review: BLACK SQUARE – potatoes gonna potate MC

Was bringt diese Zeit? Das haben sich Fini und Bonny von BLACK SQUARE wohl auch gedacht und im Frühjahr ein Zwei-Personen-Stück geplant, geschrieben, aufgenommen, auf Tape gebannt und in die Welt hinausgeschrien. Das ist maximaler Output in kürzester Zeit.
Fini ist noch neu im Gesangsmetier, Bonny spielt Gitarre bei den Deislers. Er hat sich ein wenig mit Homerecording beschäftigt, um Fini die Möglichkeit zu bieten, ihrer Wut einen Kanal zu geben. Und es brachen wohl Dämme.
Woher ich das alles weiß? Nun, das Tape ist schon ein paar Monate raus und die Themen die Fini anspricht sind aktuell und bleiben es auch. Obendrauf kommt noch eine wichtige und richtige Diskussion über Mackertum in der Punkszene. Ihr könnt sehr viel nachlesen, denn die Aussage in einem Bericht im OX-Fanzine „Fini sei die Freundin von…“ hat den Ausschlag gegeben, das Thema mal ganz präsent vor Augen zu führen.

Hier ihre Reaktion bei der TAZ
Einem Interview zum Thema und zu Sexismus in der Punkszene beim Vinyl-Keks.
Es gibt auf ihrer FB-Seite noch einiges mehr zu lesen.
Und ganz aktuell und „brandheiß“ sozusagen ein Interview mit Lizal von Die Dorks, Fini und Diana Ringelsiep beim BR.

Klar wird schnell, dass alle Texte radikal Links sind. An dieser Stelle finde ich es richtig gut, dass ich mir etwas Zeit gelassen habe, den Review zu machen, denn hier geht eben mal nicht um die Musik allein. Hier geht es um das Thematisieren von Dingen, die uns auch in unserer gewählten Bubble über den Weg laufen. Und immer und immer wieder gucken wir nicht richtig hin. Wahrnehmen geht dann vielleicht, wie hier bei diesem Release, mit dem melodischen Holzhammer, den Fini und Bonny als Black Square ausgepackt haben. Gegen Rassismus, gegen die moderne Sklaverei: „Jeder Aufruhr ist immer nützlich, so erfolglos er auch sein mag.“

Klar kann ich auch noch was zur Musik sagen: hoch melodischer HC-Punk, schnell, ungestühm und wütend. Aber eben das steht wohl auch bewusst nicht im Vordergrund. Es kann aber ein Grund sein, sich das mal anzuhören und zu unterstützen!
Neueste Aktion kommt: Stoffbeutel für SeaWatch. Haltet die Augen offen.

Noch ein schnelles Wort zum Cover: ich habe tatsächlich einige Male drauf gucken müssen, um zu verstehen, was mir die dunkle, durchgestrichene Pommes sagen soll. Es ist soooo wichtig an unserer Wahrnehmung zu arbeiten!
Tape erschienen bei den Labels Black Cat Tapes, Colossus Tapes und Tanz auf Ruinen

review: CeDe Salat Schüssel #1 / the rant / Lache / der feine herr soundso / Dangerboy / Agador Spartacus

Kleine Geschichte hierzu: ab un an nehme ich CD-Reviews an. Klar, ich höre kurz rein oder sag einfach Ja. Dann kann es, leider, etwas dauern. Was nicht heißt, das irgendeine der zugesandten CDs schelcht ist, nein! Ich hab nur immer einen riesen Stapel hier liegen und Vinyl und MCs gehen schneller in den jeweiligen Player als die CD, da ich nur einen im Auto habe.
Nun also mal eine Runde Reviews von CDs, die ich in den letzten Monaten zugesandt bekommen habe. Von Punk über Post-Hardcore hin zum Punk ist alles dabei!
Ich nehme mir mal crossed letters zum Vorbild, der immer eine „Bandsalat“-Runde macht, mit diversen Tonträgern.

the rant – vorsichtig optimistisch (Karlsruhe)

