CeDe Salatschüssel #3 – Triggercut / Inwiefern / Neckarions

Trigger Cut – rogo CD / LP

Ralf, der Gitarrist der Band, schrieb mich an, klar hör ich auch mal Noise. Ist nicht so ganz meine Welt, aber wenn es fetzt, dann ist das schon auch mal sehr geil. Trigger Cut haben hier mit einer brachialen Gewalt die Beats und Töne ins Aufnahmegerät gezimmert, dass das sofort Spaß macht und nach vorne treibt. Die Band spielt nicht nur geradeaus, sondern zerlegt auch ihr eigenen Strukturen wie am Ende von „coffin digger“.
Der Song „hooray hooray“ glänzt durch elegische Momente, was im kurzweiligen Noise schon echt cuul ist.
Insgesamt ist die Präzision mit der hier die Backsection Bass und Drums die Beats vor- und zerlegen ziemlich smooth, die hallige Gitarre schrabbelt nicht „einfach“ Noisekaskaden darüber. Der Sound ist super produziert, hat ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, auch der Gesang ist im vergleich zum letzten Release noch ne ganze Ecke besonderer geworden. Er unterstützt nicht nur durch rhythmitisiertes Sprechen, sondern gibt auch mal einen Hauch von Melodie zum besten!

Klar, die Musiker sind keine Unbekannten, doch beeindruckt es mich immer wieder, wie die Noise-Szene ihre Bands supportet. Der lärmende Dreier spielt seit circa 2018 zusammen, hat schon über 4000 Follower hier. Die erste Auflage CD’s und LP’s ist ausverkauft. Wenige der Zweiten sind noch bei Bandcamp zu haben. Das Ganze im Eigenvetrieb!



Inwiefern
– Rendevous mit der Realität CD

Hui, da kommt mal wieder eine kleine CD (jaja, ich weiß, daß ist das Foto vom Vinyl-Keks. Hab die CD, wie es sich gerhört, irgendwo verschlampert) reingeflattert vom Label Bakraufarfita aus Dortmund und Berlin. Und wieder einmal mache ich mir Gedanken um diesen unaussprechlichen Namen. Ist das sowas aus einem Horrorfilm? Wenn mal drei Mal hintereinander Brakraufarfita sagt, dann wird man von teuflischen 5 Liter Dosenbierdosen erschlagen? (Ich spreche meine Reviews ja immer erstmal in meine Sprach zu Text App. Diesmal kam das raus: Backcover Fieta Kakao Favorita Backraum verfickter) Schon mal irgendwer ausprobiert?

Zu Inwiefern 😉
Ich nehme es vorweg: im Grunde könnte ich das Gleiche schreiben, wie beim Review zu „irgendwas ist immer„. Mach ich aber nicht.
Die Band hat ne klare Weiterentwicklung gemacht, sie machen alles wie letztes Mal nur in etwas besser. Also: bessere Performance im Video, bessere (Punk)Melodien zu den selben drei Akkorden, bessere Zusammenarbeit mit total bekannten Künstlern (Luise Fuckface von den Toten Crackhuren im Kofferraum), bessere Ansprache an den Hörer mit zeitlosen Themen wie Saufen, Bausparvertrag und der Wende. Alles mit Iro-nie. Ob das heute noch jemand lustig findet? Sind doch alle so polarisiert in ihrer Wutblase.
Im Booklet zur CD sind alle Texte drinne, man kann Kleinode entdecken wie:

wegen dir ist Baywatch zu Ende
wegen dir war 90 die Wende
Cheeseburger vom Boden
ist ganz klar eine Option
filmreife Performance
ich glaub du hast das Hasselhoff Syndrom

Ich hatte erst neulich in einem andern Review diese Erinnerung aufblitzen von einer blinkenden Lederjacke und The Hoff, der „i’ve been looking for freedom“ trällert. Vor der Mauer. Wäre ich damals auf der anderen Seite gestanden, hätte diesen kapitalistischen Haiopei als erstes gesehen und gehört, ich hätte die Mauer noch höher gebaut… oder ihm die Jacke geklaut. (ich schreibe das nur wegen des mauen Witzes und des schlechten Reims)
So, genug für heute über diesen Release geschrieben.
Gibts auch als LP. Texte, Melodie, Spaß inne Backen. Was sie machen, machen sie richtig.
Zu hören bei rotzify.

