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LP: donner – doch kaputt

Endlich wieder Deutschpunk. Donner schmettern ordentlich in Reibeisenstimmlage durch diese Mini-LP. Acht Songs präsentiert die Band.
Insgesamt wirkt das Gesamtkunstwerk doch etwas frisch. Die Songs sind zwar alle durchweg gut gespielt und vor allem vom Dreiklang Studio und BaxxBeatMusic in Aschaffenburg richtig gut aufgenommen. Seit circa 2017 (da kam der erste Release) haben sich „zu einer Punkband entwickelt, die klassische Punkriffs mit eingängigen Melodien vereint.“ So die Eigenaussage und ich antworte: stümmt.
Beim ersten Durchlauf bleibt allerdings nur hängen, dass jedes Lied gleich konstruiert ist. Klassische Punkriffs hin oder her. Kleine Fussnote: die Worte „klassisch“ und „Punk“ in einen Zusammenhang zu bringen ist aus musikalischer Sicht schon echt witzig.
Die Texte sind persönlich, sozialkritisch, (mehr) zwischen Hoffnung und (etwas weniger) Wut. Obwohl die harten Chöre schon sehr fordernd sind und im Mob vor der Bühne ganz sicher die ein oder andere Faust in der Luft geschwungen wird. Pogo tanzen und mitgröhlen kann man bei Donner auf jeden Fall, denn ein Gespür für eingängige Hooks ist ihnen definitiv nicht abzusprechen!
Wenn ich beim zweiten Durchlauf überlege, welchen Song ich herausheben sollte. Sie sind sich zu ähnlich, deswegen aber keineswegs schlecht. Mir würde die Schublade Punkrock mit Oi-Kante gut gefallen. Ich weiß nur nicht, ob die Band das auch so sieht.

Erschienen im Mai 2022 bei Noise To Help Records wobei dieses Label wohl eher dem Hardcore zugetan ist und auch noch recht neu. Ich bin gespannt, was da noch so kommt. Gibts beim Label oder bei der Band hier auf:

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MC: the Melmacs – good advice

Zwischen Rockpop (ich hab keine Ahnung, wie man das nennt) und Poppunk schwelgen die the Melmacs in sehr fein produzierten Songs.
Hits sind, meiner Meinung nach, „saturday night“ und „planet melmac“. Die beiden Songs veranschaulichen sehr gut die Herangehensweise der Band.
Während „saturday night“ eine ganz wundervoll melancholischen Basslauf hinter extrem repetitiven Lyrics versteckt, kommt der „planet melmac“ daher, als wäre er aus einem 60er Jahre Film gefallen.

Die Band aus Leipzig gibt es noch nicht gar so lang.Scheint aber einen maximal kreativen Lauf zu haben. Kann man ja auch ganz gut anhand des Videos sehen, Zitate fallen ihnen auch nicht schwer.

Das ist ziemlich kurzweilig. Und ohne diese Nummern, die immer mal eingestreut sind, würde mir der doch sehr poppige Sound leicht durchrutschen. Da bleibt wenig hängen, wenn da… ja wenn da nicht….
Also: gut!
Kaufen. Tape gibt es mit Button und einem anderen Cover als die LP.
Hier und hier.
Selbstverständlich erschienen für den Garant der punkig guten Laune: Bakraufarfita. V.Ö. am 30.09 (und ich habs geschafft, rechtzeitig, vuhou!). Tapelabel ist Tape or die. LP-Coop mit Wanda Records.

Eigenbeschreibung noch hintendran:

The Melmacs give you top notch PowerPop-Punk, combining jab jab guitars with a jub jub keyboard, pow pow drums and a boomboom bass that will butter your parsnips! A terrific potpouri, very nice, very evil, stabbing you in the back, blowing out your earwax, rising the sun with it‘s bare hands. Helmets and slippers required – Welcome to Planet Melmac!

