fanzine: trust #236 /01 feb/mrz 26

Ein schneller Überblick über die akutelle Ausgabe, bevor schon wieder die neue in den Briefkasten flattert. Und ein schneller Tipp: ein Abo ist da echt super, bin auch äußerst selten am Bahnhofskiosk zu finden.

Das TRUST Numero 236 hab ich nu endlich durch.
Das Cover ist mal wieder echt lustig, da es so wirkt, als wäre der Grafiker*in in einen Monty Pythons / Terry Gilliam – Topf gefallen und würde so die schwarz weiß-Grafik erstellen. Denn das ist das Heft immer: in schwarz weiß.
Inhaltlich bekommt man diesmal folgende Interviewpartener*innen geboten:
Holy Goat Records (dazu später mehr), Rich Kids on LSD (was man prima bei Jan, dem Interviewer, bei Facebook verfolgen kann, wo er so ist; und er ist ja auch immer total stolz, an all diese musikalischen Orte zu gehen und seine Interviews zu führen. Einzigartiger Kerl!), Wick Bambix (kurz und knackiges Interview, wahnsinns Frau, cool!), dazu eine mir bisher gänzlich unbekannte Band (was mir beim Trust öfter mal passiert: 6 Bands, ich kenne keine) namens The Penske File – huch, nach dem Reinhören dachte ich: kann ich schnell wieder vergessen – dazu alte Huntington Beach Haudegen T.S.O.L. plus die yugoslavische (jetzt kroatische) Band Paraf, die in Zeiten Tito’s schon aktiv waren und nun wieder oder immernoch; nach 41 Jahren wieder ein neues Album. Krass.
Solang damals die Texte nicht gegen den Staat gerichtet waren, durfte man Punkmusik machen und auch so rumlaufen.

Also Holy Goat Records erzählt aus dem Nähkästchen. Er arbeitet Vollzeit, fährt Bands durch die Gegend, macht das Label als Vollzeithobby. Ist schon echt viel zu tun. Dazu wird mit viel Energie die Aufmachung der Platte oder MC hergestellt.
Was ich mag ist, dass auch der Interviewer ein paar ergänzende Dinge mit dazupackt, zum einen, um die Antworten zu komplettieren, zum andern macht es das Gesamtbild gehaltvoller.

Der Reiz an dem Heft ist schon oft das Unbekannte. Um dann in den Reviews endlich Platten zu finden, die man kennt, gehört hat, und eventuell auch sein Eigen nennt!
Schönste Review dieser Ausgabe, und ich meine das Ernst, große Liebe an Marianne, die ein grandios ehrliches, sechs-Sätze-Review geschrieben hat und endete mit: „es wirkt zufällig, ziellos und uninspiriert, ich hatte keine Freude an diesem Release.“
Manchmal muss, darf man einfach ehrlich sein, ich denke mir das oft und lasse es nur durchscheinen, zwinker.
Vielleicht, Marianne, bist du mir Vorbild für Sachen, die noch kommen!

Ich finds ne gelungene Ausgabe. Lesepflicht.

LP: stress – stress

jo, ist ne Weile her, dass ich diese wunderbare Platte von Stress zugeschickt bekommen hatte.
Dazu kommt dann noch eine erste, wenn auch manchmal recht oberflächliche, Recherche, wer die Band ist, wo sie herkommt, etc.
Schwierig. Ich musste bei Bandcamp ein wenig blättern, um sie zu finden und im Netzt findet man halt einfach auch 16841 andere Bands, die so heißen.
Hach.

Und erst jetzt merke ich also, was ich bis jetzt verpasst habe: eine hammergute Platte der Band Stress aus Rostock.

Die selbstbetitelte, 12 teilige Schallplatte überrascht mich total. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass da so Deutschpunk drauf ist.
Joah, ist das auch, aber: Stress machen einen super Spagat in den Postpunk, haben tolle Hooks am Start. Wahnsinn. Ich bin fassungslos begeistert!

Die Gitarre ist furztrocken, ein wenig Hall, spielt Chrischan, und die Bassistin Dani singen jeweils gemeinsam oder im Wechsel. Manchmal blitzt da sowas wie Horrorpunk durch, keine Ahnung, ich ringe eben auch etwas nach Worten.

