MC: lo seal – teal

Erschienen ist das Tape von Lo Seal bei Mörtel Sounds. Von Jelle habe ich eben dieses Tape zugeschickt bekommen. Exklusiv, im Cover steht „Promörtel 1/1“ – sehr schön!

Bei Lo Seal handelt es sich um eine Noise-Wave Band aus Köln, die mit dem gesprochenen Gesang komplett gegen den Lärm des eigenen Bassgerätes anredet. Die Trommeln klopfen, rappeln, treiben immer wieder nach vorne, was nicht die die zerfasernden Effekte des Saiteninstruments noch hervorschimmern lassen. Die Vocals oft erzählend, meist repetitiv. „somethings hunting me“, mit diesen Worten endet Seite eins. Ich möchte der Band gerne recht geben, wobei dieser Song ein schöner Ausklang für die ersten fünf ist. Er heißt „Stefan“.
Es ist Noise, ja, mit Spuren von Garage und Post-Punk, ein bisschen Wave, ein ordentliche Prise Düsternis. Was sich fast wie ein Rezept für einen Absacker-Cocktail anhört, könnte Kopfschmerzen verursachen bei unsachgemäßem Konsum.
Also ihr solltet euch an diese Reihenfolge halten: Anlage anmachen, auf 3/4 der Lautstärke einstellen, Tape einlegen, Play, bei mir kommt jetzt Seite 2.

„Velodrome“ treibt den Hörer wieder vor sich her. Ich kann nicht groß Vergleiche ziehen. Eine Zwei-Mann-Kombo, die ne Menge Spaß beim Spielen hat.
Bei Noiserock muss man ja im Grunde ziemlich kompromisslos mit Musik umgehen. Den aufeinanderfolgenden Tönen, dem Sound, den Lyrics und keine Grenzen kennen. So überrascht „Heimskr“ mit windschiefem Post-Pop. „Warrisson“ und „Görhan“ sind ziemlich cool. Irgendwie gefällt mir Seite zwei besser, bzw. Lo Seal werden immer besser.
Das witzige Cover mit der Ente macht das Gesamtbild verwirrend rund. Druck im Copyshop, handgemalt.
Weitere spannende Releases to com, bzw aktuell raus. Have a Look!


 

LP: telesatan vs. dispo – split

Habe ich euch schon mal erzählt, dass es mir total Spaß macht erstmal rauszufinden, ob eine Platte auf 33 und auf 45 rpm läuft? Jedenfalls, die Split LP von Telesatan und Dispo ist so eine!
Wenn man das auf 33rpm laufen lässt, hört sich an als würde ne Doom-Combo versuchen Punkrock zu machen! Wenn man die Platte dann auf 45rpm laufen lässt ist es 70s Rock und den Sänger der Beastie Boys schreit einen an. Nach der dritten Noise-Eskapade vermute ich eine Frau am Gesang.
Wilder Garagepunk mit heftigst Feedback und tierisch Bock auf Lärm!
Telesatan also mit neun Songs in mehr englischen als deutschen Texten. Schöne Titel wie „yuppie preacher“ „finanzamt“ „respect the rock“.
Platte ist von Nov. 2021, ich hab sie halt erst neulich bestellt. Inzwischen gibt es ein aktuellen Digi-Demo „behave!

Das Inlay ist total cool aufgemacht. Wirklich! Ich kann es nur nicht wirklich lesen.
Das Coverartwork ist auf jeden Fall von Ricaletto, ganz hübsch, nech!
Ich dreh mal die Platte rum, Dispo lauern. Auf der Frauenstimme ist etwas weniger Verzerrung, als bei Telesatan. Das mag an der Sprache liegen, dass es besser verständlich ist, ist mir trotzdem fremd. Ist der erste Song „Zmartwienia“ auf polnisch? Sonst gibt es deutsche Texte auf die Ömme. Ziemlich angepisster Garagepunk. Wandelnd zwischen einer Kackophonie an schlechten Tagen für mein Gehör. An meinen guten Tagen ist Dispo echt ne Abrissbirne!
Die beiden Bands sollten auf gar keinen Fall verraten, was sie machen und sich überall bewerben. So Sommer-OpenAir-Rockfestivals und so’n Zeug. Und dann: BOOM!

