den Geschichtsbüchern der DDR Bullshit über die Nazi-Zeit stand. Und das man unheimlich viel nachholen durfte.
Auf der andern Seite halt „…67% unter den Lehrlingen befürworten rechtsradikale Positionen. „Deutschland den Deutschen“ und immerhin noch 46% den Satz „Ausländer raus“.“
(Zentrales Institut für Jugendorschung Leipzig 1990)
Wenn man da also eine Linie nach heute zieht, und das soll nicht verhamrlosend klingen, haben es diese Jugendlichen damals offensichtlich nicht geschafft, ihr Leben auf die Ketten zu kriegen, sondern diesen ganzen Scheiß mitgenommen. Daher die Gefahr von Rechts. Die Verläge und Parteien, die gegründet wurden und teilweise wieder verschwunden sind, nie aus den Köpfen verschwunden sind.

Einmal mehr lernt man von Menschen, die tief in der Szene stecken oder steckten, dass die Antifa keine Organisation ist. Keinen gemeinsamen CEO haben. Sondern eine Szene ein Mikrokosmos ist. Jede ist da ein bisschen für sich. Man hängt da nicht zusammen.
Irgendwer war in Leipzig gewesen und konnte mir, sofern es ihn nach Baden-Baden verschlug, eine Story von dort erzählen. Eben nur aus dem Mikrokosmos, der dort stattgefunden hat.

Exemplarisch nehme ich mal die Geschichte von Wurschtel, der zu einem Oi/Sharpskin wurde.
Und die geht unter die Haut. Aus dieser Spirale der Gewalt kommt man so einfach nicht raus, wenn man da mal drinsteckt.

Das was ich hier also schreibe ist kein Review. Es ist eine Kaufempfehlung für ein echt hartes Buch. Ein wahres. Ehrliches.
Gewalt ist nie eine Lösung. Sich aber verprügeln zu lassen, weil es eine Gegenseite gibt, die permanent durch die Gegend zog, was machst du dann: dich wehren!

 

Buch gibt es bspw. bei Black Mosquito. Erschienen bei Calypso. Ich glaube, ich hatte es direkt bei Schrammel bestellt: Heldenstadt Anders.

 

 

7inch: tag ohne schatten /w trust issues – split

Die Split 7inch von Trust Issues und Tag ohne Schatten liegt endlich auf.
Die beiden Bands kennen sich und haben es im Oktober 2024 gechafft, sich auf einen Gig zu treffen und daraus ist dann dieses Projekt der 7inch entstanden.
Beide Bands je zwei Songs. Und beide Bands sind mir im Grunde keinen Unbekannten, ich wollte die schon lang mal auschecken.

Trust Issues:

Der erste Song bringt klassischen Punkrock mit ner melodischen Note. Danach kommt „empty the tank“. Erinnert mich ein wenig an die „eating glass“-Zeit von den Spermbirds. Total gut. Emocore/Hardcore mit 90s Dischord-Vibe.
Zwei Sogs, die im Grunde nicht unterschiedlicher nicht sein könnten.

Tag ohne Schatten
(bei BC leider nicht zu finden)
Die mich sofort an KUBALLA oder LITBARSKI erinnern. „010er Emo-Sound mit viel Herz und Melodie. Sofort sympathisch.
„dämmerung“ könnte auch auf einer Scheibe von GRIZOU stattgefunden haben.
Ich hoffe, ich haue hier genügend gute Vergleich zu Bands, die hier öfter mal erwähnt werden raus.
Zieht euch die 7inch rein, gutes Ding!

Das ansprechende Cover ziert ein zweiköpfiges Teenager-Tenniskind mit einem kleinen Elefanten, die eine große Fliege füttern. Auf der Rückseite kämpfen der nun groß gewordenen Elefant gegen die Fliege.

Die 7inch gibt es in magenta und in grün.
Gibt es zum Beispiel bei Elfenart!

MC: primeval path – manx loagthan

Komplizierter Titel, den die Band Primeval Path da auf Kassette gepackt hat. Allerdings spuckt die Suchmaschine gleich das Passende aus: es ist eine Schafsorte, die nur auf der Isle of Man lebt.