„blase“, „sarg“ und „frei“ sind hammergute Songs.
Ersterer könnte in den 80ern von die Ärzte geschrieben worden sein. Dani, Basssolo, und dann kommt der englische Refrain. Fuck my life ist der gut!
„we gonna die one day – i did it yesterday“
Düsterer geht es in „sarg“ zu, klar. Kratzige Stimme, wavige Basslinie, erinnert mich ein wenig an Dr. Dexter (gibt es leider nicht mehr und sehr lokale Band aus Magdeburg).

Wenn Dani singt wirds richtig melodisch.
Jetzt fällt mir ein, an was mich der Schriftzug von Stress erinnert: diese Platte von Schrappmesser.
Das Artwork, ein Männchen mit einem Haufen (Impf?) Nadeln im Kopf ist sehr minimalistisch, finde genau das im Kontrast zu dem fetten Schriftzug aber total gut!
Leider gibt es echt sauviele Bands, Interpreten, die Stress heißen. Da werden sie wohl nicht so wirklich zur Kenntnis genommen werden können.

Stress kommen aus Rostok. Haben die Songs selbst aufgenommen. Mix und Master von Peter Schade und erschienen via Abbruch Records. Ein Brandenburger Label was die Antifschistische Fahne hochhält; und den Punk lebendig!

Der letzte Song ist ein schöner Rausschmeißer „2bu“ (to be you).

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

konzert: ea80 & SØWT in weinheim

Seit ich in Heidelberg wohne, fällt ab und an mal der Name Café Central, eine Konzertlocation in Weinheim. Für Einwohner*innen Heidelbergs gut erreichbar mit dem ÖPNV.
Um den Jahreswechsel scrollte ich also auf der einschlägigen Homepage, vielleicht gibt es was interessantes im Programm, um das Café Central mal zu besuchen. Neben überwiegend für mich weniger interessanten Veranstaltung sprang mir dann das EA80 Konzert ins Auge: legendenumwobener Düsterpunk mit Kultstatus aus Mönchengladbach? Geschwind buchten .na, .a, .k und ich uns vier Tickets.

Als dann das betreffende Wochenende näher rückte, sprangen auch noch .s und i. mit auf den Zug auf und mit ebendiesem ging es dann nach Weinheim.
.na, .a und .i sind drei Drittel der Band Future Problem und wir kennen uns alle aus dem Umfeld des Carousel Heidelberg. Dort fand am dem Abend eine sehr reizvolle Gegenveranstaltung statt, mit Laxisme, Peitschen und den City Boys aber man kann halt nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

In Weinheim machten wir noch einen Abstecher ins Lotus, zeichens Gastronomie mit asiatischer Küche und stärkten uns für das bevorstehende Konzert. Über dem Restaurant prangt das dazugehörige Schild, das aber offensichtlich fehlerhaft produziert wurde: Der mehrfach abgebildete Name ist an prominenter Stelle statt „LOTUS“ als „LOSTUS“ buchstabiert worden. Der Hersteller hat jedoch weder seinen Kunden aus der Gastro noch den Auftrag verloren, auch wenn sich das so liest. Stattdessen wurde im Nachhinein mit schwarzem Lack der Schriftzug verbessert, jetzt steht da „LO TUS“. Der Laden ist komplett voll mit Gästen und das verwundert nicht, die Miso-Suppe beispielsweise ist überdurchschnittlich schmackhaft.

Das Café Central liegt ebenfalls nicht weit vom Bahnhof und ist ein wirklich schmucker Laden. Grundsolide Immobilie mit großem Treppenaufgang. Als wir in den Konzertraum kommen, fangen gerade søwt an zu spielen. Der Auftritt und die Musik wirken sehr hochgestochen doch trifft uns nicht so ganz ins Herz, wie wir alle in den Gesprächen nach dem Konzert gemeinsam feststellen. Während des Auftritts wurden immer wieder irgendwelche Gitarren ausgetauscht und herumgetragen, teils mehrere gleichzeitig, naja… Das Café Central ist wild dekoriert und dennoch nicht klebrig, das alte Gebäude hat wirklich Charme und ist sehr geräumig. Die Belüftungsanlage wird von uns dankend angenommen, das Team hinter der Theke legte sich wirklich ins Zeug, die durstigen Besucher mit Getränken zu versorgen – Hut ab und vielen Dank an der Stelle!