Und wenn der Mischer schreit „macht mal leiser“ muss man es lauter machen.
Ganz großartige Scheibe, beide Bands wohl aus Leipzig, erschienen im Hause des Noise Phantom Records. Gibt es bei Apocaplexy zu kaufen oder auch bei X-Mist.

LP: marode – risse

Marode überraschen mich mit direkt mit/bei  ihrem ersten Song „die Dummen“, der mich sogar nicht aus den Socken haut, weil aber auch alles, also das Riff, das Songwriting und die Melodie, die dann gegen Ende doch kommt, ich lange erwartet habe, mich echt nicht vom Hocker reißt. Es ist sogar so, dass diese Platte bei mir erstmal am Ende des Rezistapels gelandet ist. Erschienen ist sie bereits im Sommer. Aber das ist mehr so Herbstmusik!
Marode spielen laut Eigenaussage „… alten punk in einer kaputten welt. mit gebrochenen stimmen und verrosteten instrumenten. keifen und singen über verwahrloste menschen und zustände.“
Je länger die Platte läuft, umso mehr Licht erscheint aber am Ende des Tunnels, um es mal so dichterisch auszudrücken. „herrlich destruktiv“ zum Beispiel ist ein Song über die junge Sincht der Punx auf die alten Punker. Was sie früher mal alles wollten, was man selber alles will und dann ist man überrascht, dass die Alten dann doch anders werden. Nach dem Motto Ehefrau/Kinder/Reihenhaus leben.

Es ist dann doch ziemlich abwechslungsreich. Zwei Männer singen und spielen Bass und Gitarre. Sie wechseln sich ab, was mal keifend klingt, mal erzählend. Hat was von …but alive, amen 81 oder außer ich. „brügge“ ist dei erwähnte herbstlich angehauchte Punkmusik.
Die Songs sind durchweg kurz, doch meist gibt es viel zu erzählen und die Lyrics echt ausufernd. Was ich tatsächlich richtig gut finde!

Die grauen Häuser werfen Schatten auf die Seele, an der Bushaltestelle wartet niemand auf die verpasste Gelegenheit

Gestrandete Männer stehen wie braune Flaschen zusammen an der Ecke beim Spar-Markt, mißmutig beäugt von gebundenen Frauen und ihren Männern auf dem Weg zur Arbeit

Die Buchstabensuppe schmeckt nach faden Wörtern und nach: Da kann man halt nix dran machen, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, nur harte Arbeit

Das „gruselige Lied“. Megagut!
„Bizarroworld“ total angepisst und das Rad wird hier im Sinne der 80er Jahre nochmal in 1Min04Sek ordentlich im Kreis gedreht. „pennen“ ist sogar noch kürzer. Toxo und Andi wechseln sich da echt super ab, während sie von ihrer Drummerin nach vorne geprügelt werden.
Wütender Drei-Akkorde-Punk mit ab und an rechts dystopischen Lyrics, die aber nicht in totaler Düsternis münden.
Auf die ganze Länge der Platte funktioniert das super! Man gewöhnt sich an windschiefe Rumpeligkeit. „falsch und klein“ ist ein super Anspieltipp.

Sie reimen konsequent alles und passen das auch noch in ein Versmaß, da hat jemand bei den Gedichtinterpretationen gut aufgepasst, wobei auch das nicht zu oll daherkommt. Sie haben eine sehr eigenwillige Art & Weise dann Textteile dorthin zu setzen, wo sie sonst keiner singen würde, wo man sie nicht erwartet. Marode machen also Musik wie viele Bands schon vor ihnen, und suchen die Abwechslung, das Eigenwillige in derart Kleinigkeiten.
Diese Drei-Akkorde-Wut mit den passenden Texten ergeben ein rundes Gesamtbild!
Zwischen den Themen „was ist geblieben“, Egoismus in der Gesellschaft, Stillstand, Alkoholmissbrauch bleiben „Sätze mit aber“, was einen wirklich guten Schlusspunkt setzt. Plätschert so aus. Habe das das Gefühl, dass diese Song eine erzählerische Klammer darstellt. Wie der Strich, der sich durchs ganze Booklet zieht, zusammenführt, zusammenhält. Am Anfang ist das Ende und umgekehrt.

Fünf Labels RilRec, Raccoone, Attack Records, Schorrie Morrie Tunes und Violent Heartbeat haben „Risse“ herausgebracht. Klasse Artwork! Viele Risse im Beton, viel Verblichenes.

