review: CeDe Salat Schüssel #1 / the rant / Lache / der feine herr soundso / Dangerboy / Agador Spartacus

Kleine Geschichte hierzu: ab un an nehme ich CD-Reviews an. Klar, ich höre kurz rein oder sag einfach Ja. Dann kann es, leider, etwas dauern. Was nicht heißt, das irgendeine der zugesandten CDs schelcht ist, nein! Ich hab nur immer einen riesen Stapel hier liegen und Vinyl und MCs gehen schneller in den jeweiligen Player als die CD, da ich nur einen im Auto habe.
Nun also mal eine Runde Reviews von CDs, die ich in den letzten Monaten zugesandt bekommen habe. Von Punk über Post-Hardcore hin zum Punk ist alles dabei!
Ich nehme mir mal crossed letters zum Vorbild, der immer eine „Bandsalat“-Runde macht, mit diversen Tonträgern.

the rant – vorsichtig optimistisch (Karlsruhe)

Auf dem Cover sind ganz viele kaputte Autos von nem Schrottplatz, da wär ich auch vorsichtig optimistisch ob da noch ein heiles Teilchen zu finden ist. Ich könnte jetzt mal ganz fiese Brücke bauen zum Schrott in der Musik. Aber das ist fies. Es handelt sich  vier ganz junge Herren, die offensichtlich ganz viel Bock haten ihren Kram endlich mal aufzunehmen. Was Sie im Winter / Frühjahr 2020 getan haben, live eingespielt, den Gesang hinterher drauf. Somit einfach mal den Mut bewiesen haben, die eigenen Songs gut zu finden und das Ganze, wenn auch Probenraum-mäßig aufzunehmen. Das ist ganz gut gemischt, es sind ein paar kleinere Fehler drin, die ich nach paar Songs einfach feststellen muss. Das Songwriting ist noch nicht so ganz ausgereift. Ach ich kann diese blöden Formulierungen, die einfach jeder benutzt nicht ab. Egal. Es gibt richtig cuule Lichtblicke, da kann ich gut Mitgehen, ein wenig punkig infiziert.
Viele gute Ideen, aus denen The Rant mal ein gleichbleibend gutes Stück machen sollten. Was man hemmungslos lieben kann. Viel fehlt ihen da nicht mehr!
Sie erinnern mich da manchmal mit ihrem Herzblut an Finding Harbors, die auch aus Karlsruhe kommen, oder ähnliche Bands.
Gebt ihnen mal ne Chance!

agador spartacus – agastonishing

Die Herren haben wohl mit Abstand am längsten gewartet auf ihre Review. Ihre CD kam schon im Januar 2019 raus. Ich denke aber, ich habe sie allerfrühestens im März 2020 in der Hand gehabt. Und da blieb sie nicht lange.
Die CD ist prächtig aufgemacht, wahnsinnig aufwendig. In einem A4 Karton gefaltet mit einem Aufkleber als Siegel den man leider aufreißen muss.
Den Aufwand, den die Band Agador Spartacus mit dem Artwork, wie wäre das als LP gewesen?, wahnsinn!!!! betreibt, bleibt musikalisch irgendwie stecken. Im weitesten Sinne ist die Musik wohl Indierock mit einem Schuß Punk, Post-Hardcore. Sie orientieren sich sehr an den großen Bands des Business wie Beatsteaks, RedHotChiliPeppers, QueensOfTheStoneAge. Passt bei mir nicht so rein. Ich sag mal so: ich hab eine ganze Runde geschafft, kann man mal anhören, bleibt aber leider nicht hängen. Mir persönlich schlicht zu wenig Punk. Wer hätte es gedacht!
Gebt der Band trotzdem mal ne Chance, sie haben viel Leidenschaft am Start, evtl. hört ihr das anders!

dangerboy– amoria (essen)


Dangerboy spielen NeueDeutscheWelle angehauchten Deutschrock. Gesanglich, die Sprachlichkeit erinnert mich sofort an DxBxSx aus Berlin. Freche Schnauze, lakonischer Humor.
Es sind Stücke bei, die sind etwas rockiger, Rockabilly, etwas Genre-übergreifender. Extrabreit.
Ist nicht so ganz mein Style, muss aber den 14 allerdings unbedingt das Kompliment machen, dass sie super aufgenommen und toll gemischt sind. Man kann Eangerboy echt bedenkenlos durchrauschen lassen. Was ja  wiederum nicht gerade ein Kompliment ist. Sorry. 
Schön aufgemacht in einem Gatefold Pappschuber. Klasse Cover.
Erschienen bei recordjet was auch immer das für ein Label ist. Die Homepage ist schon mal sehr witzig, ja.

