review: ZERO ZEROES – s/t LP

Aus Karlsruhe kommen die Zero Zeroes mit ihrem  ersten Album. Sie greifen ganz tief ins Garage Rock’n’roll-Fass, voll auf die 12.  Eins wird mir nach drei Takten schon klar: das müssen Musiker sein, die ich irgendwie schon mal getroffen habe in der Karlsruhe Szene. Die in einigen Bands schon gespielt haben, man merkt hier an jedem Ton die Spielfreude, die Sicherheit und die Präzision. Die Sicherheit mit der sie im Songwriting unterwegs sind, einen Rucksack voller Melodien dabei haben und den voller Wonne auf die Picknickdecke legen.
Dosenbier im Stadtpark!
Der melancholische Touch liegt mir total gut in den Ohren. Mag es allerdings noch mehr, dass sie auf jede Popattitüde verzichten. Nicht zu viel Schalala und Ohoho. Wenn ich das jetzt mal vergleichen darf, würde ich sagen das die Zero Zeroes Ähnlichkeiten mit Turbonegro haben. Nur sind die irgendwann wahnsinnig auf die Melodien aufgesprungen und haben sich, in meinem Ohren, quasi den Pop aufgezwungen und den Punk verloren. Jaja, steinigt mich jetzt. Jedenfalls verzichten die Zero Zeroes darauf und rotzen ein paar eiskalte Riffs in dein pisswarmes Bier.
Lokale Vertreter gibt es auch, die einem Vergleich standhalten, die Neat Mentals zum Beispiel aus Stuttgart.
Sie waren sofort einverstanden zwei ihrer Tracks auf dem nächsten Sampler zu machen, falls ihr reinhören wollt… LP jedenfalls, so hörte ich, ist (fast) ausverkauft.
Die Band hat schon bei FB angekündigt, daß es einen Repress in grauem Vinyl geben wird UND eine neue 7inch, die sie letzten Sommer aufgenommen haben.
Ein paar Worte noch zum Cover. Es sieht so aus, als ob einem Menschen der letzte Atemzug entfleucht, doch ganz so gehetzt am Rande des Jenseits hört sich die Band dann doch glücklicherweise nicht an. Zehn klasse Songs.Der Sound hat was surfiges in der zweiten Gitarre. Das gibt der Musik Griff, Grip, etwas, woran man sich auf jeden Fall erinnern kann und sie besonders macht. Insgesamt megagut gemischt und gemastered.
Anspieltipp ist „le Fay“.

Ich hör jetzt auf zu lobhudeln.

 

 

review: LOSER YOUTH – warum haust du dich nicht selbst LP

Loser Youth „warum haust du dich nicht selbst“ und der ersten Frage die ich stelle, bevor ich die Latte ganz ganz hochlege: wieso soll ich mich selbst hauen? Eventuell gibt der Songtitel „was zum fick bist du kämpfend für“ die Lösung: eins zu eins Übersetzung aus dem Englischen! Daß die Herren Humor besitzen haben sie schon auf den andern erschienenen Tonträgern bewiesen. I like them since the first EP „livin‘ la vida loca“!

Endlich ein Album vom Trio ausm Norden und das geht gleich los als würden THE HIVES mit ihrem Album „barely legal“ drauf losrotzen, nur das hier der Gesang unverkennbar Loser Youth ist. Nach dem kurzen Intro „L.O.S.E.R.“ führt die Band den geneignten Punkhörer ein schönes Sample in den Glauben ein, das Punk zum Satanismus führt. Wie wir heutzutage aus einschlägigen Mainstreammedien wissen, führt Punk nicht zu Satanismus, sondern Frau Merkel gehört dem Satanskult an. Siehe Videos der einschlägig bekannten Demos aus Berlin beim, ist das eigentlich auch schon Mainstream?, allseits bekannten Fernsehsender youtube. Vielen Dank auf jeden Fall an alle Corona-Leugner für diese Aufklärungsarbeit in Punkto Satanismus. Will sagen: das Sample ist schon überholt und trifft nicht mehr den Zeitgeist. Hihi.

Eine Veränderung ist spürbar bei Loser Youth, es werden noch mehr Genres gemixt als auf den letzten Releases. Da herrschte ja noisiger Schrammelpunk vor, nun höre ich mehr HorrorPunk-Elemente („deutschlandlied„), Garage („raum 3„), Surf und aber immer noch windschiefe Noise in den Gitarrenlinien.  Ich erfreue mich an der in jedem Song spürbaren Spielfreude, gut gesetzte  Breaks, kurzes, knackiges Songwriting. Der Bass knallt wie bei einer NYHC-Band, ab und an dann eine schmeichelnde Line („ich bin ein punk„) wie Sahnie bei den Ärzten. Die Drums kloppen dir die Snare um die Ohren! Das Einzige, was ich, auf hohem Niveau, mokieren könnte: nach dem ersten Mal Hören sind die 15 Songs ganz schön durchgerauscht. Am Ende hätte ich gar nicht sagen können, wie viele Stücke das denn waren.

Die Texte sind, kann man nicht anders sagen: wie immer!, ganz klar formuliert, angepisst und doch immer mit einem süffisanten Blick auf das Geschehen, politisch, wie solidarisch, wie gemeinschaftlich. Das Artwork ist diesmal wirklich ein auffälliger Oberhammer, sehr sehr geil! Anspieltipp ist definitiv Song Numero 15 „deutschlandlied“

Platte ist echt hart zu empfehlen. Wer auf die Pisse-LP Anfang des Jahres gewartet hatte, der hat hier allemal drauf gewartet. Erschienen bei RilRec. Link führt zu einer schönen Edition mit Beutel und Dackelposter.