MC: dekonstrukt – mentally trapped

Schrieb ich doch noch beim Zucchini Days Fanzine, dass mir das viele Geballer ganz schön auf die Ohren geht, hab ich doch tatsächlich als nächstes Dekronstukt in der Post.
Ganz klar, die Aufmachung allein ist ein Hingucker und ein unbedingtes Muss, etwas darüber zu schreiben. Das kann ich ja nicht ungehört machen. Also raus aus der Schachtel, rein in den Kasi.
Crust, punk. Ängry Pünk beschreibt die Band es selbst, und irritiert zerlegt im ersten Song erstmal einen Folksong aus dem letzten Jahrhundert. Dekonstrukt machen ihrem Bandnamen also alle Ehren im Dekonstruieren von Songs. In der Folge kann ich sagen, dass sie glücklicherweise nicht auch Songstrukturen zerlegen. Sie bleiben zwischen Blastbeats und schnellem Pogopunk. „mentally trapped“ bringt, auch in den Lyrics, ein apokalyptisches, dystopisches Weltbild der Band zutage. Die weibliche Stimme habe ich erst kapiert, als ich ins Inlay geschaut habe, sie hat ab und an Backvocalunterstützung von den beiden Gitarristen. Ab und an werden aus dem grindigen Punkriffs harte Deathmetal, oder auch dem Blackmetal entlehnte Prügel. Es wird gehackt, was die Saiten, die Felle und der Kehlkopf hergeben.

Vortex

valleys of sorrow
too hard to take
mountains of despair
too hard to handle

no encouraging words
no assistance
no relief

hopeless, I’m wandering through
the only way out, is the final shot

no encouracing words
no assistance
no relief

Mir ist das tatsächlich etwas zu depressiv. Ich kann das auch nur bedingt als ironisch gemeint verstehen. Nichtsdestotrotz: Dekonstrukt, ein echtes Crust-Brett auf dem man die richtige großen, harten Wellen reiten kann; falls man da Stimmungsmäßig noch Bock drauf hat (eventuell bei Sturm und Hagel).
Hier ein Stream aus dem P8 mit den Crusties von Bastard Royalty.

Was fällt mir als Vergleich ein, und der kann eigentlich nur hinken, Ancst, (ein bisschen) At the Gates, Cluster Bomb Unit.
Eine super Aufmachung hat das Tape!
Eine kleine Box, die quadratisch ist, in der ist das Tape zwar etwas verloren wird, dafür aber der Modern Illusion Aufkleber bestens passt! Und ein Textblatt in A3, ebenso ein Aufkleber der Band.
Erschienen ist die Band aus Ulm bei den dort, in Ulm um Ulm und um Ulm herum, angesiedelten Modern Illusion Records und Subzine Records. Es wird im Herbst wohl auch noch einen Vinyl-Release geben.
Tape bekommt ihr hier.

LP: how i left – birds in the city

Der süddeutschen Provinz entsprungenes Duo mit Julian Bätz (Gesang, Gitarre, Klavier, Orgel) und Jazzdrummer Michy Muuf.
Und ich schrieb sie wieder an, weil mir erstmal dieser schöne Bandname im Gedächtnis geblieben ist, zum andern mir gleich die CD von vor… zig Jahren rauskramte, als ich sie auf irgendeinem kleinen, Tattoo- Burgerevent- Ding live sah. Es regnete leicht, es war Sommer, die Musik sowas von passend.
How I Left waren damals schon, ach „sniffing Glue with Frank Sinatra“ hieß das gute Stück, mit dieser, ja ich muss es sagen, bezaubernden Leichtigkeit gesegnet. Ich schrieb 2016 einen Review dazu.
Soviel zum Vorgeplänkel. Nun, die beiden, die als Duo in Erscheinung treten, allerdings schon auch mit Bassist live unterwegs sind, haben sich also Zeit gelassen, Songs zu schreiben, ein Label zu finden und uns das dann in Gänze zu präsentieren.
Ein erstes musikalisches Winken kam mit „continental“

Eine Americana-geprägte Mischung aus lässigem Slackerfolk und eingängigem Indie-Pop. Oder in meinen Worten: mich erinnert das an erste Experimente aus dem Hause Notwist, als sie noch in den 90ern auf dem Label Hausmusik Bands wie Village of Savoonga veröffentlichten. Vermutlich haben How I Left auch gar nicht wirklich etwas damit zu tun. Die meisten schreiben, dass man sich an Weakterthans, Wilco oder Ben Kweller erinnert, wenn man der Band lauscht.