Neckarions – the rise of …. CD

Ich nehme an, mit dem Eindruck des Coverpics im Hirn, es handelt sich um Außerirdische, die auf dem Planeten Erde zu Besuch kommen und in Menschengestalt uns gut abgehangenen Midtempopunkrock kredenzen. Erschienen bei dem vielfältigsten Label in Bayern:  30 Kilo Fieber Records! Los geht’s mit „fight the Fight“, einem Titel den ich nicht wirklich catchy finde. Der Song ist auch gefühlt zwei Minuten zu lang.
„the rich get richer“ wird dann schon klarer, was die musikalische Ausrichtung und die Aussagen der Band anbelangt. Ein wenig disharmonisch, zarte Anleihen aus dem Hardcore.
Midtempopunkrock, der mich an Bad Religion erinnert, der Sänger aber eher Richtung Jello Baifra tendiert.
Große Namen sind also gedroppt. Überzeugt euch selbst.
Aufgenommen, gemischt und auch das Artwork ist einwandfrei. DIe Songtitel wie auch Texte in deutsch und meist auf englisch.
Zum Abschluss gestehe ich noch, dass mich die Musik der Neckarions (ey wart mal… die Band kommt aus Stuttgart und hat den Flussnamen „Neckar“ abgewandelt. Das isses, oder?) in laueren Momenten an Iron Maiden erinnert. Das finde ich nicht so erhellend. Gejammer auf hohem Niveau, wenn man alle Namen zusammen nimmt. Bad Religion, Dead Kennedys und Iron Maiden.
Nächstes Jahr also die Stadiontour!
Zu haben bei Bandcamp oder beim Label!

review: CeDe Salat Schüssel #2 – Antischall / Harry Gump / Kalter Stern

Antischall  – Glückskeks CD

Rauchend steht ein Auto neben mir auf die auf der A8; diese Fahrt ist hier wohl zu Ende.
Und jetzt kommt das Review von Antischall, ein weiterer, abgefahrener Release von 30  Kilo Fieber Records. Hach, CDs, mein Lieblingstonträger….
Sechs Songs sind drauf, eine EP. Vor Kurzem hatte ich mir schon ihr Video „Angelika“ angeschaut, welches die Band, so wie auch die CD, selbst produziert hat. Fünf „Normalos“ machen einen Rock Genremix, so ein bisschen auf hart und ein bisschen auf schlau. Punkrock nennen es einige, ich denke, damit liegen wir hier nicht ganz richtig. Am Gesang eine stimmlich ordentlich Feuer habende Frau!
Erstes Stück ist der Song zum Video „Angelika“.

Anfangs finde ich die Stimme der Sängerin etwas befremdlich, ist mir ein wenig zu gepresst. Was mir aber dann aber sofort positiv auffällt, ist der Chor-Gesang in den Refrains. Das die Band eine Frauen- und eine Männerstimme an Bord hat ist ebenso abwechslungsreich, wie ihr Genremix.
Das zieht sich durch „die Ruhe vor dem Sturm“; toller Text!; über „Harte Kante“ bis zm Schluss „wir sollten die Sonne verklagen“; auch ein super Text!
Insgesamt ist mir das (fast) zu abwechslungsreich.
Der vierte Song „nachgemacht“ handelt von den Menschen, die alles nachquatschen und lieber mal denken sollten, was auch wieder ein super Ansatz ist, nur die Musik!
Ich werde nicht so richtig warm mit diesem Crossover.
Mir gefällt, dass die Band ein eigenes Songwriting haben und absolut ihren eigenen Weg gehen. Besser als jede Band, die es um der Musik willen machen und irgendwelchen Nonsens und beliebig austauschbare Floskeln loswerden! Antischall machen das also richtig richtig gut.
Lieber die auf einem Festival vor den üblichen Festivalgängern, als die „austauschbaren“.
Anspieltipp ist definitiv der letzte Track der CD „wir sollten die Sonne verklagen“

Harry Gump – Von Mauern, Türmen, Brücken und Wegen
Kleine Geschichte vorneweg: wir haben uns bei einem sehr liebenswerten Halloween-Konzert in Oettingen kennengelernt. An dem Abend spielten noch die famosen Krawehl und die Notgemeinschaft Peter Pan zum Tanze auf. Veranstalter damals war eine Konzertgruppe in der auch Bernd von 30 Kilo Fieber Records dabei war. Ende 2019 hatte ich seine CD mit Textbuch „four chords forever“ hier vorliegen und bin echt hart in Love mit seinem Style.

Es gab eine  Vorab-Single des Songs „Team Gates“
Ich weiß nicht wie schnell man musikalisch reagieren kann auf auf Tages- aktuelles, wenn man nur seine Stimme und seine Gitarre braucht, ist man einer Band da klar im Vorteil!
Wir haben dann ein wenig korrespondiert, zwei Songs landeten auch direkt auf dem Tapesampler #7 der gerad aktuellen Printausgabe der ProvinzPostille. Der erste Song „Stimmen aus den Trümmern“ versprüht diese melancholische Lebensfreude, die ich bei den meisten Singer-Songwritern so sehr mag.

