LP: duesenjaeger – solaire

Lange habe ich mir Zeit gelassen, die kleine Tour verpasst; ja, irgendwie war ich ein bisschen müde, nachdem ich Duesenjaeger in Freiburg und im P8 Karlsruhe gesehen hatte.
Es ist dann doch recht oft der selbe Stiefel an Tempo, der durchgedrückt wird. Da schau ich mir dann doch auch mal ne neuere Band an.

Und an diesem Punkt überrascht die neue EP von Duesenjaeger dann doch!
„solaire“ bringt fünf neue Stücke auf zwei Seiten verteilt.
Letztes Jahr aufgenommen, komplett fertig gestellt und schon zur Tour im Oktober käuflich zu erwerben.
Das tat ich via flight13.

Mit „kantholz“ legen sie mit einem Song los, der gut auf jeder Platte vorher hätte schon stattfinden können. Auch die Snare und Basedrum haben so einen Signature-sound, der halt eben das Klangbild von Duesenjaeger ausmacht.
Die Melancholie mochte ich immer sehr.
Die Weiterentwicklung findet, wie bei andern Bands, die da immer groß drüber sprechen, hier nicht statt. Es sind eher Nuancen, kleine Schlenker, die ein paar Nuancen Grau herausarbeiten (ein Bezug auf das Covermotiv).

In Punkto Riffs „dekadenzdisko“ denke ich eher an Manowar, wäre da nicht der typische Gesang und die Melodie auf der Gitarre.
Bis hier hat sie mich also noch nicht, die Platte.
„niemandsland“ ist ein Song gegen Krieg, der mit wenigen Worten das umschreibt, was auch ich denke!
Auf Seite zwei sind nur zwei Stücke, „am ende“ noch bei 3 Minuten, während sie mit „solar“ dann knapp an die 7 Minuten rangehen. Ein echt besonderes Riff, was eine Drehung im Riff hat, die man nicht gleich nachvollziehen kann.
Find ich richtig gut!
Doch ja, die zweite Seite gefällt mir echt gut.
Und es ist nun wirklich nicht die Überplatte 2025 gewesen. Ich habe aber auch das Gefühl, dass das Duesenjaeger gar nicht sein wollen! Auch das ist gut so!

Erschienen bei myruin. Ich habe die schwarze Variante, passt zum Artwork sehr gut. Gibt es in verschiedenen Farben in Kleinstauflagen zu haben.
Es sind von einigen älteren Releases neue Pressungen erhältlich!

MC: vier – rastatt hardcore

Ich hab die Farewell-Show verpasst. Hach…
Nun hab ich aber das Tape vorliegen und mit Freude immer wieder durchlaufen lassen.
Vier machen nicht da weiter, wo ihre ersten beiden Releases (eines auch bei Krachige Platten) aufgehört haben, nein, es gibt ein paar Nuancen mehr zu hören!

Vier Songs auf dem Vier Tape. Hehe.
Man merkt schnell die Weiterentwicklung, den guten Mix aus diversen Genre. Teilweise erinnere ich ich sofort an die ersten Screamo-Bands, Mitte der 90er eher Emo-Hardcore, oder als wären Vier des fiese, böse Zwilling von Lypurá, die gegen Vier eher Sonnenschein-Screamo machen.
Vier ist düster, dreckig, lauf und irgendwie nicht hörbar. Und ich meine das nicht im Sinne von nicht ANhörbar!
Verzweifelt, düster, beginnt „the blood i shed“. Hart und simpel, fast schon Prügel-Hardcore.
Ihre Hits hauen sie aber im eher punkigen Genre raus. „silhouettes“ ist total geil!

In 8 1/2 Minuten hauen sie vier klasse Songs raus.
Ich like die Band hart. Hoffentlich nicht „possibly their last“.

Dadurch das die Drums nicht richtig fett gemischt sind, der Bass präsent, dennoch weiter weg, die Gitarre minimalistisch und der verhallte, gekreischte Gesang: da bleibt am Ende eine spürbare Atmosphäre. Das ist echt spannend!