Via Mörtel Sounds bekomme ich das Tape.
Das Cover ziert also ebenjenen Schafsbock, der zu dieser Art gehört. Dazu, abgesehen vom Tape, ein FCK AFD Schlüsselanhänger. Cool!
Sechs Songs des Dark-Wave-Trio aus Köln sind auf dem Megnetband zu hören.
Primeval Path überraschen mich mit ihrer Art! Dark Wave mit Drumcomputer, der irgendwie auch das „post“ noch hörbar hat, wäre aber zu viel gesagt. Mehr Gitarren als Synthie, was mir grundsätzlich auch schon sympathisch ist.
Die ersten beiden Songs „extacy“ und „nacht“ finde ich spannend und cool, weil sie auch ein gutes Tempo haben. „empty feelings“ ist dann schon etwas düsterer und reduzierter. Mit „cold kills“ weht ein Hauch Western über die Gitarre. Das könnte so ein post-apokalyptischer Western sein, in dem auch „execution“ als Soundtrack läuft.
Der letzte Song „automatic“ punktet nochmal voll mit dem super Bassriff. Büschn schräger Synthie drauf, der Laune macht.
Einzig, was mich kalt erwischt, ist dieser verzerrte Gesang. Der sich in keiner Sekunde ändert und den ich auch kaum verstehen kann.

80 Tapes bei Moertel Sounds. Inzwischen dort ausverkauft. Vielleicht gibt es noch einen Mailorder, der das hat.
Aufjedensten mal anchecken:

LP: Dr. Drexler Project – neoliberale kackscheiße

Das Interessante am Dr. Drexler Project ist, dass es tatsächlich ein Projekt ist!
Daniel von Elfenart hat mir das zugeschickt und ich darf mir das anhören und es euch empfehlen; und das will ich gerne tun.
Die Haptik schon mal: gelbes Cover mit roter Innenhülle und schwarzes recycling Vinyl „für mehr Untergangsstimmung“. Was ein Service – wie geil ist das denn bitte!
Booklet wir Muff Potter oder Turbostaat.
Volle Punktzahl für alles, was ich aufgezählt habe!

Eine Aufforderung ist, dass wir auf den Trümmern der „schwarzen Null“ tanzen sollen – oder tun wir das nicht ohnehin?
Der Bass ist das vorantreibende Instrument, woran man ganz klar den 70S / 80s Sound raushört, sehr toneig, sehr mittig. Ein bisschen Synthie, Gitarren drüber und ein Sprechgesang; welcher allerdings nicht ganz so repetitiv ist, wie man das aus ebenjenen Jahrzehnten noch im Ohr haben könnte.
Denn es gibt eine Menge zu erzählen, loszuwerden.
Gesellschaft kaputt, Niedriglohnsektor der beste in Europa.

Innerhalb vierer Jahre, 2020 bis 2024 (vermutlich als Corona-Projekt gegründet), in unregelmäßig im Albert Matong Atelier traf und musizierte. Pro Abend ein Song, wenn er steht: aufnehmen und First Take nehmen.
Das funktioniert soweit sehr sehr gut!
David Jahnke, Bruno Tenschert, Moritz Illner und Maximilian Wörle sind das Dr. Drexler Project.

Altbau Kernsaniert, das ist die deutsche Geschichte, die die Deutschen gut finden.

Aktuelle Themen wie „Tesla abfackeln“, es geht um Stadtbeton, Leerstand und und und.
Bester Satz am Schluß:

Im Internet habe ich keine Alternative zum Kapitalismus gefunden.
Obwohl das Amazon verkaufen wollte.

Zynismus, den ich gut abkann.
Musik, die nicht ganz so runtergeht wie Öl, eher wie ein Spieß, der langsam und schmerzfrei ins, vom Konsum, gelangweilte Fleisch eindringt, im Inneren sich dann langsam dreht und in Erinnerung ruft, was nie verblassen hätte dürfen.

Elfenart, Paulas Platten und Zanns`s Records.
Pflichtkauf.

LP: berliner doom – notre doom

Hach. Ist es DAS Album des Jahres? Die Nachfolge von Stereo Total in einem Synth-Wave-Gewand?
Eher einem leichten Mantel, den man schnell ablegen kann, einen schönen, leichten, cremigen Touch hat. Vielleicht sogar Schulterpolster wie vor drei Dekaden.