 der feine herr soundso – wann, wenn nicht irgendwann? (hamburg)

Schon eine Weile hab ich sie auf dem Schirm. Ganz klasse fand ich die Split 7inch mit Moloch. Hatte ich bei einer Bestellung bei Tante Elfenart mitbestellt. Nachdem ich ihr Demo Beweisstück A hier ja schon feierte.
Der Feine Herr ist sich von der ersten Sekunde an nicht zu schade die Themen dieser Zeit aufzugreifen Billigfleisch, Brot & Böller, Feminismus. Ich habe leider nicht die LP bekommen, sondern „nur“ die CD, deswegen gibts nun auch ein kurzen und knackigen Review: 13 Songs sind darauf. Die Herren wagen was, so vong Gitarrenmelodien her, melancholischer Deutschpunk, der auch mal schön nach vorne gespielt wird, kommt und bisschen aus der rockigeren Ecke… so so richtig zuordenen kann ich es nach Song Nummer 5 noch nicht. Man spielt mit den Möglichkeiten, was die Musik vielfältig macht und gegen Hörgewohnheiten arbeitet. Wo sie dich musikalisch im Unklaren lassen haben Sie dafür ziemlich klare Ansagen, zum Beispiel „hottest Chicks in Punk“. Ganz klare Absage an Sexismus auf irgendwelchem Festivals.
Insgesamt ganz coole Aufnahme, nettes Cover, coole Band, heiß zu empfehlen!
Aus dem Hause Bakraufarfita und auch Hochdruck MuSick. Wie auch der nächste Release.

lache – schlechte zeiten (köln)

Lache, da frage ich mich natürlich ob mit dem Bandnamen das Lachen meint oder die Lache im Sinne einer Flüssigkeitsansammlung auf der Strasse?
Fünf Stücke sind drauf und der Vierer bringt uns über Metal und Rockelemente angehauchten Deutschpunk mit einem sehr lakonischen Gesang, der in seinen Lyrics einem sehr trockenen Humor versprüht.
Leider kommt er aber auch aus dieser einen Frequenz nicht raus auf der er intoniert. Die EP ist fein gemischt für einen Erstling, hat Druck an den richtigen Stellen, gut aufgenommen, witziges Cover auch! Es nimmt auf jeden Fall ein wenig den srpöden Charme der Lyrics vorweg: ein Abrisshaus und dem Titel „schlechte Zeiten“.
Eerschienen bei Bakraufarfita, schönen Gruß!

review: BENT BLUE – between your and you’re MC

Die Musik der Band Bent Blue smasht gleich vom ersten Ton.
Zwischen Fugazi, Sick of it all, allem, was dir an Emo-Hardcorebands gefällt, ein wenig Noise, kurzen, knackigen Pogoparts. 90s Hardcore mit richtig coolen Gitarrenparts, cachy will auf keinen Fall gesagt haben. Dafür sind dann doch zu viele Deadnotes auf der Klampfe.
Was mich, wie ihr merkt, zu einem Fan macht, ist der oldschool Basssound, und den so cool Lo-Fi gehaltenen Sound der Band. Kein Song sprengt die drei Minuten Marke, eher drunter. Das Vergnügen ist also ziemlich rough und kurz.
Der Sänger krawehlt auch zwischen Fugazi und all den Hardcorebands, die ich in den 90ern in meinem AZ gesehen und gehört habe. DC Sound, kann man sagen.
Fuck! Ist das cool. Southern California Hardcore nennen sie
Textlich, dem Tape beiliegend ist ein schön aufgemachtes, gefaltetes Blatt mit einer „Collection of thoughts and ideas“.
Die Ansagen sind ziemlich klar, in „they ask why“ geht es um den Schusswaffen(mis)gebrauch, „between your and you’re“ behandelt Obdachlosigkeit. Anspieltipp ist für mich „influence me“.
Und da fällt mir auch noch ein, dass ich die Band im Interview gelesen hatte, aber gar nicht in die Musik reingehört habe. Das konnte ich dank der Kassette nun nachholen! Ich musste kurz mal durch meine (An)Sammlung des letzten Jahres schauen, denn es sind unfassbar viele tolle Zines rausgekommen. Dazu gehört also auch das Dear You Fanzine, der schon vor dem Frühjahr den richtigen Riecher mit Bent Blue hatte!