Wir sind alle keine Kids mehr, aber zogen, wie bereits erwartet, den Altersdurchschnitt an dem Abend herunter. Und auch als Grüppchen, hälftig verteilt auf dem Geschlechterspektrum, brachen wir den Status quo an dem Abend etwas auf, denn es waren wirklich hauptsächlich alte weiße Männer anwesend. Viele Typen, die keine Gelegenheit auslassen, sich mit ihrer Plauze zuerst an dir vorbei zu drücken, in Situationen in denen man sich auch verbal oder durch ein kurzes Antippen bemerkbar machen könnte. Aber gut, vielleicht ist das für diese alten Kerle eine seltene Gelegenheit, etwas menschliche Nähe zu erfahren und mit dem Main Act gab es ja auch noch etwas fürs Herz. Denn ich habe EA80 an dem Abend als überaus gefühlvolle Band erlebt.

Zuletzt und zum ersten Mal habe ich EA80 am 3. Juli 2015 im Zakk, in Düsseldorf gesehen. Mein damaliger Bandkollege .s hat mich damals von Rastatt aus mitgenommen, das war ne lange Fahrt für einen Abend. In Erinnerung geblieben waren mir u.a. die sturzbachähnliche Aussprache des Sängers, die alten, teils ziemlich kaputten Gäste und mein erster EA80 Tonträger.
„Das da, das ist ein gutes Album“, schwupp, hatte ich die „Schauspiele“ auf für mich damals unfassbar fettem Vinyl erstanden. An dem Abend wurde auch eine Nachpressung von „Gladbach soll brennen“ mit dem Feuerlöscher Piktogramm auf dem Cover und der angekokelten Schutzhülle verkauft, damit die Band sich, zuvor durch Dritte zerstörtes, Equipment ersetzen könnte.

Heute, 10 Jahren später, kenne ich zumindest ein paar Lieder mehr, auch wenn ich die Band echt nicht häufig höre. Umso geiler war es dann mit dem zweiten Lied in Set „Fort von Krank“ aus voller Kehle mitsingen zu können. Ich stand mit .k und .a ganz vorne links, um den anderen Leuten die Sicht nicht zu versperren und gleichzeitig selber was zu sehen. Dort traf ich prompt auch noch auf .c und .f, die sich auf den Weg von Offenburg gemacht hatten und die ihr vielleicht von ihrem Auftritt mit den Bands Ghettotonne und Monuments to Misery kennt (Wir berichteten: „Konzert: Fatal Brutal, Monuments to Misery, Biene Banal, Ghettotonne @ Ballonfabrik Augsburg„). Wir standen also alle dicht gedrängt und EA80 hauten einen Knaller nach dem anderen raus: „5×4“, „Gugging“, „Licht“- bei letzterem rief der Sänger, Junge, „LICHT!“ und der Song brach los. Und der Saal tobte.
Der Frontmann vermittelt eine unglaubliche Energie, man hat den Eindruck, das er die Texte nicht nur aus dem Gedächtnis singt, sondern dass er jedes Wort auch so meint und fühlt. Mal ganz nuanciert und auch immer wieder komplette Ausraster, mit Grimasse und Kontrollverlust. Dabei wirkt das ganze immer völlig authentisch, das ist keine „Show“, das wirkt echt.
Und auch das ganze Zusammenspiel der Band ist dermaßen direkt und deutlich. Selbst wenn man am Anfang mal das Gefühl hatte, dass es zwischendurch etwas holpert, haben ausgerechnet genau diese Passagen einen großen Emotionsreichtum. Als wüchsen Blumen aus den Lücken zwischen den Takten.
Kurz darauf schaltet der großväterlich anmutende Schlagzeuger in einen anderen Gang und drischt die tighten Punkbeats nur so runter, während sein Mund die Gesangstexte mit formt. Es ging teilweise dermaßen nach vorne; die Kompositionen, also das Zusammenspiel und der Klang der Instrumente funktionieren bei EA80 wirklich gut. In den Liedern liegt eine Einfachheit und Klarheit, ohne beliebig zu werden und mit großem Wiedererkennungsfaktor. Ob es der gutaussehende Herr am Bass ist, oder der gestandene Leadgitarrist – die Parts sind ikonisch in ihrer Schlichtheit, Klassiker-Material vom ersten Ton an.