Nun, was machen sie denn dann für mich so interessant?
Weil sie live etwas roher klingen. Weil sie einen gewissen Punkspirit nicht wegleugnen können; obwohl sie heute halt eben komplett andere Musik machen.
Hier nochmal das gleiche Stück bei der Melting Butter Livesession.

Man spürt es manchmal in den Drums, manchmal in den Drei-Akkord-Folgen, dass da etwas schlummert. Auch schlummern darf. Die Geschichten, die Julian Bätz, Gitarrist und Sänger, erzählt, eignen sich in diesem musikalischen Kontext doch am besten. Hervortreten dafür gefühlvoll raue Indie-Pop-Perlen. Manchmal träumt man sich auf Sommerwiesen, mal entfleucht man elfengleich in den nahegelegenen Wald um in Baumwipfeln zu schunkeln.
Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Den Sound haben sie sich von Christian Bethge verpassen lassen (zB. auch Gewalt, Messer).
Orangefarbenes Vinyl.( in diesem Fall), erschienen bei This Charming Man. Dort gab es auch eine transparente Version.

(Dieses Review erscheint ähnlich noch beim Vinyl-Keks)

LP: donner – doch kaputt

Endlich wieder Deutschpunk. Donner schmettern ordentlich in Reibeisenstimmlage durch diese Mini-LP. Acht Songs präsentiert die Band.
Insgesamt wirkt das Gesamtkunstwerk doch etwas frisch. Die Songs sind zwar alle durchweg gut gespielt und vor allem vom Dreiklang Studio und BaxxBeatMusic in Aschaffenburg richtig gut aufgenommen. Seit circa 2017 (da kam der erste Release) haben sich „zu einer Punkband entwickelt, die klassische Punkriffs mit eingängigen Melodien vereint.“ So die Eigenaussage und ich antworte: stümmt.
Beim ersten Durchlauf bleibt allerdings nur hängen, dass jedes Lied gleich konstruiert ist. Klassische Punkriffs hin oder her. Kleine Fussnote: die Worte „klassisch“ und „Punk“ in einen Zusammenhang zu bringen ist aus musikalischer Sicht schon echt witzig.
Die Texte sind persönlich, sozialkritisch, (mehr) zwischen Hoffnung und (etwas weniger) Wut. Obwohl die harten Chöre schon sehr fordernd sind und im Mob vor der Bühne ganz sicher die ein oder andere Faust in der Luft geschwungen wird. Pogo tanzen und mitgröhlen kann man bei Donner auf jeden Fall, denn ein Gespür für eingängige Hooks ist ihnen definitiv nicht abzusprechen!
Wenn ich beim zweiten Durchlauf überlege, welchen Song ich herausheben sollte. Sie sind sich zu ähnlich, deswegen aber keineswegs schlecht. Mir würde die Schublade Punkrock mit Oi-Kante gut gefallen. Ich weiß nur nicht, ob die Band das auch so sieht.

Erschienen im Mai 2022 bei Noise To Help Records wobei dieses Label wohl eher dem Hardcore zugetan ist und auch noch recht neu. Ich bin gespannt, was da noch so kommt. Gibts beim Label oder bei der Band hier auf:

MC: the Melmacs – good advice

Zwischen Rockpop (ich hab keine Ahnung, wie man das nennt) und Poppunk schwelgen die the Melmacs in sehr fein produzierten Songs.
Hits sind, meiner Meinung nach, „saturday night“ und „planet melmac“. Die beiden Songs veranschaulichen sehr gut die Herangehensweise der Band.
Während „saturday night“ eine ganz wundervoll melancholischen Basslauf hinter extrem repetitiven Lyrics versteckt, kommt der „planet melmac“ daher, als wäre er aus einem 60er Jahre Film gefallen.

Die Band aus Leipzig gibt es noch nicht gar so lang.Scheint aber einen maximal kreativen Lauf zu haben. Kann man ja auch ganz gut anhand des Videos sehen, Zitate fallen ihnen auch nicht schwer.