Erschienen ist das Tape nun auch in Deutschland via dem neuen Label Modern Illusion Records aus Ulm. Sie haben innerhalb kürzester Zeit drei richtig klasse Releases rausgehauen. Hier erstmal das übergroßartige Bent Blue Tape.
Ich darf mich hoffentlich bald auf eine LP freuen!

fanzine: SPIRAL #1

Ab und an stolpere ich per Zufall über ein Zine im Äther. So geschehen auch beim SPIRAL #1.
Ein Hardcore Zine aus Münster, im Sommer 2020 in weißes Papier gehackt, statt Konzerte zu veranstalten. Bisher hatte Macher Claudius den Fanzines dadurch weniger Beachtung geschenkt. Nun ist es die Möglichkeit, News aus dem Mikrokosmos Hardcore zuteilen.
Er hat sich in dieser Ausgabe um Interviews mit den Bands Recognize, die Straight Edge Hardcore machen. Mit einer Frau an den Vocals. Sehr cool! „fuck your boys club“
90s influenced Hardcore. Demo.

Kurze, knackige Fragen mit sehr ausführlichen Antworten.
Weitere Interviews mit Animal Club, die bereits eine LP produziert haben. Kommen mit schnellem Hardcore aus Ghent in Belgien.

Wild Animals sind eine Emo-Punkband aus Madrid. Haben eine 10inch raus.
Gutter Knife, eine HardcorePunkband aus Brighton in England beantwortet ein paar Fragen. Sie machen schnellen, rohen, würde sagen 80s Hardcore.

Mal keine Musik ist das Interview mit dem Fotografin @fortheoutcastdiy (instagram). Witzig: da ist ein Bild von einem Konzert der Band Rapture in Rastatt 2017 dabei. Das sollte ich gesehen haben, haha! Und Slon (aus Trier) habe ich gefunden. Sie waren 2019 im Artcanrobert.
Jedenfalls: schönes A4 s/w Heft geworden. 36 Seiten Hardcore / Vegan. Es gab noch einen feinen Tapesampler dazu von Worlds Apart Records. Dort gibt bspw auch das Zine zu bestellen. Alle Einnahmen aus dem Sampler bekommen Sea-Watch. Yeah.

Ich sollte mich wohl mal dran machen, eine Liste mit allen Fanzines, die grad Print machen zusammenszustellen. Oder sitzt da zufälligerweise schon jemand dran 😉

fanzine: OKAPI RIOT #6

Nummer 99 von 250 und ich bin ganz begeistert!
Zum einen, weil ich kann mich immer wieder gern daran erinnere, dass ich eine der ersten Ausgaben von einem lieben Freund aus Ludwigsburg bekommen habe. Bainca ist von Anfang an sehr engagiert in ihrem Thema, schafft es, dass man Lust hat, das ganze Heft zu lesen. Das geht mir nämlich nicht bei jedem Fanzine so.
Wenn ich darauf gucke, feststelle, dass diese Ausgabe bereits im  April 2020 raus gekommen ist, das nächste Heftchen wird nicht mehr gar so lange auf sich warten lassen, Redaktionsschluss war im Dezember, reiche ich nun ganz flott meinen kleinen Review nach!
Angesichts des wichtigen Thema Feminismus und Frauen in Punkbands, welches seit Dezember endlich mehr Aufmerksamkeit bekommt, angestoßen durch die Beiträge von Fini von BLACK SQUARE, den Reaktionen und Beiträgen von Ronja (Plastic Bomb) oder auch Diana Ringelsiep. Davon mal abgesehen, von der schon anhaltenden Diskussion um sexuelle Übergriffe, ist Biancas Heft an der Stelle noch klarer  anzuschauen und zu lesen! Das ist die Themenwelt des OKAPI RIOT. Sozusagen am Puls der Zeit.

