MC: blut + eisen – feiertag

Die Band habe ich nur wahrgenommen durch nen Kumpel, der mir immer wieder erzählte wie geil die Platte und die Konzerte in den 90ern waren.
Nun, die Band ist wieder da, yey!
Erste Rechercheergebnisse zeigen: es waren die 80er! Und dieses markante Cover der „schrei doch“ LP von Blut + Eisen hat euch sicherlich auch schon mal aus einer Plattenkiste angegrinst!

Soweit so gar nichts. Ich weiß es nicht. Also Mal schnell das Black Cat Tape(s) in den Kasi geschoben, auf 12 gedreht und:
in Teilen hat sich die Band wieder zusammen getan und darum gibt es auch ein wenig Zores. Ohne jetzt despektierlich sein zu wollen: hey – das ist Punkmusik, die 40 Jahre später wieder in neuer Besetzung spielt – egal! Hauptsache gute Musik!
Einigt euch, dass muss ja nicht enden wie bei Black Flag.

Was ist denn da auf dem Tape drauf?
13 Songs, 6 davon Liveaufnahmen aktuelleren Datums. Lion Crew und Black Cat Tapes als Coop-Release, Liz Illustrations hat da ein schönes Covermotiv gezaubert und los gehen die Hooks, die durch die Boxen ballern.
Jo, zügiges Tempo der Band Blut + Eisen, Hardcorepunk.
„abgefackelt, abgeschottet, piep“ ein wahrlich lustiger Song.
Die Band ist sehr gut eingespielt. Das ein oder andere Soli passt da tatsächlich gut rein, die Sängerin hat ne ordentliche Röhre, die hängen bleibt. Und die andern: ey, die brettern mit einem richtig guten Tempo durch die Songs, dass die alten Pogomuskeln wohl ordentlich auf der Tanzfläche ausgeschüttelt werden müssen.
Für selbstgemacht ist das ein echt tighter Release.

 

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

MC: dirk and the seconds – fix it (now)

Mal anders rangehen: ich starte das UND die Aufnahme mit meinem Gequatsche gleichzeitig. Quasi ein abgetipptes Unboxing.
Dirk and the Seconds heißt die Band. „fix it (now)“ präsentiert sich durch ein Cover mit einem Hund, der bellt und in der Mitte durchgeschnitten ist. Witzig.
Sehr übersichtlich. Auf der Innenseite präsentiert sich zwar nicht der „Schneider“ dafür aber de Gejagte!
„special one“ ist ein nicer Garage-Song, habe aber schon lang kein gewöhnlicheres Solo gehört.
„too young“ erinnert mich an einen Song aus den 80ern.
Dirk and the Seconds machen da einen recht coolen Garage-Song draus, der englisch angehauchte Wave, der da drin steckt macht eine gute Gesamtstimmung.
Dann brauche ich zwei, drei Songs, da mir die Melancholie gut gefällt. Strg-Z haben ein ganz klasse Album in diesem Stil rausgebracht. Weniger Gargage als Dirk and the Seconds – dennoch einen kleinen Vergleich wert,
und der Sänger hat eine etwas roughere und leidendere Stimme!
Der mit Frauenstimme versehene Titeltrack „fix it“ ist in seiner poppigen Hook der Banger auf der Seite eins; und dazu noch kurz und knackig!
„insanity“ ist ein Midtempo, welches die Band gerne mag.

All in all eine kurzweilige Garage-Veröffentlichung.
Erschienen via Black Cat Tapes.

 

LP: V-Mann Joe – Berlin, Anfang der 90er

Als erstes MUSS ich zwei Sachen loswerden:
erschtens (Badisch): V-Mann Joe waren auf ihrem Demo (1990) NIE besser! Ich mag zwar die „Freundschaft, Feindschaft, Liebe, Hass und Streit“ (1992), doch da haben sie schon an den Songs rumgedoktert… Einiges noch schneller gespielt… Das ist nicht immer gut!
zweitens: könnt ihr ganz viel nochmal nachhören im Plattenschau Podcast Folge 4. Felix spricht mit Joe.

Hier liegt nun also eine Compilation einiger Songs von ihren beiden LP’s „Freundschaft, Feindschaft, Liebe, Hass und Streit“ und „Verrat, Verrat“  (1993) vor.
Lion Crew Records (ein recht junges Label aus Erfurt) und Sterbt alle Records (auch recht jung, aus Hamburg) haben sich zusammengetan und V-Mann Joe endlich mal online gebracht. Diese Youtube-Hörerei ging wohl nicht nur ihnen auf den Sack! Das behaupte ich jetzt einfach mal.
Klar kann man sich direkt fragen, ob die 80er Jahre Punkbands nun endlich alle durchgekaspert wurden auf Vinyl und nun auch die 90er Bands dran sind: ja, aaaaber!