Nach etwa drei Vierteln des Sets wird es mir vorne sprichwörtlich zu heiß, ich verdrücke mich kurz Richtung Toiletten. Ich bin die großen Treppen schon fast unten, da stürmt ein älterer Herr mit geschorenem Kopf hinter mir her, ruft etwas. Ich drehe mich fragend um, ziehe den Gehörschutz raus. Er erreicht mich begeistert am unteren Treppen-Absatz. Mein „Frankenstein“ Patch auf der Jeansjacke sei so super! Wow, danke lieber Unbekannter im Café Central, wie herzlich ist das denn?!

Das restliche Set stehe ich dann hinten im Konzertraum, sage nochmal .fi kurz Hallo, die sich ebenfalls auf den Weg aus der Metropolregion Rhein-Neckar nach Weinheim gemacht hat. Sie hat EA80 schon damals 2012 im JuZ in Mannheim gesehen.
Die Zeitspannen der Band sind wirklich schwindelerregend. Ein weiteres Jahrzehnt zurück, in den frühen 2000ern, habe ich erstmals als junger Teenager von EA80 im Boardstein Magazin gelesen, das ich mit einer Reihe anderer aussortierter Skateboard Zeitschriften von einem Nachbarn bekommen hatte. Der Autor beschrieb den Kultstatus und die Mysterien um die Band, sowie den Kommentar seines Kollegen, „Bring dich aber nicht um, okay“, der wohl Bezug auf die Düsternis des Düsterpunk nahm. Apropos Mysterien: EA80 spielten an dem Abend im Café Central eine Zugabe, was sie, so wurde es mir damals von den alten Hasen zugetragen, im Großteil der Bandgeschichte strikt unterlassen hätten. Erst in der jüngeren Vergangenheit gab es wohl bei den Auftritten Ausnahmen von dieser Regel, was die alte Gerüchteküche um die Band weiterhin am brodeln hält.

Bei mir war indessen dann so langsam der Ofen aus. Wir machten uns zurück auf den Heimweg mit dem Zug nach Heidelberg, .s und .i machten wohl sogar noch einen Abstecher ins Carousel. Ich hingegen begab mich so schnell in die Falle wie ich konnte, um dann aber wohl ausgeruht noch das restliche Wochenende mit in dem schönen gemeinsamen Abend zu schwelgen. Vielen Dank an euch alle und bis zum nächsten Mal!

(Anmrk. von Felix.: habe ein paar Fotos der Show bei FB gefunden. Bitteschön)

LP: pillhuhn polka – gestern heute morgen

Huch, was kommt denn da auf den Plattenteller geflogen?
Pillhuhn Polka? Wasn ditte?

Warum bekomme ich eine Oi-Platte zugeschickt. Aha, Riot Bike Records hat mir die geschickt, aha, jetzt auch nicht sooo das Label für Oi-Musik. Na bei soviel Aha, da überrascht die Musik vielleicht ja auch „aha“.

Wie ich dem Labeltext entnehme haben sich um Che, dem Bassisten der Band, 2023 neue Bandmitglieder gesammelt um gemeinsam das Projekt Pillhuhn Polka zu starten.
Der Bandname stammt von der Kneipe, in der die drei Herren und eine Frau (Claudi, spielt Gitarre“) nach Proben pflegen sich ein Oi zuzurufen und ein paar Bier in die trockenen Kehlen zu zischen.

Ehrlich gesagt ist die Platte immer weiter nach hinten gerutscht im Stapel, muß ich ja nicht gleich hören; aber irgendwann, dann kommt der Moment. Muss ja. So kommt jeder Moment. So zack. Da isser und den wird man nicht mehr los.
Ich gehe zum Kühlschrank, rufe Oi und habe ein Bier in der Hand.
Dann zum Plattenteller, lecker Oi hören.

Es ist herzerwärmender Oi! Toll. Ich habe echt Freude daran.
Manches ist mir in der ganzen Spiellänge zu gleich, doch ich kenne eine Menge Menschen, die genau das mögen.