Die Schrift ist klein gehalten, dafür das ganze Layout aber sehr übersichtlich und verzichtet bewusst auf die ganzen Schnipsel, die man sonst so in „normalen“ Fanzines findet. Dafür gibt es Grafiken, Zeichnungen von verschiedenen Künstlerinnen wie beispielsweise @femmefafurz (instagram).
Großes Thema diesmal sind Frauen und Queers in Bands.
Soweit ich mich erinnern Kann, war das in einer der vorherigen Ausgaben Thema bei Bianca „was hält mich ab davon Musik zu machen und eine Band zu gründen“? Dieser Frage geht sie nun mit verschiedenen Artikeln und Interviews nach. Ein ausführliches gibt es mit den beiden Mädels von der Band Ataxie (Anrchopunk aus dem Ruhrgebiet) beziehungsweise Innenstadtfront (Darkwave oder so….) und kurzen Interview zum Thema des Hefts mit Rike von Ataxie.

Ein sehr witziges Projekt haben CU later bei Utube. Sie lesen die Bravo-Foto-Love-Story vor. Yeah. Ganz groß auch die letzten beiden Seiten, die sind all den Todesopfern Rechtsextremer Gewalt der letzten 30 Jahre gewidmet.

Haben? Hier!

fanzine: ROMP #48

Ein schweizer Fanzine kam hier im Frühjahr schon bei mir reingeflattert. Und ehe ich mich überhaupt um einen Review bemühen konnte: zack! ist die Nummer 48 auch schon da.
Ganz ungefragt schmiss sie der Postbote bei mir ein.
Auch diese Ausgabe strotzt nur so vor Infos über (meist) die schweizer Szene, Squats, der ewige Kampf gegen Vater Staat (weltweit). Was megawichtig ist und sehr informativ. Rubrik nennt sich „kurzes aus aller Welt“. Mir war wahrlich nicht bewusst, daß es doch so viele Freiräume in der Schweiz gibt. Zumal ich es bisher auch leider nur ein paar mal Konzertmäßig bis Basel geschafft habe.
In ausführlichen Interviews kommen Les Nains Aussi zu Wort, ebenso wie Ghettohund und Unified Move. Man unterhält sich über Releases, Bandco-ops, Textinhalte und Konzerte. Ab und an ist auch ein persönlicher Schlenker dazwischen.
Schön der Artikel „kaboom – als in der Schweiz noch Kirchen gesprengt wurden“.
Der Macher „old pair of shoes“ ist scheinbar der Letzte verbliebene Mensch, der in Luzern den Infoladen betreibt und mit jeder Ausgabe weiter hadert ob der Lustlosigkeit seiner Mitmenschen. Doch zu trist wird es im Heft nicht und das ist super so. Ein Kreuzworträtsel und die Reviews runden das Zine ab. Freue mich auf mehr!
Ganz großartig, daß ein Einzelner, engagierter Mensch 42 Seiten in A4 für schmale 2€50 (in der Schweiz für 4 Franken) raushaut.

Wer ne Ausgabe haben mag, ich hab noch zwei der #47 😉
UND: per Mail an die alten Schuhe direkt!

fanzine: RAUDITUM #2

Für mich, wie ihr in letztem Jahr unschwer sehen könnt: 2020 war das Jahr der Fanzines. Neuentdeckungen und neue Kontakte ohne Ende.

Hier erzähl ich euch was über die aktuelle Ausgabe des RAUDITUM Fanzines. Macher sind De Wessi und Ugly. De Wessi kümmert sich um die Buchstaben und Kontakte, Ugly macht das Layout. Laut FB gibts das Zine erst seit diesem Jahr. Na da haben die beiden zumindest mal eines erwischt, in dem wieder mehr Print gelesen wird!
Die Interviews sind meist kurz & knackig gehalten, dafür sehr zahlreich, die Bands stellen sich vor, erzählen über Lieblingsbands, Einflüsse, Texte und auch ab und an politische oder persönliche Stories. In dieser Ausgabe sind The Take, Violent Instinct, Manege Frei, und so einigen mehr. Berichte von einem Genossen der Redskins 0711 (Stuttgart), der vor Gericht steht wegen seiner antifaschistischen Tätigkeiten, etwas über die Geschichte der Soul-Rebellen Anfang der 1980er Jahren in England, der Band No Swastikas, später Redskins, klar, es dürfen Fanzine- und Plattenrezensionen nicht fehlen.