Ist mir egal. Hier find ich’s voll richtig. Platten lange vergriffen, bzw. die „Verrat, Verrat“ ist nur auf CD erschienen. War wohl schon die Zeit, in der auch Punks komplett auf dieses Medium umgestiegen sind.
Das hab ich auch versucht, diesen Versuch musste ich aber auch unternehmen, weil es einfach to-tal geile Mucke nicht mehr auf Vinyl gab, die scheiß-CD’s aber genauso teuer.
Ich war dann seeeehr glücklich über Napster.

Wie auch immer: „berlin, anfang der 90er“ ist eine Compilation aus den ersten beiden Platten „freundschaft, feindschaft, liebe, hass und streit“ und „verrat, verrat“ und die beiden Labels Lion Crew Records und Sterb Alle Records haben sich der Sache angenommen.
Und hej: sie starten sofort mit den ersten Knallern, die damals auch schon auf dem Demo waren „jung schwul verliebt“, „geil (sachsen stürmt), „durchgedreht“, „ewigkeit“, „der strandmeister“

Jeden dieser Songs würde ich sofort nachspielen, zwinker!
V-Mann Joe (inoff. FB-Seite) haben damals durch ihre straighte Spielweise bei den Drums un die wahrlich abwechslungreich gespielten Gitarrenriffs, mich musikalisch total abgeholt.
Der Gesang ist melodisch und nicht zu eintönig deutschpunkig, die Lyrics handeln von andern Themen oder formulieren Themen anders, als es die meisten Deutschpunkbands damals machten.

Was ich mich aber schon damals fragte, und heute beim „nachhören“ wieder bemerkte: warum haben sie die Songs noch schneller gespielt? „der strandmeitser“ zum Beispiel. Der War auf dem Demo schon echt schnell und richtig gut. Auf Platte dann mehr Melodie und schneller gespielt – für mich machte das den Song nicht besser!

Von der „verrat, verrat“ sind dann die Songs „mr. staatsfeind nr.1“ und „tiger“ sowie die damals neu aufgenommen Stücke „wahre liebe“ (demotitel roland), „dein ideal“ (demotitel durchgedreht).
Was mir schon zeigte, dass die Band wusste, was für gute Stücke sie geschrieben hat – allerdings dann musikalisch sich in neue Richtungen entwickelte. Da kam dann auch eine quasi Reggae-Version von „geil“ bei rum. Außerdem verlockte die CD zur Längeren Spielzeit von knapp 54 Min auf der „verrat, verrat“

Ich bin sehr froh, dass hier eine Compilation zusammengestellt wurde.
Die ist toll im Gatefoldcover aufgemacht, alle Lyrics, paar Bilder, drei verschiedene Vinylfarben.
bekommt ihr hier (gelb) und hier (blau) und hier (rot).

Denke drüber nach, das Demo nochmal zu veröffentlichen. Auf Tape, versteht sich.
Was denkt ihr?

LP: kaput krauts – vom feeling her ein scheißgefühl

Das wird ja aber auch Zeit, dass ich diese schöne Platte der Kaput Krauts aus dem Jahre 2025 endlich mal bespreche.
Denn: ihr müsst sie hören, sie ist sehr gut!

Die Band hat sich ein wenig verändert. Sie haben zwar immer noch dieses herausragend, leicht chaotisch wirkende, oder nennen wir es „lebendige“, Songwriting, garniert mit Samples, und man manchmal gar nicht weiß, wo ein Song beginnt, und wo er aufhört.
Nach diesem chaotischen Satzbau jetzt mal Klartext:
Autotune geht gar nicht.
Bei „zwischen mir und ich“ gelingt ihnen ein kleines Kunststück in einem hochmelodischen Song, Knaller!
Und wer sich fragte was „in girum imus nocte et consumimur igni“ ist: ein lateinisches Palindrom, welches wohl die Motten heraufbeschwört, die sich ums Kerzenlicht drehen und dann verbrennen.

Nach der ersten Seite ist auf jeden Fall ein weiteres Mal klar, das die Kaput Krauts eine melancholisch melodische Punkband sind, die ein untrügliches Gespür dafür hat geile Hooks spielen und diese dann haarklein zerlegen kann, ohne sie kaputt zu machen!
Die Texte voller alltäglicher Sinnlosigkeiten, die zerpflückt werden und sich auch in neuen Wortschöpfungen ergießen: Verlusterfahrungsgewinn.
Ich denke, das geht nur im Deutschen, wegen unserer Art Hauptwörter aneinanderzureihen und dann auch noch zusammenzuschreiben. Verlust und Gewinn in einem Wort. Sehr gut. Danke!