Ist der Pop, den die dreiköpfige Band uns da in die Ohren zimmert einfach ein Volltreffer?

Vocals: Claire Roy, zugezogen aus Frankreich. Mit dabei die wohl etwas bekannteren Boris Guschlbauer an der Gitarre, Valeska Uribe am Bass und Drums und Recording von Daniel WTO.

Wer kennt sie nicht – ich… haha.

Dafür kannte ich sie schon vorher. Also vor dieser Umwandlung in ein honigartiges Wave-Wesen, welches eine so derart süße und fast klebrige Anziehungskraft hat. Was OK NEIN an Geballer asu dem Synth hauen, ist hier minimalistisch dosiert, aber nicht weniger fantastisch!
Auf dem Tape-Sampler zum 7ten Geburtstag des Nachladen in Hamburg, ein wunderbarer Laden mit Zines und Drucken, fand sich die damals als Projekt gestartete Band Berliner Doom mit bspw. meiner Band paddelnohnekanu wieder. Tolles Ding!
Sie hörten sich ein wenig anders an, und da das aktuelle Album das Aktuellste ist, was sie musikalisch zu bieten haben, quasi der momentane Peak und das beste Album der Band. Funfact: die Band startete als Grindcore-Duo. Eine schrägere Linie kann man also nicht quer durch die Musikgenre ziehen!

Berliner Doom ist New-Wave. Da steht zwar noch ein „punk“ hinter der Beschreibung, würde ich mal wegnehmen, denn Punk hör die da keinen. Und irgendwie bin ich es auch leid, überall wir Punk angehängt. Das ist schon fast infaltionär. An jeder doofen Melodic, New-Wave, Synth, whatever-Band wird noch ein Punk rangeschraubt, als könne das JEMALS ein Verkaufsargument sein.
Also ich würds mir nicht kaufen, harhar!

Der Gesang ist durch französisch, deutsch, englische Gesang ist durch Titel, Wörter oder komplette Lyrics sehr abwechslungsreich. Zwischen Minimal und Dada recht subtile Botschaften.
Die Band bleibt ebenso minimalistisch.
Und ich mag diesen poppigen Sound. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Band live um einiges krachiger ist.
In schlappen 18 Minuten – kurzweilig ist es also auch! – schieben Berliner Doom zehn Songs zwischen die Rillen von „Notre Doom“. Machen nicht, wie andere Vertreter*innen des Genre New-Wave, so 4 Minuten Endlossongs, in denen sich die Basslinien ziehen wie Gummi und man permanent auf den Wechsel wartet. Nein, kurz und knackig, auf den (punkigen?) Punkt gespielt.
Es ist tanzbare Mucke und dennoch auch kaum innovativ. Da passiert jetzt nicht soooo viel Neues, das meine neue Leidenschaft für die Band 100% gerechtfertigt ist.

„l’amour pour 2 jour“ ist so das tanzbarste Stück, ein Discobanger. Während dann „lost on the dancefloor“ „mehringdamm“ eher gediegen und düster. Gegen Ende wird es auch mal kurz sphärisch mit „two types of reality“ – aber auch nur für etwas mehr als zwei Minuten!

„notre doom“ macht total Spaß, läuft richtig gut durch.
Ich halte das alles für ziemlich schlau. Die Songlänge macht es.

Kauft bei:

 

Dieser Review ist bereits beim Vinyl-Keks erschienen.
Dazu auch meine Top 3 von 2025. Leset und höret!

LP: aackr – wtf 2025

Nachdem ich mir Yass angehört hatte, da muss doch direkt nochmal AACKR auf den Teller!

Diese Songs sind manisch, beatorientiert und nimmermüde. Manchmal wollen sie gar nicht enden!
AACKR verfolgen eine Mischung aus Rhythmus und Rhytmen, die nicht ganz zuende gespielt sind. Darauf eine Basslinie, die sich langam aufbaut. Irgendwo fehlt mal ein halber Takt am Ende – darauf reduzierte und akzentuierte Gitarrenlinien.
Mal ein Synthie, mal ein Sample.
Wenn man es einfach laufen lässt, da es instrumentale Musik ist, kann man das schon ganz schön reinfallen. Im Sinne von „sich fallen lassen“.
Man wird mitgerissen, doch die Musik ist wiederum nicht flott genug, um anzufangen zu zappeln. In gewisser Weise, könnten AACKR auch einen Soundtrack gestalten.