50 Tapes, diy. Get it on Bandcamp:

LP: schweinehaufen – unter aller sau

Im Sommer 25 war ich 3 Monate in Erfurt zum arbeiten, ein wenig Zeit auch im Thüringer Wald bei Friedrichroda.
In Erfurt habe ich es dann an einem frühen Abend in einen Plattenladen namens Woodstockrecordstore in dem ich mir eine aktuelle Platte von einer Erfurter Punkband habe andrehen lassen.
Irgendwie kam ich nicht mehr dazu, mir sie direkt anzuhören, aber ich habe es getan und bin echt begeistert:

Unglaublich viele lustige Ideen, mal abgesehen vom Bullenschwein, in Punkto „was kann man mit dem Wort Schwin so alles anstellen“ sind hier verewigt, vor allem in den Lyrics.
Das könnt ihr euch selbst mal anhören!
Hatte kurz vorher noch die neue Kaput Krauts angehört und muss sagen: da gibt es Ähnlichkeiten. Schweinhaufen sind nicht ganz so an irren Ideen im Soingwriting interessiert, es geht schon oft geradeaus, dennoch: guter Sound, Energie und Songwriting, lebendige Lyrics obendrauf!
Der Song „chat“ ist wohl das klare Statement, warum die Band selbst auch weiterhin online nur über ihre Homepage zu erreichen sein wird.
16 Songs sind es insgesamt.

„neue ideen“ ein Anspieltipp und lyrisch ist das hier:

es stinkt nach pisse und verrat
kevin muss ins bällebad

…ist definitiv der Satz des Albums, wenn nicht des Jahres.
Danach folgt der wohl beste Track „Spazierstöcke zu Pflugscharen“.
Inhaltlich wie musikalisch ein Volltreffer, was Deutschpunk kann!
DxBxSx machen ja auch ordentlich Schweinrock im Punk, was nun Schweinhaufen auch tun. Etwas mehr Deutschpunk isses schon. Was mir aber echt gefällt, sind die Beatwechsel, bzw das eben-nicht-stumpfe-Ufta-Geknüppel.
Dazu ein echt guter Sound.
„dreck“ ist auch so ein Hit und die zweite Seite fetzt irgendwie noch ne Spur mehr, als die erste!

Selbstproduziert. Gibt es beim Schweinehaufen. Mit Lyricsheet.
Songs gibt es dort auch alle.
Online sonst nicht zu finden!

LP: 100 kilo herz – hallo startblock

Erster Eindruck der neuen 100 Kilo Herz – Platte ist, dass die Band einfach gut ist und dass das ein fantastischen Album ist.
Gepaart mit dem Festival-Pack (welches ich geschenkt bekommen haben – zum reviewen bekam ich das transparente Vinyl mit Gatefold-Cover) ist die Platte ein totaler Hingucker. Das Inside-Out-Cover mit dem Schwimmbad vorndrauf ist, wie dann auch das 12″-Booklet total übersichtlich und struktuiert.
Durch den neuen Sänger haben sie halt echt ihre Reibeisenstimme verloren und sind nun eher poppig, weil richtig gut gesungen.
„mit dir“ ist mir einen Hauch zu süß.
Die Songs sind alle einwandfrei geschrieben und produziert.
Das „klick“ am Anfang der Platte, bei dem man fühlt „ey, das sind 100 Kilo Herz“, das stellt sich über all die Songs bei mir nicht ein.
Alles schöne Hymnen im Sinne der Band, die mal gemeinsam startete und sich verändert hat.
Gute Hooks, die Geschichten, die sie in den Texten erzählen, sind immer noch sehr greifbar!

„Hallo Startblock“ ist vielleicht im Titel eine kleine Andeutung vom …but alive – Cover zu „Hallo Endorphin“ ?

Bakraufarfita Records.

 

buch: Jakob Schrammel Geisler – wir konnten nicht anders

Jakob „Schrammel“ Geisler hat ein neues Buch raus.
Viel Recherche, viele Seiten, schweres Ding; in mehrererlei Hinsicht.
Es dreht sich um Gewalterfahrungen in der subkulturellen Szene von 1979 bis in die 90er Jahre. Protagonist*innen aus Ostdeutschland erzählen, teils sehr offen und direkt, was ihnen passiert ist. Es geht um Opfer wie auch Gewalttäter!

Als Schrammel war ein zweites Mal bei Dreck unter den Nägeln Podcast (Link unten). Zudem ist er den (hoffentlich) meisten bekannt wegen Heldenstadt Anders e.V. und seinen verschiedenen Publikationen.