UPCOMING SHOWS:
———————-2022———————-
15.09.2022 – München, Feierwerk w/ Kotzreiz, Pestpocken
17.09.2022 – Stuttgart, Juha West w/ Kotzreiz, Pestpocken
18.09.2022 – Göttingen, Musa w/ Kotzreiz, Pestpocken
03.10.2022 – Leipzig, Manfreds w/ Missstand
11.11.2022 – Dresden, Chemiefabrik w/ Pissed Ones, Strg+Z
18.11.2022 – Bautzen, DIY w/?
19.11.2022 – Erfurt, Tiko w/?
02.12.2022 – Hamburg, Indra Musikclub w/?
03.12.2022 – Hannover, Monster Records, w/?
———————-2023———————-
06.01.2023 – Berlin, Schokoladen, w/The Not Amuesd
07.01.2023 – Jena, Alster (Kneipe)
28.01.2023 – London w/ The Speedways

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LP: anna absolut – ultramarin

Wenn es eine Band gibt, die musikalisch komplett was drauf hat und sich wahnsinnig weiterentwickelt hat, dann ist es Anna Absolut aus Graz in Österreich. Wenn es eine Band gibt, die textlich sowas von irrwitzige Ideen hat, bei denen es, zumindest mir, einem die Fragezeichen in die Falten auf der Stirn wirft, dann ist es Anna Absolut.
Sie haben echt ein Händchen für „badab dab dab vow“ (Schwestern im Geiste) und andere Spielereien.
Wenn es um Inhalt geht und eine Aussage, dann haben sie schon ein klare Kante gegen Rechts „Kanonen & Violinen“. In meinen Ohren ist die Musik der Band richtig gut gereift, sie haben ausgefallenen Ideen und spielen das einfach so weg; alles gehört zusammen. Eine wilde, runde Mixtur, aus Turbostaat-Melancholie, Punkrock, Post-Rock und leicht windschiefem Gesang.
Und dann stolper ich über die „
Eine sehr schön getexte Erinnerung an einen Kämpfer gegen den Nationalsozialismus namens Karl Drews; und alle andern, die als Pflastersteine in einer Stadt verewigt wurden.
Danach wird wieder aufgedreht mit „Mythos Scholmer“. Ein Text, den ich so gar nicht verstehe. Ist das so ein Die Ärzte-Gedenkstück à la „bitte, bitte“ oder erntsgemeint auf eine lebende Person, die ich in meiner Schnellrecherche nicht gefunden habe.
Mit „Adrenochrom“ und der Videoauskopplung „Liebe kann man so nicht schreiben“ machen sie wieder alles super. Klasse getextet und musikalisch eine gute Mischung aus emotionalem Indie-Geschrammel. „Liebe kann man so nicht schreiben“ dreht sich um toxische Beziehungen.

Sie brechen die beiden ernsteren Themen dann mit dem flotten „Tanzen geh’n“ auf; um als Abschlussnummer „denk nicht mehr daran“ wieder dafür zu sorgen, dass ich diese Sorte Humor so gar nicht verstehen kann. Vielleicht kommen Anna Absolut aus einer anderen musikalischen Galaxie, oder sie sind einfach hundert Jahre jünger als wie ich 😉
Sie selbst schreiben „
Inmitten von Punk und Indie. Lebensbejahend, sozialkritisch, mit Augenzwinkern.“
Ihr bekommt die Platte über diesen LinkTree.
In wunderschönen Farben Cover und Vinyl. Mit Textinlay, leider kein DL-Code

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MC: carving void – a world in decline

Modern Illusion aus Ulm haben mir noch ein Tape zugeschickt auf dem sich Carving Void befindet.
Die Band macht metallischen Hardcore und kommt aus Dresden & Leipzig. Ihr Erstling „a world in decline“ digital und als Tape erschienen.
Die Eigenbeschreibung ist soweit richtig. Allerdings empfinde ich das musikalische Tun eher als Todesmetallischen Hardcore. Growls, Moshparts mit Doublebase, Gangshouts. Soundmäßig erinnert es mich an Cro Mags oder Pro Pain. Es gibt sicherlich aktuellere Bands, die besser als Beschreibung passen, die ich leider nur nicht kenne.
Auf der einen Seite eine echt coole Mischung, die abwechslungsreich ist, auf der andern Seite mir eine kleine Spur zu viel Death Metal.
Wer drauf steht wird auf keinen Fall enttäuscht. Die Band spielt einen ziemlich harten, striaghten Stiefel.
Sozialkritische Texte, die passenderweise eher dystopisch sind als lebensbejahend. Eine Aufforderung korrekter und besser miteinander umzugehen.
Ich denke, hier kann der geneigte Hardcore wenig falsch machen.
Ein bisschen verloren fühle ich mich schon immer, wenn ich so ne Mucke anhören darf. Neun Songs. Gutes Artwork. Goldenes Tape. Doppelaufklappcover, plus Textblatt.