Guter, rockiger, Midtempo-Bereich, es rockt so vor sich hin. Allerdings klare Kampfansagen. Klar, geht es um Saufen, Fußball, OI (!), Arbeit, Lieder von der Straße, darum, Menschen zu treffen und Bier zu trinken. Wenn du kein Arschloch bist, bist du auch soweit akzeptiert.
Also diese Grundhaltung passt sehr gut zu mir und meinem Bier.

Pillhuhn Polka haben eine klare Haltung gegen Sexismus, gegen Faschismus und all die andern schönen Dinge, die die Rechten nicht mögen.
Von „unpolitisch“ sind Pillhuhn Polka weit entfernt, was ich sehr gut finde, denn diese unpolitischen Bands sind es, die einfach dumm sind. Eine Haltung zu haben gehört zum Leben, wie das Bier in der Hand.

Pillhuhn Polka kommen aus Darmstadt.
Ihr Platte kommt in schwarz, kommt mit einem sehr gut lesbaren Textblatt, wobei man die gegröhlten Texte doch auch sehr gut verstehen kann. 12 Songs.
Gebt dem Mal ne Chance!

PS: das Pillhuhn ist eine Comicfigur (Pilly) aus den 70er (link!) und die Band spielt glücklicherweise keine Sekunde Polka sondern Oi.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: sons of sadism – skatebrigade marl

Hab die Sons of Sadism aufgelegt.
Der Sänger auf dem Cover sieht schon mal voll nach 80s/90s aus.
Und ein bisschen was hatte ich in meiner Bubble schon gelesen, viel nach dem Mott „ey geil, dass das endlich mal raus ist“
Bei Sons of Sadism (SOS) handelt es sich um eine Skate-Punk-Band aus dem schönen Marl. Wer nicht weiß wo das ist: hier. Und sie machen einen fast schon typischen Sound, der die amerikanische Gangart zugrude legt: melodisch, thrashig, schnell, aber auch sehr Bassmelodie-orientiert.

Nun, diese 21 Songs auf der LP starten mit ihrer, nach der Band benannten, Hymne an „s.o.s.“.
Power it up – Records hat hier eine Discografie zusammengetragen, die eine EP, ein paar Samplerbeiträge und Liveaufnahmen enthält.
Soweit so unspecktakulär; denn, eine Menge Sachen werden in den letzten Jahren re-released, unheimlich viel ist dabei, was schon damals nicht wirklich bei den Leuten angekommen ist. Sei es durch wenige gespielte Konzerte oder durch Verbreitungsmöglichkeiten.
Das kann ich nicht nachvollziehen.

Die Band Sons of Sadism wollte auf jeden Fall die vorherrschende Punkszene in Marl und Umgebung mit ihrer Musik quasi „erhellen“. Vieles war gewalttätig geworden unter den Punk. Vor allem im Norden der Republik nahm damals das „schneller, lauter, härter“ Rufen bei den Konzerten stark zu.
Blutpogo und Gewalt abseits der Konzerte nahm zu.
Einiges ist in den Linernotes noch nachzulesen.
Coole Anspieltipps sind „million“ und „psychopathen“, die, denke ich, ganz gut den vielfältgen Sound und das Songwriting widerspiegeln.
Auch sind die Songs immer wieder in krass unterschiedlichen Längen, von 30 Sekunden bis über 3 Minuten ist alles dabei.
Beim ersten Durchhören, muss ich gestehe, wusste ich manchmal nicht, in welchem Song ich bin. Sie sind auch recht knapp „aneinandergepappt“ auf Vinyl; sprich, die Pausen sind sehr kurz zwischen den Songs.

Die Poster und Flyer, die ich im Booklet sehe sind so gar nicht außerhalb von NRW, was eben zu meiner Annahme führt, dass Sons of Sadism gar nicht so viel getourt sind. But who knows.
Jede Menge anderer Storys und Photos im Booklet.

Vinyl kommt in schwarz (diese Version) oder auch auf Gold – die gibt es direkt beim Label Power It Up.
Plus 12 seitigem Booklet. Eingeschweißt.

PS: diese schöne Review erscheint auch von mir beim Vinyl-Keks.