Und ehe ich mich das versehe, ist die Platte durchgelaufen, ich habe die Band inzwischen im Oktober 2025 bei mir im Club live gesehen, und Kaput Krauts spielen sich mit dem letzten Song, dem Titeltrack, „vom feeling her ein scheiß gefühl“ in Rage!
Ein paar Coops im Gesang gibt es.
Schöne Platte. Schlichtes Artwork.
Texte auf der Innenhülle. Meine Platte ist Pink, gibt’s glaub auch in Schwarz. zB bei flight13.

Nach 13 Jahren also ein neues Album. Kleinere Veränderungen gab es auf jeden Fall; und sind doch geblieben, wie sie sind: abwechslungsreich!

 

LP: cold summer – den umständen entsprechend

Ist ja noch gar nicht so lange her, da hatte ich die Kassette und die 7inch endlich hier besprochen, da haben die viel tourenden Cold Summer schon einen neuen Release draußen! Es ist immer noch kein Release in Albumlänge auf „den umständen entsprechend“, und dennoch mal eine 12 inch!

Ich nehme vorweg, dass mir der Gesamtsound, die Mischung, wesentlich besser reinläuft, als beim 7-Zöller.
Das schlichte Artwork gefällt mir „den unständen entsprechend“ gut.
Auf der Rückseite die Songtitel schön in den Shriekdraat eingebaut, die Rückseite der Platte überigens besiebdruckt.
Das die 5 Songs nicht auf eine 7inch passen, haben sie die einseitig bespielte EP hier rausgebracht.

Und es beginnt eisig. Denn der „kalte sommer ist zurück“ („grau“) und es ist sicher nicht nur in Leipzig (wo die Band herkommt) kälter geworden. Und die wütende Enttäuschung nehmen Cold Summer von der Straße auf die Gitarre und eben jene Worte, die sie auch dort eingesammelt haben, werden ins Mikro gebellt.
Wo Cold Summer anfangs eher postig waren, etwas düsterer, ist nun mehr Hardcore, straightere Breaks und einem durchweg abgehackten Gesang.
Die Texte sind nicht repetitiv, sie sind sehr ausfühlrich und explizit.
Und was in „grau“ noch mehr umschrieben wird (kalter sommer, beton, grau, keine aussicht) wird in „permafrost“ dann sehr genau:

Ihr habt es nicht vergessen
Ihr habt es nur verdrängt
Kein Schlussstrich unter eurem Fundament

Brandmauer, Brandstifter
Ein Schatten fällt auf das Land
Zu Grabe getragen und beerdigt
Was nie verschwand

Es gibt keinen Anfang, den es zu wehren gilt. Die Verbrechen von damals wurden weggewischt, es wurde nie ein Schlussstrich gezogen. Danke. Ja!

Auch „spätkapitalismus“ stellt die große Frage nach dem Wohin!
„grenzzaun“ ist so krass ehrlich und direkt!
Manchmal vermisse ich solche direkten Texte erst, wenn ich mal wieder eine Band wie Cold Summer auf dem Plattenteller liegen habe.
Also eigentlich nie.
Ich finde es richtig gut, dass sie sich nicht hinter verzerrten Gitarrenwänden und Blast-Beats verstecken, sondern eine klare SPrache sprechen, die man sehr gut verstehen kann!

Die Waffen sind versteckt im Keller,
Ganz tief unten wo sie keiner sieht.
Nazis planen den Umsturz
Und im Osten tobt ein Krieg
Und junge Liberale schaffen den Sozialstaat ab.
Die Zeit hier was zu ändern, sie wird knapp

Einzig: ein wenig mehr Emotion in der Stimme würde noch ein bisschen mehr reißen!
Sehr schöner Release von Kink Records und It’s Eleven Records. Deutsch-Deutsche Zusammenarbeit, jawoll! Völker vereinigt euch.
oder so.

05

 

7inch: kalte zeiten – 2025

Mich erinnert Anfangs der Sound von Kalte Zeiten an irgendeine Band. Der Gesang… ob ich da noch drauf komme?
„Drei Akkorde Vergangenheitsbewältigung“ startet also tatsächlich für mich in irgendwelchen Gehirnwindungen, die unter dem Teppich der Neuzeit verschwunden sind. Klar, Mönchengladbach und Tischlerei Lischitzki!
„alte werte“ fand ich ein wenig hinkend, was vermutlich an der Double-Base liegt.
Bei „irgendwo auf den Feldern“ hab ich sofort Stefan Mahler im Gehörgang, der auch ein sehr Variantenreiches Trommelspiel an den Tag legt. Ähnlich hier.