Die 72 Seiten haben sehr sehr viel zu lesen und bieten einen guten Einblick in die Linke Szene jenseits der meisten Punkbands. Ist super geschrieben, gut zu lesen, außer den OX-verdächtigen Schriftgröße bei den Reviews, und hat jede Menge Stuff, dem man mal ein Ohr leihen kann. Kommt aus Dresden.
Gibts per mail. oder den FB-Link oben nutzen 😉

fanzine: ruebenmus #1 & #3

Ladegerät und Szenepolizist machen ein Fanzine. Wir haben uns kurz im Internett bekannt gemacht und dann ein paar Printies getauscht.
Hier kamen also Ausgabe 1 und 3 reingeflattert und ich mag diese Ausgaben in aller Kürze besprechen und euch ans Herz legen.
In Ausgabe #1 des Ruebenmus (kommt so aus der Hamburger Gegend) mag ich sehr das Interview mit Bug Attack, der Ein-Mann-Punkband. Man unterhält sich über Insekten und deren Reisenmöglichkeiten als Musikant durchs Land. Bei mir ist er ja auch schon aufm Sampler gelandet, die / der Bug Attack macht echt heissen Scheiß. Emotionalen Schrabbelpunk mit drei Instrumenten, gespielt von einer Person: Drums, Gitarre und Gesang.
Das Heft hat natürlich auch noch mehr zu bieten, besonders fällt da die „kulinarische Rundreise durch Sardinien“ auf. Könnte auch heissen „14 Tage, 14 Bier“, stimmt aber nicht ganz, lest einfach selbst!
Weitere Interviews und Kurzberichte „Hippiealarm aufm Kompostklo“ oder eben Quatschen mit Testbunker machen eine rundes Punkzine.

Ausgabe #3 kommt da schon, ich weiß auch nicht, wieso ich nicht die 2 noch bei habe, viel professioneller um die Ecke. Die Antwort steht im Vorwort: die Festplatte ist in die Binsen gegangen. Den Scheiß hatte ich auch schon mal… echt ätzend und zeitraubend!
Geleimtes und nicht getackertes Cover, die Fortsetzung des Sardinien-Berichts in Form von „20 Bands – 20 Biere“ und einigen Interviews.
Ich find die Bands alle gut, Truemmerratten, Postford (super Interview) und auch das Zehnagel Rec. Tapelabel (und einiges mehr). Ein Bericht über das Wohnprojekt in der Fährstrasse 115, welches abgerissen werden soll.
Das Layout ist aber insgesamt so gehalten wie schon in Ausgabe 1.
Alles relativ dunkel und in diesem ich will es mal „Turbostaat-Typo“ nennen, gehalten. Ein wenig mehr Sonnenlicht würde der Lesbarkeit recht gut tun, ansonsten wirklich rundum gut.

Ich freu mich schon auf die nächste Ausgabe. Wer eine der genannten haben mag, Mail oder FBoder zum Download hier.

fanzine: HUMAN PARASIT #18

Bei der neuen Ausgabe des Human Parasit habe ich ne ganze Weile nachgedacht, ob ich überhaupt ne Review schreiben soll. Dummerweise ist mir beim Durchblättern der Review zu meiner letzten Ausgabe ins Gesicht gesprungen. Mit dem Hintern zuerst. Denn leider war das kein Review, sondern eine Kritik, die aber, bei jedem erstaunteren Durchlesen, relativ einseitig und Substanzlos ist.
Das soll hier und jetzt aber kein Aufhänger sein. Ein Fanzine zu machen ist, jedem der das tut, eine persönliche Angelegenheit.
Weil mir gleich auch noch dieser riesen A5-Zettel in die Hand fiel, mit einer Begründung, warum dieses Heft nun (unbeabsichtigt) A4 geworden ist, und wie sich die Produktionskosten zusammensetzen. Bin mir noch nicht sicher, ob ich das wissen will.

Mit 94 Seiten hat das Human Parasit seine übliche Seitenzahl erreicht, kommt in einem außergewöhnlichen Umschlag, in nem schicken „Bäppis Family“ Cover.