Willentlich reduzierte Sphäre.

Nur sechs Songs, dafür maximale Spielzeit, die auf eine LP passt. Wie soll es auch anders kommen, wenn man Songs mit diesen Klangteppichen aufbaut und wieder vergehen lässt?
11 Minuten Wahnsinn in dem Video oben!
Linernotes zu den einzelnen Songs im Gatefoldcover.
Spannend zu lesen, was die beiden sich dabei gedacht haben!
„eine wichtige, emotionale Momentaufnahme, die in einer Zeit voller Krisen entstanden ist. Our world is about to loose its Balance. Darauf waren wir in unserem ständig Fortschritt verwöhnte Gesellschaft einfach nicht vorbereitet.“

Sehr gute Beobachtung und Zusammenfassung.
Noiserock-Bands klingen, meiner Meinung nach, alle anders. AACKR sind eine von den Guten. Checkt das aus.
Artwork ist von Atze. Und er hat es wohl geschafft nach Jahren etwas Gelb ins Cover zu packen. Eben ein Gatefold. Superklasse Farbe.
200 Stück.
Bei Moertel Sound.

LP: yass – feel safe

Die neue LP von Yass beginnt mit einem Songs, den es schon als erstes Video gab. „in the basement“.

gemeinsam mit dem zweiten Song „got hurt“ fangen Yass sehr fiebrig an, was sie im Grunde auch live ausmacht.
Sie fangen auch dort an, wo sie beim letzten Album aufgehört haben.
In jedem Fall gehen die stampfenden Beats hart ins Bein. Zappelfaktor garantiert.
„suit“ eine, gewissermaßen, ruhigere Nummer.
„nobot“ – auch als video erschienen – man muss sich an diesem Punkt dann doch mal wieder in Erinnerung rufen, dass die Band nur aus zwei Menschen besteht. Drums und einem Wahnsinnigen! Dieser spielt Gitarre, spricht seine Lines ins Mikro und programmiert noch die ganzen Synthy-Sachen, die zugespielt werden.

Yass sind in ihrer Art unglaublich kreativ. Und in dem Synth-Noise-Gitarren-Spektrum wohl ziemlich alleinstehend.
Seite zwei – mal kurz & knackig zusammengefasst – der Titeltrack „feel safe“ ist mit der schnellste Song.
Insgesamt wirklich ein, in seiner überladenen Schlichtheit, sehr sehr gutes Album.

Grafik-Design von Fabian Bremer. Erschienen bei Crazysane Records.

MC: freund hein – madonna

Eine nicht ganz neue Band ganz weit ausm Norden namens Freund Hein fallen mir ins Auge, Bestellung, und ins Tapedeck.
Ich habe keine 10 Sekunden gebraucht, um mich zu entscheiden.
Leider sind keine Texte im Tape, klar, ist nicht soooo viel Platz. Und der Sound ist bei mir leider ein wenig übersteuert.

Nichtsdestotrotz haben Freund Hein einen Anfang und ein Ende. Klar, ich denke schnell an Turbostaat, bisschen Knud Voss oder Schalko. Oder die Stimme ähnlich Das Aus der Jugend. Alles schon wirklich passend!

„raufasergespenst“ ist, der zweite Song und hat eine wirklich großartige Hook! Die Stimme bleibt gleich und macht keinen Popsong draus – sehr gut!
„schlapphorn“ ist etwas ruhiger, bezeichnend für diesen Release.
Freund Hein zeigt alles, was sie können, blieben schön minimalistisch und sticht doch etwas heraus aus dem, was die genannten Bands so machen.
Punkrock. Mit Post, mit Emo.

Einige Samples begleiten die Songs, das ist ja hart in den 90ern zelebriert worden und durch die Looper nochmal bei den aktuelleren Bands angekommen.
„liich-ut-dreier“ hat dann recht viele dieser Samples aus Filmen, was immer, und ich glaube zu verstehen, warum der Titel „madonna“ ist.
Sie ist entweder tot oder verschwunden und wohl eine Mörderin war. Genau kann das ja nur die Band beantworten.