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fanzine: zucchini days #1

Auf das Zucchini Days Fanzine bin ich, glaube ich, bei Instagram aufmerksam geworden. So steht es dann auch auf dem Cover: das DeepblueZine Presents: ZucchiniDays Zine #1 im Früjahr 2022.
Mit Deepbluezine macht Esther (she/her) meist kleine Perzines über tote Vögel, Wohlbefinden, erste Zeilen in Büchern, lauter gute Einfälle!
Ich bin sofort auf das Cover und ein Thema angesprungen und habe eine Nachricht hinterlassen. Esther hat mir dann recht schnell ein Heft geschickt. Auf dem Cover sind zwei Frauen, die sich beide hinter ihren Händen die Gesichter verstecken. Oder wollen sie uns die Gesichter nicht zeigen? Hinter ihnen ein leeres Feld in Bersenbrück, da kommen sie nämlich her.
Thematisch bin ich auf „Siebdruck“ angesprungen. Selbstverständlich auch neugierig auf den Rest des Zines!
52 Seiten, Kopiershop-Druck, yeah.

Einleitend ein Vorwort, eine kleine Gschichte über das gepflegte, schwarze Waveoutfit der Jugendtage und eine dazugehörige Playlist auf die Ohren. Mit dabei, zwischen Wave und Pop der 80er, auch die Toy Dolls als immer noch stabile Vertreter des Punk.
Das Label Kellerassel Records wird interviewt, bisher in Internet und so bekannt durch Minimalstpräsenz sind. Und sie bringen in der Hauptsache Death- / Blackmetal und Grindcore raus (entschuldigt, aber an diesem Punkte recherchiere ich nicht weiter, nicht meine Baustelle.) Einen Überblick gibt es bei Discogs, da ist schon ordentlich was zusammengekommen! Sie unterhalten sich darüber, wie man denn so ein kleines Tapelabel macht, von der Musik über die Grafik, etc.
Some Beispieltunes:

Auf diesem Label sind auch Toadeater raus, hier im Heft im Interview. Ihre Themen sind mehr nordisch und auch römisch und griechisch. Götter und Mythologie.
Unter „to be continued“ ist Luki im Gespräch, der ein Label names Sapivon gründen will. Das hatte ich jetzt auch noch nicht, ein Interview mit jemandem, der erst tun wird, was er zu tun gedenkt. Sehr gut!
Ein Interview gibt es noch, mit Minenfeld aus Bersenbrück. Death Metal mit WWI-Thematik. o-kay….

Ein sehr guter, übersichtlicher Artikel über Essstörung und Bodyshaming.
Und zum Abschluß, nach all dem Krach und Lärm, den ich glücklicherweise gar nicht gehört, sondern nur gelesen habe, gibt es den ersehnten Beitrag / Anleitung zum DIY-Siebdruck. Und eine Fragerunde „welches Gemüse bist du“.
Das ist sehr unterhaltsam. Danke für diese erste Ausgabe, freue mich auf die nächste, falls es noch eine geben sollte. Sie schreibt, dass dieses Zine aus der Prüfungsleistung für die Uni entstanden ist.

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festival: gutensglück #1 16.09.2022 – von hölle / kurzinti

Roger (Gitarre / Gesang) haben uns vor ein paar Jahren mal schon in der Gegend um Magdeburg kennengelernt.
Von Hölle gibt es nun doch schon seit ein paar Tagen, wie bei den meisten Bands gab es kleinere Veränderungen, und sie hatten das Vergnügen nun mal zu Viert aufzutreten. Jens (Drums), Laui (Bass) und Rudi ist „der Neue“ an der Klampfe; seit ca. 2018.
Das erste Album bevor Rudi dazu kam heißt „alles muss raus“