Abwechslungsreich, ein wenig flotter, als die meisten Deutschpunkbands, düsterer, und alles hört sich nach selbst gemacht an!
Kalte Zeiten sind eine Mannheimer Band, die es wohl seit den 90ern gibt. Also auf über 30 Jahre Bandgeschichte zurückblicken.

Wer auf wirklich urigen Deutschpunk steht, der auf (fast) jedem Deutschpunksampler zwischen 1988 und 1996 Bombe funktioniert hätte, sollte ohne Bedenken zugreifen!

Kalte Zeiten sind bei einem, wenn man in den Backkatalog reinschaut, absolut passendem Label: Sterbt alle. Dort gibt’s die 7inch in zwei Varianten.

 

fanzine: plastic bomb #134

Wenn ihr das lest, bin ich schon ein paar Tage wieder zurück aus meinen Ferien und fütter den Äther wieder mit Buchstaben, belebe diesen Blog.
Ich habe die Haustür aufgemacht und eine Ladung Magazine lag in der Post. Druckfrisch, sagt man.
Unter anderem auch das Plastic Bomb, dass ich an dieser Stelle mal wieder erwähnen möchte, weil es mir, ich nehme das vorweg, direkt Spaß gemacht hat, es zu lesen!

Zuerst lese ich tatsächlich mal das Vorwort von Ronja und Ronny, da ich online schon gesehen hatte, dass sie ihr Gen Y Doku-Projekt abgeschlossen haben.
Und je mehr ich lese, ich bin ja aus dem Filmgeschäft (schneide ja auch selbst die Clips meiner Band und auch mal von anderen Bands), desto mehr kann ich jedem Wort darin einfach mal beipflichten! Ja, es ist ein waaaahhhnsinn, den man sich mit einer Doku antut!
Mit Flo Opitz (Dokumentarfilmer) hatte ich mich ja in Ausgabe 11 unterhalten, auch der kann das bestätigen!
Man gibt erstmal unheimlich viele Stunden da rein. Sei es Recherche, Interviews, Vorbereitungen, oder am Ende erstmal sein ganzen Geld, weil man an die Sache, die man da machen will, felsenfest glauben „muß“. Sonst klappt’s nicht.
Mein alltertiefsten Respekt haben sie dafür, egal wie die Doku geworden ist, zwinker. Erstmal herzlich beglückwüscht zur erfolgreichen Beendigung dieses Mammut-Projekts!

Dann bin ich auf das Thema KI und Plattencover gestoßen. Und als ich dann von Punks’n’Banters den Beitrag entdeckte, entschloß ich mich, einen neuen Beitrag dazu in meinem Blog aufzumachen.
Wenn fertig, dann poste ich ihn natürlich.
Erstmal der Link zu FB.
Zurück zum Plastic Bomb, ihr merkt, das Thema ist auch bei mir angekommen und beschäftigt mich, in dem sich Ronja mit einigen Bands auseinandergesetzt hat, die KI für die Artwork-Gestaltung genutzt haben. Nun sucht sie nach Pro- und Contra-Argumenten, die aus dem vorhandenen Material entstanden sind. Ebenso hat sie die Bands direkt auch gefragt, wie die Bands KI in der Musik nutzen.

Bei dem Thema bin ich also erstmal hängengeblieben. Ronja hat da schon genügend Punkte, Aspekte zusammengetragen, um sich „ein Bild“ zu machen.
Also ich fand die beiden Themen absolut spannend und anregend. Danke.

Die Rezi zu „tanz auf dem vulkan“ fand ich absolut zutreffend. Und finde es selbst ein tolles Buch, meine Rezi kommt noch!
Berlin 2.0 wiedermal in einem Heft im Interview, sie werden echt ganz schön durchgereicht. Interview inhaltlich ein wenig anders als bspw im Trust, das war gut so!
Briefbombe – saucool!
Bericht „punx with depression“ von Brösel, bin ich gespannt drauf, den les ich noch. Arrested Denial, die Platte hat mir gar nicht gefallen, so habe ich das Inti übersprungen.

Wo sind den die 21st Century Punks hin? Schade, aber gibt es wirklich so wenige junge Menschen 😉
Durchweg gute Nummer, die #134!