Auf dem Cover sind ganz viele kaputte Autos von nem Schrottplatz, da wär ich auch vorsichtig optimistisch ob da noch ein heiles Teilchen zu finden ist. Ich könnte jetzt mal ganz fiese Brücke bauen zum Schrott in der Musik. Aber das ist fies. Es handelt sich  vier ganz junge Herren, die offensichtlich ganz viel Bock haten ihren Kram endlich mal aufzunehmen. Was Sie im Winter / Frühjahr 2020 getan haben, live eingespielt, den Gesang hinterher drauf. Somit einfach mal den Mut bewiesen haben, die eigenen Songs gut zu finden und das Ganze, wenn auch Probenraum-mäßig aufzunehmen. Das ist ganz gut gemischt, es sind ein paar kleinere Fehler drin, die ich nach paar Songs einfach feststellen muss. Das Songwriting ist noch nicht so ganz ausgereift. Ach ich kann diese blöden Formulierungen, die einfach jeder benutzt nicht ab. Egal. Es gibt richtig cuule Lichtblicke, da kann ich gut Mitgehen, ein wenig punkig infiziert.
Viele gute Ideen, aus denen The Rant mal ein gleichbleibend gutes Stück machen sollten. Was man hemmungslos lieben kann. Viel fehlt ihen da nicht mehr!
Sie erinnern mich da manchmal mit ihrem Herzblut an Finding Harbors, die auch aus Karlsruhe kommen, oder ähnliche Bands.
Gebt ihnen mal ne Chance!

agador spartacus – agastonishing

Die Herren haben wohl mit Abstand am längsten gewartet auf ihre Review. Ihre CD kam schon im Januar 2019 raus. Ich denke aber, ich habe sie allerfrühestens im März 2020 in der Hand gehabt. Und da blieb sie nicht lange.
Die CD ist prächtig aufgemacht, wahnsinnig aufwendig. In einem A4 Karton gefaltet mit einem Aufkleber als Siegel den man leider aufreißen muss.
Den Aufwand, den die Band Agador Spartacus mit dem Artwork, wie wäre das als LP gewesen?, wahnsinn!!!! betreibt, bleibt musikalisch irgendwie stecken. Im weitesten Sinne ist die Musik wohl Indierock mit einem Schuß Punk, Post-Hardcore. Sie orientieren sich sehr an den großen Bands des Business wie Beatsteaks, RedHotChiliPeppers, QueensOfTheStoneAge. Passt bei mir nicht so rein. Ich sag mal so: ich hab eine ganze Runde geschafft, kann man mal anhören, bleibt aber leider nicht hängen. Mir persönlich schlicht zu wenig Punk. Wer hätte es gedacht!
Gebt der Band trotzdem mal ne Chance, sie haben viel Leidenschaft am Start, evtl. hört ihr das anders!

dangerboy– amoria (essen)


Dangerboy spielen NeueDeutscheWelle angehauchten Deutschrock. Gesanglich, die Sprachlichkeit erinnert mich sofort an DxBxSx aus Berlin. Freche Schnauze, lakonischer Humor.
Es sind Stücke bei, die sind etwas rockiger, Rockabilly, etwas Genre-übergreifender. Extrabreit.
Ist nicht so ganz mein Style, muss aber den 14 allerdings unbedingt das Kompliment machen, dass sie super aufgenommen und toll gemischt sind. Man kann Eangerboy echt bedenkenlos durchrauschen lassen. Was ja  wiederum nicht gerade ein Kompliment ist. Sorry. 
Schön aufgemacht in einem Gatefold Pappschuber. Klasse Cover.
Erschienen bei recordjet was auch immer das für ein Label ist. Die Homepage ist schon mal sehr witzig, ja.

 der feine herr soundso – wann, wenn nicht irgendwann? (hamburg)