PPS:
Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

MC: blut + eisen – feiertag

Die Band habe ich nur wahrgenommen durch nen Kumpel, der mir immer wieder erzählte wie geil die Platte und die Konzerte in den 90ern waren.
Nun, die Band ist wieder da, yey!
Erste Rechercheergebnisse zeigen: es waren die 80er! Und dieses markante Cover der „schrei doch“ LP von Blut + Eisen hat euch sicherlich auch schon mal aus einer Plattenkiste angegrinst!

Soweit so gar nichts. Ich weiß es nicht. Also Mal schnell das Black Cat Tape(s) in den Kasi geschoben, auf 12 gedreht und:
in Teilen hat sich die Band wieder zusammen getan und darum gibt es auch ein wenig Zores. Ohne jetzt despektierlich sein zu wollen: hey – das ist Punkmusik, die 40 Jahre später wieder in neuer Besetzung spielt – egal! Hauptsache gute Musik!
Einigt euch, dass muss ja nicht enden wie bei Black Flag.

Was ist denn da auf dem Tape drauf?
13 Songs, 6 davon Liveaufnahmen aktuelleren Datums. Lion Crew und Black Cat Tapes als Coop-Release, Liz Illustrations hat da ein schönes Covermotiv gezaubert und los gehen die Hooks, die durch die Boxen ballern.
Jo, zügiges Tempo der Band Blut + Eisen, Hardcorepunk.
„abgefackelt, abgeschottet, piep“ ein wahrlich lustiger Song.
Die Band ist sehr gut eingespielt. Das ein oder andere Soli passt da tatsächlich gut rein, die Sängerin hat ne ordentliche Röhre, die hängen bleibt. Und die andern: ey, die brettern mit einem richtig guten Tempo durch die Songs, dass die alten Pogomuskeln wohl ordentlich auf der Tanzfläche ausgeschüttelt werden müssen.
Für selbstgemacht ist das ein echt tighter Release.

 

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: kurz vor der sonne – triskaidekaphobie (13 jahr später)

Ein kryptischer Titel, aber es beginnt ja alles mit dem Bandnamen.
Kurz vor der Sonne, einer Verbrennung 4.ten Grades sicher, ist ein schöner Bandname. Allerdings auch so überhaupt kein Hinweis darauf, was denn das für Musik sein könnte.
Ich darf ehrlich gestehen: ich las den Namen Rodi in der Beschreibung und wusste, dass ich seine Stimme mag, die Art, wie er Musik macht, und damit stand fest, dass ich das hören muss!
Nur der Titel, alter…. Klären wir das also gleich. Die Triskaidekaphobie ist ein sehr umständliches Wort (aus dem griechischen) für die Angst vor der Zahl 13. (Ich hab ja die Koumpounophobie)
Funfact: Eine Auswertung von Krankmeldungen der Jahre 2006 bis 2008 ergab, dass an solchen Freitagen drei- bis fünfmal so viele Arbeitnehmer krankgeschrieben sind wie im Durchschnitt (Quelle Wikipedia)

Der Inhalt sind 13 Stücke mit Rodi’s zartem Stimmchen, welches bei 100 Kilo Herz hart fehlt (sry guys).
Kurz vor der Sonne leuchtet seine Stimme wieder in schönen, entspannten bis wütenden Songs; wobei seine Wut immer eine lyrische ist.
Wenn man also eine Triskaidekaphobie hat, sollte man diese Platte nicht hören, weil sie 13 Jahre später 13 Songs auf einer Platte hat. Aber keine Angst, da ist nur gute Musik zu hören. Vielleicht hätten sie die Platte 12+1 nennen sollen, dann würden sie die 13er nicht ausschließen?!
Die Band, die diese Songs vor 13 Jahren schon eingespielt haben, gibt es schon lang nicht mehr. Sie passen in meiner Sammlung ganz gut zwischen Hannes & Akki und SchrengSchreng & Lala. Oder den vor wenigen Tagen reviewten Attila Reißmann.
Im Begleitheft lese ich fleissig mit. In LP-Größe liegt es der Platte bei und hat soooo große Buchstaben, dass ich meine Lesebrille nicht brauche, puh!
„wieder am gleis“ ist voller Gedanken zu dem, was passiert ist, es geht alles vorbei, es kommen Dinge zurück oder wieder. Es gibt Räume, in denen man sich trifft; es geht um Freundschaft.
Hach, wie ich das mag. Mir fällt das nicht so leicht über Freundschaft zu sprechen, das Gute daran, auch das weniger Gute. Eine solch ehrliche Stimme gibt mir das Gefühl, mitgenommen zu werden.
Und ja, es ist in gewisser Weise auch ein düsteres Album, beschreibt Ängste, versucht sie in Worte zu fassen. Wenn die Welt also vor 13 Jahren dunkel war, ist sie heute nicht noch düsterer geworden? Eventuell deswegen alles in Rosa? Wegen der rosigen Zeiten, die man haben kann oder könnte?