Im Kurzinti hat mir Roger verraten, dass Von Hölle seit geraumer Zeit an neuen Songs wurschtelt. Sie nehmen im Proberaum selbst auf und schicken die Songs peu à peu ins Studio zum abmischen. Da sind inzwischen so viele Stücke bei rumgekommen, dass sie jetzt ein Album fertig machen und danach direkt noch ein zweites!
Die erste Platte wird „unwelt“ heißen und kommt dann so in… 5 – 19649164 Monaten, da die Band Vinyl machen lässt.
Auch gibt es eine Split mit der Band Nopedose. Die Bands covern sich gegenseitig. Einen habe ich live gerade sehen und hören können „(in den Köpfen brennt noch) Licht“. Laut Aussage Roger haben Von Hölle den Song etwas eingekürzt und umgemodelt. Das haben Nopedose ebenso gemacht.
Mir fräste er sich gleich ins Hirn.

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CeDe Salatschüssel #4 – L.A.K. / Commander Nilpfred / Nullpunkt / Schubladendenken

Immer wieder schön, immer wieder neu, eine neue Runde, eine neue Runde!
L.A.K. – Ziel Unbekannt
Jaja, die CDs, die CDs, ich weiß, die Band L.A.K. hat mich auf jeden Fall schon mal dran erinnert, ob ich noch… naja, hier isses also nun, mit etwas Verspätung zum Release, doch immer noch VOR dem Vinyl-Release. Auch hier leider die Begründung: Lieferschwierigkeiten. So schade, dass es kein adäquates Presswerk gibt, welches sich um Punk-Releases kümmert. Ja, ist viel Arbeit, dafür konstant.
Ganz so lang brauche ich nicht in der Herstellung eine Reviews, doch einen CD-Player, den habe ich nicht mehr. Laufwerk gekauft, mp3’s gezogen, aufm Stick gehört:

L.A.K. erfreuen mich mit ihrem Midtempo-Punkrock. Der erste Song „Geschichte schreiben“ zeigt direkt, was die gut eingespielte Band kann und was sie noch vorhaben auf Albumlänge; ein richtig guter Opener!
Mich erinnern diese „ohoho“-Chöre (leider?) direkt an die Toten Hosen und der Gesang an den Herrn Wiebusch von Kettcar. Ist ja keine schlechte Mischung! L.A.K. hatte ich schon mal auf dem Plattenteller liegen. ihr letztes Album kam 2018, einen Review hatte ich für den Vinyl-Keks  geschrieben; doch die Aufnahmen zur neuen Platte (produziert mit Kurt Ebelhäuser – auch Pascow, bspw.) überzeugen 100%.
Die Band hat sich nach über 25 Jahren (!!!) also nochmal richtig was vorgenommen. Mit dem Sound, der verdammt guten Spielweise, den ehrlichen, freundschaftlichen,  kritischen und reflektierten Texten, brauchen sie sich auf keiner Bühne zu verstecken und gehören ganz klar ins Abendprogramm; und in jeden CD-Player.

Ein sehr liebenswertes Video, herzlich, hach:

CD’s oder auch als Vinyl im Bandeigenen Shop.

Commander Nilpfred – Tyrannopotamus Rex

Schon der Name weißt ja auf Partypunk hin. Wobei sich die Kombination an Worten, für mich als Die-Hard-Politpunker (hüstel) echt beißen. Da wo Punk zur Party wird, isses spießig, bunt und gewollt.
Beim ersten Stück „fick das system“, ja, auch beim zweiten „rothenfeld“ ist jemand hart in ein Reimbuch gefallen und hat alle Reime auf „system“ und „feld“.
Gefällt?
Und zwar wie ein Baum.
Mit der Axt.
Also nicht die Axt, aber der Baum, der gefällt.
Der dritte Song „carpe diem“ erinnert mich an Simon & Garfunkel.
Wenn ich so anspruchvolle, abwechslungsreiche Musik höre, was Commander Nilpfred ganz sicher machen, dann komme ich mir so gänzlich ungebildet vor!
Das hat ne Range, hier gibt es kein Einschienenbahn-Punk, mal ist eine Verzerrung auf dem Bass, aber:
spätestens bei Song fünf „über den Wolken“ der Platte „TyrannoPötamus Rex“ – dessen Titel ich nicht verstehe – kann ich nicht noch einen mehr. Beim Titel habe ich habe eine Annahme, dass das auf das Covermotiv anspielt, auf dem so eine Art Wolpertinger zu sehen ist. Die Band hat den Namen sicherlich wissenschaftlich korrekt aus einem WasIstWas-Buch zusammengesetzt.