Schon eine Weile hab ich sie auf dem Schirm. Ganz klasse fand ich die Split 7inch mit Moloch. Hatte ich bei einer Bestellung bei Tante Elfenart mitbestellt. Nachdem ich ihr Demo Beweisstück A hier ja schon feierte.
Der Feine Herr ist sich von der ersten Sekunde an nicht zu schade die Themen dieser Zeit aufzugreifen Billigfleisch, Brot & Böller, Feminismus. Ich habe leider nicht die LP bekommen, sondern „nur“ die CD, deswegen gibts nun auch ein kurzen und knackigen Review: 13 Songs sind darauf. Die Herren wagen was, so vong Gitarrenmelodien her, melancholischer Deutschpunk, der auch mal schön nach vorne gespielt wird, kommt und bisschen aus der rockigeren Ecke… so so richtig zuordenen kann ich es nach Song Nummer 5 noch nicht. Man spielt mit den Möglichkeiten, was die Musik vielfältig macht und gegen Hörgewohnheiten arbeitet. Wo sie dich musikalisch im Unklaren lassen haben Sie dafür ziemlich klare Ansagen, zum Beispiel „hottest Chicks in Punk“. Ganz klare Absage an Sexismus auf irgendwelchem Festivals.
Insgesamt ganz coole Aufnahme, nettes Cover, coole Band, heiß zu empfehlen!
Aus dem Hause Bakraufarfita und auch Hochdruck MuSick. Wie auch der nächste Release.

lache – schlechte zeiten (köln)

Lache, da frage ich mich natürlich ob mit dem Bandnamen das Lachen meint oder die Lache im Sinne einer Flüssigkeitsansammlung auf der Strasse?
Fünf Stücke sind drauf und der Vierer bringt uns über Metal und Rockelemente angehauchten Deutschpunk mit einem sehr lakonischen Gesang, der in seinen Lyrics einem sehr trockenen Humor versprüht.
Leider kommt er aber auch aus dieser einen Frequenz nicht raus auf der er intoniert. Die EP ist fein gemischt für einen Erstling, hat Druck an den richtigen Stellen, gut aufgenommen, witziges Cover auch! Es nimmt auf jeden Fall ein wenig den srpöden Charme der Lyrics vorweg: ein Abrisshaus und dem Titel „schlechte Zeiten“.
Eerschienen bei Bakraufarfita, schönen Gruß!

fanzine: ruebenmus #1 & #3

Ladegerät und Szenepolizist machen ein Fanzine. Wir haben uns kurz im Internett bekannt gemacht und dann ein paar Printies getauscht.
Hier kamen also Ausgabe 1 und 3 reingeflattert und ich mag diese Ausgaben in aller Kürze besprechen und euch ans Herz legen.
In Ausgabe #1 des Ruebenmus (kommt so aus der Hamburger Gegend) mag ich sehr das Interview mit Bug Attack, der Ein-Mann-Punkband. Man unterhält sich über Insekten und deren Reisenmöglichkeiten als Musikant durchs Land. Bei mir ist er ja auch schon aufm Sampler gelandet, die / der Bug Attack macht echt heissen Scheiß. Emotionalen Schrabbelpunk mit drei Instrumenten, gespielt von einer Person: Drums, Gitarre und Gesang.
Das Heft hat natürlich auch noch mehr zu bieten, besonders fällt da die „kulinarische Rundreise durch Sardinien“ auf. Könnte auch heissen „14 Tage, 14 Bier“, stimmt aber nicht ganz, lest einfach selbst!
Weitere Interviews und Kurzberichte „Hippiealarm aufm Kompostklo“ oder eben Quatschen mit Testbunker machen eine rundes Punkzine.

Ausgabe #3 kommt da schon, ich weiß auch nicht, wieso ich nicht die 2 noch bei habe, viel professioneller um die Ecke. Die Antwort steht im Vorwort: die Festplatte ist in die Binsen gegangen. Den Scheiß hatte ich auch schon mal… echt ätzend und zeitraubend!
Geleimtes und nicht getackertes Cover, die Fortsetzung des Sardinien-Berichts in Form von „20 Bands – 20 Biere“ und einigen Interviews.
Ich find die Bands alle gut, Truemmerratten, Postford (super Interview) und auch das Zehnagel Rec. Tapelabel (und einiges mehr). Ein Bericht über das Wohnprojekt in der Fährstrasse 115, welches abgerissen werden soll.
Das Layout ist aber insgesamt so gehalten wie schon in Ausgabe 1.
Alles relativ dunkel und in diesem ich will es mal „Turbostaat-Typo“ nennen, gehalten. Ein wenig mehr Sonnenlicht würde der Lesbarkeit recht gut tun, ansonsten wirklich rundum gut.