Schrammel erwähnt in dem Podcast, wie krass ihn die Geschichten, die er sich angehört hat – er ist überall hingefahren und saß jede*r/m gegenüber – teilweise mitgenommen haben.
Grafisch ist das Buch oft ein Hingucker, da viele kleine Zeitungsauschnitte, Flyer oder Fotos verteilt sind. Man bekommt dadurch einen guten Zugang. Vieles kennt man ja aus der Szene, den Look oder andere Bands, die erwähnt werden. Als westdeutsches Punkerkind der 90er habe ich das ein oder andere damals schon wahrgenommen.

„Der freie Fall der Mauer“ ist ein knackiges, einen sehr guten Einblick gebendes Vorwort.
Die Ostdeutschen selten in rasanter Geschwindigkeit fest, dass in den Geschichtsbüchern der DDR Bullshit über die Nazi-Zeit stand. Und das man unheimlich viel nachholen durfte.
Auf der andern Seite halt „…67% unter den Lehrlingen befürworten rechtsradikale Positionen. „Deutschland den Deutschen“ und immerhin noch 46% den Satz „Ausländer raus“.“
(Zentrales Institut für Jugendorschung Leipzig 1990)
Wenn man da also eine Linie nach heute zieht, und das soll nicht verhamrlosend klingen, haben es diese Jugendlichen damals offensichtlich nicht geschafft, ihr Leben auf die Ketten zu kriegen, sondern diesen ganzen Scheiß mitgenommen. Daher die Gefahr von Rechts. Die Verläge und Parteien, die gegründet wurden und teilweise wieder verschwunden sind, nie aus den Köpfen verschwunden sind.

Einmal mehr lernt man von Menschen, die tief in der Szene stecken oder steckten, dass die Antifa keine Organisation ist. Keinen gemeinsamen CEO haben. Sondern eine Szene ein Mikrokosmos ist. Jede ist da ein bisschen für sich. Man hängt da nicht zusammen.
Irgendwer war in Leipzig gewesen und konnte mir, sofern es ihn nach Baden-Baden verschlug, eine Story von dort erzählen. Eben nur aus dem Mikrokosmos, der dort stattgefunden hat.

Exemplarisch nehme ich mal die Geschichte von Wurschtel, der zu einem Oi/Sharpskin wurde.
Und die geht unter die Haut. Aus dieser Spirale der Gewalt kommt man so einfach nicht raus, wenn man da mal drinsteckt.

Das was ich hier also schreibe ist kein Review. Es ist eine Kaufempfehlung für ein echt hartes Buch. Ein wahres. Ehrliches.
Gewalt ist nie eine Lösung. Sich aber verprügeln zu lassen, weil es eine Gegenseite gibt, die permanent durch die Gegend zog, was machst du dann: dich wehren!

 

Buch gibt es bspw. bei Black Mosquito. Erschienen bei Calypso. Ich glaube, ich hatte es direkt bei Schrammel bestellt: Heldenstadt Anders.

 

 

7inch: tag ohne schatten /w trust issues – split

Die Split 7inch von Trust Issues und Tag ohne Schatten liegt endlich auf.
Die beiden Bands kennen sich und haben es im Oktober 2024 gechafft, sich auf einen Gig zu treffen und daraus ist dann dieses Projekt der 7inch entstanden.
Beide Bands je zwei Songs. Und beide Bands sind mir im Grunde keinen Unbekannten, ich wollte die schon lang mal auschecken.

Trust Issues:

Der erste Song bringt klassischen Punkrock mit ner melodischen Note. Danach kommt „empty the tank“. Erinnert mich ein wenig an die „eating glass“-Zeit von den Spermbirds. Total gut. Emocore/Hardcore mit 90s Dischord-Vibe.
Zwei Sogs, die im Grunde nicht unterschiedlicher nicht sein könnten.

Tag ohne Schatten
(bei BC leider nicht zu finden)
Die mich sofort an KUBALLA oder LITBARSKI erinnern. „010er Emo-Sound mit viel Herz und Melodie. Sofort sympathisch.
„dämmerung“ könnte auch auf einer Scheibe von GRIZOU stattgefunden haben.
Ich hoffe, ich haue hier genügend gute Vergleich zu Bands, die hier öfter mal erwähnt werden raus.
Zieht euch die 7inch rein, gutes Ding!

Das ansprechende Cover ziert ein zweiköpfiges Teenager-Tenniskind mit einem kleinen Elefanten, die eine große Fliege füttern. Auf der Rückseite kämpfen der nun groß gewordenen Elefant gegen die Fliege.

Die 7inch gibt es in magenta und in grün.
Gibt es zum Beispiel bei Elfenart!