Aber hej, die andern bei Kurz vor der Sonne sind auch zu erwähnen. Barby gibt manchen Stücken noch eine tolle weibliche Stimme! Mit Ian (E-Gitarre) und Pauli (Drums) verfollständigt sich diese Band, die es inzwischen auch live zu sehen gibt!
Zwischen Akustik, Melancholie, Freundschaft und Punkrock ist alles drin, was eine gute Platte ausmacht.

Bakraufarfita Records. Schöne Aufmachung im Inside-Out-Cover. Rosa als Grundfarbe, so auch das Vinyl. Plus das erwähnte Booklet.

 

PS: diese Review ist schon beim Keks erschienen.

 

PPS:
Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

 

MC: dirk and the seconds – fix it (now)

Mal anders rangehen: ich starte das UND die Aufnahme mit meinem Gequatsche gleichzeitig. Quasi ein abgetipptes Unboxing.
Dirk and the Seconds heißt die Band. „fix it (now)“ präsentiert sich durch ein Cover mit einem Hund, der bellt und in der Mitte durchgeschnitten ist. Witzig.
Sehr übersichtlich. Auf der Innenseite präsentiert sich zwar nicht der „Schneider“ dafür aber de Gejagte!
„special one“ ist ein nicer Garage-Song, habe aber schon lang kein gewöhnlicheres Solo gehört.
„too young“ erinnert mich an einen Song aus den 80ern.
Dirk and the Seconds machen da einen recht coolen Garage-Song draus, der englisch angehauchte Wave, der da drin steckt macht eine gute Gesamtstimmung.
Dann brauche ich zwei, drei Songs, da mir die Melancholie gut gefällt. Strg-Z haben ein ganz klasse Album in diesem Stil rausgebracht. Weniger Gargage als Dirk and the Seconds – dennoch einen kleinen Vergleich wert,
und der Sänger hat eine etwas roughere und leidendere Stimme!
Der mit Frauenstimme versehene Titeltrack „fix it“ ist in seiner poppigen Hook der Banger auf der Seite eins; und dazu noch kurz und knackig!
„insanity“ ist ein Midtempo, welches die Band gerne mag.

All in all eine kurzweilige Garage-Veröffentlichung.
Erschienen via Black Cat Tapes.

 

LP: V-Mann Joe – Berlin, Anfang der 90er

Als erstes MUSS ich zwei Sachen loswerden:
erschtens (Badisch): V-Mann Joe waren auf ihrem Demo (1990) NIE besser! Ich mag zwar die „Freundschaft, Feindschaft, Liebe, Hass und Streit“ (1992), doch da haben sie schon an den Songs rumgedoktert… Einiges noch schneller gespielt… Das ist nicht immer gut!
zweitens: könnt ihr ganz viel nochmal nachhören im Plattenschau Podcast Folge 4. Felix spricht mit Joe.

Hier liegt nun also eine Compilation einiger Songs von ihren beiden LP’s „Freundschaft, Feindschaft, Liebe, Hass und Streit“ und „Verrat, Verrat“  (1993) vor.
Lion Crew Records (ein recht junges Label aus Erfurt) und Sterbt alle Records (auch recht jung, aus Hamburg) haben sich zusammengetan und V-Mann Joe endlich mal online gebracht. Diese Youtube-Hörerei ging wohl nicht nur ihnen auf den Sack! Das behaupte ich jetzt einfach mal.
Klar kann man sich direkt fragen, ob die 80er Jahre Punkbands nun endlich alle durchgekaspert wurden auf Vinyl und nun auch die 90er Bands dran sind: ja, aaaaber!