Das ist ziemlich kurzweilig. Und ohne diese Nummern, die immer mal eingestreut sind, würde mir der doch sehr poppige Sound leicht durchrutschen. Da bleibt wenig hängen, wenn da… ja wenn da nicht….
Also: gut!
Kaufen. Tape gibt es mit Button und einem anderen Cover als die LP.
Hier und hier.
Selbstverständlich erschienen für den Garant der punkig guten Laune: Bakraufarfita. V.Ö. am 30.09 (und ich habs geschafft, rechtzeitig, vuhou!). Tapelabel ist Tape or die. LP-Coop mit Wanda Records.

Eigenbeschreibung noch hintendran:

The Melmacs give you top notch PowerPop-Punk, combining jab jab guitars with a jub jub keyboard, pow pow drums and a boomboom bass that will butter your parsnips! A terrific potpouri, very nice, very evil, stabbing you in the back, blowing out your earwax, rising the sun with it‘s bare hands. Helmets and slippers required – Welcome to Planet Melmac!

UPCOMING SHOWS:
———————-2022———————-
15.09.2022 – München, Feierwerk w/ Kotzreiz, Pestpocken
17.09.2022 – Stuttgart, Juha West w/ Kotzreiz, Pestpocken
18.09.2022 – Göttingen, Musa w/ Kotzreiz, Pestpocken
03.10.2022 – Leipzig, Manfreds w/ Missstand
11.11.2022 – Dresden, Chemiefabrik w/ Pissed Ones, Strg+Z
18.11.2022 – Bautzen, DIY w/?
19.11.2022 – Erfurt, Tiko w/?
02.12.2022 – Hamburg, Indra Musikclub w/?
03.12.2022 – Hannover, Monster Records, w/?
———————-2023———————-
06.01.2023 – Berlin, Schokoladen, w/The Not Amuesd
07.01.2023 – Jena, Alster (Kneipe)
28.01.2023 – London w/ The Speedways

LP: anna absolut – ultramarin

Wenn es eine Band gibt, die musikalisch komplett was drauf hat und sich wahnsinnig weiterentwickelt hat, dann ist es Anna Absolut aus Graz in Österreich. Wenn es eine Band gibt, die textlich sowas von irrwitzige Ideen hat, bei denen es, zumindest mir, einem die Fragezeichen in die Falten auf der Stirn wirft, dann ist es Anna Absolut.
Sie haben echt ein Händchen für „badab dab dab vow“ (Schwestern im Geiste) und andere Spielereien.
Wenn es um Inhalt geht und eine Aussage, dann haben sie schon ein klare Kante gegen Rechts „Kanonen & Violinen“. In meinen Ohren ist die Musik der Band richtig gut gereift, sie haben ausgefallenen Ideen und spielen das einfach so weg; alles gehört zusammen. Eine wilde, runde Mixtur, aus Turbostaat-Melancholie, Punkrock, Post-Rock und leicht windschiefem Gesang.
Und dann stolper ich über die „
Eine sehr schön getexte Erinnerung an einen Kämpfer gegen den Nationalsozialismus namens Karl Drews; und alle andern, die als Pflastersteine in einer Stadt verewigt wurden.
Danach wird wieder aufgedreht mit „Mythos Scholmer“. Ein Text, den ich so gar nicht verstehe. Ist das so ein Die Ärzte-Gedenkstück à la „bitte, bitte“ oder erntsgemeint auf eine lebende Person, die ich in meiner Schnellrecherche nicht gefunden habe.
Mit „Adrenochrom“ und der Videoauskopplung „Liebe kann man so nicht schreiben“ machen sie wieder alles super. Klasse getextet und musikalisch eine gute Mischung aus emotionalem Indie-Geschrammel. „Liebe kann man so nicht schreiben“ dreht sich um toxische Beziehungen.

Sie brechen die beiden ernsteren Themen dann mit dem flotten „Tanzen geh’n“ auf; um als Abschlussnummer „denk nicht mehr daran“ wieder dafür zu sorgen, dass ich diese Sorte Humor so gar nicht verstehen kann. Vielleicht kommen Anna Absolut aus einer anderen musikalischen Galaxie, oder sie sind einfach hundert Jahre jünger als wie ich 😉
Sie selbst schreiben „
Inmitten von Punk und Indie. Lebensbejahend, sozialkritisch, mit Augenzwinkern.“
Ihr bekommt die Platte über diesen LinkTree.
In wunderschönen Farben Cover und Vinyl. Mit Textinlay, leider kein DL-Code