MC: primeval path – manx loagthan

Komplizierter Titel, den die Band Primeval Path da auf Kassette gepackt hat. Allerdings spuckt die Suchmaschine gleich das Passende aus: es ist eine Schafsorte, die nur auf der Isle of Man lebt.

Via Mörtel Sounds bekomme ich das Tape.
Das Cover ziert also ebenjenen Schafsbock, der zu dieser Art gehört. Dazu, abgesehen vom Tape, ein FCK AFD Schlüsselanhänger. Cool!
Sechs Songs des Dark-Wave-Trio aus Köln sind auf dem Megnetband zu hören.
Primeval Path überraschen mich mit ihrer Art! Dark Wave mit Drumcomputer, der irgendwie auch das „post“ noch hörbar hat, wäre aber zu viel gesagt. Mehr Gitarren als Synthie, was mir grundsätzlich auch schon sympathisch ist.
Die ersten beiden Songs „extacy“ und „nacht“ finde ich spannend und cool, weil sie auch ein gutes Tempo haben. „empty feelings“ ist dann schon etwas düsterer und reduzierter. Mit „cold kills“ weht ein Hauch Western über die Gitarre. Das könnte so ein post-apokalyptischer Western sein, in dem auch „execution“ als Soundtrack läuft.
Der letzte Song „automatic“ punktet nochmal voll mit dem super Bassriff. Büschn schräger Synthie drauf, der Laune macht.
Einzig, was mich kalt erwischt, ist dieser verzerrte Gesang. Der sich in keiner Sekunde ändert und den ich auch kaum verstehen kann.

80 Tapes bei Moertel Sounds. Inzwischen dort ausverkauft. Vielleicht gibt es noch einen Mailorder, der das hat.
Aufjedensten mal anchecken:

LP: Dr. Drexler Project – neoliberale kackscheiße

Das Interessante am Dr. Drexler Project ist, dass es tatsächlich ein Projekt ist!
Daniel von Elfenart hat mir das zugeschickt und ich darf mir das anhören und es euch empfehlen; und das will ich gerne tun.
Die Haptik schon mal: gelbes Cover mit roter Innenhülle und schwarzes recycling Vinyl „für mehr Untergangsstimmung“. Was ein Service – wie geil ist das denn bitte!
Booklet wir Muff Potter oder Turbostaat.
Volle Punktzahl für alles, was ich aufgezählt habe!

Eine Aufforderung ist, dass wir auf den Trümmern der „schwarzen Null“ tanzen sollen – oder tun wir das nicht ohnehin?
Der Bass ist das vorantreibende Instrument, woran man ganz klar den 70S / 80s Sound raushört, sehr toneig, sehr mittig. Ein bisschen Synthie, Gitarren drüber und ein Sprechgesang; welcher allerdings nicht ganz so repetitiv ist, wie man das aus ebenjenen Jahrzehnten noch im Ohr haben könnte.
Denn es gibt eine Menge zu erzählen, loszuwerden.
Gesellschaft kaputt, Niedriglohnsektor der beste in Europa.

Innerhalb vierer Jahre, 2020 bis 2024 (vermutlich als Corona-Projekt gegründet), in unregelmäßig im Albert Matong Atelier traf und musizierte. Pro Abend ein Song, wenn er steht: aufnehmen und First Take nehmen.
Das funktioniert soweit sehr sehr gut!
David Jahnke, Bruno Tenschert, Moritz Illner und Maximilian Wörle sind das Dr. Drexler Project.

Altbau Kernsaniert, das ist die deutsche Geschichte, die die Deutschen gut finden.

Aktuelle Themen wie „Tesla abfackeln“, es geht um Stadtbeton, Leerstand und und und.
Bester Satz am Schluß:

Im Internet habe ich keine Alternative zum Kapitalismus gefunden.
Obwohl das Amazon verkaufen wollte.

Zynismus, den ich gut abkann.
Musik, die nicht ganz so runtergeht wie Öl, eher wie ein Spieß, der langsam und schmerzfrei ins, vom Konsum, gelangweilte Fleisch eindringt, im Inneren sich dann langsam dreht und in Erinnerung ruft, was nie verblassen hätte dürfen.

Elfenart, Paulas Platten und Zanns`s Records.
Pflichtkauf.