Ist mir egal. Hier find ich’s voll richtig. Platten lange vergriffen, bzw. die „Verrat, Verrat“ ist nur auf CD erschienen. War wohl schon die Zeit, in der auch Punks komplett auf dieses Medium umgestiegen sind.
Das hab ich auch versucht, diesen Versuch musste ich aber auch unternehmen, weil es einfach to-tal geile Mucke nicht mehr auf Vinyl gab, die scheiß-CD’s aber genauso teuer.
Ich war dann seeeehr glücklich über Napster.

Wie auch immer: „berlin, anfang der 90er“ ist eine Compilation aus den ersten beiden Platten „freundschaft, feindschaft, liebe, hass und streit“ und „verrat, verrat“ und die beiden Labels Lion Crew Records und Sterb Alle Records haben sich der Sache angenommen.
Und hej: sie starten sofort mit den ersten Knallern, die damals auch schon auf dem Demo waren „jung schwul verliebt“, „geil (sachsen stürmt), „durchgedreht“, „ewigkeit“, „der strandmeister“

Jeden dieser Songs würde ich sofort nachspielen, zwinker!
V-Mann Joe (inoff. FB-Seite) haben damals durch ihre straighte Spielweise bei den Drums un die wahrlich abwechslungreich gespielten Gitarrenriffs, mich musikalisch total abgeholt.
Der Gesang ist melodisch und nicht zu eintönig deutschpunkig, die Lyrics handeln von andern Themen oder formulieren Themen anders, als es die meisten Deutschpunkbands damals machten.

Was ich mich aber schon damals fragte, und heute beim „nachhören“ wieder bemerkte: warum haben sie die Songs noch schneller gespielt? „der strandmeitser“ zum Beispiel. Der War auf dem Demo schon echt schnell und richtig gut. Auf Platte dann mehr Melodie und schneller gespielt – für mich machte das den Song nicht besser!

Von der „verrat, verrat“ sind dann die Songs „mr. staatsfeind nr.1“ und „tiger“ sowie die damals neu aufgenommen Stücke „wahre liebe“ (demotitel roland), „dein ideal“ (demotitel durchgedreht).
Was mir schon zeigte, dass die Band wusste, was für gute Stücke sie geschrieben hat – allerdings dann musikalisch sich in neue Richtungen entwickelte. Da kam dann auch eine quasi Reggae-Version von „geil“ bei rum. Außerdem verlockte die CD zur Längeren Spielzeit von knapp 54 Min auf der „verrat, verrat“

Ich bin sehr froh, dass hier eine Compilation zusammengestellt wurde.
Die ist toll im Gatefoldcover aufgemacht, alle Lyrics, paar Bilder, drei verschiedene Vinylfarben.
bekommt ihr hier (gelb) und hier (blau) und hier (rot).

Denke drüber nach, das Demo nochmal zu veröffentlichen. Auf Tape, versteht sich.
Was denkt ihr?

video: the lamplighters – november was white, december was grey

boah – eeeewig nix gehört, dann klingelte das Telefon!
Enno von den „lampi’s“ ruft bei mir durch und erzählt von Video und jeder Menge neuer Songs, die als 7inches statt als LP rauskommen.
Yeeees.
Dazu dann eine Videopremiere, in die ich gestern Abend reingeschaut habe!

Songs erstmal:
Etwas ruhiger, als ich die Lamplighters (aus Köthen) in Erinnerung habe starten sie mit diesem Song. Eine Ballade. Eine Ballade mit Dampf, wie sich nach dem Intro herausstellt.
Ist ein guter Song!
Irgendwo zwischen Hot Water Music und Social Distortion, mit ner guten Emo-Kante.

Video:
Die Lamplighters haben sich ein schönes Setting gebaut, eine Ballerina eingeladen und einen Lametta-Vorhang.
Ick hab nüscht auszusetzn.
Mit Hardcore WorldWide haben sie sich offensichtlich auch die richtige Platteform ausgesucht, das Video zu veröffentlichen, da gehen die Clicks gleich mal nach oben!
Viel Erfolg und ich freu mich auf die 7-Zöller.