7inch: Paul Pecho – neatly yellingmouth

Ein gänzlich unbeschriebenes Blatt namens Paul Pecho flattert hier rein. Respektive eine Vinyl 7inch. Zwei Seiten, zwei Songs.
Beim Vinyl-Keks hab ich ja immer den Spaß am Start, maximale Worte aus meinem erdnussgroßen Gehirn rauszuklopfen. Hier mach ich es mal kurz und knappi knapp.
„curtis yellingmouth“ ist ein trashiger Songwriter-Titel, der ziemlich smooth rockt und trotz des ruhig gehaltenen Tempos ganz schöne mitzieht. 
Eine warme, rotzige Stimmung. Paul hat diese Songs wohl geschrieben, als er noch ungeboren war. So die selbsterzählte Legende. Das Label, bei dem er herausgekommen ist It’s Eleven Records, erzählt das mehr so: „Paul Pecho simply shakes two psychedelic Garagerock pearls out of his sleeve.“ Joah. IN der Mitte liegt dann wohl die Wahrheit.

Jedenfalls soll seine Pränatale Legende die wärme seines Sounds erklären. Die Lyrics sprechen für sich selbst und sind nicht dem Walgesang ähnlich oder sonstwie verfremdet. Gut! Der herrlich schräge Background / Spoken Word hebt den Song noch zusätzlich ab, es ist sehr repetitiv.
Er bietet auch an „Hi!“ zu sagen, w
enn man über Musik, Kaffee oder Pizza mit ihm sprechen möchte. Unter dieser Mail

Bei „neatly framed“ auf der andern Seite gibt er etwas mehr Gas. Abgehangener, im Gegentakt gespielter, 70’s Rock, psychedelisch, kleine Soli. 
Die Songs sehr kurz und kurzweilig.

Anchecken, bitte.
Kaufen hier: it’s eleven records

PS: Paul spielt sonst noch bei Black Salvation und hat für diese Songs alle Instrumente selbst gespielt.

video: lena stoehrfaktor – runde eins

Erster Song auf ihrer vor kurzem erschienen EP „Essenz“.
Lena teilt Rhymes aus und gibt die Ringerichterin, während sich andere prügeln dürfen.
Blutige Lippen vorprogrammiert.

video: pascow – himmelhunde

Ich denke, nach sichten dieses neuen Videos: die Herren werden uns in einigen Jahren noch begleiten und die Konzerte immer größer werden. Nein, Stadionrock ist das nicht; aber gut! Alex‘ Gesang, die Art den Text über die Musik zu legen, überhaupt: die Musik von PASCOW. (btw: ihr wisst, dass ihr euren Namen des Kanals nun ändern könnt? Ich werfe mal den Vorschlag „pascow“ in den Ring)
Mit diesem neuen Video machen sie mit Visual Attack dort weiter, wo sie ihre Trilogie vor einem Jahr mit „Kriegerin“ zuende gebracht haben. Jedenfalls visuell. Es beginnt nun eine neue Geschichte und die Frage „wie kommen wir da raus“ wird einigen im Kopf rumschwirren!


Album kommt im Januar 2023. „sieben“

mc: sven the slacker – hutch

„hutch“ von Sven the Slacker. Ein Slacker ist jemand, der eine geringe Anpassungs- und Leistungsbereitschaft hat. Nun, Sven hat es geschafft, sich seit 2020 so einige Songs zu erarbeiten und präsentiert acht davon nun auf einem (sold-out) Tape.
Ich bin jedenfalls überrascht mal wieder was von Aldi-Punk im Briefkasten zu haben. Es ist schon Release 133, vow! Finde bemerkenswert, dass er immer noch tauscht und ganz viel Deutschpunk macht. Wobei Sven nun so gar nichts mit Deutschpunk zu tun hat. Es ist eine ganz liebenswerte kleine Kassette in einem Pappschuber. Weißer Pappschuber, weiße Kassette mit ganz viel Schwarz drauf. Doch ganz so präsentiert sich die Musik, glücklicherweise, nicht.
Synth-Post-Punk, den Sven The Slacker hauptsächlich selbst zusammenzimmert, bei „allein“, dem ersten Track, hat er allerdings schon gitarristische Unterstützung von Benjamin Streich. Sven selbst hört sich ein wenig an, als hätte er ziemlich lange mit Jensen verbracht. Allein in seinem Zimmer.
Jedenfalls spielt Benjamin noch bei andern Songs mit und ab und an singt Magda den Background-Chor.
Teilweise erinnert mich das 8-Song-Tape an Peppone oder vielleicht auch so ein bisschen Phileas Fogg. Er selber sagt, dass „DIY-Lofi-Synth-Punk“. Da ist schon ne Menge rausgekommen, Sven The Slacker, der auch als ROSI, so meine Rechercheergebnisse, unterwegs ist, hat aktuell auch schon wieder zwei neue Tracks raus.
Da er aber das „internet“ hasst, ist es sehr sehr schwierig, Informationen zu bekommen (FB, Insta, Tube).
Insgesamt hat das Tape eine kleine, feine Melancholie, die einen nicht nach unten zieht, auch nicht aus dem Halbdunkeln in die Sonne geleitet, eher sowas für die „Zwischendurch-Tage“; also der Herbst, der jetzt kommt. Garagig, punkig, Synthie, lakonischer Gesang.
Und die hab ich eher öfter als die Up’s and Down’s, Volltreffer also.
get it here:

MC: antimanifest – lernzielkontrolle

Als wäre 2018 erst gestern gewesen, schließen Antimanifest mit ihrem Intro an das an, welches sie schon als „neonstarter“ auf dem letzten Release hatten. „erdrückend und still“ ist eben genau das nicht. Abwechslungsreich, laut und schnell.
Von vorne: Antimanifest liegen hier mit einem superschick aufgemachten Tape vor mir. Stoffsäckchen bedruckt, klasse Design, eine oldschool Zapfsäule – macht den Eindruck, als hätte die Band da Weitblick bewiesen!
Im Säckchen ist eine Klapppapphülle (ja, dieses Wort habe ich soeben ersonnen), die eine verrammelte, baufällige Tankstelle zeigt, vor der ein Mann (?) sitzt, der sich die „Tafel“ anschaut.
Die Frage, die sich aufdrängt bei so einem wirklich 1 A Coverartwork: wo bleibt das Vinyl? Das Artwork ist wirklich liebevoll, gut gezeichnet und ideenreich. Schön eingearbeitet in die Möglichkeiten, die die Faltung des Pappschuber mit sich bringt. Dabei ist auch noch ein knapp A4-großes Textblatt. Eine Seite Lyrics, eine Seite das Coverbild nochmal etwas größer. Christian Brix heißt der Künstler, der dies Cover gemalt hat.
Ich nehme mal an, da die Band bisher bei Twisted Chords war, wo nun so einige Bands ein neues Zuhause suchen, da Tobi zum Ende diesen Jahres seine langjährige und umtriebige Tätigkeit an den Nagel hängt, dass deswegen „nur“ ein Tape entstanden ist, als analoger Release.
Antimanifest haben sich wohl vier Jahre von „am Ende aller Tage“ bis zu „Lernzielkontrolle“ Zeit gelassen, da es einen Wechsel in der Band gab, und zwar den entscheidensten: Gitarre/Gesang haben gewechselt. Nun, Vik singt um einiges rougher, hat eher ein Rostkehlchen als eine zwitschernde Singstimme. Und natürlich sind die Songs auch etwas, ja, härter geworden.
Klar ist, Antimanifest machen melodisch, melancholischen Punkrock mit ernsten Texten und fahren eher im Emofahrwasser, als mit einem Parolenpunkkahn. Also eher Hot Water Music als Es war Mord; musikalisch!
Der Dreier ist seit 2014 gemeinsam unterwegs; sie waren mal zu viert.
Als Video gab es eine Auskopplung zu „Messer“ (achtung, das Video beinhaltet Flashlights“), dem zweiten Song der EP.

Eine klare Abrechnung mit dem Geschwurbel der Covid-Gegner.
Der Dreier spielt ziemlich gut zusammen, der Sound druckvoll, läuft richtig gut durch!
Die fünf Songs sind recht abwechslungsreich, von sehr ernstem Text „ins Messer“ hin zu etwas witzigerem wie „Computerwarrior“. Welches der dritte Song auf Seite eins ist.

Auf Seite zwei dann vom Tempo her die etwas „abgehangeneren“ „im Zweifel dagegen“ und „Freier Fall“.
Mich erinnert das Musikalische desöfteren an Krawehl oder Willy Fog. Keine Ahnung, ob das hier noch jemand kennt, haha!
Jedenfalls: super release, taugt richtig richtig gut.

Anhören bei Deezer.

(Dieses Review erscheint so ähnlich noch beim Vinyl-Keks.)