Und in all dieser Lebensfreude steckt eine ganze Menge ernst gemeinter Kritik. Die ganze CD ist also per se liebenswert!
Ich muss gar nicht weiter über die ganzen anderen Songs sprechen. Das ist gut!

Ein paar Songs gibts mit Percussions,  verschiedenen Instrumentierungen,  man lernt vor allem einen ganzen Haufen Leute kennen, die mit ihm musizieren, die Harry so über die Jahre „eingesammelt“ oder schon ewig kennt….
Da steckt viel Freundschaft drin, gebt Harry unbedingt mal euer Gehör!

Kalter Stern – s/t CD

Zum Abschluss dieser CD-Runde komme zu Kalter Stern aus Mönchengladbach. CD ist selbst betitelt, Weiß und Grau gehalten, Bella Park Records dem Label für „unlabelbares“. Na da bin ich ja mal gespannt.

Mäandernd, New-Wave, Sound-Experiment, selbst gemachte Beats, lyrische Träumereien. „Die letzten Hüftbewegungen des Sommers“ sind der Spruch im Innenteil der Hülle.

fass was an
trink was aus

Minimalistische Soundformationen, umkreist von Worten. „Ein Riese“ ist Erinnerung an Einstürzende Neubauten. „Kennen sie eine Merle“ so hiess es damals im Text, jemand den Tracktitel dazu?
Regelmäßiges überfordert sein, zwischenzeitliches Zwangsjackengefühl aus dieser Musik nicht mehr heraus zu kommen. Aus diesem Song nicht mehr ausbrechen zu können; und dann bricht der Song ab.
Plötzlich.
Wie ein Dada-Gedicht.
Insgesamt sind es 10 Stücke, die auf der CD-R eingebrannt wurden. Als ich ein zweites Mal durch bin stellt sich ein recht kurzweiliges und  abwechslungsreiches musikalisches Schaffen dar. Die Songs oft „ineinander gesteckt“, manche sehr ruhig und dichterisch, und manche etwas unruhiger, mit nem Beat, verzerrten Gitarren; man kommt fast in die Versuchung zu sagen „auch tanzbar“, leicht unterkühlt.
Kalter Stern trifft mit dem Namen tatsächlich um den Nagel auf den Kopf. Mir fehlt es ein wenig an der Emotion, der Energie, der ich folgen kann. Eventuell bin ich halt von eher dem heissen, schwitzigen Punkstern, der seine Pogorunden dreht.
Insgesamt trifft das Wort „außergewöhnlich“ es wohl am besten.
Am Werke waren hier Herr N. und Herr F.

 

review: SNACKWOLF – appetizers 7inch

SNACKWOLF   auf eiligen 45 RPM kommt die vier-Track-Single „appetizers“. Erschienen bei einem meiner Lieblingslabels, weil vielfältig, 30 Kilo Fieber Records.

Zu hören bekommt ihr vier „Appetithappen“ des muikalischen Könnens dieser Band aus Stuttgart. Melodischer Hardcorepunk mit viel Spielfreude und auch viel Abgeklärtheit. Man spürt, daß das Quartett schon in einigen Bands gespielt haben muss. Mit dabei ist, wir kennen uns schon ein paar Tage, Flo am Bass, der auch bei den famosen Ludwigsburgern von KUBALLA am Start ist. Von den andern weiß ich leider nicht sooo viel. Gitarrist Rainer gab im letzten OX-Fanzine (Numero 151) ein Interview, eventuell erfahrt ihr dort mehr. An den Drums kloppt Hesse (doch doch… ich kenne ihn von PLANET WATSON, yeah, es ist mir wieder aus den grauen Zellen gefallen), Jonas zupft die andere Gitarre. Singen tun irgendwie alle. Mal mehr, mal weniger. Auf der FB-Seite gibts als Info nur „Snacks, Drugs and Rock’n’Roll“. Den Spaß haben sie groß geschrieben, für weinerliche DeproDüsterPunx ist das hier nichts, haha! Das konnte man schon Anfang Juno bei ihrer Releaseshow im Livestream beim Juha-West in Stuttgart mitverfolgen: Top Sound und viel Spaß.

Ich hatte mir den „Siebenincher“ mit einem Klasse Mundschutz („care bundle“) bestellt auf dem „snackwolf“ steht. Jaha, das ist mal großartiges Merchandise. Der Name passt und ist funktional. (keine Ahnung, was ich meine….)

Kurze elf Minuten. Zu haben bei Bandcamp.