Ich freu mich schon auf die nächste Ausgabe. Wer eine der genannten haben mag, Mail oder FBoder zum Download hier.

review: RYLOTH – avant cour MC

RYLOTH – avant cour MC
Ich habe zwei Tapes von ihnen bekommen. Das erste auf der Tour und dem letzten Konzert, welches ich 2020 im März besuchen konnte (lest hier) und das heißt „Archipelago“. Das zweite bestellte ich mir via bandcamp „avant cour“. Ich stieß auf den Satz „Ryloth is a planet“ und recherchierte ein wenig. Es dreht sich wohl um die Jedi-Saga „Ryloth ist nach Mon Bala der zweite Planet und der namengebende Hauptplanet des Ryloth-Systems. Er liegt am Äußeren Rand der Galaxis und ist der Heimatplanet der Twi’leks.“ Da bin ich raus, keine Ahnung was und wo und wie. Den Fan wird es wohl erfreuen.
Musikalisch, kurz gefasst: Screamo-Geballer.  Die Bands schafft es, Sphären zu schaffen, nimmt kurze Anläufe aus diesen ruhigeren Passagen und ballert dann mit Blast Beats extrem nach vorne. Die Vocals werden mehr als weiteres Instrument eingesetzt. Unterstützt oft the vertrackteren Beats die nach dem Blast kommen.
Starten tut das Gewitter vom Planeten RYLOTH mit dem „Asimov Filter“, ein Sample unterlegt mit Gitarrensphäre und Drums. Es wohl um die Gesellschaft in der Zukunft geht; so richtig folgen kann ich der Sache leider nicht, dafür ist die Stimme zu leise gemischt. Ach so, ich muss lauter machen, haha! Diese Spoken-Words sind von Eoin eingesprochen aber leider nicht als Text abgedruckt. Dafür die geschrieenen Lyrics bei Bandcamp.
Der Song baut sich sehr sehr langsam und sehr ruhig auf bis dann das erste Geballer kommt. Das ist schon ein ziemlich heftiger Ausdruck und Ausbruch. Erstmal verstörend, doch eben durch die sphärischen Parts eine wirklich abgefahrene, eindrucksvolle, wie auch wärmende Erfahrung. Die eine Nagelkissens in Kombination mit Entspannungsmusik.
Ich war von der Live-Performance echt beeindruckt, weswegen ich mir das Tourtape mitgenommen habe. Dieses habe ich nun mit der Nachricht zugeschickt bekommen, daß wir uns wiedersehen, wenn dieser ganze Wahnsinn vorbei ist, ja, hoffentlich!
Die weiteren Songs wechseln schnell zwischen elegischen Blast-Melodien und Post-Hardcore, Techmetal vielleicht, mit mehr Gefühl im Screamo als Wut. Anspieltipp „I Wish I Was Dreaming (Like Sgt Roberta Draper Was Dreaming Of Mariner Valley)

Gibts beim Label inzwischen als LP zu haben: Moment Of Collapse, bei der Band und auch bei einem feinen Mailorder?

fanzine: GERMAN COMPLIMENT #5 (und #4)

Ich kann mich dunkel erinnern, dass die Nummer 4 nur als PDF erhältlich war, kann aber nicht mehr genau sagen warum. Papiermangel? Auf Klopapier wird es noch nicht gedruckt, ist also Quatsch. Und mit diesem lauen Scherz widme ich mich nun dieser Doppelausgabe:
Mir fällt bei einem Fanzine der digitale Review echt schwer, bin ein haptisches Kind und lese die Seiten, blättere, finde Neues.
Die #4 beginnt mit einer teilweise wahnwitzigen Auflistung von Interpreten, die Songs von Bands zugeordent bekommen, die besser jemand anderer gesungen hätte.
Bspw. soll da Rod Stewart The Undertones (Teenage kicks) singen, Emimen sich um CottonEyeJoe bemühen und Falco von Bon Jovi „livin on a prayer“ intonieren. Ich bin gespannt, ob eine der Bands mal diese Liste in die Hand bekommt und sich bemüht!