Inhalt diesmal zwei Interviews mit Uwe Umbruch von Kommando Marlies und Faust X Bein. Dazu gibt es die, glaube ich, schon dritte Folge des „literarischen Duetts“ mit Bäppi und Alex von Pascow.
Während für mich die Interviews nichtssagend bis belanglos sind, trifft Bäppi mit dem Aufhänger „wieso kostete ein Konzert von Pascow vor ein paar Jahren n 5er und heute 20 Öiro“ (woher er den wohl hat, den Aufhänger 😉 ) und der dauffolgenden, ausgiebigen Diskussion um Einkaufs – und Verkaufspreise bei Punkbands voll ins Schwarze. Folglich also auch die „was kostet ein Fanzine-Seite“ vollkommen gerechtfertigt.
Auch gut, dass die Band von Alex‘ Label Akne Kid Joe ihr Fett abkriegen: endlich ist mit mir jemand einer Meinung, die meisten feiern die total ab. Vieles ist echt toll gemeint von der Band, am Ende wirkt es aber wie bei einem ausgearbeiteten Gedichtband vom „Arbeitskreis für Jugendliteratur“ an.
Auch dabei: ein Haufen Reviews von Bands, die hier auch schon heimischen Tapedeck gelandet sind, die Vorstellung von Black Square, yeah.
Kurzgeschichten von und mit Bäppi, Falk Fatal und dem Bericht „Goodbye Deutschpunk“ eines Auswanderes nach Amiland.
Alles in allem eine recht gelungene Ausgabe, Bäppi in Höchstform, spitzfindig wie nie, die Schrift ist so groß, ich werde die Ausgabe mit 75 noch ohne Lesebrille meinen Enkeln vorlesen.

Wer das Heft haben mag: Mail, FB oder sicher bei einem kleinen, korrekten  DIY-Mailorder 😉

review: RYLOTH – avant cour MC

RYLOTH – avant cour MC
Ich habe zwei Tapes von ihnen bekommen. Das erste auf der Tour und dem letzten Konzert, welches ich 2020 im März besuchen konnte (lest hier) und das heißt „Archipelago“. Das zweite bestellte ich mir via bandcamp „avant cour“. Ich stieß auf den Satz „Ryloth is a planet“ und recherchierte ein wenig. Es dreht sich wohl um die Jedi-Saga „Ryloth ist nach Mon Bala der zweite Planet und der namengebende Hauptplanet des Ryloth-Systems. Er liegt am Äußeren Rand der Galaxis und ist der Heimatplanet der Twi’leks.“ Da bin ich raus, keine Ahnung was und wo und wie. Den Fan wird es wohl erfreuen.
Musikalisch, kurz gefasst: Screamo-Geballer.  Die Bands schafft es, Sphären zu schaffen, nimmt kurze Anläufe aus diesen ruhigeren Passagen und ballert dann mit Blast Beats extrem nach vorne. Die Vocals werden mehr als weiteres Instrument eingesetzt. Unterstützt oft the vertrackteren Beats die nach dem Blast kommen.
Starten tut das Gewitter vom Planeten RYLOTH mit dem „Asimov Filter“, ein Sample unterlegt mit Gitarrensphäre und Drums. Es wohl um die Gesellschaft in der Zukunft geht; so richtig folgen kann ich der Sache leider nicht, dafür ist die Stimme zu leise gemischt. Ach so, ich muss lauter machen, haha! Diese Spoken-Words sind von Eoin eingesprochen aber leider nicht als Text abgedruckt. Dafür die geschrieenen Lyrics bei Bandcamp.
Der Song baut sich sehr sehr langsam und sehr ruhig auf bis dann das erste Geballer kommt. Das ist schon ein ziemlich heftiger Ausdruck und Ausbruch. Erstmal verstörend, doch eben durch die sphärischen Parts eine wirklich abgefahrene, eindrucksvolle, wie auch wärmende Erfahrung. Die eine Nagelkissens in Kombination mit Entspannungsmusik.
Ich war von der Live-Performance echt beeindruckt, weswegen ich mir das Tourtape mitgenommen habe. Dieses habe ich nun mit der Nachricht zugeschickt bekommen, daß wir uns wiedersehen, wenn dieser ganze Wahnsinn vorbei ist, ja, hoffentlich!
Die weiteren Songs wechseln schnell zwischen elegischen Blast-Melodien und Post-Hardcore, Techmetal vielleicht, mit mehr Gefühl im Screamo als Wut. Anspieltipp „I Wish I Was Dreaming (Like Sgt Roberta Draper Was Dreaming Of Mariner Valley)