Sehr humorvoll das Ganze. Gibt es im bandeigenen Shop zu kaufen, auch als LP oder MC.
Das ist kein Punk, oldschool nennen sie es, sie haben einen Punkhintergrund.
Top eingspielt, ganz sicher sehr gute Einstiegsmucke, ich bin raus.


Und bei(m) Nullpunkt angelangt:

Nullpunkt – Gemischtwarenladen

Aus Rostock kommen Nullpunkt. Hui der Name eigenet sich ja gleich für mehrere Steilvorlagen (hihi), vor allem nach der letzten CD, ich bin in meinem Auto unterwegs (von Konstanz nach Singen, wer es wissen möchte) und höre mich durch. Seid 15 Jahren gibt es die MelodicPunker schon; im November gibt es ein Jubiläumskonzert in Güstrow. Das ist ja auch ein Wort. In 15 Jahren passiert viel, man hat sicher schon das ein oder andere Release auf die Hörerschaft losgelassen und manch Konzert gespielt. Nach kurzer Recherche: es gibt ein Release vorneweg, das ist von 2012. Andere Recherche ergaben zwei Releases…

Nun also 12 freshe Songs, auch fürs Gemüt: Mit „du“ haben sie ein sehr persönliches Stück geschrieben und im Video ist sicher das ein oder andere Kind zu sehen, was in den letzten Jahren zum Bandgefüge hinzugekommen ist. Das ist sehr freundschaftlich!


Von vorne gehört hat Nullpunkt viel Attitüde und klare Kante gegen Rechts. „Im Netz der Spinner“ wartet mit rockiger Stimmer, Double-Base und Metalkante auf.
Genau in dieser Mischung liegt Freude und Schmerz, meiner vor allem. Das ist super gespielt und aufgenommen, die Musik und Texte ist was für größeres Publikum. Eine Mischung aus Die Ärzte, FSF und 100 Kilo Herz. An mir läuft das etwas vorbei und von all den vielen Spielarten, die die Band drauf hat, bleibt bei mir vor allem Soli und ein Hauch von Punk hängen und ganz ganz viel Rock.
Erschienen bei RockZoneRecords, auch als 180gramm LP. Bereits vor mehreren Monaten, die CD hats nun aber mal in den CD geschafft.

Schubladendenken #2 – LabelCompilation von Bakraufarfita

Schubladendenken, eine LabelCompilation aus dem Hause Bakraufarfita. Geilstes Label.
Geht gleich los mit der neuen Single von 100 Kilo Herz. Track zwei ist Detlef. Keine Sorge, ich geh jetzt nicht jeden einzelnen Track durch! Detlef haben mich total erschreckt, irgendwie hab ich irgendwann mal ein Video gesehen, oder so. Ist nicht so ganz mein Style und diese Snare klingt zeimlich schrecklich. Insgesamt nicht schlecht. Eher so Mukke könnte ich mir vorstellen, wenn ich ganz hart besoffen bin aufm Konzert  (das bin ich nie), dann kann ich stundenlang mitgröhlen. Apropos: Thema für die Toten Crackhuren im Kofferraum. die Vorzeige Schlager-Punk-Band, falls man sowas überhaupt in einen Zusammenhang bringen darf. Die sich in einer Nische breit gemacht haben, die es eigentlich gar nicht gibt. Alleinstellungsmerkmal. Ein ganz wunderbarer Song, der die komplette Geschichte von „alte Männer machen Punkrock mit Bums Humor, sind einfach sowas von gestrig“, umso schöner, dass im Laufe der erzählten Geschichte die toten crackhuren wieder zu Punkrock-Leben erweckt werden und zurückkommen!
Ich kann das neue Album folglich nur empfehlen! Es ist zwar hart Pink, und ich hasse Pink, aber was tut man nicht alles …
Einiges kenne ich noch nicht, und ist der Grund, weswegen ich mich entschlossen habe, diesen kleinen Review zu schreibe, denn die Compilation macht Spaß zu hören.
Zum Beispiel Kumpelbasis „die Armee der Zeigefinger“, so ein bisschen Ähnlichkeit mit den Dorks. SOKO Linx, megaburner! Klaus from the South, schlagereksen Punkrock, so Sportfreunde Stiller mäßig. Gruselig! Und ich bin noch nicht am Ende der ersten CD.
Bands wie Partout (auch schon hier mal reviewed), Blaske, Büchse, richtig coole Bands. Dead Koys, Kurschatten, Piefke und Huelse.
Einige Bands gibts im Shop im Angebot, greift zu, andere werden euch noch hoffentlich mal live begegnen! Tolle Auswahl.