Gefällt mir sehr gut, dieses Tape. Es gibt noch zwei weitere Tapes. Freund Hein haben erst 2023 den ersten Release raus, sind also recht fleißig. Zweite Auflagen gibt es bei Bandcamp auch schon:

LP: däächt – crying houses

Ungewöhnlicher Bandname und keine weitere Erklärung, warum sie davor mal Colossus Däächt hießen und nun anders.
Vielleicht spuckt das Internet ja was aus!

Auf Seite 1 sind 6 und auf Seite 2 vier. Der erste Song „notopia“ überrascht mich mit ner Art Post-Hardcore, im zweiten Song erwarte ich dann schon etwas mehr Gewalt, aber es kommt Garage. Auch gut!
Interessanter Wandel.
Däächt knallen mit „time machine“ einen krass geilen Hit raus! Die vier Herren aus Regensburg klingen nach The Hives oder ähnlichen Vertreter*innen. Beim erwähnten Song mit einem ordentlichen Schuß Bubble-Gum-Pop. Was vor allem an der engelsgleichen Stimme liegt. Aber auch an der kleinen, nicht übertrieben langen Melodie der Gitarre, der man recht schnell folgen kann; vor allem mit den Armen in der Luft!

Die Band Däächt scheint sehr genau zu wissen, was sie machen. Auch in der Einfachheit des Artworks. Garagepunk mit so nem Post und bisschen Spielfreude, nein, viel Spielfreude. Ein Stapel wilder Ideen später ist dieses Album leider auch schon durch.
Sie würden ganz prima zu Bands passen, die bei Bachelor Records ausspielen dürfen.

Es passt da schon echt alles zusammen.
Ich habe die Platte schon viel zu lange gehört, bis hier nun der Review „rüberwächst“. Kommt mal in Rastatt vorbei!
Was sich am Anfang noch sehr kurzweilig gestaltete, wird gegen Ende der Scheibe immer länger. Die Songs bekommen dann mal eine Länge von knapp 4 Minuten und werden etwas sphärischer, so nenne ich das jetzt mal.
30 Minuten rum. Dann ist Schluß.

„smile“ schließt ordentlich nölend das Album „crying houses“ von Däächt.

Get it here:

LP: rauchen – fallen und schweben

Eine Platte, die ich mir geakuft habe, weil mich die Band vom ersten Release an begleitet und ich ihre Weiterentwicklungen echt megagut finde. Bis jetzt!
Veränderung ist Leben. Und das lieb ich beides und kann es akzeptieren. Zumindest wirkt das musikalische Schaffen der Band untere anderem auch so auf mich.

Rauchen haben eine Platte raus, die vom „fallen und schweben“ handelt. Klar gibt es feministische Inhalte. Das „fallen und schweben“ in Beziehungen, in toxischen Beziehungen.
Dieses Jahr habe ich kein abwechslungsreicheres Album gehört!
Thematisch auf den ersten Blick etwas einseitig. Musikalisch aber so Genre-übergreifend, dabei seinen ganz eigenen „Rauchen-Stil“, dass ich das einfach „nur“ nochmal geil finden kann!
Es ist keine Neuerfindung, aber in einer Einfachheit werden hier so viele gute Teile schlüssig aneinandergehängt und zusammengebracht, die bei mir in Freude mündet!

Post-Punk, Wave, Synth, Post-Hardcore, ja, Grungig, alles auf jeden Fall fresh, wenn nicht gar sogar jung. Chöre und wütendes Geschrei, geradezu poppig umschlingen mich die harten Beats dazu.
Ein Track „flimmern“ ist so hart deppressiv und nur drei Minuten lang, ich habe das permanente Gefühl, der Song will nicht enden. Und das ist so, denke ich mal, gedacht.
Die Schönheit der Wut.

Was bemerkenswert ist, mich doch aber davon abhält, diese tolle Platte öfter zu hören:
die tollen Lyrics. Kraftvoll und ermattend zugleich. Erschlagend und fordernd. Gegen alle Männlichkeit. So mag es manchmal wirken.
Und … eventuell überfordert mich das als Mann. Eventuell zurecht.

Gibt es bei Grand Hotel Van Cleef.