Ihr bekommt das Heft natürlich einzeln oder im Abo im Shop.

MC: apéro – cold drinks, cool snacks

Ob ich das Tape besprechen möchte? Tommy macht tolle Sachen. Ein ständiger Garant für gut gespielten, witzigen, fantasievollen, lärmigen Punk!
In diesem Falle ein bisschen weirdo.
Bei Apéro hat er (allein bestimmt nicht 😉 ) diesmal die ätzendsten Instrumente der Rockmusik „i like rock“ (sure?) zusammengebracht, um daraus das zu machen, was gerade hier läuft.
Egg Punk ist in dieser schnelllebigen Punkrockzeit ja schon fast tot. Wäre da nicht Apéro!
Drums vom Computer, Synthie und ne leiernde Matschepappe-Gitarre und verzerrtem Gesang.
Ich nehme mal vorweg, dass es eine Kunst ist, erstmal hart extrem an jedem Effekt, den man benutz, ganz dolle auf die 10 zu gehen, um dann einen Gesamtsound daraus zu malträtieren. Anspieltipp ist „pony rehab“.

Von Anfang wird das gekrönt direkt mit dem „tribute to apéro“ – eigentlich wollen sie ja gar nichts mit uns machen „All I want to do – Is nothing with you“. Was nicht der einzige Tribut beliebn wird, sie haben auch noch einen tributischen Stinkefinger für Dwayne Johnson im Gepäck, und einen für Neil Young, ich glaube, sie mögen ihn nicht.
Im Grunde hauen sie in jedem Song textliche Kleinode infantilen, fast schon Dada-istischen Humors raus.
Man meint, dass die Lyrics erstmal gar nicht wirklich was sagen, aber dann kommt der Oneliner, der alles weggkickt, ohne einmal „fuck you“ zu sagen.

11 Songs in 12 Minuten. Yeah.
Raus bei Rilrec.

MC: tttturbo – modern music

Viele T’s stehen im Bandnamen. Was machen sie dort?
Ganz witziges Tape der Band TTTTurbo, welches ich von It’s Eleven Records zugesandt bekommen habe.
Allerdings fürchte ich, ich muss die Review über Verneinungen erzählen.
Beschreibung sagt „modern sound“ und ist Bubblegum-Synth-Pop. Zwischendurch auch mal etwas garagig. Durch den Gesang, den man gar nicht versteht auch eventuell ein wenig punkig. Egg Punk.
Allerdings ist der Sound in den Songs sehr unterschiedlich. Lauter, mal leiser. Zuerst dachte ich, mein Tapedeck ist im Arsch. Aber nein.
Es leiert.
Es könnte t-t-t-t-urbogut sein, wenn die Band nochmal hingegangen wäre und den No-Fi in etwas höhere Soundsphären gehoben hätte.
TTTTurbo gehen so Richtung NDW und das kann echt gut werden!
Aufmachung ist in schwarz-weiß so ne Art Geisterschloß.

It’s Eleven Records.

7inch: front – verlierer

Bei „verlierer“ denke ich eigentlich an DT from USA.
Aber hier geht’s ja glücklicherweise um Musik.

Front sind back on Vinyl. Lange Pause gewesen für die Band.
Bei 200 km/h bin ich Nachts auf der Straße unterwegs, brauche Musik. Was Zuckendes!
Und gleich kommt so 80’s Style Aggro-Mucke. Diesen nöligen Gesang hab ich echt vermisst.
Der erste Song heißt „verlieren“ und geht nicht ums verlieren, sondern das wir uns verlieren. Es ist zappelig! Ja!!! Und zieht sich über 5 Minuten.
Das Intro lässt an „eisbär“ von Grauzone erinnern, sobald die Gitarre ihren Stakkato-Rhythmus anstimmt, ist die schnörkellose Apokalypse da.
An diesem Punkt ist Front einfach total geil, auch die zweite Seite ist sogar noch ein wenig flotter.
Die Frage, die ich mir allerdings stelle ist, warum das Schlagzeug klingen muß, wie ein Pappkarton.
Schöner Off-Beat auf der Gitarre „ich ich ich“ schön nölig, yeah. Es waren sehr coole 8 Minuten.
Und wenn ihr was sucht, was so New-Wave-Post-Punk ist, dann seid ihr bei Front richtig. Es gibt so viele Bands, die haben dieses „punk“ mit in ihrer Genre-Beschreibung und sind so poppig – unerträglich.
Hier wird dir musikalisch in die Suppe gespuckt, aber auch vor die Füße.

Erschienen bei DreiLabel. (sterbt alle)
Front – verlieren