MC: lena stoehrfaktor – die essenz EP

Lena Stoehrfaktor hat ein neues Tape raus mit sechs neuen Track, die es in sich haben.
Saucooler Rap. Ja, Rap! Kein bräsiger Hiphop, keine Fritzelditzel Hihats aus der Retorte. Toughe Beats, gutes Kopfnickertempo, klare Ansagen.

ich teil aus und du kassierst

In Runde eins steht die Boxerin Lena im Ring und fightet mit den „real“ Hiphoppern, die ihr Muskeln wohl nur zuhause aufpumpen und dan im luftleeren Raum ein wenig mit den Armen wackeln.
Lena ist the real Shit, this shit is dope!
Okay, eine Runde zurück. Lena hat bereits einiges raus, zwei tolle LP’s produziert mit „Gott im Himmel, Leichen im Keller“ (2016) und „Blei“ (2018).
Ich habe die beiden und wollte schon eeeewig eine Review hier schreiben: ihr müsst euch Lena reinziehen – und habs verdrängt. Jetzt aber die Chance mit ihrem neuen Taperelease, ganz „klassisch“ kann man sagen. Es ist aber kein Mixtape, es sind gemixte Songs drauf, ja!
Sie klopft nicht immer so dicke Rhymes und haut mit dem Boxhandschuh auf die Buchstabensuppe der laschen Hiphopper. Doch sie hat schon einige Jahre eine Crew, mit der sie konsequent Musik macht. Asi-Es und Sinok sind die beiden Aliase, die ich immer wieder auf den Scheiben entdecke.
Aber Lena Stoehrfaktor ist eine ziemlich leidenschaftliche Musikerin und hat auch noch die Mainvocals im Rattenkabinett.

Zurück zum Tape!
Ein Video hat sie in ihrer Hood gedreht zum titelgebenden Track „Essenz“

Wo es mir aber in den Fingern juckt, zwei Takte loszuwerden ist bei „Sonnenallee“. Lena Stoehrfaktor verarbeitet ein wenig die Jugend ihres Hiphops. Wer war ihre Gang damals „Conexion Studio“ in der Sonnenallee in Berlin. Unterwegs über die Dörfer, keine Gage dafür Spaß, Ärger mit Nazis und Bullen; dieser Track ist top gereimt und die trockenen Beats ziehen gleich mit. Erinnert mich an die 90er Jahre. Als Rap irgendwie viel tighter war als heute.

Es sind einige Videoaufnahmen von 2006 mit drin, ja da ist viel Zeit vergangen von damals bis heute. Einige sind drangeblieben, einige dem Burnout erlegen.
Im Interview haben Lena Stoehrfaktor und ich ein paar Gedanken dazu ausgetauscht.
Mit den sechs Tracks ihrer neuen EP „Essenz“ geht es mit den Themen „Rap und nicht Pop“, Identitätsfrage, Kapitalismuskritik und überhaupt, der Frage nach dem Sinn, warum man etwas macht – warum Lena rappt – immer sehr klar und ohne Schnörkel um das Wesentliche.
Man kann schnell vergessen, in welchem Jahrzehnt Rap gerade (fest)steckt, wenn man ihren Tracks lauscht. Ein Favorit? Nope. Das ganze Ding ist Bombe!


Zum Abschluss ein Video aus 2016 mit dem Rattenkabinett, die übrigens im Herbst gemeinsam ein neues Album rausbringen. Ein wenig umbesetzt an den Instrumenten, mit Lena Stoehrfaktor am Mic.
Platten und / oder Tapes bekommt ihr bei Tanz auf Ruinen oder Black Mosquito oder direkt die zweite Auflage der MC bei Bandcamp!

(diese Review erscheint auch noch so ähnlich beim Vinyl-Keks.)

fotozine: Trist-esse (entes-anomicos-publishing)

Carlos von ENTES ANOMICOS hat Nicolas gesprochen und hat ihn sozusagen, mehr oder weniger, auch überredet ein Fotozine zu machen. Denn Nico veröffentlich bei Facebook viele seiner Fotos in Bezug auf seine Band Phileas Fogg, doch das meiste ist seiner Heimat Griechenland und seinen Trips dorthin gewidmet.
Es heißt Trist-esse, Nico hat sich das ja auch als Pseudonym gegeben: Nicholas Tristesse.
Einige schwarz-weiß Fotografien versprühen viel Einsamkeit und Verfall, die Veränderung der Zeit im Bild. Eben eine Tristesse.
Nico hat mir das Heft auf dem ersten Phileas Fogg Konzert in Ludwigsburg (in der neuen Ausgabe der Postille gibt es einen Konzertbericht) und Carlos hat mir auch eines geschickt. Wer also eines möchte: der melde sich bitte bei mir!
Schönes, kurzweilige Fotozine, 16 Seiten.