Rückschau 2025 – nackte Zahlen pt. 3

Die Zusammenfassung.
Im Grunde nur für mich gemacht, lasse ich euch gerne daran teilhaben.
Das soll keine „schaut mal, wieviel tolle Sachen ich mache“-Schau sein.
Ein bisschen in der Hoffnung, euch zu motivieren, selbst etwas auf die Beine zu stellen!
Die „Szene“, die Kunst, sie lebt davon, dass es Menschen gibt, die Dinge auf die Beine stellen. In einem ganz unkapitalistischen, uneigenützigen Sinn.

Kino
geschaut: 11
gearbeitet: 2

Konzerte
erlebt: 32
selbst gespielt: 18

Reviews
provinzpostille: 97
vinyl-keks: 41

Printzines
Provinzpostille 1

Krachige Platten
Releases: 4

Shop!

Rückschau 2025 – Filmografikus pt.2

Neben all den schönen Konzerten und Menschen, die ich dort treffen durfte, war ich auch noch im Kino.
Hier alle Filme, die ich – oft auch einfach spontan an einem freien Abend – angeschaut habe. Einer ist dabei, den ich auf einem Filmfest anschauen durfte, als geladener Gast.
Ihr bekommt hier also Filmtipps von einem Filmschaffenden, der in sein Brot mit der Organisation für das Filmset verdient.

 

MICKEY 17
Ein grandios aufspielender Robert Pattinson in einer irrwitzigen Rolle, plus irrwitzige VFX-Viecher in einem Science-Fiction-Film, der sich schon sehen lassen kann.
Mark Ruffalo und Tony Collette als total schräges Paar, die die Reise durchs Weltall erst möglich gemacht haben. Jede Menge schräger Situationen in einem Spektakel!
Muss leider gestehen: ist aber irgendwie so gar nicht hängengeblieben, ich hab ihn erst beim Durchforsten der Liste wiederentdeckt!

A WORKING MAN 
Uff. Sehr harte Action, sehr gut gemacht. Der Rest ist einfach nur Bullshit.

EIN PHÖNIZISCHER MEISTERSTREICH
Ich lieb Wes Anderson echt sehr. So nerdig nervig, wie auch extremst liebevoll gemacht, mit einem eigen Auge für den Look, die visuelle Erzählweise, wie auch die minutiöse Beobachtung von Dialogen.
Großartig.
Es gab einige die meinten, er wiederhole sich, alter Schuh, etc.
Nein, jeder einzelne Wes Anderson trägt seine eindeutige Handschrift! Die Nuancen zu finden, die die Filme voneinander unterscheiden – das ist die besondere Herausforderung.

EDDINGTON
Zufällig im Radio von dem Film gehört. Ein paar Tage später in die Schauburg in Karlsruhe gefahren, da er nur dort lief.
Wirklich ein megaguter Cast!
Joaquin Phoenix spielt, wie immer, einfach so unfassbar glaubhaft! Pedro Pascal, wegen dem einige in den Film sind, ist einfach der Typ, man glaubt ihm alles! Dazu Emma Stone, die in kürzester Zeit aus den Fängen der tantakulösen Mutter in die Hände eines Predigers (Austin Butler) fällt.
Setting ist eine kleine Stadt in New Mexico in der sich das ganze Dilemma der Corona-Pandemie, der Proteste, abspielt. Inklusive jeder Menge Spaß an der Sezierung der Soziologie der medial abhängig(gemachten?) Menschen. Am Ende wird einfach alles zerlegt.
Bombe!
Und wenn ihr den besten Witz in der Geschichte der Terrororganisation Antifa sehen wollt: hier bekommt ihr ihn!

DAS KANU DES MANITU
Nicht, dass ich drauf gewartet hätte. Aber den Mut zu haben, nach 20 Jahren nochmal als, wie sie selbst im Film immer wieder andeuten, alte, weiße Männer aufzuspielen, in den selben Rollen, denselben Kostümen, ist schon groß.
Bully hat, als einer der ganz wenigen deutschen Regisseure, ein Gespür für außergewöhnliche Ideen und diese mit ganz viel Liebe umzusetzen.
Klar, das sieht nicht aus wie das 100 Millionen Dollar Kino anderer, aber hej, wer hier rumjammert, der jammert auf echt hohem Niveau.
Deutsches Kino ist deutsches Kino. Warum soll man das nicht sehen?