Im Weiteren gibt es einige Artikel wie immer in Englisch oder auch auf Deutsch mit englischer Übersetzung nebenan. Alle sind sehr kurzweilig gehalten, was dem Lesefluss echt zuspricht.
Ein Artikel über Cyberpunk in Filmen der 80er und 90er Jahre. Ein Interview mit der Band BourgeOI!sie und dem ideenreichen, geradezu kunstvollen Einarbeiten von Arnold „Arnie“ Schwarzenegger. In dieser Ausgabe eine Kurzgeschichte des „Last Action Hero“ und einer (sehr ehrlichen) Auflistung der Redaktion und welchen Film mit Arnie sie gesehen haben. Ich gratuliere zu so viel Ausdauer. Einzigen Film mit seiner Beiteiligung, den ich mehrmals gesehen habe war „Total Recall“.

Auch in Ausgabe #5 ist er selbstverständlich Thema. Dazu muss man nur das Heft „auf links“ drehen und schon gehts weiter!
Martina startet mit einem Artikel über Feminismus im Punkrock, danach lädt Cornelius die Macherin Bianca vom OKAPI RIOT Fanzine zum Interview. Es gibt in beiden Ausgabe ganz klasse Fotos von APERTURE TO DESTRUCTION und jede Menge kleiner Artikel (a brief an incomplete history of australian punk rock), Shorts und auch mal ein Gedicht zu entdecken.

Das Heft gibts bei Keep It A Secret, mit einer Playlist und anderem liebenswerten Zusätzen.
Guckt auch ab und an bei einem der Macher Maeglin rein, der wohl den einzigen veganen Punkrock Video Blog macht in Germoney.

review: DUNKLE STRASSEN – s/t MC

Dunkle Straßen (benannt nach einem Song der folgenden Band?) aus jeder Pore klingt sofort PISSE! Klar findet eine Band die so steil geht zwangsläufig irgendwann Nachahmer. Wobei ich die 1. Kopie in dieser Art höre. Das soll auf keinen Fall ein Diss werden!

Dunkle Straßen unterscheiden sich in jedem Fall dadurch, das sie auf Synthie und Theremin verzichten. Bass, wenig Klampfe, Drumcomputer. Die Musik dadurch nicht ganz so apokalyptisch, doch ebenso angepisst. Zappelig gehts los mit „die blaue lagune“. Ein paar im Sampels setzen einige Stücke zusammen, Skit 1 und Skit 2. Musikalisch nicht wirklich einzuordnen. Die andern Songs eine wilde Mischung aus düsterem, angepissten Wave-Punk. „nebel“ ist so ein fieses Stück. Geil. Einen Hit landen sie auf jeden Fall sofort bei mir:  „obwohl da ist noch joint. Hat so was vom Minimalismus der Sleaford Mods.

Das Cover ist ganz schön gemacht, die Farben passen da ganz gut zusammen. Irgendwie ist das ja eine ganz schlimme Kreuzung, ich würde mich dort verlaufen, in der Nacht, wenn ich all den Strichen folgen würde. 

Wie auch immer, ich höre weiter, mir fällt bestimmt noch was Schlaues ein, was ich in diesen Review packen kann. Ja: auf der A-seite ist ein Mix der so wohl nicht gewollt wurde, heißt es. Deswegen auf der 2. Seite noch mal die selben Songs in einem echt guten Sound. Das Tape lohnt sich anzuhören, macht mal ne Platte!

Das Outro zum Schluß von Dunkle Straßen zeigt, das die Herren mehr als  Wut im Bauch haben, auch Humor. Jedenfalls scheint da wohl jemand doch n Joint gehabt zu haben.