 

fanzine: Plastic Bomb #119 2/2022

Endlich Sommer, endlich auch son Gummitier rumliegen, in der Sonne brutzeln und das Plastic Bomb mitnehmen, was schon ein paar Tage zuhause hinödet.
Jetzt können wir das ja gemeinsam machen.
Ich hab schon lange keinen Review mehr über ein „größeres“ Fanzine geschrieben.
Nun, die Bombe gibts inzwischen schon lange ohne Plastikmüll, keine Tüte, keine CD mehr. Ich vermiss das nicht. 
Dünneres Papier, 48 Seiten, und die sind diesmal prall gefüllt, sodass ich zu einem Review greifen muss.
Das Heft ist in mehrfacher Hinsicht super geworden. Ich freute mich über das OIRO Interview, doch das von den Dead End Kids ist auch super! Die neue Rubrik 21st Century Digital Punks, mit Interviews von Szenegänger*innen unter 25, die nicht zwingend eine Band haben oder irgendwelche Projekte am Start… es geht in erster Linie darum, wie sie in die Szene gekommen sind und wie sie die alten Menschen dort erleben. 
So viel reicht auch schon, um euch diese Ausgeabe, es gibt ganz sicher noch eine im Bombenshop, schmackhaft zu machen.
Aber Abo ist auch super. Get this Shit!

fanzine: ROMP #50

Fanzines werden leider zu oft als „Klolektüre“ kleingeredet, ich habe mir erlaubt, einige Zines mit in meine Ferien zu nehmen. Am Strand, das Meer rauscht, liest es sich doch irgendwie etwas konzentrierter, als beim Drücken des Stuhlgangs.

Wer nun erwartet hätte, dass zum runden Jubilat eine Jubiläumsausgabe kommt, der hat sich vermutlich nicht mal getäuscht, denn es kommt keine.
Der Macher des ROMP macht das, was er am besten kann, ohne Glitzer: das Cover weist darauf hin, dass man den Kireg beenden solle, der Inhalt ist wie gewohnt informativ, aus aller Welt.
Bemerkenswert, gleich zu Beginn, die Nachricht, in der sich 500K bedankt, dass sie es geschafft haben eine halbe Million Schweizer Franken einzusammeln, um Gegendemonstranten einer faschistischen Kundgebung 2018, abzusichern in den folgenden Prozessen, denn die Strafen waren existenzgefährdend. In bereits 34 Prozesstagen gegen Antifaschist*innen wurden die Strafmaße bereits stark herabgesetzt. Eine der größten Solidaritätskampagnen neigt sich nun dem Ende zu. Ich bin gespannt, wie das ausgeht für die Betroffenen.

Weiter geht es, wie gewohnt, mit linken Umtrieben in der Schweiz, international, Interview mit der Band Frontalangriff (und mehr). Mit „Geschichten aus den 80ern“ gibt es eine Rubrik, die an die Anfänge der Punkbewegung, respektive der linksalternativen Szene in der Schweiz erinnert. Das Dubo Neutre Comic findet mit dem Teil 4 nun sein Ende. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.
Als kommt bei mir auf jeden Fall, dass ich mehrere Ausgaben vom ROMP 51 bestellen werde und ihr könnt euch dann eines bei mir mitbestellen, oder so. Ich bin ja mit dem Laden nicht so hinterher.
Der Infoladen zum Zine jedenfalls steht immer noch in Luzern. Und wer eine Ausgabe bestellen möchte, melde sich per Mail.

fanzine: rauditum #7

Die Dresdener bringen spät dieses Jahr ihre erste Nummer raus. De Wessi und Ugly haben sich in dieser Ausgabe wieder gemeinsam auf den eg gemacht uns die Oi-Szene näher zu bringen, persönliche Gedanken zu teilen, nehmen kein Blatt vor den Mund und füllen damit 72 Seiten.
Die Papierkrise, und all die andern Preiserhöhungen, sind nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen. Wie auch schon das Plastic Bomb im Vorwort berichtete.
Zwischen kurzen und knackigen Bandvorstellungen, die gleich am Anfang drei Hardcroebands aus Österreich und Kaltland vorstellen, folgt ein recht ausfühlriches RAWSIDE-Interview, was in Länge und Ausführlichkeit vom Uwe Umbruch (ex- Public Toys, The Revolvers, Destrict, Hotel Energieball und Kommando Marlies) geschlagen wird. DerHauptgang besteht aber aus noch mehr Interviews, denn Punkrock allein nhrt das Oi-Herz ja wohl kaum, zwinker. Alex von der Lauta Crew und Jens von Restloch und Striking Surface die Anfang der 90er im Wilden Osten zwischen Bautzen, Gera und Lauta Konzerte veranstaltet haben. Sie berichten von ihren Schwierigkeiten zwischen linker und a-politischer Haltung Konzerte in einem Jugendzentrum zu veranstalten. Aber lest selbst, gutes Interview!
Pleasure Trap und G.L.O.S.S. (CD-Beilage) bekommen noch ein Interview. Viele Reviews zu Tonträgern, Büchern und Zines sind drin.
Die unsortierten Gedankenfragmente von Ugly empfinde ich diesmal mir als sehr nah.
Ich danke für ein überaus cool gemachtes Heft und werde euch da weiter treu bleiben. Es gibt auch ein Abo. Meldet euch doch einfach per mail