Wehrmutstropfen ist Barde Thomas Tulpe.
Insgesamt ein super Überblick über die Sachen, die bei Bakraufarfita erschienen sind, bzw. wohl auch noch erscheinen werden.

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LP: Syndrome 81 – prisons imaginaires

Endlich: die erste Full-Lenght von Syndrome 81 aus Brest im Nordwesten von Frankreich. 10 Jahr hat die Band sich dafür Zeit gelassen.
Ich nehme es vorweg: es ist großartig! Und es ist anders, als wir sie bisher kannten.
In 2017 hatten sie eine Compilation diverser 7Inches als LP rausgebracht „béton nostalgie“. Das war der Moment, in dem ich sie tatsächlich wahrgenommen habe. Ich liebe die 7er, alle!, aber eine LP bekommt halt eine andere Aufmerksamkeit.

„Prisons Imaginaire“ (eingebildete Gefängisse) heißt das erste Full-Length, was sie uns auf den Plattenteller knallen. Im Grunde ist es nicht mehr notwendig überhaupt ein Rezi-Exemplar zu verschicken. Ähnlich vllt wie Pisse hier in Kaltland, muss man bei Syndrome 81 wohl damit rechnen, dass die Erstauflage ziemlich schnell vergriffen ist. Und ich habe tatsächlich zwei Tage fünf Stunden und 26 Minuten gewartet … zu lang gewartet. Weg war die farbige Auflage. Dann halt die andere. Egal.
Ich war zu der Zeit (zu) viel in Arbeit und hatte einfach keine Zeit, diesen einfach Onlineeinkauf  bei Sabotage Records (dem deutschen Vertrieb) abzuschliessen. Als ich nach einer Weile nach Hause kam, war das Paket da und ich schaute ganz schön erstaunt aus meinen Glupschern, als mir zwei LP’s in die Hände fielen. Eine LP ist mit Demo- und alternativen Versionen versehen. Fab (der Sänger) schrieb mir „Yeah this is no more a big secret that free bonus LP, we plan soon to put the songs online“, das war im August und ja, sie sind online!
Für den Preis, Freunde, wahnsinn!

Los geht’s mit „vivre et murir“, was leben und sterben heißt, und sie holen mich sofort ab – obwohl sich ihr Sound eklatant verändert hat! Er ist nicht mehr so punkig und rough. Viel Hall und New-Wave weht da durch die Musik. Litovsk spielen sowas in die Richtung auch.
Sie verlassen sich directement auf ihren neuen Sound. Das geht rein wie Butter. Klitzekleines Vorspiel, zwei Gitarren spielen zwei Melodien gegeneinander und Fab krakehlt seine leicht unterkühlten Lyrics darüber. Wie der Wind, der „dans les rue de brest“ vom Atlantik her durchzieht.
Post-Wave-Punk-Hit diesen Herbst! Zieht euch den Scheiß rein. Ich bin so hart begeistert von Melodie, Herz und einen Singalong, der zum verlieben ist.
Man könnte schon fast meinen ohohoh, die Band hebt ab. Jetzt haben sie sich so lange Zeit gelassen, um uns Midtempo-Mitgröhl-Singalongs um die Ohren zu hauen. Aux contraire!
Mit „future périmé“ sind sie bissig wie die 10 Jahre zuvor. Angeknüpft an diesen knallig nach vorne gespielten Oi-Punk mit diesem britischen Waveeinschlag. (über die französische Szene zu dieser Zeit weiß ich allerdings wenig)
Vor einer ganzen Weile schon habe ich Syndrome 81 angefragt an der für sie östlichen Grenze zu Deutschland zu spielen, Strasbourg und Rastatt, doch 1100km one-way sind dann doch sehr weit für ein Konzertwochenende. Das Begehren wird allerdings durch solche Releases nur noch größer, haha!
Neulich hatte ich in der Alten Hackerei ein Shirt von ihnen an und wurde angesprochen! Es gibt noch mehr wie mich. Das finde ich gut!
Was Syndrome 81 in der Folge, auf dem Album schaffen ist, eine Waage zu halten zwischen hart und weich. Eine Kombination aus eigenem Sound, den sie jetzt gefunden haben, Genreübergreifendem Songwriting, Tristesse im Gesang, Einfachheit und trotzdem bleiben die Melodien nicht wie Honig in den Ohren kleben.