ONE BATTLE AFTER ANOTHER
Eigentlich hatte ich mit nichts gerechnet. Der Kamermann des damals akutellen Projekts, an dem wir gemeinsam garbeitet haben, empfahl in unserem Regisseur. Also sind wir abends zusammen ins Kino.
Leonardo die Caprio spielt über die Jahre immer besser. Als er jung war, bin ich nicht so mit ihm warm geworden.
Teyana Taylor in Höchstform. Nicht, dass ich sie vorher gekannt hätte, aber wer so eine Rolle so krass gut ausfüllt: Respekt!
Dazu all-time-Fav Benicio del Toro, der mal wieder so einen südamerikanischen Spezialcharakter mimen darf, allerdings ist Sean Penn zum niederknien gut.
Ja, man muss schon ganz schön aufpassen und mitkommen und all die Verrücktheiten auch mal als Humor verstehen, sonst könnte einem ganz ordentlich die Spucke wegbleiben.
Die unterirdische, rechtsradikal klerikale Geheimorganisation…. alter… dazu die beste Verfolgungsjagd mit vier Autos, die ich seit Ewigkeiten gesehen habe.

CYBERPUNK ROMANCE
Ein Film, den ich als Regie-Assistent umsetzen durfte.
Komparsen suchen, gemeinsam mit meiner 2.Assistentin Jessica Martin. Für den Regisseur Joscha Douma.
Da ich den Film an diesem Abend zum ersten Mal gesehen habe, dabei neben Joscha saß, war ich ein wenig aufgeregt. Fast zwei Jahre waren vergangen und nun also ein paar Vorstellungen auf den Biberacher Filmfestspielen.
Ein sehr offenens Publikum, der Halloweenabend, die Vorstellung nicht ausverkauft.
Es geht um Mona, die mit einer Gruppe Leute abhängt, die einen Zugang zu ihren Gehirnen gefunden haben. Das nimmt natürlich eine nicht ganz unerwartete Abwärtskurve, als ihr Freund plötzlich wie sediert daliegt.
Ein Science-Fiction-Film, ohne eine Sekunde in die Zukunft zu reisen.
Ich fand ihn sehenswert!
Und es hat großen Spaß gemacht, den Film herzustellen.
Kinostart im April 2026

THEKENCOWBOYS
Am nächsten Morgen, 11Uhr30, erste Vorstellung.
Kino war ausverkauft. Die Filmemacher auch anwesend. Setting ist eine Trinkhalle. Ein Kiosk.
Und ja, es wird geschossen. Alter, ist dieser Film lustig!
Ich dachte irgendwann „jetzt, jetzt kommt der Schnitt, wo die drei Herren weg von ihrem Kiosk müssen“ – aber nein! Sie bleiben dort.
90 Minuten in einem Motiv und keine Sekunde langweilig.
In der Mediathek der ARD zu finden!

FÜR IMMER HIER
Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, in diesen Film zu gehen.
Überraschend sehr sehr gut gemacht, toll gespielt, und am Ende taucht der Film noch die Realität der Hauptfigur.
Es geht um eine Mutter, deren Mann von der brasilianischen Diktatur entführt wird und nicht wiederkommt. Die Ungewissheit, die Suche; die Kinder, die irgendwie großgezogen werden müssen, in einer Zeit, in der Frauen kein eigenes Geld zur Verfügung hatten.
Ein packendes Drama!
Und ein wichtiger Satz schon im Trailer: „hat der Staat nicht wichtigere Aufgaben, als die Aufarbeitung (der Militärdiktatur)?“ – Antwort der Mutter und Ehefrau: „nein.“

DER SALZPFAD
Ein sehr liebenswert gespielter Film.
Auch eine liebenswerte Geschichte, die visuell auch ganz gut umgesetzt ist. Leider wirkt sie, als wäre sie fürs Zweite Deutsche Fernsehen produziert. Nur von der Story her: es tut wirklich keinem weh.
Dennoch: ein gutes Anschauungsstück für Menschen, die alles verlieren, die sich durchkämpfen. Weitermachen. An sich glauben. Als Paar! Stark.
Eine wahre Geschichte!

 

Und zum Abschluß eine Empfehlung:
19.02.2026 ist Kinostart für
„Sie glauben an Engel, Herr Drowak“.
Ein Film, den ich auch als Regie-Assistent machen konnte, durfte, wollte.
Schwarz-weiß gedreht. Mit einem famosen Ensemble. Magic Reality, Tragikkomödie
Luna Wedler, Karl Markovic, Saga Sarkola, Nikolai Gemel, Dominique Pinon, Thelma Buabeng und Lars Eidinger. Um ein paar zu nennen!