MC: carving void – a world in decline

Modern Illusion aus Ulm haben mir noch ein Tape zugeschickt auf dem sich Carving Void befindet.
Die Band macht metallischen Hardcore und kommt aus Dresden & Leipzig. Ihr Erstling „a world in decline“ digital und als Tape erschienen.
Die Eigenbeschreibung ist soweit richtig. Allerdings empfinde ich das musikalische Tun eher als Todesmetallischen Hardcore. Growls, Moshparts mit Doublebase, Gangshouts. Soundmäßig erinnert es mich an Cro Mags oder Pro Pain. Es gibt sicherlich aktuellere Bands, die besser als Beschreibung passen, die ich leider nur nicht kenne.
Auf der einen Seite eine echt coole Mischung, die abwechslungsreich ist, auf der andern Seite mir eine kleine Spur zu viel Death Metal.
Wer drauf steht wird auf keinen Fall enttäuscht. Die Band spielt einen ziemlich harten, striaghten Stiefel.
Sozialkritische Texte, die passenderweise eher dystopisch sind als lebensbejahend. Eine Aufforderung korrekter und besser miteinander umzugehen.
Ich denke, hier kann der geneigte Hardcore wenig falsch machen.
Ein bisschen verloren fühle ich mich schon immer, wenn ich so ne Mucke anhören darf. Neun Songs. Gutes Artwork. Goldenes Tape. Doppelaufklappcover, plus Textblatt.

fanzine: zucchini days #1

Auf das Zucchini Days Fanzine bin ich, glaube ich, bei Instagram aufmerksam geworden. So steht es dann auch auf dem Cover: das DeepblueZine Presents: ZucchiniDays Zine #1 im Früjahr 2022.
Mit Deepbluezine macht Esther (she/her) meist kleine Perzines über tote Vögel, Wohlbefinden, erste Zeilen in Büchern, lauter gute Einfälle!
Ich bin sofort auf das Cover und ein Thema angesprungen und habe eine Nachricht hinterlassen. Esther hat mir dann recht schnell ein Heft geschickt. Auf dem Cover sind zwei Frauen, die sich beide hinter ihren Händen die Gesichter verstecken. Oder wollen sie uns die Gesichter nicht zeigen? Hinter ihnen ein leeres Feld in Bersenbrück, da kommen sie nämlich her.
Thematisch bin ich auf „Siebdruck“ angesprungen. Selbstverständlich auch neugierig auf den Rest des Zines!
52 Seiten, Kopiershop-Druck, yeah.

Einleitend ein Vorwort, eine kleine Gschichte über das gepflegte, schwarze Waveoutfit der Jugendtage und eine dazugehörige Playlist auf die Ohren. Mit dabei, zwischen Wave und Pop der 80er, auch die Toy Dolls als immer noch stabile Vertreter des Punk.
Das Label Kellerassel Records wird interviewt, bisher in Internet und so bekannt durch Minimalstpräsenz sind. Und sie bringen in der Hauptsache Death- / Blackmetal und Grindcore raus (entschuldigt, aber an diesem Punkte recherchiere ich nicht weiter, nicht meine Baustelle.) Einen Überblick gibt es bei Discogs, da ist schon ordentlich was zusammengekommen! Sie unterhalten sich darüber, wie man denn so ein kleines Tapelabel macht, von der Musik über die Grafik, etc.
Some Beispieltunes:

Auf diesem Label sind auch Toadeater raus, hier im Heft im Interview. Ihre Themen sind mehr nordisch und auch römisch und griechisch. Götter und Mythologie.
Unter „to be continued“ ist Luki im Gespräch, der ein Label names Sapivon gründen will. Das hatte ich jetzt auch noch nicht, ein Interview mit jemandem, der erst tun wird, was er zu tun gedenkt. Sehr gut!
Ein Interview gibt es noch, mit Minenfeld aus Bersenbrück. Death Metal mit WWI-Thematik. o-kay….

Ein sehr guter, übersichtlicher Artikel über Essstörung und Bodyshaming.
Und zum Abschluß, nach all dem Krach und Lärm, den ich glücklicherweise gar nicht gehört, sondern nur gelesen habe, gibt es den ersehnten Beitrag / Anleitung zum DIY-Siebdruck. Und eine Fragerunde „welches Gemüse bist du“.
Das ist sehr unterhaltsam. Danke für diese erste Ausgabe, freue mich auf die nächste, falls es noch eine geben sollte. Sie schreibt, dass dieses Zine aus der Prüfungsleistung für die Uni entstanden ist.