Ungern, ganz ungern möchte ich hier im Blog etwas so hart abfeiern, sonst unterstellt mir noch Bierschinken oder so, dass ich zu denen gehöre, die immer alles abfeiern in ihren Reviews; DAS hier, gehört hart gefeiert! Und ja, sie singen alles auf französisch und nein, es liegen keine Übersetzungen bei. Macht aber nix. Ich hab auch schon jede Menge Bands in fremden Sprachen gehört und es stört mich nicht die Bohne, es erstmal nicht zu verstehen. Tomar Control zum Beispiel!
Vor 20 Jahren hätten mir Syndrome 81 vermutlich gar nicht mitgegeben. Für heute ist das ein großer Wurf. Ein absolutes Hitalbum.

Das außergewöhnliche Artwork ist von Hugues Le Corre & Nicolas Bazire von No Sun Media. Nicolas macht auch noch das französische Label, auf dem diese Platte erschienen ist Destructure Records

zu den Outtakes:
Es sind schon einige Veränderungen in den Songs passiert und ich feier auch das total ab, das eine Punkband uns diesen Einblick gewährt.
Einige sehr viel roughere Songs befinden sich auf den beiden weiteren Seiten. Hört rein, es lohnt sich.

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7inch: l’appel du vide – abwärtsspirale

Mit „abwärtsspirale“ haben L’Appel Du Vide eine bei mir mit Spannung erwartete neue 7inch raus – das Demo war schon ein Burner!
Und mit dem ersten Song brettern sie gleich los. Surfsound im Postpunk-Gewand! Viel Hall auf der Stimme. Zwischen Verzweiflung und Selbstaufgabe „das bin ich nicht“.
Hui. Bisher alle Releases, die mir It’s Eleven Records zugeschickt hat, Treffer! Ihr solltet die Dresdener Institution dringend wahrnehmen!
Die Single von L’Appel du Vide wurde schon im September 2021 aufgenommen und ist als eben diese 7inch mit 4 Songs erschienen, wie auch als MC mit 8 Songs! 
Die vier Songs sind ziemlich klasse gespielt und gemischt. Die Schreibende und Hörende Zunft hat das schon über den Klee gelobt, wieso sollte ich das nun also auch noch tun?

Die „Abwärtsspirale“ zieht einen gar nicht so runter, wie sich der Titel erstmal anhört. Ein wenig erinnert mich das an die tollen STRG-Z. Was ich megagerne mag, ist das L’Appel du Vide ein gutes, punkiges Tempo hat und mich zum Zucken und Zappeln bringt. Auch „leo hört rauschen“ (heute: „die arbeit„) können einen prima Referenz sein. Wobei mir da auffält: kommen die nicht alle so aus der Gegend dort? New-Wave-Punk scheint da ziemlich angesagt zu sein!
Schaut also mal in den Shop des Labels, holt euch, was ihr braucht. Wenn ich das richtig gesehen habe, ist das Tape „abwärtsspiralen“ eine Kombi aus der 7inch und Aufnahmen, die im Laufe der Pandemie gemacht wurden. Das gibt es wohl nur über die Band.

Ich freue mich auf einen Longplayer, die Band scheint kreativen Output zu haben und sicher nicht lange auf sich warten lassen.