Gibts beim Label inzwischen als LP zu haben: Moment Of Collapse, bei der Band und auch bei einem feinen Mailorder?

buch: der mit der Luft schimpft (Texte Rachut / Bilder Raoul Doré)

Was soll man groß Worte verlieren zu einem Buch, dem die ganz harten Rachut-Fans nachsagen „das war überfällig“. Und DIE ZEIT hat ihn im Kulturteil. Vow. Jetzt kommt die Postille um die Ecke.
Eine kleine Geschichte: mein alter Kumpel Ken, mit dem ich von 1994-1999 die Bühnenbretter mit unserer HardcoreEmoPunkband HÜNERSÜPPCHEN teilte, schrieb mich vor Weihnachten an. Er hätte da was für mich. Wir haben uns das letzte Mal gesehen in einer Nacht in Berlin, er bei SPREE VOM WEIZEN auf der Bühne, in Paris das Massaker im Bataclan. 2015 also.

Alles von Rachut ist nicht immer gut. Ken und ich, auch Philipp unser Trommler damals, waren große Fans der Dackelblut-Alben „Fluten & Tauchen“ und „Schützen & Fördern“, diese übergroßartige 7inch mit „der Kran“ drauf. Der ganze Stil vom Cover über Gitarre, Schlagzeug, die Art zu Singen, die Lyrics. Fantastisch. Später erst entdeckt Angeschissen und Blumen am Arsch der Hölle.
Live gesehen in der Ex-Steffi. Typisches Punkpublikum bei der Vorband. Dann einmal alle durchtauschen und Blumen am Arsch der Hölle gaben eine Mini-Reunion. Hemd gekauft.

Dann kamen viele Bands, die mehr oder weniger an mir vorbeizogen. Meine Liebe an den bisher genannten hab ich nie verloren. Maulgruppe noch echtes ein Highlight wieder. Weil ich auch die Herren von Ten Volt Shock echt heiß und innig… genug gelobt.

Jedenfalls: Ken meldet sich, er hätte da was. Oke. Adresse gegeben, Post kommt an. Geiler Scheiß! Mensch du, da weiß ich nun gar nicht, was ich sagen soll. Danke!

DER MIT DER LUFT SCHIMPFT ist ein großartiger Titel. Das Buch ist beim Ventil-Verlag erschienen und beinhaltet 39 Zeichnungen von Raoul Doré (Schlagzeuger bei Alte Sau und Grafiker, bspw. das Maulgruppe-Cover) und 127 Texten von Jens Rachut, wenn ich richtig gezählt habe. Das erwähnte „der Kran“ ist einer der Texte, der fehlt, leider. Oder „Shoko Asa Hara“. Nichtsdestotrotz und deswegen eine große Freude die Texte zu lesen, die er ausgewählt hat. Bei manchen hab ich sofort den Song im Ohr „er knallt den Hörer drauf wo er hingehört…“
Hier der Text zu „der Kran“:

Öl verschmiert und Pfützen
Wasser ohne Charme
Dunkelheit im fahlen Licht
Hier schläft der alte Kran

Rostig kalte Winden
Starker langer Arm
Die Räder ruhen am Hafenrand
Und wir?

Dämmerung, die schreit mich an
Ich halt dich fest im Arm
Und werde wach denn Finger brenn
Und riech an deinem Haar

Der Morgenhimmel weint nicht
Nicht blau, nicht schön, doch klar
Der Alltag greift die Großstadt an
Doch niemals diesen Kran

Rostig alte Winden
Er steht noch immer da
Er heult nicht, wie wir es tun
Und zum wiederholten Male festzustellen
Das war es jetzt
Schon lange her
Dass da etwas noch richtig knallt
Außer das wir uns tierisch mögen
Wir saugen alles Gute raus
Obwohl wirs gar nicht wollen
Ich drück dich fest an mich
Und fühl vorraus was kommt
Ich weiß genau, du ahnst es auch
Und riech an deinem Haar

Irgendetwas zieht mich hin
Zum Wasser ohne Charme
Allein jetzt hier im fahlen Licht
Und zum wiederholten Male
Festzustellen zerkochte Zeit
Unsere Liebe und dieser Kran
Wir waren oben und konnten was bewegen
Doch das scheiß Ding rostet
Länger schon, denn wir haben es nicht genutzt