(ich war übrigens Like #2. also: FB besuchen!)

review: i am the fly – s/t 7inch

I Am The Fly – eine selbstbetitelte, in Eigenregie rausgebrachte Synthie-Punk 7inch, die sich gewaschen hat.

Ein erstaunter Ausruf entlockt sich meiner vom OP-Maske tragen heiseren Kehle: Oha! Warum hab ich diese Single nicht schon früher aufgelegt das fetzt wie die Sau. Sie erschien bereits im Sommer. Total abgefahrener Synthie Punk ohne dabei noisig zu sein oder sonstige Lärmeskapaden. Die Band selbst beschreibt es nicht weniger treffend:

Flirrend und aggressiv erinnern I Am The Fly an wütende Insekten, die sich mit resigniertem Nihilismus und naturwissenschaftlichem Halbwissen gegen die Menschheit formieren.

Eine 70er Jahre Drummachine auf High Speed, ein richtig schön dengelnder Bass, eine nölige Stimme, das Ganze auf Englisch … mich erinnert an einen abgefahrenen Elektro-Track, ich komme vielleicht noch im Laufe des Reviews drauf. Die Single läuft zum 3. Mal am Stück, ich kann gar nicht genug davon bekommen! I am the fly gehen richtig deep ins Tanzbein, ich wirble durch mein Wohnzimmer, als flöge ich über hunderten verschwitzten Körpern. „Axolotl“ will mich, die gemeine Stubenfliege, fressen. „Wonko the sane“… ist klar, zum Schluß „heresy“, welches ich in diesem Fall wohl am ehesten mit Irrlehre übersetzen würde. Nihilistische, misanthropische Texte. Kein Song knackt die 2 1/2 Minuten Marke. Und es bleiben Melodien hängen.

Das Geile an der 7inch ist, dass jeder Fetzen Musik, der dir um die Ohren fliegt, so eine richtig fette Punk-Attitüde hat! Musikalischer Rückflug nach Anfang der 80er, leicht monoton, melancholisch, kurz vor der Apokalypse. Trotzdem ideen- und abwechslungsreich. Kriegt man bei der Band (info(at)i-am-the-fly.de).

Hier ein Interview mit der Band bei vinyl-keks.

fanzine: BLACK CAT FANZINE #1

BLACK CAT ZINE. Es soll die erste und einzige Ausgabe sein, wobei ich gleich sagen muss, dass diese Ausgabe grafisch und thematisch so großartig ist, das es schade wäre, wenn es tatsächlich bei dieser einen Ausgabe bliebe. Falls den Schreibern und Menschen, die dort tätig waren und denen nun langweilig sein sollte: bei mir sind auch mal die ein oder andere Seite zu füllen!

Es geht los mit einer schönen Illustration einer schwarze Katze. „cats against borders“. Eine Einleitung, die sich inzwischen liest, als käme sie aus einem andern Jahrhundert. Es geht um die Frage, wie kleine Bands, Labels oder Konzertkollektive sich heutzutage noch organisieren können. Ist es ein Überangebot von Konzerten? Übersättigung? Genau darum soll es also in dieser Ausgabe gehen, weg vom Massenkonsum, den wir in unserer kleinen, familiären Szene ja ohnehin nicht pflegen. Antwort gibt da beispielsweise in einem Interview das BrigadaCaozKollektivPotsdam.

Direkt dazu die erste Story, passend übers eigene Tapelabel Black Cat Tapes.  Abschliessend mit der Auflistung der bisher erschienenen 25 (!!!) Tapes seit 2018. Die meisten davon übrigens ausverkauft.