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buch: der letzte Punk (Abo Alsleben)

Abo Alsleben hat mir sein neuestes Buch „Der letzte Punk“ zugeschickt.
„Hallo Fexlix“ schreibt Abo. Er würde sich über eine Rezension „der letzte Punk“ freuen.
Ich hatte schon wahrgenommen, dass er dieses Buch geschrieben hat. Vor ein paar Jahren habe ich natürlich „Satan , kannst du mir noch mal verzeihen“ gelesen über Otze Ehrlich (gestorben 23.04.2005).
Und das las ich nur, weil ich vor… 15, 18 Jahren? mit einem Kollegen bei einer kleinen Fernsehserie abends im Hotel saß und wir quatschten. Er hat keinen linksversifften Background, ist aber in der DDR groß geworden. Er sprach mit auf mein Punk sein und Otze an. Ich fragte natürlich erstaunt zurück, woher er den denn kennt. „Den kannte doch jeder“.

Abo Alslebens Buch „der letzte Punk“ eine fiktive Geschichte von Öse, dem Schlagzeuger (anfangs) von SK.
Klar, die Person ist bekannt, nur die Personen um Öse herum, sind sicherlich eine Mischung aus verschiedenen Charakteren. Jedenfalls hat sich Abo aus diversen Quellen, so auch oben erwähntem Buch, zusammengesammelt und eben eine fiktionale Geschichte erzählt. Im Anhang werden diese transparent gemacht.

Öse legt vom ersten Wort an ein negativ dekandentes Verhalten an den Tag und gibt sich dabei ahnungslos. Erst nach ein paar Kapiteln stellt sich heraus, wer da eigentlich der Ich-Erzähler ist. Da ich Otze’s Geschichte kenne, weiß ich, wie diese fiktionale Story ausgehen wird; oder hat sich der Autor evtl. einen „Tarantino-Kniff“ ausgedacht und die wahre Geschichte verändert?
Öse wird mit Bruder und Eltern auf einem Hof in Thüringen groß. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten. Meist geht es um kleine Erlebnisse rund um Öse’s Harakiri-Verhalten. Sich selbst etwas beweisen zu wollen. Es ist eine wahnsinnig kerlige Geschichte über einen Punk-Macho (ich meine nicht: Sexist!).
Er hat, nachdem er Punkluft geschnuppert hat, nur noch ein Ziel: der bekannteste Punk in der DDR zu werden. Anerkannt zu werden.
Als die, im wahren Leben Schleimkeim genannte Band, Schmeißkeim eine Split LP aufnimmt und herausbringt, ringt Öse zwischen Kapitalismus und Starallüren.
Für mich funktioniert alles an diesem Buch gut! Die Erzählweise, die Kurzweiligkeit, der völlig normale „Ton“ der Worte. Der Witz, das Drama, dass holt man sich allein aus dem geschriebenen Wort. Ich lese jedenfalls keine persönliche Beurteilung daraus. Es geht ums Verdroschen werden, ums Austeilen, Saufen, Exzesse mit Alkohol und Lärm, das Lügen gegen den Staat. Das Herumlavieren um seine eigenen Ziele zu erreichen, dass Zerbrechen an der Umstellung des Systems – so hatte sich das keiner gedacht oder gewünscht.
Was mich immer nachhaltig beeindruckt ist, dass der Kerl mit seinen Kumpels hingegangen ist und seine Instrumente selbst gebaut hat, nicht nur das, selbst bauen musste. UND: seine Aufnahmetechnik mit zwei Tapedecks 4-Spur-Aufnahmen zu generieren; geil.

Ich finde, Abo stellt das sehr anschaulich dar, mit wieviel Blauäugigkeit Öse (Otze) da Anfang der 80er unterwegs war, in seinen Anfangstagen mit Punkrock. Klar kann man sich immer darüber streiten, ob dieses oder jenes Ereignis im Buch hätte mehr Beachtung finden müssen.
Das mach ich nicht. Das Buch ist gut, wie es ist!

Das Buch bekommt man bspw. bei black-mosquito oder Laketown Records oder beim Autor direkt.

PS: Das Ende meiner Geschichte und Verbindung: Man stelle sich vor, sogar in Baden-Baden ist/war Schleimkeim angekommen (ca. 1993/94) und von einer mehr Emo als Deutschpunkband gecovert worden.
Ist halt einfach auch ein megacooles Riff!
In die Kneipe zur trockenen Kehle