Es gibt verdammt viel zu lesen, alles sehr übersichtlich und aufgeräumt gestaltet. FreiTräumeKampagne bei der es darum geht, möglichst alle bestehenden besetzten Häuser und Kollektive zu unterstützen und vor Räumung zu schützen. (facebook). Ein cooles Interview mit den verblichenen Punx von Krank und Gloomster. Sechs kurze Fragen, die ausführlich beantwortet werden. Von der Sozialisation in der Provinz, hin zu politischem Punkrock, der veröffentlicht gehört! Letztes Jahr kam eine tolle, übergangsmäßige Veröffentlichung bei Black Cat Tapes, dann auch noch als 12″ bei ThisCharmingMan. Kann ich nur empfehlen. (KRANK sind nämlich nur krank, nicht tot. Yeah)

Was mich sofort, nach dem Vorwort, total angemacht hat ist die Kolumne zum Thema „Der schleichenden Tod (der Subkultur)“. Da stehen wirklich so viele Gedanken drin, nein eigentlich ist jeder einzelne Gedanke, der den ich auch schon eine Weile habe. Die ganze Musikszene um Hardcore, Punk, Rap und Metal, die man für gern für so unabhängig und frei hält,  ist größtenteils (mal mehr mal weniger) reinen kapitalistischen Gedanken unterworfen. Dass man natürlich Festivals nur veranstalten kann, wenn man sich in Grundzügen an den Kapitalismus anpasst, dann bin ich damit einverstanden. Aber sobald Bands aufspielen die, keine Ahnung, 3000€ Gage verlangen und ihre Shirts für 30€ verkaufen um maximale Kohle rauszubekommen, ist das nicht der Gedanke hinter Subkultur.

Ich könnte noch Vieles aufzählen, doch einiges dürft ihr schlicht auch selbst rausfinden. Fußballfan in der sechsten Liga beispielsweise ist etwas, mit dem ich mich noch nie auseinandergesetzt habe. Auch spannend.

Super Illustrationen, in Farbe, A5 gebunden, sehr hochwertig produziert. Tolles Zines.

review: FARTUUNA – zweiter vorname glück MC

Von FARTUUNA habe ich ein Tape bekommen, welches „Zweiter Vorname Glück“ heißt. Da mein erster (und einziger) Vorname Glück bedeutet, kam ich wirklich nicht umhin, einen Review zu verfassen denn, das kann ich vorweg nehmen: meine Musik ist das nicht. Doch ab und an darf man sich im Leben überraschen lassen, daß ist ja auch ein Teil des Glücks, das man hat.

Ich hab das Tape bekommen, weil ich kurz wegen einer anderen Scheibe mit Thomas von TANZ AUF RUINEN korrespondierte und neugierig geworden bin. Die Dame auf dem Cover sind schon sieht herrlich sympathisch und glücklich aus mit ihrer Ukulele, dass mit sofort klar wurde, da kommt was, was ich überhaupt nicht kenne. Genau darum dreht sich auch alles in der Musik und den Texten von FARTUUNA. Ich kann diesen musikalischen Stil nicht wirklich beschreiben, ich versuche es mal zu umschreiben: einfacher Klangabläufe auf der Ukulele untermalt mit einer erzählerischen Stimme. FARTUUNA erzählt uns von Waldwesen, von Farbregister-universen, von fiesen Südlingen (das sind Baden-Württemberger) – . Und das man lauter lachen sollte. Es ist alles ganz wahnsinnig glücklich, schön! Zwischen Melancholie und kleiner, zarter Leere zwischen den Tönen gibt es Freundlichkeit,  Nachdenklichkeit und Hinterfragen. Ich habe mich nur einen Vergleich, der mir einfällt, es ist sowas wie „Der Traumzauberbaum“ für Erwachsene. Für mich verschwimmen die Grenzen zwischen Lied und Hörspiel. Es ist ganz wundervoll. Wenn man also Lust hat auf was komplett anderes, möge man sich dieses Tape mal zu Gemüte führen. Vielen Dank FARTUUNA für diese  musikalische Feuerwerk.

Fortuna Teil drei Enzykliken zum Beispiel geht es um den deutschen regionalen Patriotismus nennt es dann zu Willys nicht bezeichnen aber sie hat schon recht man drüber nachdenkt es ist schön das wir uns einen anderen Blick auf unsere kleine Deutsche Welle …. …. Welt .

Musik gibts hier:

Bandcamp:
https://fartuuna.bandcamp.com/album/zweiter-vorname-gl-ck

Spotify:
https://open.spotify.com/artist/4oCnhoO6a19pPokQXPb5FT…

ITunes/AppleMusic:
https://music.apple.com/…/zweiter-vorname-gl%C3…/1518418721…

review: LA PETITE MORT / LITTLE DEATH – disco LP

Noch eine Platte bei KONGLOMERAT KOLLEKTIV rausgekommen. Neulich besprach ich hier schon einen der beiden ersten Releases des Labels die SHAKERS LP.

LA PETIT MORT / LITTLE DEATH aus  Rodgau und die Platte heißt Disco. Auch diese Platte ist live eingespielt worden. Es sind 13 Lieder drauf. Herausgebracht von acht Labels:
konglomeratkollektiv.bandcamp.com (GER / ihr erster Release!) firefliesfall.bandcamp.com (FRA) coldpressrecords.bandcamp.com/releases (SGP) lesdisquesrabat-joie.bandcamp.com (CAN) saltamarges.bandcamp.com (ESP) www.facebook.com/SunsetterRecords (GER) www.facebook.com/afonddcaleprod/ (FRA) www.facebook.com/Paper-Heart-638543866323168 (ARG) . Es ist musikalisch recht irrwitzig gespielter Screamo. Ganz viele Wechsel und hunderte Gitarrenakkorde. Dazu dieses wirklich ansprechend zerbrechlich wirkende Cover. Der Titel „disco“ ist auf der Platte musikalisch alles andere. Nur keine Disco. Eher ein Karussell.

Sie haben ein schönes Beiblatt, mal abgesehen vom angesprechenden Artwork, mit einer sehr sehr langen Dankesliste und ein A4 Blatt mit den Texten beiliegen . Die vier Herren, wenn ich das richtig auf den Fotos erkenne, denn die Dankeseliste gibt leider keinen Aufschluß über die Besetzung 😉 , machen sehr freien Screamo. Ich benutze bewusst das Wort „frei“, denn das Songwriting, wenn man die Platte das erste Mal laufen lässt, hat wenig Punkte, an denen man vermuten könnte, was hinter der nächsten „Ecke“ für ein musikalischer Wechsel lauert. Klingt jazzig, ja. Beinhaltet aber so viel mehr an musikalischen Einflüssen. Manche Songs haben etwas von Flamenco. So jedenfalls zappeln die Beats in meine Hirnwindungen. Ein bisschen AT THE DRIVE IN in ihren „relationship“ Tagen. Warum ich diesen Review unaufgefordert schreibe? Weil ich die Platte in der Distrokiste von RYLOTH gefunden habe, auf dem Konzert mit RAUCHEN. Vorerst das letzte bis jetzt in diesem Jahr.

Sie schreiben, dass das Album ist zwischen 2015 und 2018 in einer persönlich harten Zeit entstanden ist. Auf ihrer Bandcampseite steht „fünf Jahre trial and error“. Da der Gesang so wahnsinnig hoch kreischt, dachte ich zuerst, dass da eine Frau singt. Irgendwie ja ein toller Gedanke, da ich mir schon wünsche, daß es mehr Frauen auf die Bühne treibt. DREI AFFEN aus Spanien sind da ein tolles Beispiel, checkt die auch mal aus! Weil die Stimme so hoch überdreht ist, wie gesagt: irrwitzig. Bei Songs wie „Snufkin, we can go!“ bricht er das Gekreische gegen etwas fast Poppiges. Eine leichte Verzerrung auf der Stimme. Dann auch mal was Zweistimmiges. Je länger die Scheibe läuft, desto klarer wird, wieso die Band so lang gebraucht hat, all die Ideen in einen Fluss zu bekommen. Ich finde, daß das ganz hervorragend funktioniert. Hier also ein Geheimtipp. Bei der Recherche habe ich wenige Reviews online gefunden. Auf jeden Fall sehr sehr abwechslungsreiche, genreübergreifende, Mauern einreissende  Musik, die dich jeden Moment überrascht, irgendwie abholt und immer wieder weg stößt. Total abgefahren! Muss man sich einig mal live angucken, sobald es wieder möglich ist! Ich werde das tun.

Review auch erschienen bei vinyl-keks